Kurzgeschichte - Sein wichtigster Tag

  • Ein von mir verfasste Kurzgeschichte für den Literaturklub an meiner Schule (sind glaub ich 4 Mitglieder <.<;), wahrscheinlich nicht Jedermannes Geschmack, eher negativ und konfus geschrieben. Hab mich bemüht es irgendwie wie Wolfgang Borchert zu schreiben, nur dass es keine Trümmerliteratur ist. Naja, ich poste es einfach mal:


    Sein wichtigster Tag


    Er steht da, an seinem gewohnten Arbeitsplatz, die Kassa ist diesmal ziemlich leer. Das Grinsen fällt ihm heute schwer, stattdessen stockt der Atem und die müden Glieder krampfen. Wie damals, als kleines Kind, wenn die Grippespritze vom lieben, verhassten Onkel Doktor wieder angesagt war. Er hasst Spritzen heute noch. Es gibt ja weniges, was er überhaupt mag und diesen Onkel Doktor hat er seit Jahren auch nicht mehr gesehen.
    Ist ja schon fünfzig nach elf, was fällt dem ein, jetzt noch zu kommen, denkt er sich, leider darf der Kunde kommen wann es ihm passt. Aber das ist jetzt nicht mehr wichtig.
    Er hört gerade schwer, es pfeift in seinen Ohren, so laut war es gewesen. Wirklich rücksichtslos von dem Kunden, denkt er sich, er würde ihm gerne seine Meinung sagen, aber wer ihm gegenüber vor der Kassa steht, ist König. Der Kunde ist König. Er wäre auch gerne einmal König gewesen, zum Beispiel in der Hüpfburg, er hatte ja eine eigene als Kind, aber ein König ohne Volk ist eben auch unnütz. Aber das ist jetzt nicht mehr wichtig.
    Es ist ziemlich kalt in der Nacht, heute besonders bei ihm, ob der Kunde sich wohl fühlt? Er scheint nervös.
    Die anderen Kinder waren ihm immer egal, wie sie dreckig im Schlamm spielten und dabei lachten. Mit ihm wollten sie nie spielen. Nie wollten sie in seine Hüpfburg. Aber das ist jetzt nicht mehr wichtig.
    Der Kunde reißt ihm frech den Beutel aus der Hand, dabei wollte er ihm ihn sowieso gerade geben, ihm ist bloß ein bisschen schwindlig. Er würde sich gerne hinsetzten und ein bisschen ausruhen. Immer so spät ins Bett tut ihm nicht gut, aber das ist sein Job, eigentlich findet er ihn auch ganz passabel, nur heute nicht. Der Kunde schreit ihn an. Er hört immer noch schwer. Wie damals, bei den Granaten und Bomben die überall einschlugen, denkt er. Wie damals in Vietnam, denkt er. Der Kunde schreit weiter. Er stützt sich am Kassentisch ein bisschen ab und muss doch ein wenig grinsen. So ein Blödsinn, er war doch gar nicht in Vietnam. Er saß immer Zuhause und schaute Filme, Rambo und so. Das war wenigstens ein bisschen Action. Aber das ist jetzt nicht mehr wichtig.
    Der Kunde packt ihn am Kragen, er ist ja König. Er versteht nur „Alles?“ und nickt um wieder entlassen zu werden. Und er lässt ihn tatsächlich wieder los. Wenn er das nur vorher schon gemacht hätte, dann wäre es vielleicht nicht so kalt und ihm wäre nicht schwindelig und sein Atem würde nicht stocken und seine Glieder würden sich nicht verkrampfen, vielleicht. Wie damals als Kind ohne Onkel Doktor oder in der Hüpfburg oder damals bei den Action-Filmen und damals, als er in seine erste eigene Wohnung zog. Aber das ist jetzt nicht mehr wichtig.
    Der Kunde begibt sich rasch Richtung Ausgang, endlich, denkt er. Der Kunde stößt die Tür auf. Er sieht den Beutel in seiner linken Hand, seine grimmigen Gesichtszüge sind sogar unter der Maske noch zu erkennen und der Stahl der Pistole in seiner rechten Hand blitzt noch ein paar Mal im Licht der grellen Neonlampen der Tankstelle. Er konnte die Lichter nie leiden. Das neue, blaue von dem Wagen der gerade draußen hält kann er auch nicht leiden, wie es blinkt. Der Kunde beieilt sich und wieder diese lauten Geräusche, die seine Ohren pfeifen lassen. Da legt sich der Kunde hin, den Sack lässt er fallen, regungslos, was für eine Verschwendung, denkt er, den wird sicher jemand stehlen, wenn er die ganze Nacht da draußen schläft.
    Aber das ist jetzt nicht mehr wichtig, nein, wirklich nicht. Er setzt sich hin, vor ihm auf den Boden ist es ziemlich nass. Rot konnte er auch nie leiden. Er schließt die Augen langsam, eigentlich hätte ich schon gerne mit den anderen im Schlamm gespielt, denkt er, aber als ob das alles jemals wichtig war. Mitternacht.


    In diesem Sinne, setze ich micht gerne eurer Kritik aus *verbeug* ^^

  • WoW, respekt. also ich find die ziemlich gut gelungen. mir gefällt der schreibstil recht gut und auch der inhalt. kann da nichts schlechtes dran finden.

  • Mir gefällt es auch sehr gut ! dieses konfuse hat was ! Weiter so :thumbsup: Auch wenn ihr nur so wenige in deinem literaturkurs seid xP !