gaara+yuka ( Hier keine Kommentare ! )

  • so, ik ma eine echt geile geschichte geschichte gefundn von gaara und nen mädchn......
    ach ik verrat scho alles
    aba davon gibt es noch insgesamt 3 teile und jeder teil hatt haufnweise kapis, allso nix für leute die es hassn zu lesn!!!
    achso, und BITTE NIT HIER NEI SCHREIBN
    wird sonst zu voll


    also, hier kommt erstma teil eins, mit seinen charas:



    Name: Sabaku no Gaara
    Alter: 13
    Charakter:: Verschlossen, kaltherzig, brutal, egoistisch, aber auch verbittert und einsam


    Gaara taucht wie aus heiterem Himmel plötzlich in einer Kleinstadt in Kentucky auf und behauptet, ein Ninja aus einem gewissen "Windreich" zu sein. Er zeichnet sich durch seine Brutalität und Mordlust aus und scheint alle Menschen zu hassen. Mehr oder weniger freiwillig schließt er sich dann Yuka an, um mit ihrer Hilfe in seine Heimat zu kommen. Er hasst sie aber wie alle anderen Menschen auch, erst im Laufe der Zeit wird sie mehr für ihn als nur die "Fremdenführerin" in der für ihn fremden Welt.



    Name: Yuka Ashihir
    Alter: 13
    Haarfarbe: Rotbraun
    Augenfarbe: Braun
    Charakter: Leicht aufbrausend, selbstbewusst, manchmal zickig


    Yuka ist eine ganz normale Schülerin, bis ihr Gaara über den Weg läuft. Er kidnappt sie mehr oder weniger, damit sie ihn in seine Heimat bringt. Yuka glaubt zunächst, dass er nicht mehr ganz richtig im Kopf ist, lässt sich von ihm aber nicht einschüchtern. Ganz im Gegenteil, sie hat kein Problem damit, ihm mal nicht gerade sanft die Meinung zu geigen und wenn sie wütend ist, bleibt so schnell kein Stein auf dem anderen...

  • So, hab noch ne kleine Anmerkung am Anfang
    "..." ist was gesagt wird
    °...° ist was gedacht wird
    (...) meine Kommentare


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    In der finstersten Gasse der Kleinstadt Jeffersontown in Kentucky, USA, trieben sich mal wieder die Möchtegern-Gangster herum. Es war nur eine kleine Gruppe von etwa fünf halbstarken Jugendlichen, die sich für absolut cool hielten. Betont lässig standen die Typen an eine Hauswand gelehnt in der dunklen Gasse. Umgefallene Mülltonnen standen herum, eine Ratte verkroch sich durch ein Loch in einer Mauer und es stank zur Hölle nach verwestem Abfall.
    Plötzlich aber hörten die Typen Schritte und fuhren blitzschnell aus ihrer „coolen“ Haltung hervor. Wie aus dem Boden gewachsen stand plötzlich ein nicht gerade großer, rothaariger Junge da. Er starrte die fünf Typen aus ausdruckslosen jadegrünen Augen an, die schwarz umrandet waren und die Blässe seines Gesichts nur noch unterstrichen. Auf seinem Rücken hatte er eine Kürbisflasche, die mindestens genau so groß war, wie er selbst und auf seiner Stirn befand sich ein japanisches Schriftzeichen, das für das Wort „Liebe“ stand.
    „Wer bist du denn, Punk?“, knurrte einer der Typen und sah den mindestens zwei Köpfe kleineren Jungen an.
    Obwohl der rothaarige Junge ziemlich klein war, hielt er dem Blick des viel größeren Typen stand. Er konnte nicht älter als dreizehn sein, dazu passte sein eiskalter Blick überhaupt nicht.
    „Sollte das ein Befehl sein?“, fragte der rothaarige Junge mit rauer, kalter Stimme, die noch weniger zu seiner geringen Körpergroße passte als sein Blick.
    Die fünf Typen bauten sich mit verschränkten Armen vor ihm auf. „Das hier ist unser Viertel, also verschwinde.“
    Aber der Junge dachte nicht mal daran, sich zu bewegen. „Ich lass mir doch von euch nichts vorschreiben. Das könnt ihr vergessen.“
    „Süß, ein Kleinkind versucht hart zu sein!“ Die Typen begannen schallend zu lachen.
    In diesem Moment verengten sich die jadegrünen Augen des Jungen zu schmalen Schlitzen und er machte eine ausschweifende Handbewegung. Da schoss aus seiner Kürbisflasche plötzlich mit atemberaubender Geschwindigkeit etwas heraus und direkt auf die Typen zu.
    „Jutsu des Wüstengrabs“, sagte der Junge mit grabeskalter Stimme. Schneller, als die Typen reagieren konnten, hatte sich das Zeug aus der Kürbisflasche um sie gelegt. Es war nichts anderes als Sand, aber er umhüllte jeden einzelnen der Typen und wurde dann blitzartig fest wie Stahl.
    „Verdammt, was ist das?“, rief einer der Typen.
    „Mach das sofort wieder weg, sonst kannst du was erleben, Kleiner!“, brüllte der Nächste.
    „Niemand nennt mich ‚Kleiner’“, gab der Junge ruhig und gefasst zurück, aber in seiner Stimme lag etwas Drohendes.
    Dann streckte er beide Hände nach vorne aus und fixierte die fünf Typen in ihren Sandpanzern. „Trauerzug der Wüste!“ Er schloss beide Hände und im gleichen Moment drückten die Sandpanzer sich heftig zusammen. Gellende Schreie hallten durch die Straße, als die Körper der Typen mit unbarmherziger Gewalt zerdrückt wurden. Wie ein heftiger Regen sprühte Blut durch die Straße.
    Der rothaarige Junge blickte aber nur ausdruckslos und drehte sich dann um. Mit verschränkten Armen verließ er die dunkle Straße und bog um die nächste Ecke. Er fand sich direkt am Rand einer menschen- und autoleeren Straße wieder. Um ihn herum erhoben sich einige Hochhäuser.
    Einige hundert Meter von ihm entfernt lief ein Mädchen, etwa in seinem Alter, die Straße entlang. Sie hatte wie er rote Haare, aber im Gegensatz zu ihm waren ihre Haare natürlich rot, sie waren eher rotbraun. Die Haare des Jungen dagegen waren richtig blutrot und sahen ganz und gar nicht natürlich aus.
    Das Mädchen sah, wie der Junge an den Hochhäusern hoch sah und dabei ziemlich verwirrt dreinblickte. Aber selbst in der leichten Verwirrung strahlte er noch Überlegenheit aus.
    Ohne es zu merken hielt das Mädchen an und sah den Jungen an. Eigentlich hatte sie einfach nur vorbeilaufen wollen, aber etwas hielt sie zurück. Der Junge sah wirklich ungewöhnlich aus. Nicht nur seine unnatürlichen Haare, sondern vor allem die riesige Kürbisflasche und seine ungewöhnlichen Klamotten sah man nicht gerade häufig. Aber das war nicht der Grund, weshalb das Mädchen anhielt. Etwas in ihr regte sich, als sie ihn ansah. „Hi“, hörte sie sich sagen.
    °Verdammt, was sollte das denn jetzt? Warum quatsch ich den Kerl an?°, fragte sie sich und hätte sich am liebsten selbst geohrfeigt.
    Der Junge aber reagierte überhaupt nicht auf die Worte von ihr. Er starrte nur weiterhin die Hochhäuser an, als hätte er noch nie in seinem Leben so etwas gesehen. Aber jetzt wollte das Mädchen auch nicht einfach so weitergehen. Immerhin hatte sie ihn schon angesprochen! „Ich bin Yuka Ashihira“, stellte sie sich vor und versuchte, Blickkontakt mit dem rothaarigen Jungen herzustellen.
    Endlich wandte er den Blick von den Hochhäusern ab und sah ihr ins Gesicht. Kurz lief Yuka ein Schauer über den Rücken, als er sie mit seinen kalten Augen musterte.
    „Wo bin ich hier?“, fragte er dann so kalt, als würde er eine Morddrohung aussprechen.
    Yuka verschränkte empört die Arme vor der Brust. „Du solltest vielleicht aus Höflichkeit erst mal deinen Namen sagen!“
    Der Blick des Jungen war scharf und schneidend wie eine Rasierklinge. „Du hast mir gar nichts zu sagen. Sag mir, wo ich bin.“
    °Der Typ ist nicht normal. Der ist doch high! Oder geistesgestört!°, schoss es Yuka durch den Kopf, aber er interessierte sie plötzlich, also gab sie nach und antwortete: „Okay, wir sind in Jeffersontown. Also in Kentucky, USA. Aber ich hab ’nen japanischen Namen, weil meine Eltern voll den Japan-Tick haben, also wunder dich nicht.“
    „USA?“, wiederholte der Junge so fragend, als hätte er das noch nie gehört.
    „Ja! USA! Vereinigte Staaten von Amerika! Wenn du das nicht kennst, hast du echt einen an der Klatsche!“, gab Yuka zurück.
    „Wie komme ich von hier ins Windreich?“, fragte der Junge, ohne auf ihren Ausruf einzugehen.
    „Windreich? Du spinnst doch! So was gibt’s nicht!“, rief Yuka und wurde sich immer sicherer, dass der seltsame Typ nicht ganz richtig im Kopf war. „Und jetzt sag mir endlich deinen Namen!“
    „Gaara. Sabaku no Gaara.“
    °Na toll, komischer Typ mit noch krasserem Namen°, dachte Yuka. „Na also, war doch nicht so schwer! Und was machst du hier, wenn du nicht mal weißt, wo du bist?“
    „Ich weiß nicht, wie ich hergekommen bin“, antwortete Gaara mit gewohnt kalter und rauer Stimme.
    Yuka verdrehte die Augen. „Warst du etwa besoffen, als du hergekommen bist, oder was?“
    „Hör mit dem Geplapper auf und zeig mir den Weg ins Windreich“, versetzte Gaara.
    „Geht’s noch ein bisschen unfreundlicher?“, keifte Yuka.
    „Wenn du es nicht tust, werde ich dich töten.“
    Yuka zuckte kurz erschrocken zusammen, dann aber bekam ihre Wut auf den seltsamen Kerl wieder die Oberhand. „Ja, klar, bestimmt“, sagte sie gelangweilt.
    „Ein Shinobi lügt mit so was nicht“, gab Gaara kalt zurück
    „Und was ist jetzt wieder ein Shinobi?“, fragte Yuka noch gelangweilter, obwohl ihr Gaaras Blick ziemlich Angst machte.
    „In welcher Welt lebst du? Ein Shinobi ist ein Ninja, so wie ich.“
    „Du wärst doch zu blöd, einen von diesen Ninja-Wurfsternen nur in die Hand zu nehmen“, gab Yuka provozierend zurück.
    Sofort wurde Gaaras Blick wütend. Er starrte Yuka so heftig an, dass die am liebsten umgedreht und weggerannt wäre. Dann machte er eine ausschweifende Handbewegung und schoss wie bei den fünf Typen zuvor einen Sandstrahl auf Yuka ab. Yukas Augen weiteten sich entsetzt, als der Sand ihren Körper umschloss und dann blitzartig hart wie Stein wurde. Gaara hob den Arm und mit seinem Arm hob sich auch der Panzer mitsamt Yuka in die Luft. „Wie … wie machst du das?“, keuchte Yuka und spürte, wie ihr Herz zum Zerbrechen schnell schlug. Panik stellte sich bei ihr ein. Das hier war alles andere als normal. Es ging doch gar nicht, dass dieser Gaara den Sand hier kontrollieren konnte!
    „Du gehst mir auf die Nerven. Stirb“, sagte Gaara gefühllos und schloss langsam seine Hand. Mit dem Schließen seiner Hand schloss sich auch der Panzer um Yuka herum fester. Yuka schnappte verzweifelt nach Luft, aber der Panzer drückte sich unbarmherzig gegen ihre Brust und verhinderte das Atmen immer mehr.
    °Ist das jetzt etwa das Ende? Bringt der kranke Typ mich jetzt um?°, schoss es ihr durch den Kopf, °Verdammt, ich will noch nicht abkratzen!°
    „Lass mich … raus“, presste sie hervor. Sie blickte runter auf Gaara, der sie mit richtiger Zufriedenheit ansah. Er schien richtig Spaß daran zu haben. Da aber kam ihr eine Idee. „Hey, du musst mich runterlassen … ich bin die Einzige, die … die dich in dein Windreich bringen kann“, keuchte Yuka unter größter Anstrengung. Sie sah, dass Gaaras Hand lockerer wurde, der Panzer lockerte sich aber nur minimal. Er schien über ihre Worte nachzudenken.
    Schnell legte Yuka noch mal nach. „Wenn du mich jetzt umbringst, dann hast du deine Chance vertan, zu deinen Shinobi-Kumpels zurückzukommen.“
    Die jadegrünen Augen von Gaara fixierten sie, dann ging ein Ruck durch seinen Körper. Yuka kniff die Augen zusammen, sie war sich hundertprozentig sicher, dass er sie jetzt abmurksen würde. Aber das schreckliche Krachen von zerbrechenden Menschenknochen blieb aus, stattdessen lockerte sich der Panzer um Yuka herum und ließ sie los. Unsanft fiel sie zurück auf den Boden. Sofort begann sie keuchend nach Luft zu schnappen.
    °Meine Fresse, das war vielleicht knapp! Ich hätte echt gedacht, es ist vorbei°, dachte Yuka und sog die Luft in sich ein. In der Hocke verharrte sie vor Gaara, der sie weiterhin mit seinem kalten Blick bedachte.
    „Dann zeige mir jetzt auch den Weg ins Windreich. Sofort“, sagte Gaara im Befehlston.
    Yuka hob den Kopf und sah hoch zu ihm. Sie spürte, wie es ihr eiskalt den Rücken herunter lief. Dieser verrückte Typ machte ihr immer mehr Angst.
    „Wo soll dein komisches Windreich denn sein?“, fragte sie und erhob sich mit etwas zittrigen Beinen.
    Sofort verengten Gaaras Augen sich. „Du weißt nicht, wie ich hinkomme?“
    Schnell hob Yuka abwehrend die Hände. So wie er aussah, war er kurz davor, sie um die Ecke zu bringen, weil sie ihm wohl doch nicht helfen konnte. „Halt! Warte kurz! Ich bin sicher, irgendwie bring ich dich hin!“
    Kurz sah Gaara sie mit seinem kalten Blick an, dann drehte er sich um. „Gut, dann fang an.“
    °Bin ich jetzt etwa seine Bedienstete oder was?°, dachte Yuka empört, °Verdammt, in was für eine Scheiße hab ich mich jetzt schon wieder reingeritten? Jetzt muss ich einem total kranken Typen mit ganz und gar nicht normalen Fähigkeiten helfen, in ein Land zu kommen, das es gar nicht gibt!°
    Yuka stöhnte auf. Aber so wie es aussah, war es im Moment wohl das Beste, diesem gruseligen Gaara zu helfen. Sonst würde er wohl kurzen Prozess mit ihr machen.
    °Ich muss die Polizei rufen, sobald sich die Gelegenheit bietet°, entschied Yuka, °Aber erst mal muss ich ihm folgen.°
    Entschlossen nickte Yuka und lief dann Gaara hinterher. Wer auch immer dieser abnormale Kerl war, momentan saß er am längeren Hebel. Da hieß es, sich unterordnen und aus der Situation das Beste machen.


    von meggy (http://www.naruto.animemanga.de)

  • Nebeneinander liefen Gaara und Yuka durch die Straßen. „Ich denke, ich werde erst mal im Internet nachgucken, ob dort etwas über dieses Windreich steht“, sagte Yuka mit einem Seitenblick auf Gaara.
    Der ignorierte sie völlig und lief nur mit ausdruckslosem Blick weiter. Yuka wunderte sich ziemlich darüber. Wenn sie plötzlich in einer anderen Welt gelandet wäre, dann würde sie nie im Leben so ruhig bleiben. °Halt, halt, halt!°, ermahnte sie sich da selbst, °Der Kerl kommt nie und nimmer aus einer anderen Welt! Er ist einfach nur geisteskrank! Ich muss ihn so schnell wie möglich loswerden!°
    Yuka führte Gaara zu ihrem Haus. Sie lebte am Rande der Kleinstadt in einem kleinen Holzhaus, das großteils japanisch eingerichtet war. Der Japan-Tick ihrer Eltern hatte sich selbst im Haus durchgesetzt.
    Kurz darauf standen die beiden Jugendlichen vor dem Holzhaus. Es war noch sehr neu und das Holz glänzte in der Sonne fast schon golden.
    „Meine Eltern sind gerade nicht zu Hause, du fällst also gar nicht auf“, erklärte Yuka, aber Gaara reagierte natürlich nicht darauf. Also lief Yuka einfach zur Haustür, schloss auf und trat dann in den Flur ein. Ohne sich nach Gaara umzusehen ging sie den lichtdurchfluteten Gang entlang und bog dann hinten rechts in eine Tür ein. Durch diese Tür kam sie in ihr Zimmer. Yukas Zimmer war ziemlich groß, hatte aber nur wenige Möbel. Was aber gar nicht fehlen durfte, war der Computer auf ihrem Holzschreibtisch. Sie liebte es, stundenlang im Internet zu surfen und dabei mit ihren Freundinnen zu chatten.
    Hinter sich hörte sie, wie auch Gaara das Zimmer betrat. So normal wie es mit einem potenziellen Mörder hinter sich ging, setzte Yuka sich an den Schreibtisch und schaltete ihren PC ein.
    „Was ist diese Maschine?“, fragte da plötzlich Gaara mit so eiskalter Stimme, dass es Yuka vorkam, als würde die Luft von seiner Stimme gefrieren.
    Yuka ging ins Internet und drehte sich nicht mal zu ihm um, als sie antwortete: „Das ist ein Computer. Von ihm kann ich Informationen bekommen, zum Beispiel auch über dein Windreich, wenn es das wirklich gibt.“
    „Das Windreich existiert“, versetzte Gaara mit drohendem Unterton.
    Wieder bekam Yuka es mit der Angst zu tun, aber schon nicht mehr so stark wie vorher. Sie schluckte und öffnete dann die Internetsuchmaschine „Google“. Mit etwas zittrigen Fingern gab sie den Suchbegriff „Windreich“ ein. Sie spürte Gaaras Blick in ihrem Rücken. Er starrte sie unablässig an.
    Aber Yuka zwang sich, nicht an ihn zu denken, sondern sah sich die Ergebnisse ihrer Suche an. Es gab einige Links zu Seiten von irgendwelchen Büchern oder Fantasygeschichten. Aber ein richtiges Land fand sie nicht.
    „Ich finde hier nichts. Es scheint keine Informationen über das Windreich zu geben“, sagte Yuka leise.
    „Du kannst mich also doch nicht hinbringen?“, kam es von Gaara zurück.
    „Doch, vielleicht doch!“, rief Yuka hastig, „Ich suche es auf ‚Google Earth’. Da ist absolut jedes Fleckchen auf der Erde verzeichnet! Nur einen Moment!“
    °Langsam wird’s eng°, dachte sie, °Wenn ich ihm sein komisches Windreich nicht zeigen kann, dann killt er mich … ich muss ihn loswerden!°
    Da kam ihr plötzlich eine Idee. °Natürlich!°, schoss es ihr durch den Kopf. Schnell machte sie die Anzeige für „Google Earth“ klein und öffnete ein neues Fenster mit ihrer E-Mailadresse. Hastig öffnete sie ihr auf dem Computer gespeichertes Adressbuch, in der zum Glück die E-Mailadresse der ortsansässigen Polizeidienststelle stand.
    °Hoffentlich versteht Gaara nicht, was ich gerade tu … Aber er scheint sich mit Computern kein bisschen auszukennen, also riskier ich’s einfach mal.° Sie schluckte und sagte zu Gaara: „Ich schreibe schnell einen Rundruf an alle Leute, die ich kenne, damit sie mir sagen, wenn sie etwas über das Windreich wissen.“
    Weil sie mit Gaara immer Englisch redete und er den Text ihrer Mail natürlich nicht verstehen sollte, mobilisierte sie all ihre Italienischkenntnisse aus dem Schulunterricht und tippte so schnell sie konnte in ihre Mail an die Polizei auf Italienisch: „Hilfe, ein gewaltbereiter Jugendlicher hält mich in seiner Gewalt. Er hat rote Haare, eine Kürbisflasche auf dem Rücken und nennt sich ‚Gaara’.“ Hastig tippte sie noch ihre Adresse darunter und schickte die E-Mail an die ortsansässige Polizeidienststelle dann ab. Gaara schien nichts bemerkt zu haben und Yuka atmete erleichtert auf. Sobald die Polizei ihre Mail las, würden sie bestimmt mit ein paar Beamten herkommen. Auf dem Revier würde schon jemand Italienisch verstehen. In der Zwischenzeit musste sie Gaara nur noch hier festhalten. Sie schloss das Fenster mit ihrer E-Mailadresse und sah nach, was ihre Suche bei Google Earth ergeben hatte. Kurz überflog sie die Ergebnisse, aber das Programm hatte nichts gefunden. Das Windreich schien einfach nicht zu existieren.
    Langsam drehte Yuka sich zu Gaara um. Jetzt hieß es, die Worte bedächtig zu wählen, sonst würde er sie gleich um die Ecke bringen. „Das Programm hier hat das Windreich nicht gefunden, aber …“
    Gaara jedoch ließ sie gar nicht ausreden, er unterbrach sie: „Such nach Suna-Gakure.“
    „Davon habe ich noch nie etwas gehört“, wandte Yuka ein.
    „Tu es einfach“, kommandierte Gaara und sah sie scharf an.
    Yuka lief es eiskalt den Rücken herunter, sie drehte sich wieder ihrem Computer zu und suchte bei Google Earth nach Suna-Gakure, was auch immer das sein sollte. Sie betete innständig, dass die Polizei bald kommen würde. Wenn diese Suche nichts brachte … wer wusste, was dieser Gaara dann anstellen würde.
    „Kannst du mir nicht … etwas aus deiner Heimat erzählen?“, fragte Yuka vorsichtig.
    „Warum sollte ich das tun?“, gab Gaara zurück.
    „Vielleicht kann mir das bei deiner Suche helfen“, antwortete Yuka und unterdrückte die aufsteigende Angst.
    Gaara trat einen Schritt nach vorne, bis er neben Yukas Stuhl stand. Dann sah er ihr direkt ins Gesicht. Yuka war in seinen jadegrünen Augen gefangen, die sie fixierten, wie ein Raubtier seine Beute.
    Gaara hob den Arm und öffnete den Mund. Yuka kniff die Augen zusammen und war sich sicher, dass ihr letztes Stündchen gekommen war. Aber nichts dergleichen geschah. „In meiner Welt gibt es fünf Länder, in jedem ist ein Dorf mit Shinobi“, begann Gaara, „Ich komme aus dem Windreich, dort ist das Ninja-Dorf Suna-Gakure, es wird aber auch ‚das Dorf unter dem Sand’ genannt.“
    Yuka öffnete vorsichtig wieder die Augen und sah Gaara an. Sie lebte noch! Und er tat sogar, worum sie ihn gebeten hatte! Ein Lächeln erschien auf Yukas Gesicht.
    Gaara ignorierte es und fuhr mit seinem Vortrag fort: „Die Länder haben Frieden untereinander, aber sie sind auch Rivalen. Deshalb will jedes Land die besten Shinobi haben.“
    „Also dreht sich in deiner Welt alles nur um Ninjas?“, fragte Yuka.
    „Wenn du in den versteckten Dörfern lebst schon“, antwortete Gaara kühl. Damit schien sein Vortrag beendet zu sein. Yuka war enttäuscht, dass seine Redephase wohl vorüber war. Sie wandte sich wieder ihrem Computer zu, auf dem die Ergebnisse ihrer Suche jetzt zu sehen waren. Kein einziges Stückchen auf der Erde hatte den Namen Suna-Gakure.
    „Ähm …“, murmelte Yuka und suchte verzweifelt nach einer Möglichkeit. Wo blieb nur die Polizei? Wenn man die blöden Bullen einmal brauchte!
    „Hast du es gefunden?“, fragte Gaara.
    Yuka drehte sich langsam wieder zu Gaara hin und sah an ihm vorbei. „Suna-Gakure gibt es auf der Erde nicht“, sagte sie dann langsam und bedächtig.
    Gaaras Augen verengten sich ein bisschen. Aus seiner Kürbisflasche kam langsam Sand heraus und umschwebte Gaara. Es sah gespenstisch und furchteinflößend aus.
    „Hey, das ist nicht meine Schuld!“, brach es aus Yuka heraus, „Es gibt dein komisches Dorf einfach nicht! Es existiert nicht! Du hast irgendein psychisches Problem, du gehörst in die Klapse!“
    Gaara schien den Sinn ihrer Worte nicht ganz zu verstehen, aber dass sie nicht freundlich gemeint waren, verstand er sofort. Finster sah er Yuka an. „Es reicht mir. Ich muss mir das nicht von jemandem wie dir anhören“, sagte Gaara drohend. Yuka sprang von ihrem Stuhl auf und trat instinktiv einen Schritt zurück. °Das war’s dann wohl°, schoss es ihr durch den Kopf.


