Wege der Hoffnung (Vampir-Geschichte)

  • Eine meiner älteren, aber wie ich finde gelungenen Geschichten ;) .



    Die steinerne Halle war düster und nur kleine Fackeln, die an den Säulen hingen spendeten warmes Licht, das inmitten dieser Dunkelheit wie ein letzter Rest Menschlichkeit wirkte umgeben vom Bösen und Unmenschlichen. Die Tore schwangen auf und ein hagerer Mann trat hervor, der in eine Kutte gehüllt war, sodass es schien er sei ein Mönch. Doch jeder im Saal wusste, dass dem nicht so war.
    Der Mann bewegte sich zielsicher auf die sieben Throne, die am anderen Ende des dunklen Saals standen. Auf den Thronen saßen dunkle Gestalten, deren pure Gegenwart bei jedem klar denkenden Wesen nur Panik und Unbehagen hervorbringen würde. Ja, sie schienen sogar so unmenschlich, dass das Licht vor ihnen zu fliehen schien, nicht enthüllen wollte was sich unter dem Mantel aus Dunkelheit verbarg, der sie umgab.
    Der Mann war mittlerweile am Thron angekommen und kniete sich davor nieder. Der Mann erhob seine klare Stimme, woran man merkte, dass er nicht sehr alt sein musste. „Ich bin hier wie ihr befohlen habt.“, konnte man vernehmen und darauf erhob sich der mittlere der sieben Gestalten und antwortete, doch wo die Stimme des jungen Mannes klar und aufrichtig wirkte, so war die Stimme der Gestalt wie ein grollender Donner und der junge Mann zuckte zusammen, als er die Stimme vernahm. Die Gestalt sagte: „Ja das sehe ich, dass du erschienen bist. Und es erfüllt mich mit Stolz, dass du meinem Ruf gefolgt bist, Konrad - mein Sohn.“ Die Gestalt betonte besonders die letzten Worte und der junge Mann wusste ziemlich genau, dass dies eine Lüge war.
    Eigentlich hatte er alles über seine Kindheit vergessen. Er hatte sein Leben der Fügung des Schicksals zu verdanken, dass er von seinem Mentor, Kurt von Siebenau, denn dies war die Stimme, da war er sich sicher, gefunden wurde. Er hatte ihm gesagt, dass solche wie er ihn normalerweise getötet hätten, aber er wollte einen Sohn und nicht etwa irgendeinen dahergelaufenen, den er zum Vampir machte. Nein einen richtigen Sohn. So erfand er die Geschichte von der Frau, die ihn verlassen hatte und ihm das Kind übergeben hatte, als sie schwer krank wurde. Viele glaubten dies und von Siebenau bemühte sich den Jungen zu erziehen. Er nannte ihn Konrad. Und bald erkannte er, dass der Junge wirklich nichts über sich wusste, aber er sprach rumänisch, was aber auch der einzige Anhaltspunkt über seine Vergangenheit war und so unterrichtete er den Jungen in Naturwissenschaften und anderen wichtigen Dingen. Und so erkannte er auch das Potential des Jungen. Er war sehr begabt und löste Aufgaben, die von Siebenau schon als schwer empfand – aber für den Jungen waren dies keine nennenswerten Probleme. Und als er groß genug war beschloss von Siebenau, dass dieser Junge nicht sterben sollte, da er zu wertvoll ist und so wurde er zum Vampir gemacht und sein neues Lerngebiet war die Thaumaturgie, jener mystischen Disziplin, die wohl nur das Wort Magie beschreiben konnte aufgrund ihrer Vielfältigkeit und dieser Logik, die jedem Naturgesetz widersprach – also dem Wesen, wie man Magie betrachtete. Doch allzuschnell beherrschte auch Konrad die Grundlagen. Danach ließ Kurt den Jungen als Teil seiner Ausbildung, ziehen, der versuchte etwas über seine Vergangenheit in Erfahrung zu bringen. Er mied die Gesellschaft so gut wie möglich, aber er fand nichts heraus und nun wurde er zurückgerufen.
    „Ja Vater. Ich bin zurück. Was hast du so wichtiges zu verkünden, dass die Regenten auch anwesend sind?“ Konrad spürte deutlich den Stolz seines Vaters über seine Frage, da er die Personen, die neben ihm saßen erkannt hatte. Für Konrad war dies logisch, da sein Vater Hochregent war und nur in den seltensten Fällen die Regenten einberief. Trotzdem wunderte er sich, welcher Anlass wichtig genug war diese mächtigen Personen hier an einem Ort zu versammeln.
    Kurt von Siebenau sagte: „Es ist ein Auftrag, Konrad. Es geht um einen Missionar. Sein Name ist Ramirez de Raimundo. Er hat sich für einen Auftrag gemeldet. Aber dieser Auftrag wird von einem Unhold-Prinz erteilt.“ Konrad wusste, dass eine Feindschaft zwischen den Unholden, dem Vampir-Clan Tzimisce und seinem Clan, den Tremere, bestand. Aber selbst Konrad konnte es nicht mit einem Prinz, dessen Stärke durchaus gleichbedeutend mit der seines Vaters ist, aufnehmen, was er auch sofort sagte. Kurt lachte sofort. „Nein. Unheil ist es nicht, dass ich in meinen Gedanken mich zu jener Entscheidung trieb. Du sollst nur herausfinden, was er vor hat und wenn es dem Clan Tremere gefährlich werden kann, es verhindern. Verstanden?“ Konrad nahm seinen ganzen Willen zusammen und fragte: „Und was habe ich davon?“
    „Dein Leben.“
    Konrad war wütend, weil er dachte, dass sein Vater scherzte und fühlte sich wieder daran erinnert, dass er nicht wusste, wer er wirklich war. Er sagte leise zu sich selbst: „Welches Leben?“ Doch irgendwie muss dies sein „Vater“ gehört haben, denn er rief aus: „ Dein ganzes Leben! Die Wahrheit soll dir eröffnet werden als Belohnung.“
    Für Konrad schien die Zeit still zu stehen. Er zweifelte keine Sekunde an den Worten seines Vaters. Seine Vergangenheit, sein Name, seine Familie - all das würde er erfahren. Er wäre endlich eine richtige Person und müsste nicht mehr fragen wer er wirklich ist.
    Konrad erhob sich und schritt aus der Halle. Die Zukunft war ungewiss und die Fragen wo er sein Ziel fand, war unklar, aber umso wichtigere Antworten würden ihn in Zukunft erwarten. Bald würde er wissen wer er ist und niemand würde ihn dabei aufhalten.

