[Feedback] Die Nacht

  • Hier könnt ihr eure Meinungen, Kritiken und besonders eure Deutungsvorschläge posten ;) .
    Schon mal im Voraus danke für jeden, der hier postet (und ich kann diejenigen auch beglückwünschen zu den wenigen Leuten zu zählen, die überhaupt jemals eine meiner Geschichten gelesen zu haben und dann auch noch jene kommentiert zu haben).

  • Guten Morgen Morgoth,


    Zuerst einmal folgendes, dass was du da oben (besonders das in Klammern^^) geschrieben hast deute ich entweder als selbstironisch, selbstmitleidig oder herabsetzend gegenüber der Leserschaft hier. Ich hoffe es ist Selbstironie, denn Selbstmitleid hast du nicht nötig und Herabsetzung deines Publikums traue ich dir nicht zu. Aber vielleicht sehe ich diesen Dreizeiler auch zu kritisch, ich lasse mich gern berichtigen. ;)


    Nun zu deinem neuen Werk…


    Hier möchte ich, der Übersichtlichkeit zuliebe, erstmal absatzweise vorgehen:


    Der erste und der zweite Absatz liefern ein sehr detailreichen Einblick in das gegenwärtige Gefühlsleben des Protagonisten. Durch ständigen, beinah gebetsmühlenartigen, Vergleich des Inneren der Person mit der herrschenden Mondnacht draußen und der kleinen „Insel“ Namens elektrische Nacht innerhalb der Tankstelle wird bei mir der Eindruck dreierlei unabhängiger Zustände oder Dimensionen geschaffen. Es wird schon hier ein „bodenloser Abgrund“ aufgezeigt, welchen der Protagonist zwischen sich und den anderen Menschen vermutet. Quasi also eine „Ich (gegen mich), den Rest der Welt“- Dramatik.


    Im dritten, vierten und letzten Absatz kommt nun der eigentliche Aktionsteil in Schwung. Hier glaubte ich nun freudianischen Züge zu erkennen…^^. Aber weit gefehlt. Der Räuber ist nicht als direktes Pendant seines Gegenübers zu erkennen! Indem du dem vermeintlichen Hauptakteur deiner Geschichte zuerst einmal das „Licht ausbläst“ und das direkt nach dem Ende seines indirekten, inneren Monologs. Bevor sich der Leser, in diesem Falle ich, irritiert ob einer solchen Wendung, erstmal vollständig erholen kann, schließt du gleich nahtlos mit dem nächsten indirekten, inneren Monolog des neuen Protagonisten an. Verwirrung und auch eine gewisse Trägheit müssen sich unweigerlich breit machen, während man sich wappnet der holprigen Licht und Schatten Kantate weiter zu folgen. Des Räubers innerer Konflikt und seine Reflexion scheinen der des Tankwarts sehr ähnlich zu sein lediglich auf unterschiedlichen Tiefen der Abwärtsspirale befinden sie sich wohl. Wie es enden würde war wiederum eine Überraschung, da ich für den Räuber einen Suizid oder die Erlösung durch das Licht erwartet hätte.


    Ich möchte nun nicht sagen das deine Geschichte, einem philosophischen Leihenstück nicht unähnlich, einen wie mich nicht fesseln konnte, aber stellenweise musste ich 3-4 Zeilen noch einmal Revue passieren lassen um mir den Ablauf vor Augen zuführen. Du sparst sehr mit beschreibenden Adjektiven, was deinem Text eine Nüchternheit verleiht und ihn auf die Themen „Licht“ und „Art der Sicht“ fokussiert. Ich interpretiere mal ganz schlicht und unterstelle dir darauf hinaus zu wollen. Also auf das subjektive Sehen und die Schattierungen des Seins, der Wirklichkeit/Wahrheit im Auge des Betrachters.


    Da ich aber, wie schon erwähnt, die Form der Geschichte als etwas zu holprig ansehe, so wäre ich dankbar eine eigene Interpretation deines Werkes zu lesen zu bekommen. Vieles erschließt sich nämlich warscheinlich erst im Kontext mit weiterführenden Informationen.