    von meggy

  • In Todesangst starrte Yuka Gaara an. Sie trat weiter zurück, bis sie an die Wand ihres Zimmers anstieß. Gaara bewegte sich nicht. Sein Blick war aber furchteinflößend genug.
    „Wenn du … wenn du mich jetzt umbringst, dann ruinierst du dir dein ganzes Leben“, stotterte Yuka, „In dieser Welt hier gibt es Gesetze und wenn … wenn du dich nicht daran hältst, wirst du eingesperrt. Und du … du darfst keine Menschen töten! Noch ist nichts passiert, also … wenn du mich in Ruhe lässt, fällt deine Strafe nicht so schwer aus.“
    „Was für eine Strafe? Ich habe davor keine Angst“, gab Gaara kühl zurück.
    Yuka drückte sich fest an die Wand hinter ihr, in der verzweifelten Hoffnung, sie könne ihr irgendwie helfen. Sie musste hier weg. Er würde sie töten. Sie hatte unglaubliche Angst. Aber sie wollte keine Angst haben und es gab nur eine Möglichkeit, mit der sie die Angst überdecken konnte: Wut.
    „Denkst du denn nie darüber nach, dass wir andere Menschen auch leben wollen?!“, schrie sie Gaara an, „Du bist der egoistischste Kerl, den ich je gesehen habe!“
    „Du hast doch keine Ahnung!“, schrie Gaara zurück, „Die Menschen haben sich auch nie um MICH gekümmert, also kümmere ich mich auch nicht um sie! Ich werde jeden außer mir töten, bis es nur noch mich auf der Welt gibt!“
    „Und dann? Was machst du dann? Freust du dich dann, dass du total alleine bist?“, brüllte Yuka, „Schon mal was von Liebe gehört? Von Freundschaft? Für so was leben normale Menschen!“
    Gaaras Blick wurde noch finsterer, falls das überhaupt möglich war. Seine Stimme wurde ruhiger, aber auch drohender, als er antwortete: „Warum sollte ich dafür leben, wenn ich es noch nie erlebt habe? Was findet ihr an dieser Liebe nur so toll?“
    Mit einem Mal war Yukas Wut wieder wie weggeblasen. Gaaras Stimme klang drohend, aber sie glaubte, einen Hauch Trauer herauszuhören. Verbarg sich unter der Maske dieses brutalen Kerls etwa ein Lebewesen mit Gefühlen? Mit verletzten Gefühlen?
    „Warum hast du noch nie Liebe erfahren?“, fragte Yuka wieder in normaler Lautstärke. Sie kam sich irgendwie seltsam dabei vor, mit dem Typen, der sie jeden Moment umbringen würde, über seine Gefühle zu reden. Aber Gaaras letzter Satz hatte etwas Menschliches gehabt. Yuka wollte gerne glauben, dass auch er Gefühle hatte.
    Gaara hatte seinen Arm sinken gelassen. Sein Blick ging zu Boden. Mit eiskalter, aber nicht mehr drohender Stimme sagte er: „Stell dir vor, alle hassen dich ohne Grund. Du hast keinem was getan und alle nennen dich Monster. Dein eigener Vater will dich töten. Wie findest du so ein Leben? Wie würdest du über die anderen Menschen denken?“
    Mitleid erfüllte Yukas Herz mit einem Mal. Sie hätte nie gedacht, dass sie diesen brutalen Kerl irgendwie mögen könnte, aber so wie er gerade redete, schien er in seiner Vergangenheit genug durchgemacht zu haben, um sein Verhalten zu erklären. Wenn das alles wirklich mit ihm passiert war, dann war es nur klar, dass er psychische Probleme hatte.
    „Gaara“, flüsterte Yuka und fühlte irgendwie das starke Bedürfnis ihn zu trösten in sich, obwohl sie ihn noch zwei Minuten vorher am liebsten tot gesehen hätte.
    „Daher werde ich alle Menschen töten! Wenn sie mich hassen, hasse ich sie auch!“, rief Gaara aus und sah Yuka wieder mit einem Blick voller Hass auf die ganze Welt an.
    Yuka aber dachte jetzt anders über ihn. Es konnte sein, dass er geisteskrank war, aber sie wollte ihm plötzlich helfen. Sie wollte ihn nicht auch noch in seinem jetzigen Schicksal im Stich lassen.
    „Ich werde dir helfen! Ich bringe dich irgendwie in dein Dorf zurück, ich versprech’s dir!“, rief sie mit fester Stimme, „Wir finden schon eine Möglichkeit!“
    Der Hass in Gaaras Blick verringerte sich etwas. „Warum willst du das tun?“
    „Weil jeder Mensch das Recht auf Heimat hat. Ich bringe dich nach Hause“, antwortete Yuka ruhig, obwohl ihr Herz raste und sie sich selbst fragte °Hast du sie noch alle?! Hallo, der Kerl ist ein psychopathischer Killer!° Aber sie sah ihm nur weiterhin ins Gesicht und brachte sogar ein kleines Lächeln zu Stande.
    Gaara wandte sich ab. „Wenn du unbedingt willst.“
    Yuka atmete erleichtert aus. Aber weniger, weil ihr Leben gerettet war, sondern eher, weil sie ihm helfen konnte. Sie löste sich vorsichtig wieder von der Zimmerwand.
    In diesem Moment erklang von draußen das Geräusch von zuschlagenden Türen und schnellen Schritten. Dann schrie jemand in voller Lautstärke in ein Megaphon: „Hier spricht die Polizei! Das Haus ist umstellt! Kommen Sie mit erhobenen Händen heraus! Und lassen Sie die Geisel in Ruhe!“
    Yukas Augen weiteten sich vor Entsetzen. Oh nein! Die Polizei war da! Ausgerechnet jetzt! Sofort fuhr Gaara mit blitzenden Augen zu ihr herum und starrte sie wutentbrannt an. „Du hast Hilfe gerufen! An diesem seltsamen Ding da!“ Seine Stimme überschlug sich fast vor Aufregung und Hass. „So viel dazu, dass du mir helfen willst! Du betrügst mich nur, wie alle anderen auch!“
    „Nein!“, rief Yuka hastig aus, „Ich hab das gemacht, bevor ich mich entschieden habe, dir wirklich zu helfen! JETZT will ich gar nicht mehr gerettet werden!“
    „Schweig still!“, schrie Gaara und im nächsten Moment schoss ein Sandstrahl auf Yuka zu. Yuka warf sich mit einem Hechtsprung zur Seite und konnte dem Sandstrahl gerade noch so entkommen.
    „Gaara, hör mir doch zu! Mir müssen zusammenarbeiten um zu fliehen!“, rief sie und richtete sich wieder auf.
    „Ich brauche keine Hilfe! Von niemandem! Und am wenigsten von dir!“, zischte Gaara und machte sich für den nächsten Angriff bereit.
    „Sie hatten Ihre Chance! Wir stürmen das Haus!“, schrie es da wieder von draußen. Die Worte schossen wie Dynamit in Yukas Kopf.
    „Wir müssen hier weg! Schnell! Komm schon, Gaara! Es tut mir Leid!“, rief sie hektisch.
    „Ich werde es nicht noch mal wiederholen“, sagte Gaara ruhig und gefasst und sah Yuka eiskalt an. Der Sand umhüllte seinen Arm wieder.
    Yuka hörte, wie die Haustür aufgebrochen wurde und schnelle Schritte sich näherten. Verdammt! Sie hatte nur noch ein paar Sekunden, um Gaara endlich zu einer gemeinsamen Flucht zu überreden. Sonst würde die Polizei sie beide schnappen.
    „Wenn wir jetzt nicht abhauen, kannst du mich nicht töten! Die Typen sind gleich hier und werden mich retten! Entweder wir hauen zusammen ab, oder du verpasst die Chance, mich abzumurksen!“, rief sie.
    Das schien endlich bei Gaara anzukommen. „Ausnahmsweise.“ Prompt zog sich der Sand in seine Kürbisflasche zurück.
    Yuka atmete nur innerlich auf, äußerlich blieb ihr dazu keine Zeit. Hastig lief sie auf Gaara zu und packte sein Handgelenk. „Wir müssen durchs Fenster verschwinden!“
    Hektisch zerrte sie Gaara ans Fenster. Zum Glück lag ihr Zimmer im Erdgeschoss. So schnell sie konnte kletterte sie auf die Fensterbank, aber in diesem Moment ging plötzlich ihre Zimmertür krachend auf.
    „Da sind sie! Zugriff!“, brüllte einer der Polizisten und mindestens fünf Beamte stürmten ins Zimmer.
    Yuka sprang vom Fensterbrett runter nach draußen in den Garten hinter dem Haus. Zum Glück ließ Gaara es nicht auf einen Kampf ankommen, sondern sprang gelenkig aus dem Fenster und rannte dann los durch den Garten. Yuka rannte neben ihm her, so schnell sie konnte.
    „Stehen bleiben!“, schrieen die Polizisten hinter ihnen her, sprangen ebenfalls aus dem Fenster und begannen, sie zu verfolgen.
    „Wohin?“, fragte Gaara knapp und rannte über den Rasen.
    Yuka sah sich kurz über die Schulter nach hinten um. Die Polizisten waren ihnen dicht auf den Versen und direkt vor ihr baute sich jetzt der Gartenzaun auf, der mindestens einen Meter hoch war, also eindeutig zu hoch zum Überspringen. Und dahinter lag zu allem Überfluss auch noch die Straße. Auf der Straße würden die Polizisten einen klaren Vorteil mit ihren Autos haben.
    „Wir müssen irgendwie über den Zaun und dann brauchen wir ein Verkehrsmittel oder so!“, rief Yuka ohne irgendeine Idee zu haben, was für ein Verkehrsmittel sie nehmen sollten, um die Polizisten abzuhängen.
    Gaara griff Yuka um die Talje, hob sie hoch und sprang dann mit einem so lässigen Satz, als würde er über einen Stock am Boden springen, über den Zaun hinweg und kam danach auf der Straße zum stehen. Aber es war zu spät. Direkt vor ihnen standen mindestens drei Polizeiautos und ein ganzer Haufen Polizisten umkreiste sie mit gezogenen Waffen. Die verdammten Bullen hatten sie erwartet!
    Rasch ließ Gaara Yuka wieder los und sie landete wieder auf dem Boden.
    „Geben Sie das Mädchen heraus! Hände hoch!“, forderte einer der Polizisten und richtete seine Pistole auf Gaara.
    „Geht mir aus dem Weg oder ihr werdet es bereuen“, sagte Gaara ruhig und gefasst, aber mit drohender Stimme.
    „Wir werden auf Sie schießen, wenn Sie sich nicht sofort ergeben“, drohte der Polizist zurück.
    Yuka brauchte nur einen kurzen Seitenblick auf Gaara zu werfen um zu wissen, dass er die Polizisten ohne zu zögern alle nacheinander umbringen würde. Aber das durfte er nicht. Wenn er jetzt hier ein Blutbad anrichtete, dann würde die Polizei wahrscheinlich irgendein Sonderkommando mit dem Fall beauftragen. Mal abgesehen von den unschuldigen Menschenopfern!
    Yuka zupfte vorsichtig an Gaaras Ärmel und flüsterte ihm zu: „Lass die Typen in Ruhe. Lass uns abhauen.“
    „Ich lasse mir von diesen Schwächlingen nichts vorschreiben. Noch weniger als von dir“, zischte Gaara.
    Verzweifelt ließ Yuka ihren Blick über die Umgebung schweifen. Es musste doch irgendeine Möglichkeit geben, ein Blutvergießen zu vermeiden! Da blieb ihr Blick plötzlich an einem jungen Beamten hängen, der auf einem Motorrad saß. Natürlich! Perfekt!
    „Gaara, ich hab einen Plan“, flüsterte Yuka, „Bring den Typen auf dem Motorrad um die Ecke und dann hauen wir mit dem Motorrad ab. Die anderen werden dann schon wissen, dass du der Stärkere bist.“
    Yuka wusste mittlerweile genau, dass sie die Wahrheit für Gaara ein bisschen umschreiben musste, damit er das Richtige tat. Wenn sie die Wahrheit ein bisschen so umdichtete, dass er dann als starker Typ da stand, dann würde er bestimmt mitmachen.
    Und tatsächlich wandte Gaara den Blick von dem Polizisten, der mit ihm geredet hatte, ab und blickte zu Yuka hin. Dann fragte er: „Was ist ein Motorrad?“
    Wäre die Situation nicht so verflucht ernst gewesen, wäre Yuka garantiert umgekippt! Dieser Typ war so was von unwissend!
    „Das Teil mit den zwei Rädern“, antwortete sie leise und mühsam beherrscht und deutete mit dem Kinn darauf.
    Da aber riss dem Polizisten der Geduldsfaden. „Zugriff! Seid aber vorsichtig mit dem Mädchen! Sie ist nur eine Geisel!“, befahl er.
    Alle umstehenden Polizisten stürmten auf Yuka und Gaara zu. Yuka schnappte erschrocken nach Luft, aber Gaara reagierte schneller. Er packte Yuka am Arm und zog sie mit sich. Yuka stolperte hinter ihm her, wie er todesmutig den Polizisten entgegenstürmte. Aber zum Glück merkte sie, dass er auf das Motorrad zuhielt.
    „Haltet ihn auf! Sie dürfen nicht fliehen!“, brüllte irgendjemand.
    Aber Gaara war unwahrscheinlich schnell. Er wich den heranstürmenden Polizisten aus und verkniff es sich, einen von ihnen zu verletzen. Geschickt wand er sich mit Yuka zusammen durch die Angreifer durch und hielt dann auf das Motorrad und dem einsamen Polizisten darauf zu.
    Der Polizist bekam Augen so groß wie Wagenräder, als er plötzlich allein Gaara gegenüber stand. Er lud hastig seine Waffe, aber Gaara streckte schon den Arm aus. Blitzschnell schoss Sand auf den Beamten zu, packte ihn fest um den Hals und zog ihn in die Luft. Der Polizist röchelte in der Luft, aber der Sand würgte ihn gnadenlos.
    Gaara sah kurz zu ihm hoch und seine jadegrünen Augen verengten sich. Dann machte er eine wegwerfende Handbewegung und der Polizist wurde weggeschleudert. Er knallte volle Kanne gegen die nächste Häuserwand.
    Yuka verschloss ihre Ohren vor dem Schmerzensschrei. Immerhin hatte sie den Schaden in Grenzen gehalten. Schnell sprang sie auf das Motorrad und rief Gaara zu: „Steig auf! Und dann nichts wie weg hier!“
    Die Polizisten hatten sich wieder zu ihnen umgedreht und jetzt rannte die eine Hälfte auf sie zu, die andere Hälfte sprang in die Autos, um eine Verfolgungsjagd zu starten.
    Gaara sah Yuka kurz mit seinem eiskalten Blick an, dann aber tat er, was sie sagte und bestieg das Motorrad. Unschlüssig blieb er vor Yuka sitzen.
    „Fahr los! Mach schon!“, schrie Yuka ihm von hinten ins Ohr, „Dreh den Schlüssel um und dreh dann an den Handgriffen! Dann fährt es los!“ Sie verfluchte sich innerlich für ihre bescheuerte Idee. Wenn Gaara nicht mal wusste, was ein Motorrad war, wie war sie dann nur darauf gekommen, dass er eins fahren konnte?
    Aber Gaara reagierte schnell, er drehte den Schlüssel, der noch steckte, um und schon sprang das Mottorad an. Mit einer Handbewegung drehte er an den Griffen und mit einem brummenden Geräusch fuhr das Motorrad los.
    „Wah!“, rief Yuka erschrocken, lehnte sich schnell vor und umklammerte die Kürbisflasche auf Gaaras Rücken von hinten um nicht runter zu fallen. Gaara gab Vollgas, schaffte es irgendwie, das Motorrad zu wenden und raste dann die Straße entlang. Entweder war er ein Naturtalent im Motorradfahren, oder in seiner Welt gab es so etwas Ähnliches wie Motorräder. Wie auch immer, Gaara hatte die Maschine unter Kontrolle und jagte die Straße entlang. Dabei gab er unablässig Gas.
    „Stehen bleiben!“, brüllte es hinter ihnen, aber natürlich machten weder Yuka noch Gaara sich etwas aus den Polizisten, die sie in ihren Autos verfolgten.
    Yuka krallte sich so fest sie konnte an die Kürbisflasche und irgendwie war in ihr ein Hauch von Enttäuschung, weil sie sich nicht an Gaara direkt anlehnen konnte. Aus irgendeinem Grund hätte sie sich gerne an Gaaras Körper festgehalten.
    °Yuka, komm wieder runter!°, ermahnte sie sich da selbst, °Das hier ist der absolut bescheuertste Zeitpunkt, den man sich vorstellen kann um von SOWAS zu träumen! Du fährst hier mit einem psychopathischen Mörder zusammen auf einem geklauten Polizeimotorrad und wirst von einem Riesenhaufen Bullen verfolgt! Also krieg dich wieder ein!° Sofort rutschte Yuka ein bisschen zurück, um nicht mehr so dicht bei Gaara zu sein. Es war schon schlimm genug, dass sie einem geistesgestörten Typen helfen wollte, das Letzte, was sie jetzt noch brauchen konnte, waren Gedanken wie DIESE.