    Konrad saß in einem spartanischen Zimmer. Nur ein Bett, ein Schreibtisch und ein Stuhl waren in dem Zimmer. Konrad saß am Schreibtisch und studierte gerade ein Buch über Verpflegung in der Wildnis. Auf dem Bett im Zimmer lagen die Sachen zur Abreise bereit. Konrad prägte sich gerade eine Pflanze ein und schaute auf die Kerze, die die einzige Lichtquelle im Raum darstellte. Wie im Thronsaal, dachte er lächelnd. Er dachte wieder an die Belohnung. Im Thronsaal war er freudig und euphorisch gewesen. Er hätte alles gemacht in diesem Moment um zu erfahren, was er für eine Vergangenheit hat, aber jetzt...
    Jetzt überkam ihn wieder diese Angst. Angst, dass seine Eltern ihn nicht akzeptierten, denn er war schließlich ein Vampir. Er hatte dies seinem neuen Vater gesagt, aber er hatte damals geantwortet, dass sie ihn akzeptieren würden, wenn sie ihn wirklich lieben und zur Not sei er doch noch da. Aber Konrad zweifelte in letzter Zeit immer mehr ob es so einfach ist. Selbst wenn seine Eltern ihn akzeptieren; wie sollte er mit ihnen zusammen leben? Deshalb hatte er immer versucht menschlich zu bleiben. Für seinen Vater aber waren Mensche nur Werkzeuge, die man benutzen konnte und wenn sie stumpf werden, dann wegwirft. Als er auf seiner Reise war, war er selten Menschen begegnet und die, denen er begegnete mieden ihn so gut es ging und trotzdem beobachtete Konrad sie manchmal heimlich um zu verstehen, was es bedeutet ein Mensch zu sein. Doch wenn er Kontakt suchte flohen sie oder waren sehr einsilbig. Was ist denn so anders an ihm. Etwa seine Unsterblichkeit oder dass er kein Tageslicht sehen kann? Sollten sie ihn nicht eher deswegen bedauern? Aber das tun sie nicht.
    Er konnte sich genau daran erinnern wie er Christ werden wollte und dann rausgejagt wurde, weil die Leute in der Kirche behaupteten er wäre ein Dämon. Und das bloß weil er nicht wie sie ist! Und da hatte Konrad erkannt welche Barriere ihm auf ewig den Kontakt mit Menschen verbieten wird. Es ist der Glaube. Diese seltsame Erfindung, die nur dazu dient all das zu erklären was die Leute nicht verstanden. Die Welt kann so einfach sein, wenn man glaubt. Aber sie ist es nicht. Konrad verstand wie hart die Welt wäre, wenn man begreifen würde, dass keine höhere Macht einen beschützt, dass es keine Gerechtigkeit gibt, sondern nur die Monotonie des Herrschens und Beherrscht werden. All das ist schon heute Realität, aber die Leute glauben, dass eine höhere Macht dies so bestimmt hätte. Und er als Vampir war die reine Verkörperung des Bösen für sie, ein Wesen, dass diese „Balance“ stören könnte. Die Welt war so einfach, wenn man glaubte. An dem Tag, wo kein Glaube mehr existiert, würde er ein Mensch sein.
    Konrad stand deprimiert auf. Das hatte er doch schon hundertmal gedacht und es hatte nichts an der Situation geändert. Er packte sein Sachen zusammen und ging aus dem Gildenhaus raus. Die kalte Nachtluft empfing ihn, als er heraustrat. Wie gerne würde er wieder die Wärme der Sonne spüren, aber jetzt hatte er Wichtigeres zu tun als melancholisch zu werden, rief er sich zur Besinnung.
    Er stellte sich die Landkarte vor und ging den Weg nach links. Dort würde er fragen ob dieser Ramirez schon weg war und wenn er zurückkam würde er die Wahrheit wissen und den ersten Schritt tun. Den ersten Schritt zur Rettung, den ersten Schritt zur Erlösung.

