"OnLive"-Videospiele stehen vor ihrer größten Revolution

  • Dieser Dienst könnte teure Spielekonsolen überflüssig machen: Die US-Firma "OnLive" will aufwendige Spiele auf Billig-Computern zum Laufen bringen – über das Internet. Fast die gesamte Branche steht hinter dem Projekt. Nun droht Playstation, Xbox und Wii der schleichende Tod.


    [boxstyle=right][/boxstyle]Sieben Jahre hat die junge Firma an der Revolution gebastelt. Am Dienstagabend wollte sie das Ergebnis der Öffentlichkeit präsentieren, doch US-Journalisten lüfteten ihr Geheimnis bereits einen Tag zuvor: „OnLive“ ist eine neue Plattform für Videospiele, die eine ganze Branche auf den Kopf stellen könnte. Das Versprechen: „OnLive“ macht teure Hardware überflüssig, wie etwa Sonys Playstation 3 oder Nintendos Wii. Nebenbei soll der Dienst die Macht von Einzelhändlern brechen und Raubkopierern das Handwerk legen.


    „OnLive“ bietet Videospiele live über das Internet an und überträgt selbst aufwendige 3D-Grafiken innerhalb von Millisekunden auf den Computer des Kunden. Die Daten für das Spiel liegen also nicht mehr auf dessen Festplatte. Stattdessen erstellt sie das Unternehmen in Rechenzentren und verschickt sie bei Bedarf ins Wohnzimmer. Voraussetzung ist eine mindestens zwei Mbit schnelle Verbindung. Fast jeder DSL-Anschluss schafft diese Geschwindigkeit. Zur Wiedergabe des Spieles genügt ein abgespeckter Computer ohne teuren Prozessor, Arbeitsspeicher oder Grafikkarte.


    Von einer solchen Technologie träumt die Branche schon seit Anfang der 90er-Jahre. Nun scheint sie erstmals zu funktionieren. „Die Grafikwiedergabe war äußerst flüssig“, berichtet der US-Technikblog „Venturebeat“, der als eines der ersten Medien den neuen Dienst testen durfte. Das Geheimnis hinter „OnLive“ ist offenbar ein ausgefeilter Algorithmus, der die Daten für den Versand über das Internet stark komprimiert.


    Ernst zu nehmen ist „OnLive“ vor allem deshalb, weil zahlreiche namhafte Spieleverlage hinter dem Projekt stehen. Dazu zählen Electronic Arts, THQ, Take-Two Interactive, Codemasters, Eidos, Atari, Warner Bros., Epic Games und Ubisoft. 16 Spiele soll es zum Start des Services Ende des Jahres geben, darunter Blockbuster wie das Ballerspiel Crysis aus Deutschland. Laufen sollen sie auf jedem Computer, auf Macs und einem günstigen Abspielgerät, das „OnLive“ selbst entwickelt.


    Noch offen ist die Preispolitik bei "OnLive". Beobachter rechnen mit einem Abomodell: Der Kunde zahlt für jeden Monat, den er das Spiel nutzen darf. Einen Großteil dieser Einnahmen führt "OnLive" dann an die Verlage ab.


    Setzt sich „OnLive“ mit seiner Idee durch, dürfte das die gesamte Branche umkrempeln – und Opfer fordern. Denn kein „OnLive“-Kunde benötigt mehr teure Prozessoren von Intel oder schnelle Grafikkarten von ATI und nVidia. Spielkonsolen von Sony, Nintendo oder Microsoft wären überflüssig, ebenso wie Einzelhändler, die Spiele auf DVD oder Blu-ray verkaufen. Lediglich im Rechenzentrum des Online-Dienstes würde die teure Hardware noch benötigt.


    Konkurrenten gibt es bislang nicht. Zwar verkaufen die Spieleverlage bereits heute ihre Spiele über das Internet, etwa über die „Steam“-Plattform der Firma Valve. Doch dort werden die Daten immer noch vollständig auf die hochgezüchteten Computer der Kunden übertragen.


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