    von meggy

  • Mit über hundert Sachen jagte das Polizeimotorrad durch die Straßen von Jeffersontown. Drei Polizeiautos verfolgten das Motorrad, aber sie konnten nicht aufholen, weil Gaara das Motorrad immer wieder durch enge Kurven jagte und da hatte das wendige Motorrad den großen Autos gegenüber klare Vorteile.
    „Wir müssen sie abhängen!“, schrie Yuka Gaara ins Ohr.
    „Das Ding kann nicht noch schneller!“, rief Gaara mit genervtem Unterton zurück.
    „Das mein ich auch gar nicht! Wir müssen sie loswerden, indem wir …“ Yuka dachte angestrengt nach und überlegte, wie sie die Polizisten am besten abhängen konnten. In diesem Moment tauchte vor ihnen das Logo-Schild vom nächsten McDonalds auf. Natürlich!
    „Rechts abbiegen! Wir fahren zum McDonalds, dann verlieren sie uns bestimmt!“, rief Yuka Gaara von hinten ins Ohr. Im gleichen Moment knurrte ihr Magen laut und vernehmlich. Sie hatte gar nicht gemerkt, wie hungrig sie über der ganzen Aufregung geworden war. Ein weiterer Grund für einen Besuch im Fast Food Laden!
    „Was ist denn jetzt schon wieder McDonalds?“, knurrte Gaara finster und machte keine Anstalten, abzubiegen.
    „Da kriegt man was zu essen! Es ist so was wie ein Restaurant! Bieg ab!“, erklärte Yuka.
    „Wir haben keine Zeit für eine Pause!“, gab Gaara unfreundlich zurück.
    „Wir gehen ja auch nicht zum essen hin! Wir nehmen den Drive-Inn!“, rief Yuka und wurde langsam ungeduldig.
    Gaaras Gesicht verfinsterte sich. Er hatte keinen Plan, was ein Drive-Inn war, aber das Geräusch von näher kommenden Polizeisirenen entschied es für ihn. Wenn sie die nervigen Polizisten so loswurden, dann würde er eben ausnahmsweise mal auf Yuka hören.
    Ohne zu blinken zerrte Gaara das Motorrad nach rechts, legte noch mal an Tempo zu und bretterte die Straße entlang. Am Ende der Straße konnte er ein mittelgroßes Gebäude ausmachen und wenige Minuten später war das Gebäude voll und ganz erkennbar. Es sah aus wie ein Haus, aber ein riesiges, gelb leuchtendes M hing über dem Gebäude. Auf einem Platz vor dem Haus standen viele Autos herum.
    „Siehst du die kleine Straße, die an dem Gebäude entlang führt und wo das Schild ‚Drive-Inn’ dabei steht? Da fährst du rein. Aber nimm mal ein bisschen Tempo raus“, erklärte Yuka.
    Ohne auch nur ein Wort zu sagen fuhr Gaara in den Drive-Inn. Zum Glück waren außer ihm gerade keine anderen Autos im Drive-Inn und er hatte freie Fahrt.
    „An dem Fenster musst du anhalten, dann geben wir unsere Bestellung auf“, flüsterte Yuka ihm zu.
    Mit quietschenden Reifen brachte Gaara das Motorrad an dem Fenster zum Stehen. Eine junge Frau lehnte sich aus dem Fenster heraus zu ihm hin. Beim Anblick des Polizeimotorrads wurde ihr Blick etwas entfremdet. Aber Yuka rettete die Situation schnell, indem sie mit einem strahlenden Lächeln ihre Bestellung aufgab. „Hi, wir hätten gerne einen McChicken und einen Cheeseburger. Dazu dann noch eine mittlere Portion Pommes.“
    „Ähm … in Ordnung …“, stotterte die junge Frau überrumpelt. Es kam ihr ziemlich spanisch vor, warum zwei Minderjährige auf einem Polizeimotorrad herumfuhren.
    Yuka bemerkte den fragenden Blick der Frau und erklärte schnell: „Ist schon cool, wie naturgetreu man mit ein bisschen Farbe ein normales Motorrad wie ein Polizeimotorrad hinkriegt, was?“
    „Äh, ja … sieht sehr echt aus“, gab die Frau vorsichtig zurück. So ganz war sie nicht überzeugt.
    „Wie viel kostet das dann?“, lenkte Yuka schnell ab.
    Die Frau nannte ihr den Preis und Yuka bezahlte hastig mit allem Bargeld,w as sie bei sich hatte. Dann waren auch endlich die Burger fertig und die junge Frau packte sie in eine Papiertüte. Da sie aber sah, dass Yuka die Tüte auf dem Motorrad wahrscheinlich schlecht würde tragen können, packte sie die Tüten in einen roten Rucksack mit dem McDonalds-Logo drauf und reichte sie so Yuka.
    „Danke“, lächelte Yuka, setzte sich den Rucksack schnell auf und schon fuhr Gaara wieder los. Binnen Sekunden waren sie zurück auf der normalen Straße.
    „Und dieses seltsame Gebäude heißt also McDonalds?“, fragte Gaara betont uninteressiert.
    „Genau. Es ist ein Restaurant, man bekommt Essen gegen Geld. Und wenn man nur so vorbeifährt und sich die Sachen zum Mitnehmen kauft, heißt das ‚Drive-Inn’“, erklärte Yuka. Der Kerl musste wirklich nicht ganz richtig im Kopf sein, wenn er nicht mal McDonalds kannte. Aber ihr kleiner Abstecher zum Burgerladen hatte zum Glück auch einen Vorteil gebracht. Von den Polizeisirenen war nichts mehr zu hören. Die Polizisten schienen sie verloren zu haben.
    „Ich glaube, wir sind erst mal außer Gefahr“, meinte Yuka, „Lass uns anhalten und eine Pause machen. Dann können wir auch unsere Burger essen.“
    „Kommandier mich nicht dauernd herum!“, schrie da Gaara wie aus heiterem Himmel.
    „Warum bist du denn jetzt plötzlich so mies drauf?“, fragte Yuka verwirrt.
    „Ich lass mir von dir nichts vorschreiben, glaub bloß nicht, dass ich jetzt den Chauffeur für dich spiele“, gab Gaara finster zurück, „Ich tu, was ICH will und ich sage, wir brauchen keine Pause. Das ist nur Zeitverschwendung.“
    Yuka verdrehte die Augen. „Glaubst du etwa, wir finden dein Suna-Gakure, wenn wir hier blöd durch die Gegend fahren? Bei der Pause kann ich mir die nächsten Schritte überlegen, wie wir weitermachen können.“
    Das machte selbst für Gaara Sinn. Er schnaubte abfällig, gab dann aber nach und bog mit quietschenden Reifen in eine schmale Seitengasse ein. „Abspringen!“, befahl er knapp, lehnte sich nach rechts und brachte so das noch fahrende Motorrad zum Umkippen.
    „Hilfe! Hast du sie noch alle?!“, kreischte Yuka, sah dann aber, dass Gaara gelenkig von dem fallenden Motorrad runter sprang. So schnell sie konnte folgte Yuka seinem Beispiel und rollte sich von der Maschine herunter und versuchte dabei, ihren Rucksack mit dem Burger-Inhalt irgendwie zu schützen. Nicht gerade sanft kam sie auf dem Boden auf, aber das Geräusch des Motorrads, das jetzt gegen die Häuserwände krachte, gab ihr deutlich zu verstehen, dass sie noch gut davongekommen war.
    „Steh auf, jetzt mach schon“, rief Gaara ungeduldig.
    „Ja, ja, immer mit der Ruhe.“ Yuka richtete ihren Oberkörper auf und erhob sich dann vorsichtig. Aber außer ein paar blauen Flecken war sie wohl unverletzt aus der verrückten Nummer herausgekommen und ihr Rucksack schien auch nichts abbekommen zu haben. „Also, essen wir jetzt?“, fragte sie dann und nahm ihren Rucksack ab. Gaara verdrehte genervt die Augen zum Himmel. Yuka aber ließ sich nicht beirren und zog ihren Chickenburger aus dem Rucksack. Mit einem fröhlichen Grinsen ließ sie sich im Schneidersitz auf den dreckigen Boden fallen und packte einen Burger aus seiner Schachtel. „Komm, Gaara, du hast doch bestimmt auch Hunger.“
    „Ich esse nichts von dir“, gab Gaara finster zurück und im nächsten Moment knurrte sein Magen übermäßig laut.
    Yuka musste grinsen. „Wenn du unbedingt willst. Aber dir entgeht wirklich was“, sagte sie und biss fröhlich in ihren Burger. Gaara lehnte sich an die Hauswand und ignorierte Yuka, die innerhalb weniger Minuten ihren Burger gegessen hatte und jetzt die Pommes auspackte. „Willst du nicht wenigstens mal Pommes probieren? Das sind frittierte Kartoffeln“, sagte sie in Gaaras Richtung.
    „Wenn wir dann endlich weiterkönnen“, stöhnte Gaara genervt und ging zu ihr hin. Mit einer fahrigen Bewegung riss er Yuka die Schachtel Pommes aus der Hand und steckte sich zwei Pommes in den Mund.
    „Und? Schmeckt gut, oder?“, fragte Yuka und packte währenddessen den Cheeseburger aus.
    „Es lässt sich mit nichts aus meiner Welt vergleichen“, meinte Gaara nur kalt und kaute lustlos auf seinen Pommes herum.
    „Willst du dann vielleicht den Cheeseburger?“, fragte Yuka.
    Wortlos schnappte Gaara sich den Burger und betrachtete ihn dann eingehend. Es sah echt so aus, als hätte er noch nie zuvor einen Burger gesehen. Dann biss er vorsichtig hinein und kaute ziemlich langsam darauf herum. Erst nach einer ganzen Weile schluckte er seinen Bissen hinunter und biss dann ein weiteres Mal ab, diesmal schneller. Yuka sah grinsend zu, wie Gaara abwechselnd Pommes und Cheeseburger aß und beides innerhalb kurzer Zeit aufaß.
    „Na also, das Essen in meiner Welt ist doch nicht übel, oder?“, grinste Yuka und zerknüllte die leere Tüte. Gaara warf ihr nur einen finsteren Blick zu und lief dann an ihr vorbei. Schnell stand Yuka auf und folgte ihm.
    „Wohin jetzt?“, fragte Gaara und sah Yuka aus ausdruckslosen Augen an, als wäre die ganze Hamburger-Aktion gar nie gewesen..
    „Ähm“, begann Yuka und hatte herzlich wenig Ahnung, was sie machen sollten. Sie war so damit beschäftigt gewesen, Gaara beim Essen zuzusehen, dass sie völlig vergessen hatte, ihre nächsten Schritte zu überdenken. °Okay, ich bin hier also mit einem Mörder, der behauptet, aus einer anderen Welt zu kommen auf der Flucht vor der Polizei°, fasste sie zusammen, °Wahrscheinlich sucht uns jetzt schon die ganze Polizei in ganz Kentucky. Ist ja auch nicht gerade alltäglich, dass ein gewaltbereiter Dreizehnjähriger ein Mädchen kidnappt, mit einem Motorrad abhaut und nebenbei einen Polizisten um die Ecke bringt. Wir müssen uns irgendwie eine Tarnung zulegen, sonst haben wir keine ruhige Minuten mehr.° Yuka sah Gaara ins Gesicht. „Wir brauchen eine Tarnung“, erklärte sie und gewöhnte sich schon richtig an seinen eiskalten Blick. „Dazu müssen wir uns andere Klamotten besorgen! Ein paar Ecken weiter ist ein Einkaufszentrum, da kriegen wir Klamotten!“
    Schnell rannte sie los. Gaara hatte nur die Hälfte ihrer Worte kapiert, aber er folgte ihr trotzdem. Zusammen rannten sie den Gehweg entlang und standen nur ein paar Minuten später vor einem mittelgroßen Einkaufszentrum, auf dessen gesamter Vorderseite jede Menge Leuchtreklametafeln angebracht waren. Gaara starrte das Gebäude an, als wäre es ein dreiköpfiger, neongelber Drache mit Karomuster auf den Schuppen.
    Yuka aber merkte es gar nicht, sie packte ihn am Handgelenk und zog ihn hinter sich her, durch die Schiebetür in das Einkaufszentrum. Direkt vor ihnen stand ein großer Brunnen, links und rechts waren die ersten Geschäfte. Und überall wuselten Menschen herum.
    Schnell lief Yuka mit Gaara im Schlepptau den rechten Gang entlang und betrat dann eine kleine Boutique. Hier stöberten nur zwei junge Frauen herum, ansonsten war es recht leer.
    „Du brauchst zuerst neue Klamotten“, sagte Yuka zu Gaara und zog ihn zur Männerabteilung. Mit sichtlichem Desinteresse musterte Gaara die Kleidungsstücke, die an den Ständern hingen.
    „Was hättest du gerne? Such dir was aus!“, rief Yuka lächelnd.
    „Ich werde nichts davon anziehen“, antwortete Gaara kühl.
    „Komm schon! In deinem Outfit fällst du auf wie ein bunter Hund!“, beschwerte sich Yuka.
    „Versuch nicht, mir irgendwas vorzuschreiben!“, fuhr Gaara Yuka an.
    Yuka fühlte Wut in sich aufsteigen und hätte ihm gerne so richtig die Meinung gegeigt. Aber dafür war jetzt keine Zeit, die Situation war zu ernst. „Dann überschminken wir wenigstens das Schriftzeichen auf deiner Stirn und du nimmst die Kürbisflasche ab“, schlug sie vor.
    „Ich nehme meine Kürbisflasche NICHT ab“, entgegnete Gaara drohend.
    „Mann, jetzt reicht’s mir aber!“, rief Yuka frustriert aus, „Ich tu das alles hier nur für dich! Du könntest zumindest ein bisschen mithelfen, wenn ich mir schon den Arsch für dich aufreiß!“
    „Darum habe ich dich nicht gebeten.“
    „Trotzdem willst du doch in dein Suna-Gakure zurück! Also arbeite mit, sonst schaffen wir das nicht!“, rief Yuka aufgebracht.
    „Ich lege meine Kürbisflasche nicht ab.“
    „Dann behalte das Ding eben! Dann ziehst du aber andere Klamotten an!“
    Yuka wartete gar nicht mehr auf eine Antwort von Gaara, sondern zog schnell ein T-Shirt, eine Jeans und ein paar Schuhe aus dem Regal. Alles musste ungefähr Gaaras Größe haben. „So, und das ziehst du jetzt an!“, kommandierte sie mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete und deutete auf die Umkleidekabine. „Geh da rein und zieh das an!“
    „Du hast mir gar nichts zu sagen“, kam es kalt von Gaara zurück.
    Yuka riss jetzt endgültig der Geduldsfaden. „Du nervst! ANZIEHEN! JETZT!“, schrie sie, schob Gaara mit aller Kraft in die Kabine und warf ihm die Klamotten hinterher. „Und wenn du nicht in zwei Minuten in diesen Klamotten wieder raus kommst, dann bin ich aus der Sache raus und du kannst dein blödes Suna-Gakure allein suchen!“, schrie sie gegen die Tür der Kabine. Schwer atmend vor Aufregung ließ sie sich gegen die Wand fallen.
    Keine Minute später ging die Tür der Umkleidekabine wieder auf. Yuka stieß sich von der Wand ab und sah hin. Im nächsten Moment wurden ihre Augen groß wie Wagenräder. „Ga-Gaara?“, fragte sie völlig überrumpelt.
    Aus der Umkleidekabine stolzierte ein rothaariger Junge mit jadegrünen Augen heraus. Er trug ein hellblaues, dünnes T-Shirt mit einem kleinen Ausschnitt, dazu Jeans, die zur Mitte hin etwas aufgehellt waren und beige Halbschuhe. Ohne eine einzige Gefühlsregung ging der Junge auf Yuka zu.
    „Das ist … Hammer …“, murmelte Yuka und starrte Gaara an, als käme er von einem anderen Planeten. Er hatte sogar seine Kürbisflasche abgenommen!
    „Können wir jetzt endlich gehen?“, fragte Gaara kurz angebunden und würdigte Yuka keines Blickes. Es war klar zu erkennen, wie sehr er es hasste, etwas getan zu haben, um das sie ihn gebeten hatte.
    Yuka strahlte über das ganze Gesicht. „Du siehst toll aus! Fast wie ein normaler Typ!“
    Gaara verschränkte die Arme vor der Brust und entgegnete nichts.
    „Das ist einfach genial! Hol schnell deine Kürbisflasche, die willst du bestimmt mitnehmen, oder? Ich such mir solange schnell ein paar Klamotten raus, bin gleich wieder da!“, rief Yuka, die völlig begeistert war, und rannte wie ein Wirbelwind zur Damenabteilung.
    Binnen weniger Minuten hatte sie sich für ein hellblaues Neckholderkleid entschieden, das mit vielen Swarowskikristallen verziert war. Sie zog es schnell an und ging dann zurück zu Gaara. Der trug mittlerweile wieder seine Kürbisflasche auf dem Rücken und sah gelangweilt vor sich hin.
    „Da drüben gibt es Sonnenbrillen! Wir suchen dir eine aus, ja?!“, sagte Yuka zu ihm und zerrte Gaara zu einem Tisch mit lauter Sonnenbrillen. Hochkonzentriert begutachtete sie die einzelnen Exemplare.
    „Für was soll das gut sein?“, fragte Gaara finster von hinten.
    „Mit so einer Brille fallen deine schwarz umrandeten Augen nicht mehr auf. Und dann überschminken wir noch das Schriftzeichen an deiner Stirn“, erklärte Yuka fröhlich und zog eine Sonnenbrille mit hellblauen Gläsern hervor. „Probier die mal!“
    Gaara starrte die Brille an, bewegte sich aber nicht.
    „Jetzt stell dich nicht so an!“, drängte Yuka und setzte ihm die Sonnenbrille auf. Er sah absolut cool damit aus. Zusammen mit den neuen Klamotten machte das einen echt schönen Typen aus ihm.
    "Gut, dann machen wir mal die Fliege", sagte Yuka zu Gaara und konnte sich bei seinem Anblick das Grinsen einfach nicht verkneifen. So wie er jetzt aussah, würde man kaum mehr darauf kommen, dass er der psychopathische Mörder war!
    "Ich hab mein ganzes Geld für die Burger ausgegeben, deshalb müssen wir das Zeug hier klauen", erklärte sie ihm, "Wir rennen hier so schnell wie möglich raus, wahrscheinlich werden sie anfangen uns zu verfolgen, aber renn einfach weiter, ja?"
    "Ich könnte sie auch einfach...", setzte Gaara an, aber Yuka schnitt ihm das Wort ab: "Ja, ich weiß, du könntest sie auch einfach alle um die Ecke bringen, aber wir hauen ab, also komm mit!" Und mit diesen Worten packte sie Gaaras Handgelenk und rannte los. Kurz stolperte Gaara hinter ihr her, aber dann fing er sich und rannte neben ihr her. Zusammen stürmten sie aus der Boutique raus, während hinter ihnen der Alarm anging, weil sie mit unbezahlten Klamotten rausgerannt waren.
    "Halt! stehen bleiben!", rief die Frau an der Kasse hinter ihnen her, aber Yuka und Gaara rannten einfach weiter, raus aus dem Einkaufszentrum und machten erst in einer kleinen Seitengasse wieder Halt.
    "Ich glaub, wir sind außer Gefahr", keuchte Yuka, "Ich überschminke jetzt noch schnell das Schriftzeichen auf deiner Stirn und dann können wir weiter, ja?" Ohne auf eine Antwort Gaaras zu warten, holte sie einen Abdeckstift hervor und überdeckte damit das blutrote Schriftzeichen an Gaaras Stirn. Ganz konnte sie es natürlich nicht verstecken, aber nach der Behandlung fiel es so gut wie nicht mehr auf. Zufrieden betrachtete sie schließlich ihr Werk. „Du siehst echt super aus! Die Polizei erkennt dich nie und nimmer wieder!“, rief sie begeistert.
    Gaara sah sie an, als würde er ihr am liebsten an die Gurgel gehen. „Dann können wir jetzt ja wieder nach Suna-Gakure suchen“, sagte er süß-säuerlich. Es passte ihm überhaupt nicht, sich Yukas Willen zu beugen, nur um nach Hause zu kommen. Aber in dieser Welt hier hatte er wenig Ahnung, wie er nach Hause zurückkommen wollte, also musste er sich vorerst auf Yuka verlassen. °Aber das kriegt sie zurück°, schwor er sich, °Sobald ich weiß, wie ich nach Suna-Gakure zurückkomme, töte ich sie.°
    Yuka aber kannte seine finsteren Gedanken nicht und wandte sich fröhlich zum Gehen. „Gut, dann lass uns mal wieder suchen gehen!“
    Sie hatte zwar keine Ahnung, wie sie weitermachen sollte, aber es war schon ein enormer Fortschritt, dass Gaara jetzt wie ein normaler Mensch aussah.


    von meggy

  • Yuka und Gaara liefen nebeneinander durch die Straßen. Yuka zerbrach sich den Kopf darüber, was sie jetzt tun sollten. Sie war sich immer noch nicht sicher, ob Gaaras seltsame Geschichte mit seinem Suna-Gakure wirklich stimmte. Eigentlich hatte sie ihm nur aus Mitleid helfen wollen, aber jetzt war in ihr auch das tiefe Bedürfnis die ganze Wahrheit über ihn zu erfahren. Natürlich konnte es sein, dass er durchgeknallt, auf Drogen oder sonst was war. Aber irgendetwas in ihr war mittlerweile schon fest davon überzeugt, dass er die Wahrheit sagte und aus einer ganz anderen Welt kam. Der logisch denkende Teil ihres Gehirns wehrte sich natürlich gegen diese Möglichkeit und so beschloss Yuka, sich Klarheit über Gaara zu verschaffen. Und plötzlich hatte sie auch eine Idee, wie sie das anstellen würde.
    „Gaara, wie heißt du noch mal mit Nachnamen? Als wir uns das erste Mal getroffen haben, hast du doch so einen langen Namen genannt …“, fragte sie und warf ihm einen Seitenblick zu.
    Gaara sah nicht mal auf. „Ich habe keinen Nachnamen. Aber man nennt mich ‚Sabaku no Gaara’.“
    „Ähm … und was heißt das?“, wollte Yuka wissen.
    „Gaara aus der Wüste.“
    °Na ja, besser als gar kein Nachname°, dachte Yuka, °Jetzt muss ich es nur noch irgendwie schaffen, meinen Plan durchzuführen. Aber das wird verdammt schwierig.°
    „Ich weiß, was wir als nächstes machen können“, erklärte sie und wartete schon gar nicht mehr auf eine Antwort Gaaras. Er würde eh nichts dazu sagen. „Wir müssen in eine Polizeidienststelle.“
    „Sind da nicht die, die hinter uns her sind?“, fragte Gaara betont desinteressiert zurück.
    Das brachte Yuka auf DIE Idee, ihm die Aktion schmackhaft zu machen. „Ja, und zu meinem Plan gehört, dass du ein paar von denen ein bisschen verprügelst.“
    „Bin ich jetzt etwa dein Bediensteter?“, kam es finster von Gaara zurück.
    Bam! Der Schuss war voll nach hinten losgegangen!
    „Mach einfach mit!“, rief Yuka und begann zu rennen. Sie hatte Glück, denn das Polizeipräsidium war nicht weit entfernt.
    „Ich tu das, weil ich ihre Schmerzensschreie hören will. Ich tu es für mich“, sagte Gaara und folgte ihr dann. Yuka verdrehte die Augen zum Himmel. Dieser Kerl musste es echt immer so hinstellen, als bräuchte er nie Hilfe von anderen!
    Kurz darauf standen die beiden vor dem Polizeipräsidium. Yuka konnte sich lebhaft vorstellen, dass da drinnen wegen der Entführungsnummer die Hölle los war. Sie mussten geschickt vorgehen. „Bleib hinter mir und sei unauffällig“, raunte Yuka Gaara zu.
    „Vergiss es“, schnaubte Gaara, schob sie zur Seite und ging vor ihr in das Gebäude. Blitzschnell rannte Yuka ihm hinterher. So ein Vollidiot!
    Gaara betrat mit lässigen Schritten das Gebäude. Im Empfangsraum mit einem kleinen Informationsschalter befand sich keine Menschenseele. Nur eine gehetzt wirkende Frau mittleren Alters saß am Informationsschalter und tippte mit fliegenden Fingern auf der Tastatur ihres Computers herum.
    Zum Glück hatte Yuka Gaara wieder eingeholt. Schnell schob sie sich an ihm vorbei, warf ihm einen warnenden Blick zu und ging dann zu der Frau hin. Ihr Herz schlug bis zum Hals, wenn die Frau sie erkennen würde, wäre alles aus und vorbei. „Guten Tag!“, begrüßte Yuka die Frau so normal wie möglich.
    Die Frau sah auf und strich sich eine strähnige Haarsträhne zurück. „Hallo, was willst du?“
    °Puh, sie scheint mich nicht zu kennen°, schoss es Yuka durch den Kopf und sie fühlte sich schon etwas besser. „Ich wollte fragen, wo hier die Abteilung mit den Computern ist, auf denen man nach jeder beliebigen Person suchen kann“, erklärte Yuka mit einem gezwungenen Lächeln, „Wissen Sie, mein Vater arbeitet an so einem PC, aber ich hab keine Ahnung, welche Abteilung das genau ist.“
    In diesem Moment trat Gaara von hinten neben sie und bedachte die Frau mit einem kalten Blick. Aus den Augenwinkeln sah Yuka, wie etwas Sand aus seiner Flasche herauskam.
    °Shit! Will er sie etwa umlegen?°, schoss es Yuka durch den Kopf. Hastig legte sie ihre Hand auf die kleine Öffnung an der Kürbisflasche, um den Sand zurück hinein zu drücken. Dabei lächelte sie die Frau weiterhin an, so gut es in ihrer aufsteigenden Panik ging.
    „Wir haben hier nur einen Computer mit Zugriff auf diese Daten. Geh den Gang da drüben entlang, das Büro mit dem PC ist ganz hinten an der letzten Tür“, erklärte die Frau und wandte sich dann wieder ihrem Computer zu. Sie schien sich keine großen Gedanken um Gaara und Yuka zu machen.
    „Vielen Dank!“, rief Yuka schnell und zerrte Gaara hinter sich her in den Gang.
    „Lass mich sofort los!“, zischte Gaara drohend. Zum Glück waren sie schon außer Hörweite der Frau.
    Yuka wandte sich langsam wütend dem rothaarigen Jungen zu. „Komm doch endlich mal von deinem blöden Machttrip runter! Du tust so, als wärst du der Herrscher über die ganze Welt! Das geht mir auf die Nerven!“
    Gaara sah sie eiskalt an. „Niemand hat mich gefragt ob ich leben will, also sag mir nicht wie ich zu leben habe.“
    Yuka stieß heftig die Luft aus. „Behalt deine blöden Sprüche für dich!" Mühsam beherrscht ging sie den Gang entlang und riss dann ohne auch nur einen Moment lang nachzudenken die Tür zu dem Zimmer auf, in dem laut der Angestellten der PC stand. Mit einem Krachen schlug die Tür hinten an der Wand an und Yuka betrat den Raum. Ein älterer Mann mit grauen Haaren fuhr erschrocken zu ihr herum. Seine Augen weiteten sich, als er sie sah. „Du bist die Geisel!“, keuchte er und sofort fiel sein Blick auf Gaara, der hinter Yuka das Zimmer betreten hatte. Im Gegensatz zu der Frau am Informationsschalter schien er über den Entführungsfall Bescheid zu wissen. Der Mann sprang auf und hob abwehrend die Hände. „Lass mich in Ruhe!“
    „Schweig still“, sagte Gaara mit seiner kältesten Stimme, die selbst Yuka, die es ja mittlerweile schon gewohnt war, einen Schauer über den Rücken jagte. Er machte eine ausschweifende Handbewegung und schon schoss aus seiner Kürbisflasche Sand auf den Mann zu. Gnadenlos packte der Sand ihn und umschloss ihn. Binnen Sekunden war der Mann in einen harten Sandpanzer gehüllt. Er röchelte und versuchte verzweifelt, Luft zu kriegen.
    „Gaara, lass das!“, rief Yuka panisch. Sie hatte nicht gewollt, dass er den Mann gleich umbrachte. Es hätte völlig gereicht, ihn nur ein bisschen lahm zu legen.
    „Ich tu was ich will! Schweig, oder du bist die Nächste!“, sagte Gaara ruhig und gefasst, aber unverkennbar drohend, dabei wandte er den Blick nicht mal von seinem Opfer ab.
    Yuka fuhr der Schock in die Glieder. Gaara war wirklich nicht mehr zurechnungsfähig. Aber sie besann sich gerade noch rechtzeitig und machte die Tür des kleinen Büros schnell zu. Niemand sollte hören, was hier vor sich ging. Es machte ihr Angst, was Gaara da tat. Aber sich einzumischen wagte sie nicht. Der arme Mann konnte nichts dafür, wenn man aber Gaaras Stimmung bedachte, wäre es blanker Selbstmord, sich einzumischen.
    „Trauerzug der Wüste“, sagte Gaara kalt und schloss seine Hand.
    Yuka schloss die Augen, um nicht hinsehen zu müssen. Sie hörte das schreckliche Krachen von brechenden Menschenknochen. Zum Glück schrie der alte Mann nicht. Es war so schon grauenvoll genug für sie.
    Erst als es hinter ihr ruhig wurde, wagte Yuka es, sich wieder zu Gaara hinzudrehen. Er stand mit ausdruckslosem Blick da, aber sie glaubte, die Spur eines Lächelns auf seinem Gesicht erkennen zu können. Von dem Mann war nichts mehr zu sehen, aber die gesamte Einrichtung des Büros sowie die Wände und selbst die Decke waren mit Blut verspritzt.
    Yuka schlug sich mit der Hand vor den Mund. „Was hast du getan …“, stieß sie geschockt hervor. Gaara musste etwas wirklich Brutales mit dem Mann angestellt haben, wenn das Blut so dermaßen im ganzen Raum verspritzt war.
    Gaara gab keine Antwort und drehte sich nur weg. Er verschränkte die Arme vor der Brust. Immer noch waren Yukas Augen geschockt geweitet. Ihr Blick fiel auf den Computer auf dem Schreibtisch. Ihr Plan kam ihr wieder in den Sinn. Aber der Schock saß ziemlich tief. War Gaara wirklich so ein brutaler Mörder? Und wie bekam er das mit dem Sand nur hin?
    „Sagtest du nicht, du willst hier etwas erledigen?“, fragte da Gaara kühl.
    Sie hörte ihn gar nicht richtig. „Warum hast du ihn getötet?“, fragte sie mit zitternder Stimme.
    Gaara würdigte sie keines Blickes. „Ich hatte Lust dazu.“
    „Und deshalb bringst du ihn einfach um?“, rief Yuka und ihre Stimme wurde etwas schrill.
    „Das ist der einzige Sinn meines Lebens“, gab Gaara zurück.
    „Aber das Leben dieses Mannes hatte doch auch einen Sinn!“, begehrte Yuka auf und verwandelte ihren Schock in Wut.
    „Nicht für mich.“
    Yuka funkelte Gaara wütend an. „Sollen etwa alle auch so über dein Leben denken?!“
    „Es ist mir egal, wie andere über mich denken.“
    „Und wenn andere dein Leben grundlos beenden wollen?“ Langsam fing Yuka an richtig zu schreien.
    Gaara drehte sich zu ihr hin und sah ihr starr ins Gesicht. „Kein Mensch ist in der Lage mich zu töten.“
    Yuka zuckte zurück und spürte, wie die altbekannte Angst in ihr aufstieg. Gaara war wirklich nicht normal. Er war ein psychopathischer Killer. °Und warum ist er das? Denk doch mal daran!°, sagte da plötzlich eine Stimme in ihr, °Er hat in seiner Kindheit ganz schön was durchgemacht! Mit einer guten Therapie kriegt man das wieder hin! Und er ist ja nicht vorsätzlich böse. Er ist es ja nur, weil er so eine schwere Vergangenheit hatte.° Langsam spürte Yuka, wie sie ruhiger wurde. °Okay, und jetzt werde ich ihm helfen, nach Hause zu kommen°, sagte sie sich und ging an den Computer. Er war schon angeschaltet und so musste Yuka nur noch das richtige Programm öffnen. In diesem Programm war jeder Mensch auf der ganzen Welt mit Adresse und Namen abgespeichert. Sie würde Gaara in den Daten finden. Und dann würde sie ihn in seine Heimat bringen. FALLS er in dieser Welt lebte. Aber ihr logisch denkendes Gehirn war sich dessen vollkommen sicher. Es musste eine logische Erklärung dafür geben. Gaara war nur geistlich verwirrt und wenn sie ihn erst nach Hause bringen würde, würde man ihn in psychologische Behandlung geben und alles würde wieder in Ordnung kommen. Bestimmt würde sich dann auch eine logische Erklärung für diese Sandnummer von ihm finden. Es musste einfach so sein.
    Zuversichtlich tippte Yuka den Namen „Sabaku no Gaara“ ein und drückte die Enter-Taste. Das Programm arbeitete. „Null Treffer!“ erschien es da auf dem Bildschirm. Yuka riss die Augen auf. Das konnte nicht sein! Unmöglich! Gaara musste doch existieren! Hektisch tippte sie nur „Gaara“ ein und ließ das Programm suchen. „Null Treffer!“ kam Sekunden später das Ergebnis. Yuka spürte, wie ihr Herz zu rasen anfing. Das war unmöglich. Absolut jeder Mensch war hier drinnen verzeichnet. Das Programm war immer auf dem neusten Stand.
    °Vielleicht ist es ja kaputt?°, schoss es Yuka durch den Kopf. Sofort klammerte sie sich an diese Möglichkeit und tippte ihren eigenen Namen ein. „Treffer!“ erschien es auf dem Bildschirm und ein Passfoto von ihr sowie einige Daten über sie erschienen.
    Yuka begann zu zittern und sie drehte sich zu Gaara um. Kalt sah er sie durch die blauen Gläser seiner Sonnenbrille an. War er wirklich nicht von dieser Welt? Ihre Schultern bebten und sie spürte, wie ihr Puls sich beschleunigte. Alles, woran sie glaubte, geriet ins Wanken. Gaara war nicht im Computer verzeichnet. Er existierte auf der Erde nicht.
    „Du … du bist wirklich nicht von dieser Welt …“, flüsterte Yuka tonlos.
    „Und um das zu erfahren, sind wir hergekommen? Das erzähle ich dir schon den ganzen Tag“, sagte Gaara kalt und sah auf sie herab.
    Yukas Herz raste wie nach einem 100-Meter-Sprint. „Aber wie kann das sein? Aus welcher Welt kommst du dann? Das geht doch gar nicht.“
    „Ich komme aus Suna-Gakure und das habe ich dir schon oft genug gesagt. Bring mich endlich hin“, gab Gaara im Befehlston zurück.
    °Das ist einfach unmöglich! Er ist gar nicht verrückt! Er hat die ganze Zeit die Wahrheit gesagt!°, raste es durch Yukas Kopf und sie sah Gaara an. °Er muss durch irgendetwas aus seiner Welt in unsere gekommen sein. Aber das … verändert alles …° Yuka war völlig fertig mit den Nerven. Sie blickte fassungslos auf Gaara. Seine kalten Augen genügten, um ihr zu zeigen, dass ihm die neueste Erkenntnis egal war. °Ich bin für ihn nur Mittel zum Zweck. Ich darf ihm auf keinen Fall sagen, dass ich keine Ahnung habe, wie ich ihm helfen kann°, dachte Yuka und gab sich alle Mühe, ihre Gefühle zurückzustellen. °Wenn Gaara das erfährt, bringt er mich garantiert um. Ich muss mir schnell was einfallen lassen.°
    „Zuerst mal muss ich mehr über dich wissen“, sagte Yuka mehr zu sich selbst als zu Gaara, „Wenn du einen Weg hierher gefunden hast, muss es auch einen Weg zurück geben.“ Sie spürte, wie sie ruhiger wurde und wieder klare Gedanken fassen konnte. Jetzt musste sie sich nur noch überlegen, wie sie Gaara in seine Welt zurücktransportieren sollte. Na ja, NUR ist gut!
    „Aber das besprechen wir lieber nicht hier. Es kann jeden Moment ein Polizist kommen, wir machen lieber die Fliege“, beschloss Yuka und lief zur Tür des Büros.
    Die beiden schafften es, ungesehen aus dem Polizeipräsidium zu entkommen und verschwanden dann in einer dunklen Ecke, wo sie nicht auffielen.
    „Okay, dann schieß mal los“, forderte Yuka Gaara auf.
    Gaara sah sie gelangweilt an. Erst dachte Yuka, er würde sich weigern, dann aber erhob er seine raue Stimme: „An dem Tag, als ich hierher kam, war ich in der Wüste unterwegs. Es war alles völlig normal, aber plötzlich hat der Boden sich unter mir aufgetan und ein schwarzes Loch entstand. Der Sand hat sofort versucht, das Loch zu verdecken, aber er wurde eingesaugt. Und ich mit ihm. Als ich wieder zu mir kam, war ich in einer von diesen dunklen Gassen hier.“
    °Vielleicht hat es damals ja einen Riss in der Zeit oder etwas in der Art gegeben°, überlegte Yuka. Aber es gab da noch etwas, was sie brennend interessierte. „Und was hat es überhaupt mit dem Sand auf sich? Warum beschützt er dich immerzu?“, fragte sie.
    Gaara sah auf den Boden und verschränkte die Arme wieder mal vor der Brust. „Wenn du es unbedingt wissen willst, na gut. Mein Vater hat in mir einen Sanddämon versiegelt. Shukaku. Da er den Sand kontrollieren kann, hat er diese Fähigkeit auf mich übertragen. Aber eigentlich muss ich gar nichts mehr dafür tun. Der Sand beschützt mich von sich aus.“
    Irgendwie hatte Yuka langsam das Gefühl, dass sie nichts mehr schocken konnte. Ein Sanddämon in Gaara. Sand, der einen eigenen Willen hatte. Alles wurde immer unrealistischer.
    „Ähm … und was ist das für ein Dämon?“, hakte Yuka nach.
    Gaara sah immer noch unbeteiligt aus, redete aber weiter. „Er liebt es zu töten. Wenn ich schlafe, übernimmt er die Kontrolle über meinen Körper und tötet dann Menschen. Sonst habe ich ihn aber unter Kontrolle. Er ist mir nur von Nutzen.“
    „Aber wie schläfst du dann?“, fragte Yuka verwirrt.
    Endlich hob Gaara den Blick und sah Yuka ins Gesicht. „Ich schlafe nie.“
    Es fiel Yuka wie Schuppen von den Augen. Natürlich. Die schwarz umrandeten Augen. Das war kein Make-up. Es war, weil er nicht schlief. Aber wie konnte das ein normaler Mensch nur aushalten? Obwohl, Gaara war ja wohl kaum als normal zu bezeichnen.
    Gaara drehte sich nach dem Motto „Die Unterhaltung ist beendet“ weg. Yuka schluckte. Sie wusste mehr über ihn. Aber sein Rückweg war für sie immer noch ein Rätsel. Er war durch etwas hierher gekommen. Aber wie konnte sie dieses Etwas hier nur aktivieren? Gab es überhaupt eine Chance dazu?
    °Solche Zeitlöcher bringen normalerweise das, was sie verändert haben früher oder später von selbst wieder in Ordnung°, erinnerte Yuka sich. Sie hatte schon einige Filme über derartige Fälle gesehen. Es waren zwar keine Tatsachenberichte gewesen, aber es hatte plausibel geklungen. °Wenn die Realität aus Versehen etwas verändert, dann bringt sie es von sich aus wieder in Ordnung. Allerdings bezweifle ich, dass Gaara hier rum sitzen wird und wartet, bis die Realität sich erbarmt und ihn in sein Windreich zurückbringt°, überlegte Yuka, °Aber wie kann ich das beschleunigen? Wie kann ich die richtigen Vorraussetzungen für einen Riss in der Zeit schaffen? Verdammt, ich hab ein Problem.°
    Gaara schienen ihre Überlegungen egal zu sein. Ruhig trat er aus der Gasse heraus auf die Straße. Schnell folgte Yuka ihm. Ihr Hirn arbeitete auf Hochtouren, aber ihr wollte einfach keine gute Idee einfallen.