  • Woaaah, also...ich...ähh...was war das denn jetzt?! O.o
    Ich bin total hin und weg und will schnell Kapitel 2!! :XD:
    Sehr gut geschrieben, wirklich, Respekt und die Geschichte an sich ist unglaublich interessant, so hat mich schon lange nichts mehr mitgerissen, hat mich am Anfang ein bisschen an Soul Reaver erinnert! :3



    In diesem Sinne, ich hoffe du schreibst es weiter!

  • Naja, es war eine Kurzgeschichte und die wird es wohl für einige Zeit auch bleiben. Ich weiß, dass dutzende Leute, die die Geschichte gelesen haben, von mir wollten, dass ich Kapitel 2 schreiben soll, aber ich schreib zur Zeit an einem richtigen Werk (derzeit 37 Seiten ^^ ) . Wenn das Werk fertig ist, werde ich es hier posten ;) . Und dann widme ich mich vielleicht einem Kapitel 2...

  • Na dann freu ich mich schon darauf, auch wenn ich ein bisschen enttäuscht bin ^-^;
    Es ist so absichtlich unabgeschlossen und sowas nagt immer an mir, wie z.B. das Ende von dem Game Assassin's Creed, vielleicht kennt das wer, dann weiß er was ich meine! :knoooo:
    lade das Werk dann aber lieber als .doc oder so im Dateianhang hoch, 37 Seiten könnten als Text für einen Post ein bisschen zuviel sein... :XD:

  • Ja sicherlich, außerdem ist es nur eine Frage der Geduld, bis dann vielleicht Kapitel 2 von mir geschrieben wird ^^ .


    Ja, sind aus V:dM, denn ursprünglich war ja die Kurzgeschichte eine beschreibung für einen Charakter, den ich gespielt habe.