    LG Karmesin

  • Es war Selbstironie natürlich ^^ . Na gut, vielleicht war es auch ein wenig zu sarkastisch um als solches eindeutig interpretiert zu werden, aber naja, die Worte sind gesagt ^^ ...


    Ja, es ist holprig geschrieben. Und das nur um das Eigentliche der Handlung nur noch verwirrender zu gestalten, da die eigentliche Handlung genau das ist, was in diesem Falle zurücksteht. Man würde natürlich immer erwarten, dass sich die Bedeutung an der Handlung orientiert, die Deutung von der Handlung bestimmt wird. Diese Erzählung ist der Versuch genau dieses Verhältnis umzukehren, also die philosophische Deutung der Handlung aufzuzwingen, die Deutung zum Leitfaden der Handlung zu machen, welche nun nicht die Ursache der Deutung ist, sondern deren Folge.
    Na gut, was passiert in der Geschichte: Wir haben jemand in einer Tankstelle sitzen, der scheinbar mit irgendeinem Problem beschäftigt ist. Plötzlich taucht ein Räuber auf, der verhüllt ist, welcher die Tankstelle ausrauben will. Der Mann hinter der Theke erkennt ihn aber und der Räuber bringt ihn um. Nun kommt ein anderer Punkt als das der Räuber natürlich auch den Ermordeten kannte. Er fährt zu dessen Wohnung, der Frau des Ermordeten und findet jene tot in der Wohnung auf. Die Polizei ist schon da, geht in die Wohnung mit einer Anwohnerin, welche den Mord gesehen hat und Polizist sowie Anwohnerin sehen den Räuber und verkennen ihn als den Mörder. Warum? "Der Räuber, der Mörder, der Zwilling, der Liebhaber, er ließ sich stumm verkennen, nur das Licht stumm anklagend." Dieser Satz stellt alle Rollen dar, die der Charakter in jenem Moment einnimmt.
    An sich sind es nicht die philosophischen Licht-Schatten-Spiele, welche man hier zu interpretieren hat, welche man aus der Geschichte kramen muss, um sie zu verstehen, sondern es ist die Handlung, die man in diesem Falle interpretieren muss. Das Grundlegendste der Interpretation, die Handlung der Geschichte, ist in diesem Falle genau das, was einer Interpretation bedarf.


    Danke für den Kommentar, Karmesin :D .

  • Also entschuldige bitte, aber wenn es rein um die Interpretation der Handlung geht muß ich dir den Vorwurf der Verschleierung machen^^ Es ist eine Sache einer simplen Handlung durch ausufernde innere Monologe ein größeres Gewicht zu verleihen, was du hier tust ist aber eine Gewichtung von Schatten/Licht und den "Unterschieden in der subjektiven Realität" als roten Faden durch die gesamte Geschichte zu ziehen und das ist eine ganz andere Sache.


    Kurz gesagt: Bitte nicht falsch verstehen, aber "das falsch verstehen" kann hier wirklich leicht passieren. Und ich glaube sogar, auch wenn ich es nicht nachweisen kann, das das eines deiner unbewußten Ziele war. :D


    LG K.

  • Yupp, das Falsch Verstehen kann ziemlich leicht geschehen. Der Geschichte mangelt es ja an einem festen Untergrund an dem der Leser die Monologe und die Licht-Schatten-Spiele ansetzen kann. Wenn ich auf eine Weise die Geschichte definieren müsste, dann ist es wie als würde man am Betrachten des Nebels festmachen wollen, was der Nebel verhüllt. Wenn die Handlung ein Faktor der unsicheren, notwendigen Interpretation ist, so ist jene natürlich verschleiert und eine definitive "Das muss passiert sein"-Argumentation kann nur geschehen, wenn die nötige Fantasie des Lesers dazukommt der Deutungsebene und den Hinweisen in der Geschichte eine Handlung zu geben.