    von meggy

  • Gaara und Yuka liefen zusammen den Gehweg entlang. Gaara starrte stur auf den Boden und Yuka zerbrach sich so sehr den Kopf über eine Möglichkeit, Gaara in seine Welt zurückzubringen, dass sie gar nicht auf den Weg achtete und so plötzlich wie aus heiterem Himmel mit jemandem zusammenstieß.
    „Oh, Verzeih- …“, setzte sie an und taumelte einen Schritt zurück. Da aber hob sie den Blick und blickte direkt auf ein großes, schlankes Mädchen mit langen platinblonden Haaren. Auf dem etwas zu stark geschminkten Gesicht des Mädchens erschien ein strahlendes Lächeln.
    „Yuka! Schatzi! Was machst du denn hier? Ich hab dich gar nicht gesehen!“, rief das Mädchen, „Küsschen!“ Sofort fiel sie Yuka um den Hals und tauschte ein paar Küsse auf die Backe mit ihr aus.
    Yuka sah immer noch ein bisschen überrumpelt aus und staunte nicht schlecht. Erst als die Blondine wieder zurücktrat, fand Yuka ihre Sprache wieder. „Kim! Was zum Teufel verschlägt DICH hierher?“
    °Das ist der dämlichste Zeitpunkt für dich, hier aufzukreuzen!°, setzte sie in Gedanken noch hintendran und sah das blonde Mädchen vor sich mit einem etwas erzwungenen Lächeln an.
    „Ach, ich bin auf dem Weg zu Mike, der wohnt doch nur ein paar Ecken weiter! Stell dir vor, ich hab heut echt ein Date mit ihm! Ich hab schon den ganzen Tag versucht dich anzurufen, um’s dir zu erzählen!“, plapperte Kim los. Dann fiel ihr Blick auf Gaara, der mit verschränkten Armen neben Yuka stand und keinen Ton von sich gab.
    „Wer ist das denn?“, fragte Kim und musterte Gaara mit unverhohlener Neugier.
    Yuka spürte, wie sich Panik bei ihr ausbreitete. °Shit, Mann, was soll ich ihr sagen? ‚Ach, das ist nur ein geisteskranker Ninja aus einer anderen Welt, mit dem ich zusammen vor der Polizei auf der Flucht bin’? Dämlicher geht’s ja nicht!°
    „Äh … das ist Gaara“, stotterte sie und wandte sich Gaara zu. „Gaara, das ist Kim, eine Freundin von mir.“
    „Gaara“, wiederholte Kim ziemlich bedächtig und jede Silbe betonend und ließ ihren Blick über Gaara gleiten, der sie keines Blickes würdigte. Dann war sie mit einem blitzschnellen Schritt wieder bei Yuka und zog sie ein Stück von Gaara weg. Sobald sie außer Hörweite waren, klopfte sie Yuka kräftig auf die Schulter und flüsterte: „Respekt! Ich muss schon sagen, da hast du ja endlich mal ’nen guten Fang gemacht!“ Sie pfiff bewundernd durch die Zähne. „Verdammt süßer Typ.“
    Yuka hätte sich um ein Haar verschluckt. °Wie bitte?! Brutaler Massenmörder aus einer anderen Welt und SÜß?! Was ist bitteschön an diesem Psychopathen süß?!° Yuka merkte gar nicht, dass ihr Herzschlag sich beschleunigte und sich ein leichter Rotschimmer auf ihr Gesicht legte.
    Kim plapperte derweil munter weiter: „Und diese Tätowierung auf der Stirn ist ja wohl total cool! Das einzige, was der Kerl bräuchte, wär ein vernünftiger Haarschnitt, dann wäre er echt perfekt! Aber er ist so schon verdammt süß.“ Das blonde Mädchen kicherte leise. „Sag schon, ist er dein Freund?“, fragte sie dann mit einem verschwörerischen Grinsen.
    „Äh …“, stammelte Yuka total überrumpelt und spürte, wie ihr Gesicht sich mindestens so rot wie ihre Haare verfärbte.
    Kim fing an loszukichern. „Also hab ich Recht! Ist das niedlich! Das muss dir doch nicht peinlich sein!“, quietschte sie und trat dann wieder auf Gaara zu. Dabei erschien auf ihren sorgfältig mit Lipgloss behandelten Lippen ein strahlendes Lächeln. „So gut aussehende Jungs wie dich sieht man ja echt selten. Gibst du mir deine Handynummer?“
    „Kim! Halt die Klappe!“, begehrte Yuka auf und war hin- und hergerissen, ob sie Kim wegen dieser bescheuerten Bemerkung oder weil sie ihre „Mission“ mit Gaara störte an die Gurgel gehen sollte.
    Sofort verfiel die Blondine wieder in ein unkontrolliertes Gekicher. „Ist ja schon gut. Er ist DEIN Freund, ich weiß ja. Aber falls das mit Yuka vorbei sein sollte …“ Sie sah Gaara tiiiiieeeeef in die Augen. „Dann meld dich doch mal bei mir.“ Dabei zwinkerte sie ihm zu.
    Yukas Kopf wurde jetzt vor lauter Wut rot wie eine überreife Tomate und sie fühlte sich wie ein Vulkan kurz vor der Explosion. °Gaara ist MEIN Freund, was bildet die sich eigentlich ein?! Die baggert echt alles an, was nicht bei drei auf dem Baum ist! Sie soll ihre Finger von MEINEM Gaara lassen!° In ihrer Wut fiel Yuka gar nicht auf, dass sie Gaara in Gedanken als „ihren Freund“ bezeichnet hatte und sie war so dermaßen stinksauer, dass das definitiv Kims letzte Stunde gewesen wäre, wenn Yukas Blick nicht glücklicherweise in diesem Moment auf Gaara gefallen wäre. Der Rotschopf sah Kim eiskalt an. Eiskalt und bedrohlich. Seine jadegrünen Augen fixierten Kim hinter den hellblauen Gläsern seiner Sonnenbrille drohend wie der Löwe die Antilope anstarrt.
    Schlagartig vergaß Yuka ihre Wut und kam wieder zurück auf den Boden der Tatsachen. Kim war in Gefahr, solange sie in Gaaras Nähe war. Und wenn sie ihn auch noch so reizte wie sie es gerade tat, war ihr Schicksal nahezu besiegelt.
    Rasch trat Yuka zwischen Gaara und Kim. „Ja, wenn es soweit ist, könnt ihr ja noch mal drüber reden“, sagte sie hastig, „Aber jetzt müssen wir weiter, bis dann!“
    Mit einer fahrigen Bewegung drehte Yuka sich um, drehte Gaara an den Schultern weg von Kim und schob ihn vor sich her. Hinter ihr erklang wieder das nervtötende Lachen von Kim. „Aber Yuka, keine Angst, ich vergreif mich schon nicht an deinem süßen Gaara, solange ihr noch zusammen seid! Ich kann warten!“, rief sie Yuka hinterher.
    „Lass … mich … los …“, kam es leise und drohend von Gaara.
    „Jetzt spiel dich nicht so auf. Wär’s dir lieber, wenn sie dir weiterhin auf die Nerven geht?“, zischte Yuka zurück und rief dann nach hinten in Kims Richtung: „Jaja, schon klar, bis morgen! Mach’s gut!“
    „Und ruf mich heut Abend an! Dann bist du fällig! Ich erwarte einen ausführlichen Bericht darüber, wie ihr euch kennen gelernt habt und wo er überhaupt herkommt! Ich muss ALLES über diesen superscharfen Typen wissen!“, rief Kim.
    Yuka hatte das dringende Bedürfnis, ihre – leider leicht verrückte – Freundin auf den Mond zu schießen. Ohne noch ein weiteres Wort zu verlieren schob sie Gaara um die nächste Ecke herum und ließ erst dann seine Schultern los. „Puuuhhhh. Mann, Kim kann einem so auf die Nerven gehen“, stöhnte sie.
    Gaara sah sie nur aus eiskalten Augen an. „Ich könnte sie auch einfach töten“, sagte er dann so ruhig und gefühllos, als würde er über das morgige Wetter quatschen.
    „Du willst echt alle Probleme immer mit Gewalt lösen, was?“, seufzte Yuka.
    „Alles andere wäre Zeitverschwendung“, kam es kalt zurück.
    Yuka stieß einen Stoßseufzer aus. „Aber sie ist meine Freundin.“
    „Sie ist eine Nervensäge. Solche Leute haben es einfach verdient.“
    Sofort schoss wieder Wut in Yuka hoch. Wie konnte man nur so dermaßen gefühlskalt sein?! „Jetzt hör mal zu, meinetwegen kannst du in deiner Welt durch die Gegend rennen und alles killen, was nicht schnell genug wegrennt, aber hier reißt du dich gefälligst zusammen!“, fuhr sie Gaara an, „Man kann nicht einfach jemanden umbringen, nur weil er einen nervt!“
    „Versuche nicht, mir irgendwelche Vorschriften zu machen.“
    Das reichte. Yuka war auf 180. „HÖR ENDLICH MIT DEINEM NEUMALKLUGEN GEQUATSCHE AUF!“
    Beinahe automatisch ballte ihre Hand sich zu einer Faust und sie schlug mit voller Wucht Richtung Gaaras Gesicht. Blitzartig schoss eine Ladung Sand aus Gaaras Kürbisflasche und ging dazwischen. Yuka prallte an dem Sandwirbel ab und Gaara blieb nur ganz ruhig mit verschränkten Armen stehen. „Du kannst mich nicht verletzen“, sagte er kalt, aber auch eine Spur Spott war in seiner rauen Stimme zu hören.
    Yuka war kurz davor in die Luft zu gehen. „Kusokurae, Hentai no Baka yaro ! (Das heißt 'Verpiss dich, du perverses Arschloch!')“, warf sie ihm die einzigen japanischen Beleidigungen, die sie kannte, an den Kopf. Dann stieß sie heftig die Luft aus, machte auf dem Absatz kehrt und lief mit so heftigen Schritten davon, dass sie beinahe Löcher in den armen Betonboden getreten hätte. „Komm mit, du kleiner Vollidiot! Wir bringen das hier schnell hinter uns, damit ich dich endlich loswerde!“, schnaubte sie kochend vor Wut.
    Gaara blickte nur völlig ohne jede Gefühlsregung und folgte ihr dann mit ruhigen Schritten. Aber obwohl er ruhig lief, machte er so große Schritte, dass er Yuka, die weiterhin den armen Boden misshandelte, schnell eingeholt hatte und binnen Sekunden liefen die zwei wieder nebeneinander her. Yuka mit einem Riesenberg Mordgedanken an Gaara im Kopf und Gaara mit seiner gewohnt ausdruckslosen, aber überlegenen Art.
    In diesem Moment fuhr plötzlich ein Streifenwagen an den beiden vorbei. Der Polizist am Steuer sah ungläubig zu Yuka und Gaara hin. Verwirrt sah er auf das Fahndungsfoto auf dem Beifahrersitz, das jeder Beamte bekommen hatte. Es zeigte den zurzeit gesuchten psychopathischen Entführer und daneben seine Geisel, die dreizehnjährige Yuka Ashihira. Der Fall war momentan in aller Munde. Dieser seltsame Teenager hatte bereits einen Polizisten auf geheimnisvolle Art und Weise tödlich verletzt. Seit einigen Stunden hatte er die Schülerin Yuka Ashihira in seiner Gewalt. Man tippte in seinem Fall auf geistige Verwirrung. Aufgrund seiner Gewaltbereitschaft war der Fall aber verdammt ernst, auch wenn der Junge nicht älter als dreizehn sein konnte. Und seine Geisel war auch in höchster Gefahr, der Fall war unglaublich wichtig, deshalb waren auch an alle Streifenwagen Fahndungsfotos verteilt worden und eine ganze Spezialeinheit war hinter dem geheimnisvollen Jungen her.
    Der Polizist drosselte das Tempo und musterte die beiden Jugendlichen am Straßenrand genau. Waren sie es etwa? Der Junge trug normale Klamotten, nicht die ungewöhnliche Kleidung wie auf dem Fahndungsfoto. Aber da war die Kürbisflasche auf seinem Rücken. Und diese schwarz umrandeten Augen, die man unter der Sonnenbrille schwach erkennen konnte … Er musste es sein!
    Sofort griff der Beamte nach seinem im Auto eingebauten Walkie-Talkie, mit dem er mit jedem anderen Streifenwagen gleichzeitig kommunizieren konnte.
    „Achtung Smith hier. Ich bin an der dritten Ecke Hoolcliff. Der jugendliche Entführer mit der Geisel Yuka Ashihira ist hier. Ich wiederhole, der jugendliche Entführer mit seiner Geisel ist an der dritten Ecke Hoolcliff! Alle verfügbaren Einheiten sofort hierher!“


