Nur eine Kleinigkeit [Feedback]

  • So ich erlaube mir mal das Feedbackthema zu erstellen Banani, ich hoffe du nimmst es mir nicht krumm aber ich muss einfach was loswerden zu dem Gedicht. **erstmal sammeln muss**
    Es hat mir wirklich gut gefallen, eins der besten Sachen die ich hier in letzter Zeit gelesen hab. Auch wenn es recht "einfach" daherkommt. Ich mein das durchaus positiv. Es erschlägt nicht sondern berührt. Man merkt das es eine spontane impression war und genau das macht den Reiz aus. Schraub im Nachhinein nicht zu viel daran herum. Über die zweite Strophe stolpert mal ein wenig weil der Rythmus unterbrochen wird aber ich find es nicht tragisch es stört den wesentlichen Duktus des Gedichts nicht.

    Zitat

    Eins weiß ich sicher, nur eins ist Gewiss, das Vermissen, das einzig Ewige ist.


    Und werde ich bald zu Grabe getragen, wird das Vermissen einen anderen plagen


    Die letzte Strophe hat mich am meisten beeindrucht sie setzt eine klare Pointe. Ok Fachgequatsche beiseite ich musste fast heulen. Und das muss eine Gedicht ja machen, emotionen wecken. Und zumindest bei mir haste das geschafft.


    p.s. Schön das es noch Menschen gibt die auch wörter wie "Hort" noch außerhalb des Wortfelds Kindergarten benutzen können. :D

  • Oh, wie kommt es, dass du dich entschlossen hast doch etwas hier zu präsentieren, Karmesin? Naja, egal, soll mir nur recht sein ^^ ...


    Gut, also zum Gedicht:
    Hmm, wenn man das Gedicht insgesamt betrachtet (ah, endlich ein Gedicht, dass man auch wirklich interpretieren kann ^^ ...) so fällt als erstes die Anapher-Struktur "Ich vermisse..." auf. Dem folgen dann Dinge, die das artikulierende Ich nicht mehr in der Welt sieht. Was besonders darauf hindeutet, dass es nur ein Einfall ist, kann wohl die Unordnung in der Aufzählung sein, welche mit einer rein subjektiven Aufzählung beginnt, dann aber manchmal abstrakt wird mit Dingen wie "Neu" und "Wärme", welche sehr weit gegriffen sind im Sinne der möglichen Interpretationen. Und dann findet noch eine Zweiteilung (an sich sogar eine Dreiteilung) im Gedicht statt, welche bis Zeile 8 mit einem allgemeinen dem Alter geschuldeten Nihilismus beginnt, doch dann von da an bis auf die letzten zwei Zeilen auf ein anderes Thema kommt: Den Verlust der Liebe.
    Nun, wieder ganz an den Anfang gegangen, hat man zwei Zitate, welche man wohl durchaus als richtungsweisend für die Intention ansehen soll. Doch während die ersten acht Zeilen durchaus widerspiegeln, was in den Zitaten gesagt wird, so ist der Verlust der Liebe darin nicht vorhanden, d.h. das der Verlust der Liebe in diesem Falle kein Motiv an sich ist, sondern die Folge aus dem Motiv der Zeitlichkeit des Lebens, also des Alterns. Dies aber mit der Anapher verbunden stellt das Altern als einen Prozess des Verlierens da, das letzte dann das Leben, wobei aber die Erinnerung selbst die Dinge noch als Bestandteil der Welt sieht, also sie vermisst. Dies also weiter geführt ist das Gedicht ein Ausdruck der Vergänglichkeit, des Konflikts der subjektiven Erinnerung mit der objektiven Zeitlichkeit.
    Dies zum Inhalt, aber jetzt zur Form:
    Als ich die Zitate sah, dachte ich sofort 'Wird das eine Glosse :huh: ?', aber da du eh nicht viel mit klassizistischer Formenästhetik am Hut hast, denke ich mal, dass keine bestimmte Gedichtsform angesprochen wurde und die Struktur ist nur jene, die dir in Gedanken vorschwebte beim Schreiben und nichts weiter. Ein fast durchgängiger Paarreim und auch ein im Ansatz vorhandener Schlagreim schaffen einen guten Rhythmus, welcher durch den parataktischen Aufbau auch noch leicht zu lesen ist. Und dann auch noch klingende Kadenz mit einem schweren Trochäus (ich hab die langen Zeilen nicht nachgeprüft, aber wenn möglich sollte dort dies auch übernommen werden um nicht den Fluss des Gedichtes zu unterbrechen) geben auch noch ein gutes Ambiente ^^ ... Überhaupt sollten vielleicht wenn möglich die langen Zeilen eingekürzt werden (nur als Vorschläge, was ich besser finde als Lösung):
    Für Zeile 3 und 4 -
    Ich vermisse meine Unschuld, sie war so rein.
    Ich vermisse meine Welt, die nicht war so klein.


