Tausende protestieren gegen Japans Abkehr vom Pazifismus

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      Menschen protestieren gegen Abes geplante Verfassungsreform, 2014 | Flickr © Christian C (CC BY-NC 2.0)



      Tokyo – Am Freitag versammelten sich zehntausende Menschen vor dem japanischen Parlament, um gegen die von Premierminister Shinzo Abe geplante Verfassungsreform zu protestieren.
      40.000 Protestanten fanden sich am Freitag vor dem japanischen Parlament wieder, um gegen Japans Abkehr vom Pazifismus zu protestieren. Den Zeitpunkt haben die Veranstalter bewusst gewählt, denn die japanische Verfassung wurde genau vor 71 Jahren am 03. November 1947 verabschiedet.

      “Nie wieder darf Japan Krieg führen”
      Mit ihrem Protest wollen die Demonstranten ein Zeichen setzen für den “Friedensartikel” in der japanischen Verfassung. Konkret verzichtet Japan nach Artikel 9, dem sogenannten „Friedensartikel“ auf Krieg als souveränes Recht einer Nation, d.h. dass dem Staat das Recht auf Kriegsführung nicht anerkannt wird und dass Japan auch keine „kriegsfähigen“ Streitkräfte unterhalten darf. Das Verbot jeglicher Militarisierung Japans formte die Politik der letzten 7 Jahrzehnte nachhaltig und ist auch gesellschaftlich tief verankert. Die Mehrheit der japanischen Bevölkerung befürwortet die pazifistische Grundhaltung ihres Landes.

      Shinzo Abe will die Rolle des Militärs ausweiten
      Nicht so Premierminister Shinzo Abe, der schon zu seinem Amtsantritt im Jahre 2012 keinen Hehl aus seinem Vorhaben machte, das Militär auszuweiten und die Nachkriegsverfassung zu ändern. Abes Auffassung nach entspreche die Verfassung nicht der einer unabhängigen Nation, da sie dem Land 1947 von der amerikanischen Besatzungsmacht aufgezwungen worden sei. Japan müsse in der Lage sein, sich selbst zu verteidigen und aus diesem Grund will Abe die Verfassung ändern und der Armee die sogenannte kollektive Selbstverteidigung erlauben.
      Nach dem Abes Regierungskoalition am 22. Oktober die vorgezogenen Neuwahlen zum japanischen Unterhaus gewann und der Premier nun auch mit deutlicher Mehrheit vom Parlament für eine neue Amtszeit gewählt wurde, kann er nun Reformen vorantreiben. Besonders sein politisches Ziel einer Revision der pazifistischen Verfassung ist für das Staatsoberhaupt in greifbare Nähe gerückt.

      “Die Verfassungsreform untergräbt unser Vertrauen und unsere Werte”
      “Die japanische Regierung widersetzt sich dem weltweiten Verbot von Atomwaffen der Vereinten Nationen und will dazu den pazifistischen Friedensartikel unserer Verfassung zerstören”, so Akira Kawasaki im Gespräch mit der Japan Times. Kawasaki ist ein Aktivist des Ican-Netzwerks, das seit Jahren für eine totale Abschaffung von Atomwaffen kämpft und dafür 2017 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. “Der richtige Weg wäre, den Friedensartikel zu schützen und für eine atomwaffenfreie Welt zu kämpfen.”
      Auch Kunio Hamada, ehemaliger Richter des Obersten Gerichtshofes, hat sich gegen Abes geplante Verfassungsreform ausgesprochen: “Die geplante Reform untergräbt das Vertrauen und die Werte, die wir nunmehr seit 7 Jahrzehnten aufgebaut haben.”

      Abschied vom Pazifismus?
      Für eine Revision der Nachkriegsverfassung ist eine Zweidrittel-Mehrheit im japanischen Unter- und Oberhaus nötig. Darüber hinaus muss auch die Bevölkerung per Referendum einer Änderung zustimmen. Seit den Oberhauswahlen im Jahr 2016 verfügt Abes Regierung bereits über die nötige Zweidrittel-Mehrheit, nun muss der Premier nur noch die mehrheitlich pazifistisch eingestellte Bevölkerung Japans von seinem Vorhaben überzeugen. Vor dem Hintergrund der gestiegenen Bedrohung durch Nordkorea scheint Abe seinem Vorhaben noch nie so nah gekommen zu sein wie jetzt. Gemäß Umfragen der Rundfunkgesellschaft NHK haben sich bereits im Mai 2017 schon ca. 43% der Bevölkerung für eine Verfassungsänderung ausgesprochen. Grund hierfür sei die veränderte Sicherheitslage Japans und der Wunsch nach kollektiver Selbstverteidigung.

      Exkurs:
      Trump in Japan - Trump warnt China vor "großem Problem" mit Japan wegen Beziegung zu Nordkorea

      :bye:



      Wer sich weiterhin für Politik und News aus Japan interessiert-->bitte Feedback, dann werde ich in Zukunft auch ab und an mal in diesem Bereich News posten :)



      Quelle:sumikai.com/japan/gesellschaft…hr-vom-pazifismus-194391/

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Tsukino-Chan ()

    • Ich find sowas mega interessant auch mal Japans politische Lage zu sehen! Es scheint ja richtig schwierig zu sein. Einerseits kann ich den Abschied vom Pazifismus verstehen, da auch Japan zur Zeit Zielscheibe geworden ist und sich schützen möchte, aber andererseits macht der Pazifismus Japan das aus, was das Land ist. Und ich finde, dass Japan schon genug Krieg gegen die Natur führen muss, um überleben zu können. Es ist wirklich schwierig :s aber wann war Politik auch mal einfach? ^^

      Find die Info echt cool. Danke, Nova! Würd mich persönlich sehr über weitere Infos japanischer Politik, Kultur und Wirtschaft freuen :3
    • Ja das sehe ich ähnlich wie du!! Klar wäre eine pazifistsiche Welt ein Ideal aber dennoch Utopie.....leider!
      Eigentlich sollte Japan für viele viele andere Länder der Welt dahingehend Vorreiter sein (Friedensartikel) aber leider existieren ja gierige,machtsüchtige und egoistische Politiker (Menschen)international. Wie du sagst....Es ist nicht einfach :(
      Auf jeden Fall finde ich es selbst sehr interessant ^^
      Danke @Chiishi <3 :D ich versuche dran zu bleiben :)