    von meggy

  • Yuka und Gaara wussten nichts davon, dass sie entdeckt worden waren. Sie setzten ihren mehr oder weniger ziellosen Weg durch die Straßen fort. Aber die Meldung des Beamten, der sie entdeckt hatte, hatte mittlerweile die Runde zwischen den Polizisten gemacht. Alle zur Verfügung stehenden Polizisten waren mit ihren Autos in Gaaras und Yukas unmittelbarer Nähe. Sie hielten sich in Seitengassen versteckt und waren bereit für den Zugriff. Mindestens zwanzig vollbewaffnete Polizisten waren im Einsatz.
    Ohne von dem Komplott etwas zu merken liefen Gaara und Yuka auf dem Gehweg. Wie meistens war die Straße wie leergefegt.
    Mittlerweile war Yukas Wut so weit heruntergegangen, dass sie zumindest mit dem Rotschopf neben sich über ihre weitere Vorgehensweise reden wollte. „Gaara“, erhob sie ihre Stimme und warf dem rothaarigen Jungen neben sich einen Seitenblick zu. Sie öffnete den Mund wieder, um fort zu fahren, aber in diesem Moment erklang plötzlich das ohrenbetäubende Geräusch von quietschenden Reifen. Wie aus heiterem Himmel schossen plötzlich aus allen möglichen Seitengassen und Nebenstraßen Polizeiautos heraus. Schneller, als Gaara oder Yuka überhaupt nur mit der Wimper zucken konnten, umstellten alle Polizeiautos die beiden in einem Halbkreis. Autotüren schlugen zu und mindestens zwanzig Beamte sprangen aus den Autos und stellten sich mit gezogenen Waffen um Yuka und Gaara herum auf.
    „Gib auf und lass die Geisel gehen! Es ist vorbei!“, rief der Einsatzleiter zu Gaara hin.
    Yuka riss erschrocken die Augen auf. Es war alles so furchtbar schnell gegangen. Wo zum Teufel waren nur die ganzen Bullen hergekommen? Sie hatten ein ernsthaftes Problem! Hektisch sah Yuka zu Gaara hin. Der stand völlig ruhig da, fixierte den Einsatzleiter mit starrem Blick und ein leichtes Lächeln umspielte dabei seine Lippen.
    °Oh Scheiße!°, schoss es Yuka durch den Kopf, °Er wird sie alle umbringen!°
    „Das ist deine letzte Chance, Gaara, oder wie auch immer du dich nennst! Lass die Geisel gehen und ergib dich!“, rief der Einsatzleiter.
    „Große Worte für jemanden, der mit einem Bein im Grab steht“, gab Gaara drohend zurück. Der Einsatzleiter schien einen Moment lang erschrocken zu sein, was für brutale Worte ein dreizehnjähriger Junge da aussprach. Aber im nächsten Moment war der Einsatzleiter wieder voll bei der Sache. Das vor ihm war ein Entführer. Ein Mörder. Es war ein Fall wie jeder andere. „Scharfschützen!“, schrie der Einsatzleiter.
    Die vordersten Polizisten gingen in die Hocke und legten ihre Gewehre an. Fünf Waffenmündungen zeigten plötzlich auf Gaara. Dann eröffneten sie ohne weitere Vorwarnung das Feuer. Alle fünf Scharfschützen feuerten auf Gaara los.
    Sofort schoss Sand aus seiner Kürbisflasche heraus und baute eine Sandwand vor Gaara auf. Man sah deutlich, wie sich vier Kugeln in die Sandwand rammten und dort hängen blieben. Im gleichen Moment aber war ein kleiner Treffer zu hören.
    Erschrocken fuhr Yuka zu Gaara herum. War etwa doch eine Kugel bis zu ihm durchgekommen? Ihr Blick richtete sich starr auf Gaara und dann sah sie es. Eine der Kugeln war wirklich zu ihm durchgekommen und hatte einen der Träger, mit denen er die Kürbisflasche auf seinem Rücken hielt, getroffen und zerfetzt. Der zweite Träger konnte die Flasche jetzt nicht mehr auf Gaaras Rücken halten und so fiel die Flasche zu Boden und rollte weg. Prompt verschwand die Sandwand vor Gaara und der Sand flog zurück in die Kürbisflasche.
    °Oh mein Gott°, schoss es Yuka durch den Kopf, °Gaara hat seine Kürbisflasche verloren! Kann sich jetzt etwa seine Sandmauer nicht mehr einschalten? Aber das würde ja heißen …° Sie wollte den Gedanken gar nicht zu Ende denken. Aber ein Blick auf Gaara reichte um zu sehen, dass er ähnlich dachte. Seine Augen waren erschrocken geweitet.
    In diesem Moment durchschnitt ein Schuss die Stille. Gaara war zu erschrocken um zu reagieren. Eine Kugel streifte seinen Arm und hinterließ einen blutigen Striemen. Verwirrt taumelte der Junge zurück und starrte fassungslos auf seinen blutenden Arm, als hätte er noch nie in seinem Leben Blut gesehen.
    „Zugriff!“, brüllte da der Einsatzleiter und mindestens zehn Polizisten stürzten sich auf Gaara. Gaara war total überrumpelt und reagierte nicht schnell genug. Schon packte ihn einer der Polizisten am Arm und verdrehte ihm den Arm schmerzhaft auf den Rücken. Der nächste Polizist schnappte sich Gaaras anderen Arm und hielt ihn im Quetschgriff fest. Ein ganzer Haufen Polizisten umlagerte Gaara und hielt ihn fest.
    Jetzt endlich erwachte Gaara aus seinem Schockzustand. „Fasst mich nicht an!“, schrie er so laut, dass man es wahrscheinlich noch auf dem anderen Ende der Welt hören konnte. Wie von Sinnen begann er auf die Polizisten einzuprügeln, so gut er konnte.
    „Alles in Ordnung bei dir? Hat er dich verletzt?“, wandte sich da ein junger Polizist an Yuka, die völlig geschockt ein gutes Stück daneben stand. Der Polizist nahm sie schnell am Arm und zog sie weg von Gaara, der sich alle Mühe gab, den Polizisten zu entkommen. Aber ihm fehlte die Kraft des Sandes. Er war es nicht gewohnt, körperlich zu kämpfen.
    „Keine Angst, jetzt ist alles vorbei. Du bist wieder frei“, sagte der junge Beamte zu Yuka, „Du musst Schreckliches durchgemacht haben.“
    Yuka starrte den Polizisten an. Schreckliches durchgemacht? Das war alles überhaupt nichts gegen die jetzige Situation! Mit einer fahrigen Bewegung fuhr sie wieder zu Gaara herum. In diesem Moment bretterte einer der Polizisten ihm seine Pistole über den Kopf. Blut spritzte aus Gaaras Kopf heraus und der Junge knickte ein bisschen in den Knien ein. Sofort packten ihn wieder einige der Polizisten und hielten ihn fest.
    Schmerzhaft krampfte Yukas Herz sich zusammen. °Gaara!°, raste es durch ihr Hirn. Der Streit von vorhin war vergessen, sie war kein bisschen sauer mehr auf ihn. Sie hatte einfach nur schreckliche Angst um Gaara. Schlagartig schossen ihr die Tränen in die Augen und sie starrte Gaara fassungslos und verzweifelt an. Kraftlos hing Gaaras Kopf nach unten und Blut tropfte heraus. Unerreichbar für ihn lag seine Kürbisflasche auf dem Boden.
    Der junge Polizist neben Yuka faselte irgendwas von Schockzustand, erster Hilfe und psychologischer Betreuung, aber Yuka hörte gar nicht zu. Sie starrte Gaara aus aufgerissenen Augen an. Verletzt und plötzlich ziemlich hilflos hing er in den Griffen der Polizisten.
    °Gaara … nein … das darf nicht sein°, dachte Yuka völlig geschockt. Erinnerungen jagten durch ihr Hirn. Sie wusste noch genau, wie es gewesen war, als er sie am Anfang entführt hatte. Sie hatte ihn gehasst. Sie hätte ihn am liebsten tot gesehen. Er hatte sie nur ausgenutzt und gedroht, sie umzubringen. Dann hatte sie von seiner Vergangenheit erfahren. Der Hass war immer noch da gewesen. Aber sie hatte auch Mitleid gehabt. Und dann? Sie erinnerte sich daran, wie sie mit dem Motorrad geflüchtet waren. Wie sie sich in der Boutique die neuen Klamotten gekauft hatten. Sie hatte damals keine Angst vor ihm gehabt. Sie hatte sich sogar wohl in seiner Nähe gefühlt. Ihre merkwürdige Beziehung hatte sich verändert. Gaara sah sie warscheinlich immer noch als Werkzeug. Aber Yuka dachte anders über ihn. Sie wollte ihm helfen. Sie wollte ihn nicht alleine lassen. Auch wenn da in ihrem Herzen immer noch Hass auf diesen brutalen Mörder war, der sie nur ausnutzte.
    °Aber ich … ich will auch nicht ohne ihn sein! Auch, wenn ich ihn vielleicht immer noch hasse°, dachte Yuka verzweifelt, °Ich kann nicht zusehen, wie Gaara gequält wird!°
    In diesem Moment legte der junge Polizist ihr von hinten die Hand auf die Schulter. „Das ist jetzt alles sehr schwer für dich, aber wir sind alle für dich da. Du bist außer Gefahr.“
    „LASSEN SIE MICH LOS!“, schrie Yuka, entriss sich dem Griff des Polizisten und stürmte so schnell sie konnte zu Gaara hin. „GAARAAAAAAA!“, schrie sie so laut sie konnte.
    „Halt! Stehen bleiben!“ Einer der Polizisten stellte sich ihr entgegen, aber Yuka war rasend vor Wut, Sorge und Verzweiflung. Sie ballte ihre Hand zu einer Faust und rammte ihre Faust mitten ins Gesicht des Polizisten. Blut spritzte aus seiner Nase heraus.
    °Ich lasse Gaara nicht hängen. Ich ertrage den Gedanken nicht, das er alleine in dieser Welt ist!°, schoss es durch Yukas Kopf. Sie ergriff Gaaras Kürbisflasche, die noch immer am Boden lag und knallte sie dann einem weiteren Polizisten, der sich ihr in den Weg stellte, ins Gesicht.
    „GAARAAA! FANG!“, schrie sie und warf Gaara seine Kürbisflasche zu.
    Gaara hob etwas kraftlos den Kopf und sah unter flatternden Lidern zu Yuka hin, die mit aller Kraft die Flasche in seine Richtung schleuderte. Gaara mobilisierte seine letzte Energie, riss sich aus dem Griff von einem der Polizisten und fing die Kürbisflasche auf. Im nächsten Moment schoss Sand aus dem Gefäß heraus und umhüllte sämtliche Polizisten, die sich um Gaara versammelt hatten. Gaara sperrte sie blitzschnell in die harten Sandpanzer und zerquetschte sie dann. Unter gellenden Schmerzensschreien starben die Polizisten.
    „Weg hier! Komm, Gaara!“, rief Yuka hektisch. Gaara hatte erst die Hälfte der Polizisten erledigt und die andere Hälfte stürmte jetzt auf Yuka und Gaara zu. Gaara machte eine ausschweifende Handbewegung und zwischen ihm und den übrig gebliebenen Polizisten baute sich eine Sandwand auf. Dann rannte er zu Yuka hin.
    „Geht’s? Tut deine Verletzung sehr weh?“, fragte Yuka sofort mit sich überschlagender Stimme, so aufgeregt und fertig mit den Nerven war sie.
    „Klappe! Lauf!“, zischte Gaara und bog in eine Seitengasse ein. Yuka rannte so schnell sie konnte hinterher. Hinter sich hörte sie weitere Schmerzensschreie, aber was sie nicht sehen konnte war, dass aus der Sandwand hunderte von spitzen Sandpfeilen auf die Polizisten losgeschossen waren und so Auslöser für diese Schreie gewesen waren. Kaum lagen alle Opfer des Sandes blutend auf dem Boden, flog der Sand zurück zu Gaara und ab in die Kürbisflasche hinein.
    Alle Polizisten hatte es heftig erwischt. Nur der Einsatzleiter war noch bei Bewusstsein. Er hatte zum Glück sein Walkie-Talkie in der Hosentasche und mobilisierte all seine Kräfte, um es herauszuziehen. Ihn hatten, wie auch die anderen, jede Menge der spitzen Sandpfeile getroffen. Aber er hatte gerade noch genug Kraft, um das Walkie-Talkie zu nehmen. „Revier, bitte kommen“, keuchte er in die Sprechmuschel hinein.
    „Hier Revier, wie ist die Lage?“, kam es prompt vom anderen Ende zurück.
    „Zielpersonen entkommen. Alle Polizisten schwer verwundet. Etwa zehn getötet“, stieß der Einsatzleiter hervor und nutzte die Schreckenspause am anderen Ende, um noch schnell etwas loszuwerden. „Aber die Geisel … sie ist nicht das Opfer. Sie steckt mit dem Entführer unter einer … Decke …“
    Da wurde dem Einsatzleiter schwarz vor Augen. Klappernd fiel ihm das Walkie-Talkie aus der Hand und er fiel endgültig zu Boden.


    von meggy

  • Gaara und Yuka rannten so schnell sie ihre Beine trugen durch die engen, verwinkelten Seitengassen. Erst als Yukas Beine schwer wurden und sie keuchte wie eine Dampflokomotive hielt sie an und ließ sich völlig entkräftet gegen eine Hauswand fallen. Auch Gaara hielt an, verschränkte die Arme vor der Brust und sah Yuka aus ausdruckslosen Augen an. Er schien kein bisschen aus der Puste zu sein.
    Schwer atmend lehnte Yuka sich gegen die Wand. Ihr Herz raste, ihre Beine zitterten und ihre Tränen versiegten noch immer nicht. Sie schloss die Augen, um nicht auf die schrecklich große Platzwunde auf Gaaras Kopf sehen zu müssen.
    „Bist du … okay?“, presste sie dann immer noch nach Luft schnappend hervor, sah aber an Gaara vorbei.
    „Als würden diese Schwächlinge mir etwas anhaben können“, versetzte Gaara kühl.
    Verwirrt hob Yuka den Kopf und sah ihm ins Gesicht. Unverkennbar hing eingetrocknetes Blut an seinem Kopf. Auch der Streifschuss an seinem Arm war deutlich zu sehen. Was redete Gaara für einen Mist?
    „Du bist aber … verletzt“, sagte Yuka und erst langsam wurde ihre Atmung ruhiger.
    Gaara sah sie eiskalt an. „Als würde mir das bisschen was ausmachen.“
    Yuka stieß sich wieder von der Wand ab und spürte, wie ein bisschen Wut in ihr hochstieg, die ihre Erschöpfung sofort vertrieb. „Du könntest mir vielleicht mal dafür danken, dass ich dir eben den Hintern gerettet hab“, zischte sie.
    „Ich hätte deine Hilfe nicht gebraucht“, gab Gaara zurück.
    Jetzt übernahm Yukas Wut aber endgültig die Oberhand. „Ach ja?! Als du so in den Händen von den Typen hingst wie eine halb tote Leiche sah das aber ganz anders aus!“, fuhr sie Gaara an.
    Prompt wurden Gaaras jadegrüne Augen etwas schmaler. „Du hast keine Ahnung.“
    „Hätte ich dich etwa den Bullen überlassen sollen?! Du wärst am Arsch gewesen, wenn ich dich nicht gerettet hätte!“, schrie Yuka ihn an und stemmte wütend die Hände in die Hüften.
    „Ich brauche deine Hilfe nicht! Ich brauche überhaupt niemanden!“, rief Gaara und allmählich wich seine Ruhe Wut.
    Yuka kochte derweil schon vor Zorn. „Hast du überhaupt eine Ahnung, wie undankbar du bist?! Ich hab mir mit der Aktion mein ganzes Leben versaut! Jetzt wissen die, dass ich mit dir zusammenarbeite! Sie stufen mich auch als gewalttätig und gefährlich ein! Mein Leben ist im Eimer! Wegen dir!“, brüllte sie und funkelte Gaara mit einem so wütenden Blick an, den nicht mal Gaara selbst drohender hingebracht hätte. „Und du kriegst es nicht mal hin Danke zu sagen! Du bist so egoistisch!“
    Außer sich vor Zorn trat Yuka auf Gaara zu, packte ihn an den Schultern und knallte ihn gegen die Wand hinter ihm. Gaara prallte nicht gerade sanft gegen die Betonmauer und Yuka baute sich wütend vor ihm auf. „Du kannst mich mal! Kreuzweise! Du bist das Mieseste, was mir je untergekommen ist!“, schrie sie Gaara an, „Noch nie hat ein Junge mich so mies behandelt!“
    Sie sah ihm in die jadegrünen Augen, griff ihn am Kragen und funkelte ihn wütend an. Und dann durchzuckte sie plötzlich irgendein völlig fremdes Gefühl. Ohne nur einen Moment lang nachzudenken beugte sie sich plötzlich zu ihm hin. Schnell näherte sie sich Gaara und dann war ihr Gesicht plötzlich genau vor seinem. Für den Bruchteil einer Sekunde streifte ihr Blick die Platzwunde an seinem Kopf, dann schlossen ihre Augen sich und sie küsste Gaara. Genau auf den Mund. Fest drückten ihre Lippen sich auf seine.
    Gaara sah aus, als hätte ihn der Blitz getroffen. Er verstand gar nichts mehr. Yukas warme, weiche Lippen lagen auf seinen. Eben noch hatte sie ihn angeschrieen, aber das jetzt erschreckte ihn mehr, als jede Beleidigung es je schaffen würde. Es war das erste Mal seit sehr langer Zeit, in dem ihm jemand nahe war, ohne ihn verletzen zu wollen. Er wusste nicht, was er tun sollte. Diese Berührung fühlte sich fremd an. Aber Yuka einfach zurückschubsen? Gaara war verwirrt und brachte es nicht fertig, etwas zu tun.
    In diesem Augenblick aber ging plötzlich ein Ruck durch Yuka und sie wich mit einer heftigen Bewegung zurück. Ihre Augen waren weit aufgerissen und sie konnte einfach nicht fassen, was sie gerade getan hatte. Sie starrte Gaara fassungslos an. Ihr Herz raste mindestens so sehr wie nach dem Sprint eben.
    °Ich … ich … ich habe ihn geküsst°, schoss es ihr durch den Kopf und sie hätte sonst was dafür gegeben, jetzt tot umfallen zu können. °Was zum Teufel sollte das?! Hab ich jetzt etwa total ein Rad ab oder was?!°
    Zittrig machte sie ein paar Schritte von Gaara zurück. „Das … wollte ich nicht …“, stotterte sie.
    Gaaras Augen waren mindestens so sehr aufgerissen wie die ihren. Er bewegte sich kein bisschen und stand immer noch an der Wand.
    Verwirrt sah Yuka ihn an. Ihre Gefühle spielten total verrückt. °Verdammt, was war das? Warum zum Teufel habe ich ihn …° Sie berührte vorsichtig mit ihren Fingerspitzen ihren Mund. °Geküsst …°
    Ihr Blick hing wie festgefroren an Gaara. °Ich war wütend auf ihn. Wieso hab ich das gemacht? Ich hab nicht mal darüber nachgedacht. Ich hab es einfach getan …°
    Es war ein seltsames Gefühl gewesen, als ihre Lippen sich berührt hatten. Sie hatte immer noch die Wut auf ihn gespürt. Aber es war auch ein bisschen Wärme in ihrem Herzen gewesen.
    In diesem Moment erwachte Gaara endlich aus seiner Starre und stieß sich von der Wand ab. „Fass mich nie wieder an“, sagte er mit klirrender Kälte in der Stimme.
    Blitzschnell schoss wieder Wut in Yuka hoch. „Bild dir bloß nichts ein! Ich kann dich nicht ausstehen!“
    „Ich bin daran gewöhnt, von allen verachtet zu werden. Du musst mir das nicht extra sagen“, gab Gaara kühl zurück und lief an ihr vorbei.
    Yuka verbannte die Erinnerung an den Kuss und dieses warme Gefühl aus ihrer Erinnerung. Sie verschränkte empört die Arme vor der Brust und folgte Gaara.
    „Denk bloß nichts Falsches wegen dem eben gerade!“, zischte sie Gaara zu und hielt ihren Kopf in arroganter Haltung sehr hoch. „Das war aus Versehen!“
    Gaara würdigte das Mädchen neben sich keines Blickes. Er starrte auf den Boden, während er weiterlief. Yukas Worte hörten sich abschätzend und verächtlich an. Gaara wusste nicht warum, aber irgendwie traf es ihn ein bisschen. Es war nur ein ganz kleiner Stich in seinem Herzen. Aber er war da.