    Für die letzten beiden Zeilen -
    Da wurde mir bewusst: Dass Vermissen das einzig Ewige ist.
    Und so der Tod mich holt, das Vermissen wird einen ander'n plagen.


    Lange Verse sollte man wohl mit einer Dihärese strukturieren, finde ich ;) .


    Auf jeden Fall ein gutes Gedicht, aber muss es denn wirklich so nihilistisch sein :D ... Ein schönes Naturgedicht mit Hyperions Stimme á la "O Diotima! O Diotima!" wäre doch mal was oder ;) ?

  • OMG.. hatte ganz vergessen das ich das in meiner morgendlichen Schläfrigkeit hier gehostet habe.^^


    @Appletiny: Natürlich nehme ich es nicht übel, vielmehr danke ich dir das du mein Versäumnis ausgeglichen hast. ;)
    Vielen Dank auch für dein Feedback! Du hast die gewollte "Einfachheit" direkt durchschaut, genau so sollte es rüberkommen. Auch mir gefällt, so ich das Eigenlob formulieren darf, die letzte Strophe am besten. :D


    Morgoth : Deine Kritik ist so konstruktiv und informativ wie ich es erwartet habe. ;)
    Mein Enschluss nun doch hier zu veröffentlichen enstand übrigens, so wie auch dieses Gedicht, ganz spontan. Ich schrieb dir ja schon das ich mich immer etwas schwer damit tu mein "Geschreibsel" einem neuen und mehrheitlich mir unbekannten Publikum zu präsentieren. Ich habe daher eine WEeile nach der richtigen Geschichte oder dem richtigen Gedicht für diesen Anlass gesucht. Nun habe ich "ES" endlich gefunden.^^


    Deine Ideen zur Umstrukturierung des Gedichts klingen für mich zwar sehr interessant, aber ich vermeide es an solchen "Geistesblitzen" noch großartig "herumzudoktern". Trotzdem werde ich deine Tips und Anregungen im nächsten Werk dieser Art berücksichtigen, dass wird mir sicher einen ganz neuen Schwung in meine Sprache bringen. Vielen Dank auch dafür!


    Achso eines noch, ich verstehe das du zuerst an eineGlosse gedacht hast, aber bald wirst du eine meiner Glossen lesen, das macht´dann den Unterschied mehr als deutlich. Wobei ich einfach mal davon ausgehe das nur die, an den Anfang gestellten, Zitate dich auf die falsche Fährte führten. Und da du weißt das ich in meinen dunkelsten Zeiten ein Nihilist bin und es heute Morgen sehr dunkel war, hättest du ein solches Gedicht erwarten müssen. :D


    @Yoda: Vielen Dank für deine positive Bewertung^^


    LG Karmesin

  • Zitat

    Deine Ideen zur Umstrukturierung des Gedichts klingen für mich zwar
    sehr interessant, aber ich vermeide es an solchen "Geistesblitzen" noch
    großartig "herumzudoktern". Trotzdem werde ich deine Tips und
    Anregungen im nächsten Werk dieser Art berücksichtigen, dass wird mir
    sicher einen ganz neuen Schwung in meine Sprache bringen. Vielen Dank
    auch dafür!

    Natürlich :D ... Ist ja auch dein Gedicht, besonders Gedichte leben (meistens) doch von Subjektivität. Und gern geschehen mit den Ratschlägen - irgendwas muss man ja mit dem Wissen machen anstatt immer nur alte Dichter zwanghaft zu glorifizieren ^^ .


    Zitat

    Achso eines noch, ich verstehe das du zuerst an eine Glosse gedacht
    hast, aber bald wirst du eine meiner Glossen lesen, das macht´dann den
    Unterschied mehr als deutlich. Wobei ich einfach mal davon ausgehe das
    nur die, an den Anfang gestellten, Zitate dich auf die falsche Fährte
    führten.

    Soll ich etwa eine Art Glosse wie die von Uhland erwarten :D ...?
    Ja, es waren die Zitate, die mich da ein wenig erstmal verwirrt hatten, geschieht an sich ja nicht oft, dass man Gedichte mit Zitaten einleitet.


    Zitat

    Und da du weißt das ich in meinen dunkelsten Zeiten ein Nihilist bin
    und es heute Morgen sehr dunkel war, hättest du ein solches Gedicht
    erwarten müssen.

    Und weil bei mir die Sonne geschienen hat, kam mir der Gedanke, dass es auch ruhig eine pantheistische Lobeshymne auf die Natur hätte sein können :D ...