    Kapi 9: Tarnung mal auf die andere Art


    „Hey, ich hab eine Idee wegen deinem Suna-Gakure“, sagte da plötzlich Yuka.
    Gaara hielt den Kopf weiterhin gesenkt und lief ohne sie anzusehen weiter.
    „Wenn du durch einen Riss in der Zeit hierher gekommen bist, dann müssen wir im Prinzip nichts anderes tun, als einen weiteren Riss in der Zeit zu erschaffen“, fuhr Yuka fort, „Und um die passenden Vorraussetzungen zu schaffen sollten wir dahin gehen, wo du gelandet bist, nachdem du in das schwarze Loch gezogen wurdest.“
    Gaara schwieg beharrlich.
    „Wo bist du da gelandet?“, fragte Yuka und sah Gaara aus den Augenwinkeln heraus an. Er hatte den Kopf so sehr von ihr abgewandt, dass sie sein Gesicht nicht mal mehr sehen konnte.
    „Woher soll ich das wissen? Hier an diesem Ort sieht alles gleich aus“, sagte Gaara endlich mit kalter Stimme.
    Yuka verdrehte die Augen. „War es auch in einer dunklen Gasse?“
    „Ja.“
    „War es da, wo wir uns das erste Mal begegnet sind?“, hakte Yuka nach.
    „Ja. Es war da, wo ich die nervigen Typen ausgeschaltet habe.“
    Yuka zuckte leicht zusammen. „Es war also an der Gasse, wo wir uns das erste Mal getroffen haben? In dieser dunklen Seitengasse bist du nach deiner Zeitreise raus gekommen?“
    „Ja.“
    °Dem muss man ja mal wieder jedes Wort aus der Nase rausziehen°, dachte Yuka genervt. „Okay, dann gehen wir dahin. Vielleicht erscheint das schwarze Loch an diesem Ort ja wieder“, entschied sie.
    Kein Kommentar von Gaara.
    Yuka atmete heftig und genervt aus. Ging er jetzt etwa total auf Distanz wegen dem Kuss? Oder was hatte er jetzt schon wieder? Sie würde wohl nie schlau aus dem rothaarigen Jungen werden.
    Schweigend führte Yuka ihn über eine Straße und dann wieder in eine Seitengasse, damit sie nicht wieder von Streifenpolizisten entdeckt werden konnten.
    „Hinter der nächsten Ecke ist der Park. Dann müssen wir nur über die Straße und sind schon wieder an der Ecke“, erklärte Yuka und erwartete schon gar nicht mehr, dass Gaara irgendetwas dazu sagen würde. Sie bog um die Ecke und trat aus der Seitengasse heraus. Vor ihnen erschien der weitläufige Park von Jeffersontown, der mit seinen vielen Bäumen und Büschen und dem wunderschönen Ententeich in der Mitte wirklich schön war. Heute aber bekam man von der Pflanzenvielfalt im Park gar nichts mit. Auf der großen Rasenfläche in der Mitte des Parks war eine große Bühne aufgebaut und ein Riesenhaufen Leute wuselte davor herum. Aus zwei großen Lautsprechern dröhnte Musik und quer über der Bühne hing ein riesiges Plakat, auf dem in großen Lettern „Abi 06 – Hartz IV wier kome!“ stand.
    Yuka prallte völlig überrascht zurück. Sie verstand den Text auf dem Plakat, der deutsch geschrieben war, nicht, aber das Wort „Abi-Party“ kapierte sie.
    „Scheiße! Ich hab die Abi-Party vergessen!“, fluchte sie halblaut. Fassungslos starrte sie auf die Riesenmenschenansammlung. Und wie es nicht anders sein konnte, stand ein Polizeiwagen am Rand des Parks. Zwei Donuts mampfende Polizisten hockten darin.
    „Shit!“, rutschte es ihr heraus. Sie hatte es völlig vergessen. Aus Deutschland war eine Gruppe frischgebackener Abiturienten angereist, um hier ihre Abi-Party zu feiern, weil sie ihr Abitur bestanden hatten! Und das ausgerechnet hier!
    „Wir … wir müssen da irgendwie ungesehen durch …“, murmelte Yuka.
    „Und warum bringen wir sie nicht einfach alle um?“, fragte Gaara mit kalter Stimme.
    Yuka verdrehte die Augen. „Vielleicht, weil dann gleich wieder eine Riesenarmee Bullen kommt?! Wenn wir uns unauffällig verhalten, dann kriegen wir keinen Stress mit den Polizisten.“
    Gaara verschränkte mit genervtem Gesichtsausdruck die Arme vor der Brust. „Von mir aus.“
    Erleichtert atmete Yuka auf. Gaara machte schon weniger auf Widerstand als sonst. Rasch sah sie sich nach allen Seiten um, aber die Luft schien rein zu sein. Die Streifenpolizisten waren vollauf mit ihren Donuts beschäftigt. Langsam und vorsichtig lief Yuka auf den Park zu, Gaara nur zwei Schritte neben ihr. Die Polizisten bemerkten die beiden Teenager überhaupt nicht, wie sie sich jetzt vorsichtig an der Menge von schon halb besoffenen Abiturienten vorbeidrückten.
    Yuka war total angespannt und ließ ihren Blick die ganze Zeit lang über die Leute schweifen. Aber keiner von den Jugendlichen kümmerte sich um sie. Alles schien glatt zu gehen. Die Abiturienten waren viel zu besoffen, um noch irgendetwas von ihrer Umwelt wahrzunehmen.
    Endlich waren sie an der Menschenmenge vorbei. Aufatmend drückte Yuka sich an der Bühne vorbei, drehte sich um und hätte im nächsten Moment fast einen Herzstillstand gekriegt. Von der gegenüberliegenden Straßenseite sah sie zwei Polizisten aus ihrem Auto steigen, die Gaara und sie anstarrten.
    Yuka riss die Augen auf und wollte sich umdrehen und wegrennen, da sah sie aber, dass die beiden Polizisten schon ihre Pistolen zogen und zum Park hinrannten. Sie hatten sie gesehen! Mit vollem Tempo rannten die bewaffneten Polizisten zu ihnen hinüber.
    „Sie haben uns gesehen! Lauf, Gaara!“, rief Yuka, drehte sich um und rannte los. Überraschenderweise stellte Gaara sich nicht quer und folgte ihr. Im vollen Tempo rannten beide zurück zu den total besoffenen Abiturienten, die jetzt mit tanzen beschäftigt waren. Auf der gesamten Grünfläche des Parks war ein ganzer Haufen Tanzpaare, die mehr oder weniger koordiniert tanzten. Da schoss Yuka eine Idee durch den Kopf. Hastig packte sie Gaara am Ärmel seines T-Shirts und zog ihn zu den Abiturienten. Beide schoben sich in die Menschenmenge hinein.
    Yuka sah Gaara mit gehetztem Blick an. „Gaara, ich mach das auch nicht gern, glaub mir, aber wenn wir untertauchen wollen, dann müssen wir … tanzen …“, sagte sie und sah Gaara fordernd an. „Komm schon, das ist die einzige Möglichkeit, dass wir denen nicht auffallen!“
    „Vergiss es“, kam es kalt von Gaara zurück.
    °Warum war mir nur so klar, dass er nicht mitmacht?!°, schoss es Yuka durch den Kopf, aber sie war ganz und gar nicht in der Stimmung, sich um Gaaras Launen zu kümmern. „Jetzt stell dich nicht so an! Wir tanzen kurz, damit wir nicht auffallen, und wenn die weg sind, machen wir die Fliege! Dann können wir zum schwarzen Loch, das dich nach Suna-Gakure bringt! Ich weiß jetzt genau, wo es ist!“ Okay, es war etwas übertrieben, eine Vermutung als echtes Wissen hinzustellen, aber das war Yuka im Moment herzlich egal.
    Tatsächlich schien ihre kleine Notlüge aber zu helfen. Gaaras Gesichtsausdruck wechselte von finster auf nachdenklich. Einen Moment lang schien er noch mit sich zu kämpfen, dann aber stieß er die Luft aus und seufzte: „Na gut. Wenn es sein muss.“
    „Super!“ Ohne groß zu überlegen legte Yuka ihre Hände an Gaaras Schultern und trat dicht auf ihn zu. Sofort wich der einen Schritt zurück.
    „Komm schon, ich bin doch nicht giftig“, zischte Yuka und wurde langsam ungeduldig. Die bescheuerten Polizisten konnten jeden Moment hier aufkreuzen!
    Gaara blickte so finster drein, dass man buchstäblich sehen konnte, wie sich ein schwarzer Nebel vor sein Gesicht legte. Aber dann ging er einen Schritt auf Yuka zu, nahm ihre Hand und begann zu tanzen. Auch Yuka tanzte los und achtete dabei darauf, nie näher an Gaara sein zu müssen als unbedingt nötig. Jedes Mal, wenn sie sich berührten, schoss ihr sofort wieder der Moment ihres Kusses durch den Kopf.
    Die beiden tanzten zwischen den ganzen anderen Leuten und von den Polizisten war nichts mehr zu sehen. Yuka spürte, dass ihr Herz etwas schneller schlug als sonst, aber sie schob das einfach mal auf die Aufregung, weil sie in ziemlicher Gefahr schwebten. Trotzdem war sie schrecklich angespannt und ziemlich nervös.
    In diesem Moment wechselte plötzlich schlagartig das Lied und aus den Lautsprechern dröhnte auf einmal „Stuck on you“ von Stacie Orrico. (In dem Song geht es um eine Art Hassliebe, deshalb hab ich ihn genommen^^Passt ja ganz gut zu den zwei^^) Yuka zuckte zusammen. Das war ihr absoluter Lieblingssong! Schlagartig vergaß sie die ganzen Umstände, warum und mit wem sie hier tanzte und ihre Anspannung war wie weggeblasen. Mit ordentlichem Schwung und plötzlich einem strahlenden Lächeln auf den Lippen drehte sie sich um die eigene Achse, während aus den Lautsprechern „I just can’t seem to find a way to leave the love behind“ dröhnte.
    Gaara war von ihrem Gute-Laune-Schub ziemlich überrumpelt, aber Yuka nahm ihn an den Händen und tanzte mit einem strahlenden Lächeln weiter. Gaara wurde einfach so mitgezogen. Total happy und strahlend wie jemand, der sechs Richtige im Lotto hat, tanzte Yuka mit einem ziemlich überrumpelten Anhängsel namens Gaara über die Grünfläche und genoss den Song in vollen Zügen.
    Und nur kurz darauf ging endlich auch ein Ruck durch Gaara und der Rotschopf wurde ebenfalls lockerer. Anstatt sich von Yuka mitziehen zu lassen, tanzte er jetzt richtig, aber wahrscheinlich einfach nur, um nicht so schrecklich peinlich hinter Yuka herstolpern zu müssen. Sein Gesichtsausdruck zumindest blieb ziemlich finster.
    „I hate you, but I love youuu“, hallte es aus den Lautsprechern. (An wen uns das nur erinnert^^)
    Yuka trat dicht auf Gaara zu, er drehte sie und mit Schwung wurde Yuka erst weg von ihm gedreht und dann wieder zu ihm hin. Aber der Schwung war ein bisschen ZU viel, Yuka hatte so viel Speed drauf, dass sie nicht mehr abbremsen konnte und ungebremst auf Gaara zuhielt. Gaara jedoch reagierte gerade noch rechtzeitig, er zog sie an der Hand nach rechts und stützte sie dann auf seinem Arm. Schneller als Yuka gucken konnte, hing sie seitlich neben Gaara auf seinen Arm gestützt. Sie war so nah bei ihm, dass sie seinen Atem hören konnte und ihre Körper sich berührten. Und in diesem Moment war es ihr plötzlich so, als würde die ganze Welt stillstehen. Aus den Lautsprechern hallte es „I can’t stop thinking of you. I’m stuck on you“. ("Ich kann nicht aufhören an dich zu denken. Ich bin in dich verknallt.") Das bekam sie noch mit, dann aber war alles was sie sehen und wahrnehmen konnte nur noch Gaara. Sie blickte hoch zu ihm und sah direkt in seine jadegrünen Augen, die ebenfalls auf ihr Gesicht geheftet waren. Yukas Herz begann in ihrer Brust zu hämmern und sie wurde rot im Gesicht.
    Aber auch Gaara machte die – zugegeben schon ziemlich romantische – Situation Probleme. Es gelang ihm nicht, den Blick von Yuka abzuwenden und aus irgendeinem, ihm völlig unerfindlichen Grund hatte er Herzklopfen. Es war ein ähnliches Gefühl wie der Adrenalinstoß, den er immer bekam, kurz bevor er jemanden tötete. Aber irgendwie war es doch anders …
    Beide bekamen von ihrer Umwelt nichts mehr mit. Sie sahen sich nur in die Augen, während um sie herum die ganzen besoffenen Abiturienten tanzten. Jetzt nur noch halblaut hallte Stacie Orricos Stimme durch den Park „I’m stuck on youuuu.“
    „Gaara …“, flüsterte Yuka und glaubte, ihr Herz würde ihren Brustkorb jeden Moment sprengen, so sehr hämmerte es.
    Das löste Gaaras Starre. Hastig zog er seinen Arm weg. Umgehend drehte er sich dann weg von Yuka und verschränkte die Arme mit einer fahrigen Bewegung vor der Brust, während Yuka beinahe hingefallen wäre, so überraschend kam das. Mit einem leichten Schwanken hielt sie sich auf den Beinen und schluckte dann hart. Ihr Herz raste immer noch wie verrückt.
    °Das war … das war so seltsam°, dachte sie völlig verwirrt und strich sich verlegen eine Haarsträhne hinters Ohr. °Plötzlich waren wir uns so nah … ich konnte an nichts anderes mehr als an ihn denken …°
    Ruckartig rissen ihre Augen sich auf. °Yuka! Reiß dich gefälligst zusammen! Vergiss das! Er ist ein brutaler Mörder! Ein Gewaltverbrecher! Und aus einer anderen Welt! Und ihr werdet von der Polizei verfolgt!°
    Schnell sah Yuka sich um, aber von den beiden Polizisten, die sie verfolgt hatten, war nichts mehr zu sehen. Die Luft schien rein sein. Rein genug, um abzuhauen.
    Yuka zwang sich, an ihre Pflicht zu denken und sich zusammenzureißen. Schnell trat sie auf Gaara zu und sagte dann mit so fester Stimme wie es ging: „Die Luft ist rein. Wir können also gehen.“
    Gaara warf ihr nur für den Bruchteil einer Sekunde einen ausdruckslosen Blick zu, dann drehte er sich weg und stapfte davon. Yuka folgte ihm schnell, aber mit immer noch klopfendem Herzen.


    von meggy



    so, endlich wochenende!!!
    und da hat ik ma lust, 2 kapis nei zu machn :D

  • Beide schoben sich aus dem Park heraus und blieben dann an der Straße stehen. „Die Polizisten scheinen wirklich weg zu sein“, stellte Yuka mit einem weiteren prüfenden Blick nach rechts und links fest.
    Gaara hielt nur weiterhin die Arme vor der Brust verschränkt und würdigte sie keines Blickes. „Dann gehen wir jetzt zu dem Ort, an dem ich hier ankam“, sagte er nur kalt.
    °Der Ort, an dem wir uns trafen°, schoss es Yuka durch den Kopf. Schnell schüttelte sie den Kopf. Was für ein Quatsch! Was war an dem Ort schon Besonderes? Zumindest nichts bezüglich der Beziehung zwischen Gaara und ihr!
    Mit heftigen Schritten überquerte sie die Straße und schon waren sie an der Ecke, an der sie sich das erste Mal begegnet waren. Es war nicht mal einen Tag her, aber es kam Yuka trotzdem so vor, als wären seither Jahre ins Land gezogen. Sie blieb stehen und sah an einem der Hochhäuser hoch. Genau so hatte Gaara damals auch da gestanden und hatte an den Hochhäusern hochgesehen. Sie konnte sich noch genau an seinen Blick erinnern. Obwohl er verwirrt schien, hatte er Überlegenheit ausgestrahlt
    „Was machen wir jetzt?“, riss Gaara sie da aus ihren Gedanken.
    Yuka fuhr schnell zu ihm herum. Es kam selten vor, dass er Anzeichen zeigte, auf sie zu hören und sich von ihr führen zu lassen.
    „Ähm“, begann sie ein bisschen überrumpelt, fing sich dann aber wieder und wandte sich der Gasse zu, aus der Gaara das erste Mal herausgekommen war. „Wir müssen da rein. Das ist doch die Gasse, wo du nach deiner Reise angekommen bist, oder?“
    Gaara nickte so leicht, dass man es fast nicht sehen konnte. Dann trat er in die wenig erhellte Seitengasse hinein, Yuka folgte ihm auf dem Fuße. Nebeneinander liefen sie in die Gasse hinein. Aber nur Sekunden später prallten beide völlig überrascht zurück. Nur wenige Meter vor ihnen standen die beiden Polizisten, die sie eben noch verfolgt hatten!
    Yuka klappte der Unterkiefer herunter. Die Ironie der Situation traf sie wie ein Faustschlag mitten in den Magen. Sie hatten alle Register gezogen, um den Polizisten zu entkommen und jetzt waren sie ihnen genau in die Arme gelaufen.
    „Verdammte Scheiße!“, schoss es Yuka durch den Kopf und sie trat einen Schritt zurück.
    Die beiden Polizisten waren mindestens so überrascht wie Yuka und Gaara, aber sie fingen sich blitzschnell wieder und zogen ihre Pistolen. „Hände hoch und keine Tricks! Diesmal entkommt ihr nicht!“, rief der Größere der beiden.
    Yuka überlegte fieberhaft, ob es besser wäre, wegzurennen, gespielt in Ohnmacht zu fallen oder einfach nur hysterisch loszukreischen nach dem Motto „Hilfe, der Kerl neben mir ist gemein und ich bin nur das Opfer!“
    Aber noch bevor sie eine Entscheidung treffen konnte, trat Gaara nach vorne. Mit festem Blick musterte er die beiden Polizisten. „Ich gebe euch jetzt die Chance, euch zu ergeben. Macht ihr es nicht, wird euer Ende sehr viel schmerzvoller ausfallen“, sagte er kalt, aber für seine Verhältnisse war er fast schon nett. Er prügelte nicht einfach auf die Typen ein, er ließ ihnen sogar die Wahl. Na ja, töten wollte er sie bestimmt so oder so.
    Die Polizisten dachten jedoch gar nicht daran, klein beizugeben. „Halt die Klappe! Nimm die Hände hoch! Wir haben die Berechtigung, auf euch zu schießen!“
    „Glaubt ihr, ich hätte Angst vor diesen Teilen, die ihr auf mich richtet?“, fragte Gaara und der Hauch eines Lächelns erschien auf seinem Gesicht.
    Die Polizisten bissen die Zähne zusammen. Die kämpferische und kalte Art des Jugendlichen machte ihnen sichtlich zu schaffen.
    Gaara fasste das Nichtbewegen der beiden als Ablehnung seines Angebots auf, hob den Arm und ging auf die beiden Polizisten zu. Sofort luden beide ihre Waffen. „Keinen Schritt näher!“, schrie einer.
    Gaara beachtete sie gar nicht und ging ungehindert weiter auf sie zu. Der Verschluss seiner Kürbisflasche öffnete sich langsam.
    „Stehen bleiben!“, rief wieder einer der Polizisten und beide wichen etwas zurück. Dann aber drückte der Größere der beiden plötzlich ab. Ein Schuss zerriss die Luft. Die Kugel sauste an Gaara vorbei und traf Yuka hinter ihm genau in die Schulter. Yuka schrie schmerzvoll auf, hielt sich die Schulter und ging in die Knie. Blut spritzte aus ihrer Schusswunde.
    „ICH bin euer Gegner!“, schrie Gaara und riss die Augen auf. Unglaublich schnell schoss Sand aus seiner Kürbisflasche und Gaara machte mit beiden Händen ein merkwürdiges Fingerzeichen. Sofort formierte der Sand sich und schoss dann wie eine losgelassene Schlange auf die Polizisten zu. Die schrieen auf und wichen zurück, aber es war zu spät. Der Sand packte beide an den Beinen und umhüllte dann ihre Beine von oben bis unten. Gaara sah beide starr an und seine Hände verharrten in dem Fingerzeichen. „Euer Geschrei nervt. Jedes MÄDCHEN schreit weniger peinlich als ihr Schwächlinge“, sagte er finster und wie von seinen Worten gesteuert schoss der Sand jetzt hoch zu den Köpfen der beiden und umhüllte auch ihre Oberkörper und Köpfe. Beide steckten jetzt fest in ihren Sandpanzern.
    „Ga-Gaara“, keuchte Yuka hinter ihm und hielt sich immer noch ihre Schulter, die weiterhin blutete. Es tat unglaublich weh. „Gaara … hilf … mir …“, presste Yuka gequält hervor.
    Gaara, der sie bislang völlig ignoriert hatte, wandte den Kopf nur Millimeter in ihre Richtung, dann aber konzentrierte er sich wieder voll und ganz auf seine Opfer. Aber obwohl er Yuka zu ignorieren versuchte, hallten ihre gequälten Worte in seinem Kopf wieder. °Gaara … hilf … mir …°, dröhnte es in seinem Kopf. Gaara schüttelte heftig den Kopf, aber er wurde die Stimme in seinem Hirn nicht los. Blitzschnell schloss er beide Hände, um seine Tat an den beiden Polizisten zu beenden. Die Sandpanzer zerquetschten die armen Männer, aber ihre Schmerzensschreie drangen gar nicht richtig bis zu Gaara durch, er fuhr sofort zu Yuka herum. Sie kniete mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden und ihr ganzer Oberkörper war rot von Blut. Unter großer Anstrengung hob sie ein bisschen den Kopf und sah Gaara an. „Gaara …“, stieß sie hervor, dann wurde es ihr zu viel und sie klappte kraftlos in sich zusammen. Mit dem Gesicht zum Boden fiel sie hin und blieb reglos liegen, während sich um sie herum eine Blutlache bildete.
    Gaaras Augen weiteten sich erschrocken und mit ein paar großen Schritten war er bei Yuka. Ohne groß nachzudenken fiel er neben ihr auf die Knie und starrte sie fassungslos an. Um Yukas Körper herum vergrößerte die Blutlache sich zusehends und ihr Oberkörper hob und senkte sich nur schwach. Gaara spürte einen kleinen Stich in seinem Herzen. Es tat ihm weh, Yuka leidend zu sehen. Dieses Gefühl war ihm völlig neu. Ganz vorsichtig bewegte er eine Hand auf ihren Rücken zu und berührte sie ganz leicht.
    „Es tut so …weh …“, flüsterte Yuka. Ihre Worte waren kaum zu hören, weil ihr Gesicht am Boden lag.
    Das beendete Gaaras Zögern schlagartig. Entschlossen nahm er Yuka bei den Schultern und drehte sie auf den Rücken um. Yuka zuckte leicht zusammen und aus ihrem Mundwinkel kam ein kleiner Bluttropfen heraus. Gaara beugte sich zu ihrem Oberkörper hin und betrachtete die Einschussstelle. Zum Glück saß die Kugel nicht sehr tief in Yukas Körper. Aber trotzdem blutete ihre Wunde ziemlich stark. Mit einer schnellen, geübten Bewegung griff Gaara an die Wunde und zog die Kugel dann mit einem einzigen Ruck heraus.
    „Au“, keuchte Yuka und kniff die Augen gequält zusammen.
    „Stell dich nicht so an“, brummte Gaara, aber sein kalter Tonfall war nicht ganz so gleichgültig wie sonst. Schnell riss er einen Stofffetzen von seinem hellblauen T-Shirt ab und machte Yuka dann damit einen provisorischen Verband um die Schulter. Zum Glück ließ der Blutfluss schon nach und der Stofffetzen wurde nur langsam mit Blut getränkt.
    „Besser?“, fragte Gaara knapp und erhob sich wieder.
    Yuka nickte leicht und blickte zu Gaara hoch. °Er hat mir geholfen. Er hat mich versorgt°, raste es durch ihren Kopf und Yuka konnte es kaum fassen.
    „Dann steh auf, wir müssen weiter“, sagte Gaara kalt und drehte sich um.
    Yuka fühlte sich, als hätte man ihr einen Eimer kaltes Wasser ins Gesicht geschüttet. °Er ist und bleibt egoistisch und gefühlskalt!°, dachte sie empört, °Merkt der Kerl denn nicht, dass ich gerade angeschossen wurde?! Aber für ihn zählt nur, dass er in sein blödes Suna-Gakure kommt!° Sauer richtete Yuka ihren Oberkörper auf. Ein stechender Schmerz fuhr durch ihren Körper und Yuka presste die Lippen aufeinander, um nicht los zu schreien. Es tat verdammt weh.
    „Jetzt mach schon, wir haben nicht ewig Zeit“, drängelte Gaara ungeduldig.
    „Hallo?! Ich hab gerade ’ne Kugel abgekriegt! Normale Menschen liegen wegen so was ein paar Wochen im Krankenhaus!“, fuhr Yuka ihn wütend an und ignorierte die Schmerzen, die in ihr hochschossen, als sie ihre Stimme so laut erhob. Mit aller Kraft versuchte sie aufzustehen, aber bei jeder Bewegung fühlte es sich an, als würde man ihr ein Messer in den Brustkorb rammen. Yuka biss die Zähne zusammen und endlich gelang es ihr, auf die Beine zu kommen. Ein bisschen wacklig stand sie da und musste die Zähne wirklich heftig zusammenbeißen, um den Schmerzen Stand zu halten.
    „Hast du’s jetzt endlich?“, knurrte Gaara noch eine Spur finsterer als vorher.
    „Du blöder Vollidiot, du kannst mich mal!“, schrie Yuka ihn an und griff sich gleich darauf an die Brust, weil der Schmerz wieder in ihr hochschoss. Dabei griff sie an den Verband, den Gaara aus seinem Oberteil gebastelt hatte und der jetzt um ihre Schulter hing.
    °Der Verband!°, schoss es Yuka durch den Kopf und sie blickte nach unten und betrachtete den blauen Stofffetzen. °Gaara hat mich versorgt … Ich glaube fast, er hat sich Sorgen um mich gemacht°, überlegte Yuka und sah zu Gaara hin, der ihr den Rücken zugewandt hatte und sie demonstrativ mit Nichtbeachtung strafte. Yuka schoss wieder das Bild von Gaara durch den Kopf, wie er zu ihr gelaufen war und neben ihr auf die Knie gefallen war. In seinen Augen hatte Sorge gelegen. Yuka war sich ganz sicher. °Es war echt das erste Mal, dass er mich nicht schlecht behand hat…°
    In diesem Moment lief Gaara los. „Komm mit.“ Wie üblich klang es wie ein Befehl. So, als wäre sie sein Sklave. Aber versorgte man auch die Wunden seines Sklaven?
    Yuka musste lächeln und vergaß über ihren Überlegungen über Gaara ganz ihre schmerzende Verletzung. Langsam, aber fast nicht schwankend folgte sie Gaara und da er langsam lief, hatte sie ihn schnell eingeholt.
    „Du, Gaara“, begann sie und konnte nicht widerstehen, ihn anzulächeln.
    Gaara blieb stumm und tat, als hätte er sie nicht gehört.
    „Danke“, sagte Yuka und ihr Lächeln wurde sogar noch breiter. Sie hatte ihre Wut von eben vollkommen vergessen. Allein die Hoffnung, dass Gaara gar nicht so gefühllos war, wie sie dachte, war mehr als genug Grund, happy zu sein.
    °Das zwischen uns könnte man zwar nicht Freundschaft nennen, aber ich freue mich trotzdem irgendwie darüber°, dachte Yuka, °Zumindest bin ich ihm nicht total egal.°
    Beide liefen nebeneinander durch die dunkle Gasse. Wenn alles gut ging, dann würde Gaara gleich nach Hause kommen. Er wurde für immer aus der „normalen“ Welt verschwinden. Und Yuka würde ihn nie wieder sehen...


    von meggy

  • Wenige Meter später tauchten vor Gaara und Yuka einige bis zum Anschlag gefüllte Mülltonnen auf. Gaara blieb stehen und auch Yuka hielt an, obwohl sie nicht recht wusste, warum Gaara stoppte.
    „Ganz genau hier kam ich an, nachdem ich in das schwarze Loch gezogen wurde“, sagte Gaara kalt und eigentlich mehr zu sich selbst, als zu Yuka.
    Yuka sah sich um. An dem Ort war schlichtweg überhaupt nichts Besonderes. Sie konnte sich nicht mal ansatzweise vorstellen, warum Gaara ausgerechnet hierher gebracht worden war. °Wie kann ich jetzt nur dieses schwarze Loch aktivieren? Wenn es erscheint, dann hier, da bin ich mir sicher. Aber wie bringe ich es nur dazu, zu erscheinen?°, fragte Yuka sich. Irgendwie war sie davon ausgegangen, dass hier etwas passieren würde. Aber es tat sich gar nichts.
    „Hast du irgendwas Besonderes getan, bevor das schwarze Loch erschien?“, fragte Yuka in Gaaras Richtung.
    Gaara verschränkte die Arme vor der Brust. „Nein. Ich bin einfach nur durch die Wüste gelaufen. Fertig.“
    „Und du hast an nichts Bestimmtes gedacht? Nichts Besonderes gefühlt?“, bohrte Yuka.
    Gaara atmete heftig aus. „Meine Güte, ich hab was gesagt.“
    Yuka blickte interessiert auf. „Und was?“
    Gaara öffnete den Mund, aber Yuka unterbrach ihn hastig. „Halt, sag es nicht! Um das schwarze Loch zu aktivieren, müssen wir die gleichen Vorraussetzungen wie beim ersten Mal schaffen. Es ist wichtig, dass du es genau so sagst wie damals. Konzentrier dich auf die gleichen Gefühle und mach es ganz genau so wie damals.“
    °Wenn ich mit der Aktion hier fertig bin, bin ich schlauer als jede Wahrsagerin°, dachte Yuka und sah Gaara fordernd an.
    Gaara stieß einen genervten Seufzer aus, dann aber machte er einen Schritt nach vorne, ließ die Arme wieder zu beiden Seiten runterhängen und starrte in den Himmel. Eine kleine Ewigkeit verging, aber dann erhob er seine Stimme, die plötzlich kälter und rauer denn je klang: „Ich bin Sabaku no Gaara. Gaara aus der Wüste. Meine Mutter starb bei meiner Geburt. Ich habe meinen Onkel getötet. Ich lebe nur für mich selbst. Ich kämpfe nur für mich selbst. Und ich liebe nur mich selbst. Ich lebe nur dafür, um andere Menschen zu töten … so lange, bis es niemanden mehr außer mir gibt …“
    Yuka zuckte ein bisschen zurück. °Gaara …°, schoss es ihr durch den Kopf.
    In diesem Moment kam plötzlich ein unglaublich starker Wind auf. Yuka hielt sich die Arme vors Gesicht und rief: „Was zum Teufel ist das?!“
    Mit großer Anstrengung nahm sie die Arme etwas runter, um sehen zu können, was da passierte. Der Wind wurde immer stärker und wurde so heftig, dass er sie fast umriss. Aber jetzt begann er, sich auf einen Punkt vor Yuka und Gaara zu konzentrieren. Aus allen Richtungen hielt der Wind auf den Punkt zu und formierte sich dort in einem großen Wirbel.
    °Ist das etwa … Oh mein Gott … erscheint etwa das schwarze Loch?° Die Gedanken rasten durch Yukas Kopf wie eine Ladung Wäsche im Trockner.
    Aber dann ebbte der Wind ganz plötzlich ab. Mit einem Mal war der orkanartige Wind weg und Yuka nahm sofort die Arme endgültig von ihrem Gesicht weg. Ihr Bot sich der atemberaubendste Anblick ihres Lebens. Nur wenige Meter vor ihr und Gaara war ein riesiges, schwarzes Loch. An den Rändern zuckten kleine Blitze. Um die gigantische Öffnung hing ein dunkler, schwarzer Nebel.
    Yuka stockte der Atem. Fassungslos und mit offenem Mund starrte sie das Loch an. Darin lag nichts als Dunkelheit. Yuka konnte sich überhaupt nicht vorstellen, wie man dadurch durch die Welten reisen konnte. Es überstieg ihren Verstand.
    Gaaras Blick jedoch blieb ausdruckslos, gerade so, als würde er so etwas jeden Tag sehen. Dann griff er an sein hellblaues T-Shirt und zog es sich mit einem Ruck herunter. Darunter kam sein braunes, altes Oberteil wieder zum Vorschein. Im gleichen Moment wurden seine Beine in Sand gehüllt und der Sand trug die neumodische Jeans davon. Darunter hatte er die ganze Zeit seine alten Hosen getragen. Wieder in den gleichen Klamotten wie bei seiner Ankunft wandte er sich Yuka zu und zog sich dabei die Sonnenbrille runter. „Leb …“, setzte er an, aber in diesem Augenblick kam plötzlich wieder der orkanartige Wind auf, nur noch stärker als zuvor. Erschrocken schrie Yuka auf und versuchte, das Gleichgewicht zu halten, was aber nicht klappte. Der Wind war zu stark. Im Reflex klammerte sie an dem einzigen fest, was in ihrer Reichtweite stand: Gaara.
    „Was ist das?!“, schrie sie und krallte ihre Finger immer fester in den Stoff von Gaaras Oberteil. Mit Mühe hob sie den Kopf und sah, dass der Wind sie direkt in die große, schwarze Öffnung zog. Der Wind war unglaublich stark, nicht mal Gaara konnte ihm standhalten, langsam rutschte er nach hinten, Richtung schwarzes Loch. Jetzt öffnete sich seine Kürbisflasche und der Sand flog zum schwarzen Loch, um es zu verschließen, aber es war zwecklos. Der Sand wurde einfach eingezogen.
    °Das schwarze Loch … es bringt mich zurück …°, schoss es da Gaara durch den Kopf und seine Augen weiteten sich. Natürlich! Das war seine Chance, diese Welt zu verlassen! Sofort ließ Gaara seinen Körper locker und ließ sich von dem Wind nach hinten ziehen.
    „Wah! Gaara, was zur Hölle machst du?!“, kreischte Yuka, die einfach mitgezogen wurde, weil sie sich immer noch an Gaara festklammerte. Schneller als sie gucken konnte, wurde sie in das schwarze Loch hineingezogen. Um sie herum war nur noch Dunkelheit zu sehen, aber sie krallte sich einfach nur an Gaara fest. Scheinbar eine Ewigkeit lang fühlte es sich an, als wäre sie in der freien Schwebe abwärts, bis sich unter ihr endlich die Dunkelheit öffnete und Licht erschien.
    Gaara und Yuka überschlugen sich und fielen dann durch die Öffnung nach unten. Hart prallte Gaara auf, aber zum Glück hatte sich unter ihm ein Sandhügel gebildet, der den Sturz ein bisschen abfing. Mit nicht weniger Schwung knallte Yuka auf ihn drauf.
    „Autsch …“, murmelte sie. Sie hatte das Gefühl, dass sich alles um sie herum drehte und ihr Kopf dröhnte. Was war da nur passiert? Flatternd öffnete sie die Augen und war erst mal nur geblendet von der ganzen Helligkeit. Um sie herum war alles so hell … Erst nach einigen Sekunden konnte sie genau erkennen, was sich um sie herum befand. Es war Sand. Wohin das Auge reichte, um sie herum war nichts als Sand. Glühend heiß hing die Sonne über ihnen und beschien den Sand und die wenigen Felsen, die Luft flimmerte förmlich vor Hitze.
    „Wo … wo sind wir …?“, flüsterte Yuka, blickte nach unten und wurde sich erst jetzt bewusst, dass sie immer noch auf Gaara lag. Aber auch ihm schien diese „Reise“ zu Schaffen gemacht zu haben, sonst hätte er sich schon lange beschwert, dass Yuka auf ihm drauf lag.
    Schnell stützte sich seitlich von ihm ab und kam mühevoll auf die Beine. Kaum stand sie, erhob sich auch Gaara, wenn auch weitaus würdevoller. Sofort verschränkte er die Arme vor der Brust und sah sich mit ausdruckslosem Blick um. „Ich bin wieder zu Hause“, murmelte er dann, „Das hier ist das Windreich.“
    Einen Moment lang glaubte Yuka, dass ihre Beine unter ihr wegknicken mussten und sie umkippen würde. Wie bitte?! Sie war in Gaaras Welt gelandet?!
    „Aber …“, stotterte sie und sah sich fassungslos in der Wüste um.
    In diesem Moment aber ging plötzlich ein Ruck durch Gaaras Körper und er trat vor Yuka. „Versteck dich … wir werden beobachtet …“, flüsterte er und ließ seinen Blick stechend genau über die Umgebung schweifen.
    „Was? Aber wir sind hier in der Wüste … und völlig alleine …“, setzte Yuka verwirrt an, aber Gaara schnitt ihr das Wort ab. „Es sind feindliche Shinobi hier, geh in Deckung, oder du bist in ein paar Sekunden tot.“
    Erschrocken zuckte Yuka ein bisschen zurück. Dann aber nickte sie leicht und versteckte sich hinter dem nächstbesten Felsen. Keine Sekunde zu früh! Kaum hatte sie sich hinter dem Felsen geduckt, brach blitzschnell und wie aus heiterem Himmel ein ohrenbetäubendes Geschrei los und wie aus dem Nichts erschienen fünf schwarz gekleidete Personen, die sich allesamt auf Gaara stürzten, gerade so, als hätten sie auf ihn gewartet.
    Yuka zuckte zusammen, am liebsten wäre sie zu ihm gerannt und hätte sich zwischen ihn und die Typen geschmissen, aber das war völlig unnötig, Gaara kam mühelos mit der Situation klar. Er blieb völlig ruhig, während die fünf Typen auf ihn zuhielten und dann plötzlich kleine Dolche zogen. Die Dolche hatten eine merkwürdige Form, Yuka hatte so etwas noch nie gesehen (Gemeint sind Kunai^^“).
    Gaara blieb nur ruhig stehen und machte dann mit beiden Händen vor der Brust ein Fingerzeichen. Im nächsten Augenblick schoss Sand aus seiner Kürbisflasche und hielt direkt auf die Typen zu. Yuka erwartete, dass es genau so wie bei den beiden Polizisten eben aussehen würde, aber diese Typen hier waren weitaus besser trainiert. Mit schnellen Sprüngen und Saltos wichen sie dem Sand aus und schleuderten dann die kleinen Dolche auf Gaara, nur um im nächsten Moment alle gleichzeitig mit Schlägen und Tritten anzugreifen. Ihre Bewegungen waren schneller, als alles andere, was Yuka bisher gesehen hatte. Tja, aber Gaaras Sand war eben noch eine Ecke schneller. Blitzschnell baute sich eine Sandwand vor Gaara auf, an der die kleinen Dolche abprallten. Als die Typen dann direkt angriffen, brauchte Gaara nur eine kleine Handbewegung zu machen und sofort formierte sein Sand sich zu Greifarmen, der die Angreifer festhielt und dann in die Luft zog.
    Yuka schloss die Augen, sie wusste, was jetzt kommen würde. „Trauerzug der Wüste“, hörte sie Gaaras kalte Stimme und gleich darauf das schreckliche Krachen von Menschenknochen, dicht gefolgt von gellenden Schmerzensschreien. Dann war es blitzschnell wieder ruhig in der Wüste.
    Vorsichtig öffnete Yuka die Augen und blickte auf die unendliche Sandwüste vor sich, die jetzt einige rote Blutspritzer abbekommen hatte. Stücke von Menschenfleisch lagen ebenfalls vereinzelt herum. Und mittendrin: Gaara. Er drehte sich zu Yuka um und blickte aus ausdruckslosen, jadegrünen Augen zu ihr hin. Um ihn herum die Überreste seiner vor Gewalt nur so triefenden Tat.


    von meggy

  • Einen Moment lang blieb Gaara einfach nur so bewegungslos inmitten der Fleischstücke stehen, dann endlich löste er sich aus seiner Starre und ging zu Yuka hin, die immer noch hinter dem Felsen kauerte.
    Yuka schluckte, richtete sich auf und ging ihm entgegen. Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Jetzt war sie hier in einer Welt, in die sie nicht hingehörte. Noch dazu mit dem Jungen, mit dem sie die wohl komplizierteste Beziehung der Welt verband.
    „Folge mir. Wir gehen nach Suna-Gakure“, entschied Gaara mit kalter Stimme und ohne Yuka anzusehen.
    „Ähm … weißt du überhaupt wo es langgeht? Hier sieht doch alles gleich aus …“, gab Yuka leise zu bedenken.
    „Ich bin mit dem Sand verwachsen, findest du es da nicht logisch, dass ich mich in der Wüste auskenne?“, versetzte Gaara, „Außerdem ist das meine Heimat.“ Und ohne noch ein weiteres Wort zu verlieren stapfte Gaara mit verschränkten Armen los. Yuka folgte ihm auf dem Fuße. Sie fühlte sich unwohl hier, sie hatte keine Ahnung, was sie in Gaaras Welt alles erwartete. Ob wohl noch mehr Ninjas einen Angriff wagen würden? Wie sah Gaaras Suna-Gakure eigentlich aus? Langsam begann Yuka zu verstehen, wie fehl am Platz Gaara sich die ganze Zeit in ihrer Welt gefühlt hatte.


    Gaara führte Yuka zehn Minuten lang durch die Wüste und sagte dabei kein einziges Wort. Erst als vor ihnen die ersten Häuser des Dorfes auftauchten, schien er Yuka neben sich wieder wahrzunehmen, sah sie an und sagte: „Ich bin dir dankbar, dass du mich hierher zurückgebracht hast. Aber ich werde meine Zeit nicht damit verschwenden, dir bei der Rückreise zu helfen. Unsere Wege trennen sich hier.“
    Yuka sah ihn fassungslos an. Wollte er sie ernsthaft hier sitzen lassen? Nach allem, was sie für ihn getan hatte?!
    „Hast du sie noch alle?! Ich habe mir mein Leben versaut und zwar für dich! Du könntest mir wenigstens helfen, mich hier ein bisschen zurechtzufinden!“, fuhr sie Gaara an.
    Der Blick, den Gaara ihr jetzt gab, schien vor Kälte nur so zu klirren. „Ich habe dir gegenüber keine Verpflichtungen. Jetzt, da ich wieder zu Hause bin, brauche ich dich nicht mehr. Lass mich in Ruhe.“
    „Aber Gaara!“, setzte Yuka an, aber in diesem Moment verschwand Gaara in einem Sandwirbel und war weg. Plötzlich stand Yuka alleine am Rande des Dorfes mit diesen kleinen, steinernen Häusern.
    „GAARA, DU VERDAMMTER VOLLIDIOT, KOMM AUF DER STELLE ZURÜCK!“, schrie Yuka so laut, dass die Wände der kleinen Häuschen fast schon zu zittern anfingen. Aber natürlich kam er nicht zurück. Yuka blieb alleine stehen.
    °Verdammt!°, fluchte sie, °Was zum Teufel soll ich jetzt machen? Ich muss zurück nach Hause! Na ja, aber erst mal muss ich mich hier ein bisschen zurechtfinden.°
    Sie sah sich um, aber für ihre Verhältnisse sah alles gleich aus. Steinernes Haus reihte sich an steinernes Haus. Keine Menschenseele weit und breit.
    Yuka stieß genervt die Luft aus und lief dann einfach mal auf gut Glück los. Ziemlich ziellos streifte sie an den Häuser vorbei, ohne überhaupt zu wissen, was sie hier eigentlich wollte. Ob es Gaara wohl auch so gegangen war, als er in ihre Welt gekommen war? Yuka stieß einen Stoßseufzer aus.
    „Hey, du“, erklang da plötzlich eine Stimme hinter ihr.
    Erschrocken fuhr Yuka herum und fand sich geradewegs einem schwarz gekleideten Jungen gegenüber, der sie finster ansah. Sein gesamtes Gesicht war lila-weiß geschminkt, was irgendwie an eine Kriegsbemalung erinnerte, aber irgendwie auch einfach nur lächerlich wirkte.
    „Ähm, hi“, sagte Yuka einfach mal, ohne zu wissen, was sie sagen sollte.
    „Du bist eine Fremde“, fuhr der Junge aber auch schon fort und sein Blick verfinsterte sich dabei nur noch. „Fremde ohne Einreisegenehmigung sind nicht erlaubt. Du hast nicht zufällig eine, oder?“
    Yuka spürte, wie sich Panik in ihr ausbreitete. „Äh …“
    „Also nicht“, schnitt der Junge ihr das Wort ab, „Du bist also illegal hier. Das kann ich als Sohn des Kazekage nicht billigen.“
    °1. Was ist ein Kazekage? 2. Was haben die hier für bescheuerte Sitten? 3. SCHEIßE, was mach ich jetzt?°, schoss es Yuka durch den Kopf.
    Der Junge trat noch einen Schritt auf sie zu und nahm seine Hand aus der Hosentasche. „Das hat Konsequenzen für dich. Schmerzhafte Konsequenzen, Kleine.“
    Vor Angst fing Yukas Herz an wie wild zu schlagen. Dann aber schüttelte sie heftig den Kopf. Nein, vor so einem bescheuerten Heini mit Möchtegern-Kriegsbemalung DURFTE sie einfach keine Angst haben! Mit festem Blick sah sie dem Typen vor sich in die Augen. „Lass mich in Ruhe, oder du kannst was erleben.“
    „Ach, du glaubst, du kannst es mit mir aufnehmen?“, fragte er und zog eine Augenbraue hoch. Yukas Reaktion schien ihn ziemlich zu amüsieren.
    Energisch schob Yuka ihr Kinn vor. „Ich weiß, dass ich dir einen kräftigen Arschtritt verpassen werde, wenn du mir zu nahe kommst!“
    „So? Na, das werden wir ja noch sehen!“ Blitzschnell schoss der Arm des schwarz gekleideten Jungen nach vorne und er packte Yuka am Kragen. Als würde sie nichts wiegen hielt er sie in die Luft und sah sie starr an. „Ich kann es nicht leiden, wenn Mädchen versuchen, hart zu sein.“
    Yuka sog scharf die Luft ein, was der Kerl da mit ihr anstellte, ließ ihre Wunde in der Schulter wieder mit doppelter Härte wehtun. „Lass mich … los …“, keuchte sie.
    Ein feines Lächeln umspielte die Lippen ihres Gegenübers. „Ach, jetzt bist du also nicht mehr so hart, was?“
    Er holte mit dem anderen Arm aus. „Schon besser, aber du könntest dich aber NOCH besser benehmen!“ Damit schlug er ihr volle Kanne mit der Faust ins Gesicht. Yuka wurde nach hinten gezogen, flog ein paar Meter weit und knallte dann hart auf den Sandboden. Mit dem harten Aufprall ging die Schusswunde wieder auf und erneut begann ihre Schulter zu bluten.
    „Oh, bist du etwa schon so verletzt?“, erklang die spöttische Stimme des Jungen hinter ihr.
    Blitzschnell schoss Wut in Yuka hoch. Nein, das würde sie sich nicht von so einem Volltrottel gefallen lassen! Mit aller Kraft stemmte sie ihren Oberkörper hoch und kam wieder auf die Beine.
    „Ist das etwa alles, was du kannst? Lächerlich, damit kannst du nicht mal einem Mädchen etwas anhaben, wie du siehst“, sagte sie leise, aber mit unverkennbarem Hohn in der Stimme.
    Schlagartig verengten die Augen des Kerls sich zu schmalen Schlitzen. „Ach ja? Ich kann auch härter, wenn du willst, Kleine.“
    Mit einer schnellen Bewegung zog er zwei dieser kleinen Dolche, mit denen auch schon die Shinobi in der Wüste gekämpft hatten, und schleuderte sie dann auf Yuka. Yuka konnte gar nicht so schnell gucken, wie die Dolche auf sie zuflogen, sie spürte nur einen leichten Luftzug und einen stechenden Schmerz an ihrer linken Wange, dann war es schon vorbei. An ihrer Wange befand sich nun plötzlich ein blutiger Striemen, den einer der Dolche hinterlassen hatte und Blut tropfte auf den sandigen Boden. Verwirrt berührte Yuka mit den Fingerspitzen ihre Verletzung. Es war alles viel schneller gegangen, als sie hätte reagieren können. Was für Menschen waren das hier nur? Ihre Bewegungen waren abnormal schnell.
    „Sei bloß froh, dass ich nicht ernsthaft gezielt habe. Sonst wärst du schon tot“, erklang die finstere Stimme des schwarz gekleideten Jungen und er ging provozierend langsam auf sie zu.
    "Ein Schritt weiter und DU bist tot“, zischte Yuka und wischte sich mit einer fahrigen Bewegung das Blut von der Wange.
    Aber der Typ dachte nicht mal daran, ihrem Befehl zu folgen, er hielt weiterhin direkt auf sie zu und grinste dabei nur vor sich hin.
    „Du hast es nicht anders gewollt!“, fauchte Yuka, drehte sich um und zog blitzschnell die beiden Dolche hinter sich aus dem Boden. Mit funkelnden Augen blickte sie zu dem Jungen vor sich hin und spielte provozierend mit den Dolchen in ihren Händen herum.
    „Komm schon, glaubst du, du kannst mir mit zwei billigen Kunai etwas anhaben?“, spottete der Junge.
    „Was ist denn jetzt schon wieder ein Kunai?“, schrie Yuka, der diese ganze Welt hier langsam kräftig auf die Nerven ging.
    „Du bist noch dümmer, als du schwach bist“, sagte der Typ nur und stürzte sich dann auf Yuka. Schlagartig verengten sich nun Yukas Augen zu schmalen Schlitzen und mit einem Hechtsprung warf sie sich zur Seite, rollte sich ab und kam dann schnell wieder auf die Beine. Durch die schnelle Bewegung drehte sich für ein paar Sekunden lang alles um sie herum, aber dann hatte sie wieder klare Sicht und sah geradewegs auf den schwarz gekleideten Jungen, der nun aus seiner Hosentasche ein paar kleine Wurfsterne mit scharfen Ecken zog (Gemeint sind Shurikken^^“). Noch ehe Yuka reagieren konnte, warf er sie in ihre Richtung. Schützend hielt Yuka sich die Arme vors Gesicht und spürte, wie sich zwei der kleinen Teile in ihre Arme rammten, ein weiteres streifte sie am Bein. Yuka unterdrückte den Schmerz, nahm die Arme runter, nur um im nächsten Moment die Faust des Jungen in ihrem Gesicht zu haben. Schmerzhaft verdrehte ihr Kopf sich nach hinten und sie schlitterte ein Stück zurück. Gerade noch so hielt sie sich auf den Beinen.
    „Bringen wir es zu Ende!“, rief der Junge und Yuka hörte schnelle, sich nähernde Schritte. Mühevoll öffnete sie die Augen und da war der Junge schon genau vor ihr.
    „LASS – MICH – IN - RUHE!“, schrie sie in ihrer plötzlich wieder aufflammenden Wut und schlug mit einem ihrer Dolche nach vorne. Im nächsten Moment war es schlagartig wieder still. Gespenstisch still.
    Vorsichtig hob Yuka den Kopf und blickte zu dem Jungen vor sich hin. Seine Augen waren geweitet, der Mund stand offen. Und dann kam ein Bluttropfen aus seinem Mund heraus. Erschrocken riss Yuka ihren Arm zurück und bemerkte erst jetzt, was sie mit ihrer Bewegung getan hatte. Sie hatte mit ihrer reflexartigen Bewegung einen der Dolche in den Brustkorb des Jungen gerammt. Blut kam aus der Stelle heraus, wo eben noch der Dolch gesteckt hatte.
    Yuka wich geschockt einen Schritt zurück. Der Biologieunterricht kam ihr in den Sinn. Der Einstich im Brustkorb des Jungen war kaum drei Zentimeter neben dem Herz. Der Länge des Dolchs nach zu urteilen hätte man das Herz damit verletzen können, hätte Yuka nur ein paar Zentimeter weiter links getroffen.
    °Ich … ich hätte ihn fast umgebracht …°, schoss es Yuka durch den Kopf und sie starrte fassungslos auf den Jungen, der wohl auch so nicht gerade geringe Schmerzen hatte.
    „Du kleines Miststück“, flüsterte er dann bedrohlich leise, hob den Kopf und sah ihr starr in die Augen. „Das bekommst du zurück!“
    Schnell griff er an seinen Rücken und zog von da ein großes Etwas hervor, das in weiße Stoffstreifen eingewickelt war und irgendwie Ähnlichkeit mit einer Mumie hatte. Yuka hatte keinen blassen Schimmer, was das Ding war, aber es hatte etwas Unheimliches. Langsam trat sie noch einen Schritt zurück, aber der Junge hatte das wohl kommen gesehen, denn er streckte eine Hand zu ihr aus und bewegte leicht seine Finger. Im gleichen Moment hatte Yuka das Gefühl, über einen Stein am Boden gestolpert zu sein und sie fiel hin. (Genau so wie er's in Folge 20 mit Naruto gemacht hat)
    Binnen einer Sekunde war der schwarz gekleidete Typ wieder bei ihr und beugte sich über die am Boden liegende Yuka. Sein mumienähnliches Ding hatte er natürlich dabei. „Noch einen letzten Wunsch?“, fragte er fies grinsend.
    Mit blitzenden Augen sah Yuka zu ihm auf und spuckte ihm dann ins Gesicht. „Danke, gerade habe ich ihn mir erfüllt!“, zischte sie.
    Das reichte, bei dem schwarz gekleideten Jungen brannten jetzt die letzten Sicherungen durch, er holte mit seinem Mumienteil aus und hatte dabei einen so wütenden und mordlustigen Ausdruck in den Augen, dass es wirklich nicht mehr normal war.
    Yuka kniff die Augen zusammen, hielt die Arme vors Gesicht und – spürte keinen Schlag. Selbst nach einigen Sekunden geschah nichts. Vorsichtig traute Yuka sich, die Augen wieder zu öffnen. Direkt vor ihr stand eine kleine Person und vor dieser Person hatte sich eine Wand aus Sand aufgebaut, an der der Schlag des schwarz gekleideten Jungen wohl abgeprallt sein musste. Jetzt drehte die kleine Person sich zu Yuka um und sah ihr direkt in die Augen. „Dass du aber auch immer Ärger machen musst“, sagte sie leise.
    Yuka blieb fast das Herz stehen. Direkt vor ihr stand niemand anderes als Gaara. Und beschützte sie vor dem seltsamen Jungen!


    von meggy

  • Yuka konnte nur glotzen. Glotzen und staunen. Sie starrte Gaara fassungslos an. Jetzt löste die Sandwand sich auf und der Sand schwebte locker um Gaara herum in der Luft. Einen Meter vor Gaara stand der schwarz gekleidete Junge, der jetzt nur noch finsterer blickte und sich halb auf sein Mumienteil stützte.
    „Ach, wie niedlich, hat mein kleiner Bruder jetzt also eine kleine Freundin?“, spottete der schwarz gekleidete Junge.
    °Wie bitte? Kleiner Bruder? Ist der Idiot etwa mit Gaara verwandt?°, schoss es Yuka durch den Kopf und sie blickte verwirrt von Gaara zu dem Typen und wieder zurück. Ähnlichkeit zwischen ihnen: Gleich null.
    „Ich dachte, du wüsstest mittlerweile, dass du dich nicht mit mir anlegen solltest, Kankuro“, erhob Gaara seine kalte Stimme und sprach das Wort „Kankuro“ eindeutig verächtlich aus.
    „Und ich dachte, du hättest in der Zeit deiner Abwesenheit vielleicht endlich mal gelernt, dass man den großen Bruder respektieren sollte“, konterte der Typ, der offensichtlich Kankuro hieß.
    „Ich betrachte dich aber nicht als meinen großen Bruder, merk dir das. Komm mir in die Quere, und ich töte dich. Also verschwinde, bevor ich mich vergesse“, kam es kalt und drohend von Gaara zurück.
    Kankuro lächelte leicht und schnallte sich das Mumienteil zurück auf den Rücken. „Du wirst dich nie ändern“, schnaubte er, drehte sich um und stapfte davon.
    „Ähm … Gaara?“, meldete sich da Yuka vorsichtig zu Wort.
    Gaara drehte sich zu ihr um und sah sie aus kalten Augen an. „Verschwinde von hier, wie du siehst sind die Menschen hier anders als bei dir.“
    „Ach, und wo soll ich deiner Meinung nach hin?!“, fuhr Yuka ihn an und erhob sich so gut es mit ihrer neu aufgegangenen Schusswunde ging.
    Gaara wandte sich ab und ging davon. „Das ist mir egal. Aber verschwinde endlich.“
    „Du machst es dir ja mal wieder schön einfach! Aber warum hast du mich beschützt, wenn ich dir so egal bin? Hm? Kannst du mir das sagen, großer Gaara aus der Wüste?!“
    Schlagartig blieb Gaara stehen. „Ich wollte nicht, dass Kankuro Oberwasser bekommt und sich mal wieder für den Tollsten hält, nur weil er ein schwächliches Mädchen erledigt hat.“
    „So wie ich das sehe, hast du jetzt aber ein Problem! Kankuro denkt, ich wäre deine Freundin, also sollten wir erst mal dieses Missverständnis klären, oder?“, rief Yuka und beglückwünschte sich innerlich selbst dafür, wie geschickt sie das eingefädelt hatte.
    „Das kann ich auch ohne dich.“
    „Aber solange ich hier bin, kann ich überall verbreiten, dass wir ein Paar sind“, grinste Yuka, „Was meinst du, wie das den Leuten gefallen würde? Sabaku no Gaara hat ein schwächliches Mädchen aus einem anderen Land zur Freundin! Ich bin sicher, das wäre DAS Gesprächsthema schlechthin in deinem Dorf. Was meinst du, wie schnell macht so was die Runde?“
    Blitzartig schoss Gaara zu ihr herum. „Das tust du nicht.“
    „Ach, und wieso nicht?“ Yuka grinste ihn selbstsicher an. Eher würde sie sterben, als sich als Gaaras Freundin auszugeben, aber ihr Bluff war gar nicht mal so schlecht.
    „Weil ich dich vorher töten kann.“
    Yuka zwang sich dazu, keine Angst zu bekommen. „Ach, könntest du? Hm, dann macht es dir wohl auch nichts aus, dass ich die Story schon ein paar Leuten erzählt hab, während ich hier rum gelaufen bin? Na ja, wenn du mich umbringen würdest, dann würden die Gerüchte sich wohl nur noch verschlimmern … nicht nur, dass Gaara eine Freundin hat, er hat sie sogar getötet … Was da wohl für ein Ruf für dich bei rauskommen würde?“
    „Das hast du nicht getan. Warum solltest du so was herumerzählt haben?“
    „Weil ich eine Scheißwut auf dich hatte, vielleicht? Und die Blicke der Leute waren echt Gold wert.“ So überzeugend sie konnte sah Yuka ihn an.
    Einen Moment lang schien Gaara zu zögern, dann aber ließ er den Kopf sinken und seufzte: „Ich bringe dich zur Wahrsagerin. Sie weiß vielleicht, wie du zurückkommst. Mehr tu ich nicht für dich.“
    Yuka lächelte erleichtert. Geschafft! „Na also!“, rief sie und lief zu Gaara hin. „Und sobald wir bei ihr waren, hole ich höchstpersönlich alle Gerüchte aus dem Umlauf.“
    Schon an Gaaras Gesicht war klar abzulesen, wie sehr er es hasste, ihr unterlegen zu sein. Aber irgendwie war es auch ein schönes Gefühl, wieder bei ihr zu sein. Gaara konnte sich nicht helfen, aber ihre Anwesenheit gefiel ihm ... ein ganz kleines bisschen…
    Nach einem kurzen Fußmarsch durch das Dorf blieb Gaara schließlich vor einem der kleinen Häuser stehen. „Sie wohnt da drinnen. Ich warte draußen, während du mit ihr redest.“
    Yuka nickte. „Okay. Und du bist sicher, dass sie mir hilft?“
    „Bestimmt.“ Gaara sah demonstrativ weg von ihr.
    Mit einem leicht genervten Augenrollen ging Yuka an ihm vorbei, schob die angelehnte Tür auf und betrat das Haus. Es war nur wenig beleuchtet, nur einige Kerzen erhellten den Flur, in dem sie sich befand. Sonst sah die Einrichtung aber nicht viel anders aus als in Yukas Welt.
    „Wer ist da?“, erklang eine krächzende Stimme.
    „Verzeihung, darf ich reinkommen? Ich wollte Sie um Rat bitten!“, rief Yuka in ihrer artigsten Kleinmädchenstimme.
    „Natürlich, Schätzchen. Erstes Zimmer links“, kam es zurück.
    Langsam lief Yuka den Flur entlang und öffnete dann die Tür auf der linken Seite. Vor ihr öffnete sich ein dunkler Raum, indem sich nichts weiter als ein großer, roter Teppich befand, auf dem eine kleine Gestalt saß. Der Raum war völlig dunkel, nur um den Teppich herum standen einige Kerzen, die ein noch schummrigeres Licht als im Flur verbreiteten. Die Gestalt auf dem Teppich blickte auf und sah Yuka an. Es war eine alte Frau mit wettergegerbtem, faltenreichem Gesicht und langen, schneeweißen Haaren.
    „Du kommst von weither, nimm Platz“, sagte die Frau in ihrer krächzenden Stimme.
    Vorsichtig ließ Yuka sich vor ihr auf den Teppich fallen und kam sich irgendwie in ihrem blauen Kleid mit den vielen Blutflecken ziemlich seltsam in dem dunklen Raum vor.
    „Du bist hier, weil du mich um Rat fragen willst. Was hast du auf der Seele, mein Kind?“, krächzte die alte Frau.
    Yuka holte tief Luft. „Sie werden mich für verrückt halten, aber ich komme aus einer anderen Welt. Ich bin durch Zufall hierher gekommen und jetzt muss ich unbedingt wieder nach Hause!“
    „Wie bist du in unsere Welt gekommen?“, fragte die Frau ganz ruhig. Die Sache mit der Reise durch die Welten schien sie kein bisschen aus der Fassung zu bringen.
    „Durch ein schwarzes Loch. Ich kam zusammen mit Sabaku no Gaara, der ebenfalls durch dieses Loch erst in meine Welt kam, und dann mit mir zusammen wieder hierher kam“, erklärte Yuka und spürte, wie sie immer aufgeregter wurde.
    Die Augen der alten Dame wurden etwas größer. „Sabaku no Gaara …“, wiederholte sie nachdenklich. Der Name schien sie ziemlich zu beschäftigen.
    „Bitte sagen Sie mir, wie ich nach Hause komme!“, rief Yuka aus.
    „Geduld, Schätzchen“, murmelte die Frau und kramte in ihrem Gewand herum. Dann zog sie eine kleine Kristallkugel hervor.
    „Berühre die Kugel mit einem Finger, den du zuvor in dein Blut getaucht hast“, sagte die Frau zu Yuka, „Dann wird die Kugel mir alles verraten, was ich wissen muss.“
    °Wird die Kugel dann nicht dreckig?°, schoss es Yuka kurz durch den Kopf, aber sie traute sich nicht die Frage zu stellen. Vorsichtig wischte sie mit ihrem Finger ein bisschen Blut von ihrer Schusswunde ab und berührte dann damit die Kugel. Die alte Frau starrte die Kugel an, als würde dort etwas furchtbar Interessantes vor sich gehen, aber Yuka konnte gar nichts sehen. Die Kugel bewegte sich nicht, machte keine Geräusche und wechselte auch nicht die Farbe. Was fand diese Frau nur plötzlich so faszinierend?
    „Das genügt“, sagte die Frau da plötzlich und zog die Kugel zurück. Mit ihrem Gewand wischte sie Yukas Blut von der Kugel und steckte sie dann wieder ein.
    „Und … was haben Sie gesehen?“, fragte Yuka.
    Die Frau sah ihr direkt in die Augen. „Du wirst nicht mehr zurückkommen. Du wirst in dieser Welt hier bleiben.“
    Yuka hatte das Gefühl, gleich umkippen zu müssen. Hatte sie sich etwa verhört?!
    „Schätzchen, hör mir zu. Das alles war vom Schicksal so vorherbestimmt“, fuhr die Frau ruhig fort, „Es war vorbestimmt, dass Gaara in deine Welt kommen würde und dass ihr euch kennen lernt. Und es war vorbestimmt, dass du mit ihm zurückkehren würdest. Dies hier ist die Welt, in die du wirklich gehörst. Am Tage deiner Geburt stand fest, dass du hier leben würdest.“
    „Aber warum?! Ich gehöre nicht in diese seltsame Ninjawelt! Ich lebe in den USA!“, rief Yuka aus.
    „Es war euch vorbestimmt, dass ihr euch trefft. Es war euch vorbestimmt, dass ihr euch ineinander verliebt. Und so war es euch auch vorbestimmt, dass ihr gemeinsam hier lebt.“
    Yukas Unterkiefer klappte runter. „INEINANDER VERLIEBT?!“, wiederholte sie mit schriller Stimme.
    Ruhig sah die Frau sie an. „Ja. Wenn du in dem Moment nicht mit Gaara hättest mitkommen wollen, hätte das schwarze Loch dich nie mitgenommen. Aber du wolltest es. Und es war dein Schicksal. Mit Gaara zusammenzuleben ist das, was dir schon immer vorbestimmt war. Und das wünscht du dir doch auch, oder?“
    Yuka war kurz davor aufzuspringen und irgendetwas kaputtzumachen. „Das will ich nicht! Ich bin nicht in ihn verliebt! Ich will nicht mit ihm zusammenleben! Dieser Idiot behandelt mich wie Dreck!“
    „Du hast ihn geküsst.“
    „Wie bitte?!“
    „Die Kugel hat mir verraten, dass du ihn geküsst hast.“ Ein feines Lächeln umspielte die knorrigen Lippen der alten Frau.
    Yuka spürte, wie sie feuerrot anlief. „Da-Das … Das war ein Versehen …“, stotterte sie.
    Das Lächeln der alten Frau wurde noch stärker. „Nun gut, wenn du meinst. Aber eins steht fest, du wirst in dieser Welt bleiben. Es ist vom Schicksal so vorherbestimmt. Dagegen kann niemand etwas tun.“
    Yuka sackte in sich zusammen. „Aber was soll ich hier machen?! Hier sind doch alle Leute Ninjas, ich habe keinen Schimmer vom Kämpfen! Ich bin eine ganz normale Schülerin, ich gehöre hier nicht rein! Und wo soll ich wohnen? Von was soll ich leben?“
    Die Frau deutete auf die beiden Dolche, die Yuka in der Eile einfach schnell in ihr Kleid gerammt hatte, um sie mitzunehmen. „Dem Blut an den Kunai zufolge scheinst du deine ersten Erfahrungen in Kämpfen ja schon gemacht zu haben. Und was dein neues Zuhause betrifft: Ich werde dafür sorgen, dass du bei deinem Mann unterkommst.“
    „BEI MEINEM MANN?!“, wiederholte Yuka kreischend.
    „Entschuldige, ich vergaß, dass ihr noch nicht so weit seid.“ Die Frau lächelte. „Ich meine natürlich bei Gaara.“
    „Damit eins klar ist, ich heirate diesen Irren nicht!“, schrie Yuka.
    „Jaja, schon gut, aber jetzt geh. Sag Gaara, dass ich es so will, dann wird er dich schon aufnehmen. Und denk daran, du gehörst hierher.“ Und mit diesen Worten löste die Frau sich buchstäblich in Luft auf. Urplötzlich war sie weg.
    Yuka seufzte tief und erhob sich dann. Ihre Gedanken fuhren Kettenkarussell. Sie musste hier leben? Hier, in dieser seltsamen Welt? Und ihr Schicksal war es, Gaara zu heiraten? Der bloße Gedanke war unmöglich!
    Langsam verließ Yuka das Haus und wäre fast mit Gaara zusammengeprallt, der noch immer draußen stand und auf sie wartete. Gerade noch rechtzeitig hielt sie an.
    „Und? Wie kommst du nach Hause?“, fragte Gaara kühl und ohne sie anzusehen.
    Yuka stieß einen Stoßseufzer aus. „Gar nicht.“
    Gaaras Blick richtete sich schlagartig auf sie. „Wie meinst du das?“
    „Sie sagt, es war vorherbestimmt, dass wir uns treffen und zusammen zurückkehren. Meine Realität spielt sich jetzt hier ab, ich muss in dieser Welt leben“, antwortete Yuka leise, „Ach ja, und ich werde bei dir leben, die Frau will es so.“
    „Wie bitte? Du bleibst hier?“, wiederholte Gaara ungläubig.
    „So wie es aussieht, muss ich“, seufzte Yuka, „Also, kann ich bei dir wohnen?“
    „Wenn … wenn die Wahrsagerin es so will“, murmelte Gaara und es war klar erkennbar, wie wenig er davon hielt. Schnell drehte er sich um und lief los, Yuka hinterher. Sie konnte es einfach nicht fassen, was sie von der Wahrsagerin gehört hatte. Würde sie nun wirklich hier den Rest ihres Lebens verbringen müssen? Und, was fast noch wichtiger war: Würde sie wirklich mit Gaara zusammenkommen? Es erschien ihr unwirklich, sie konnte sich Gaara nicht als Freund oder gar als liebenden Ehemann vorstellen. Und noch weniger konnte sie sich Gaara als den Mann an ihrer Seite vorstellen. Nein, das war unmöglich.
    Über ihren Überlegungen fiel Yuka gar nicht auf, dass ihr Herzschlag sich beschleunigte und sich ein leichter, total niedlicher Rotschimmer auf ihr Gesicht legte, während sie so neben Gaara herlief.


    von meggy

  • Gaara führte Yuka in die Mitte des Dorfes und blieb dann vor einem besonders großen Haus stehen.
    Yuka wollte gerade zu einer Frage ansetzen, als plötzlich die Tür des Hauses aufging wurde und ein blondes Mädchen mit vier Zöpfen herauskam. Bei Gaaras Anblick weiteten ihre Augen sich und dann rief sie: „Gaara! Da bist du ja wieder! Wir haben uns Sorgen um dich gemacht!“
    Gaara senkte den Blick und ging dann an dem Mädchen vorbei, als sei sie gar nicht da. Mit ruhigen Schritten betrat er das Haus und kümmerte sich nicht weiter um die beiden Mädchen.
    „Äh … hallo“, stammelte Yuka. Sie war mit der Situation etwas überfordert und das stand ihr ins Gesicht geschrieben. Bisher waren alle Leute aus diesem Dorf ziemlich seltsam gewesen, welche Macke dieses blonde Mädchen da wohl hatte?
    Sofort verschränkte die Blondine die Arme vor der Brust und musterte Yuka abschätzend. „Wer bist du? Und was hast du mit Gaara zu schaffen?“
    „Ich heiße Yuka Ashihira“, antwortete Yuka und gab sich Mühe fest zu klingen. „Und ich wohne ab heute hier, so wie’s aussieht.“
    „WAS?!“ Das blonde Mädchen riss erschrocken die Augen auf. „Heißt das etwa, dass du und Gaara …?!“
    „NEIN!“, schrie Yuka und hatte es langsam satt, dass alle sie für Gaaras Freundin hielten. „Ich bin NICHT mit diesem Blödmann zusammen! Wenn du’s genau wissen willst, ich komme aus einer anderen Welt und eure Wahrsagerin hat gesagt, dass ich hier bleiben muss und sie will, dass ich bei euch wohne.“
    Der Blick des blonden Mädchens wurde noch abschätzender. „Du kommst aus einer anderen Welt?“
    Yuka atmete heftig aus. „Genau! Gaara ist durch ein schwarzes Loch in meine Welt gekommen, ich habe ihm geholfen, wieder hierher zu kommen und wurde dabei auch mit in diese Welt gezogen. Jetzt muss ich hier bleiben, sagt eure Wahrsagerin!“
    „Wenn das so ist, dann willkommen. Ich bin Temari, Gaaras ältere Schwester“, sagte das blonde Mädchen, schien aber alles andere als begeistert von der Aussicht in Zukunft mit Yuka zusammenzuleben. Ohne Yuka anzusehen drehte sie sich um und lief auf das Haus zu.
    °Wirklich reizende Leute hier°, dachte Yuka sarkastisch und folgte ihr.
    Das Haus hatte eine sehr schöne Einrichtung, der man schon ansah, dass sie alles andere als billig gewesen war. Temari brachte Yuka ins Wohnzimmer und bat sie, sich kurz hinzusetzen, bis sie ein Zimmer für sie organisiert hatte. Yuka ließ sich auf einen der Hocker, die um den Tisch herumstanden, fallen und seufzte erst mal. Womit hatte sie das nur verdient?
    Aber da kehrte Temari auch schon wieder zurück. „Du kannst das Gästezimmer haben.“ Da fiel ihr Blick auf die vielen Blutspritzer auf Yukas Kleid. „Woher hast du denn die ganzen Verletzungen?“, fragte sie, „War das etwa Gaara?“
    Yuka schüttelte heftig den Kopf. „Nein, Gaara hat sich darauf konzentriert, andere umzubringen, während wir zusammen waren. Die Verletzungen habe ich von diesem netten Kankuro, der mich so ungeheuer freundlich hier empfangen hat.“
    „Manche Leute haben es eben einfach verdient“, erklang da eine Stimme hinter ihnen. Temari und Yuka fuhren herum. Niemand anderes als Kankuro stand im Türrahmen. Er schien sich von Yukas Angriff wieder bestens erholt zu haben. „Hätte nicht gedacht, dich so schnell wieder zu sehen, Kleine. Hab ich die Hochzeit mit dir und Gaara etwa schon verpasst?“, fragte Kankuro spöttisch.
    Er konnte gar nicht so schnell gucken, wie Yuka eins ihrer Kunai gezogen und es auf ihn geworfen hatte. Schon steckte ihm das Kunai im Arm.
    Mit blitzenden Augen sprang Yuka auf. „ICH SAGE ES NUR NOCH EINMAL, NUR NOCH EIN VERSCHISSENES MAL! ZWISCHEN MIR UND GAARA LÄUFT NICHTS! ICH KANN IHN NICHT AUSSTEHEN! WIR – SIND – NICHT – ZUSAMMEN!“
    „Wer macht hier denn so einen Krach?“, erklang eine nicht gerade freundliche Stimme und an Kankuro vorbei schob sich ein mittelgroßer Mann mit hellbraunen Haaren.
    „Oh! Vater!“, riefen Temari und Kankuro und beide standen sofort stramm.
    Yuka blickte verwirrt zu dem schlanken Mann. Dieser Typ sollte Gaaras Vater sein? Er sah auf den ersten Blick einfach nur schwächlich aus. Yuka konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie er der Vater eines so starken und brutalen Ninjas wie Gaara sein konnte.
    „Das war ich. Ich habe so geschrieen“, sagte Yuka und musterte den Mann weiterhin mit unverhohlener Neugier.
    Der Mann sah sie missbilligend an. „Und du bist?“
    „Yuka Ashihira.“ Yuka kramte ihre ganze Höflichkeit zusammen und machte eine leichte Verbeugung. „Ich bitte um Erlaubnis, in Ihrem Haus wohnen zu dürfen.“
    „Sie hat Gaara zurückgebracht“, schaltete Temari sich ein.
    „Alleine deshalb sollte ich dich schon aus dem Dorf jagen …“, murmelte der Mann.
    Sofort schoss Yukas Kopf in die Höhe. Hatte sie sich etwa verhört?! Freute er sich etwa nicht, dass sein Sohn wieder da war? Was war denn das für ein Vater?!
    Da fiel der Blick des Mannes auf das eine Kunai, das noch in Yukas Kleid steckte. „Du kannst kämpfen? Bist du eine Shinobi?“, fragte er mit plötzlichem Interesse.
    Wieder war es Temari, die sich einschaltete.
    „Frag Kankuro, sie hat ihm eine ziemliche Breitseite verpasst.“ Grinsend deutete sie auf das Kunai, das immer noch in Kankuros Arm steckte.
    Der Mann hob eine Augenbraue und musterte Yuka nachdenklich. „Wenn du kämpfen kannst, habe ich nichts dagegen, dass du hier einziehst. Dann erwarte ich aber deine Dienste als Shinobi.“
    „Halt, halt, ich bin kein Ninja, okay?!“, rief Yuka schnell, „Ich kann mit diesen Kunai, oder wie auch immer ihr das nennt, ein bisschen umgehen, aber das war’s auch schon. Aber sonst bin ich überhaupt nicht im Kämpfen ausgebildet, klar?“
    „Dann wirst du eben meine Schülerin“, antwortete der Mann, „Ich werde dich ausbilden und sobald du eine echte Shinobi bist, kannst du zusammen mit Temari, Kankuro und … Gaara … auf Missionen gehen.“ Er sprach das Wort „Gaara“ eindeutig verächtlich aus. Langsam befiel Yuka das ungute Gefühl, dass er nicht viel für seinen jüngsten Sohn übrig hatte.
    „Na gut …“, murmelte Yuka. Besonders wohl war ihr nicht dabei, Ninja war alles andere als ihr Traumberuf. Aber wenn sie so in dieser Welt hier überlebte …
    „Temari, bring sie auf ihr Zimmer“, kommandierte der Mann und machte Anstalten das Zimmer zu verlassen.
    „Warten Sie mal kurz!“, rief Yuka noch schnell, „Alle reden ständig was von einem Kazekage, können Sie mir erklären, was das ist?“
    Der Mann wandte sich ihr zu. „Aus welcher Welt kommst du, dass du das nicht weißt? Ich bin der Kazekage, das Oberhaupt dieses Dorfes und der stärkste Shinobi.“
    „Stärkster Ninja?“, wiederholte Yuka und zog eine Augenbraue hoch. „Sicher, dass das nicht Gaara ist? Ich meine, ich hab ihn kämpfen sehen, das ist echt Hammer, was er mit dem Sand anstellt …“
    Die Augen des Kazekagen verengten sich zu schmalen Schlitzen. „Natürlich bin ich stärker als Gaara.“
    Yuka ignorierte die deutlich sinkende Laune des Mannes. „Cool, können Sie mir dann erklären, wie man seine komische Sandwand umgeht? Das ist nämlich echt frustrierend, wenn man es einfach nicht schafft, ihm eine zu verpassen.“ Sie grinste den Kazekagen fröhlich an.
    Temari schnappte nach Luft. „Du … du hast Gaara geschlagen?!“
    Yuka winkte ab. „Versucht, aber diese blöde Sandwand hat sich ja eingeschaltet.“
    „Bewundernswert, dass du noch lebst“, kommentierte Kankuro.
    „Wie dem auch sei“, schaltete sich der Kazekage ein, „Du wirst nicht mehr über Gaaras Sand sprechen, verstanden? Wir alle schweigen darüber, das ist eine streng geheime Sache. Gib dich nicht mit Gaara ab, ich verbiete dir den Umgang mit ihm. Und sprich nie wieder über den Sand von ihm.“ Und mit diesen Worten war er weg.
    Yuka sah ihm verblüfft hinterher. „Aber warum denn nicht?“
    „Tu einfach, was er sagt“, sagte Temari und ging Richtung Tür. „Komm mit, ich zeige dir dein Zimmer.“
    Verwirrt folgte Yuka ihr. „Aber was ist denn so schlimm an Gaaras Sandwand? Warum macht der Kerl so einen Aufstand?“
    „Dieser KERL ist der mächtigste Mann im Windreich, also drück dich gefälligst etwas würdevoller aus!“, zischte Temari, „Und was Gaara betrifft – vergiss ihn. Ignoriere ihn und fertig. Das ist besser für deine Gesundheit.“
    „Ich war einen ganzen Tag lang die ganze Zeit mit ihm zusammen und bin prima klargekommen!“, wandte Yuka ein.
    „Hier gelten aber andere Regeln, halte dich daran, oder wir bringen dich um. Du kannst von Glück reden, dass wir dich aufnehmen!“
    Yuka schluckte hart. Hier waren wirklich alle durchgeknallt! Morde schienen hier auf der Tagesordnung zu stehen, das war doch verrückt!
    Temari öffnete die Tür zu einem kleinen Zimmer und wies hinein. „Hier kannst du schlafen.“
    „Ähm … und wo ist das Bett?“, fragte Yuka vorsichtig. In dem Zimmer lag nichts Weiteres als eine Decke auf dem Boden. Sonst gab es keine Möbelstücke.
    „Siehst du doch“, antwortete Temari knapp.
    Yuka starrte sie an. „Das ist doch kein Bett! Das ist ein Stück Stoff auf dem Boden!“
    „Willst du jetzt etwa auch noch Ansprüche stellen?“ Empört stemmte Temari die Hände in die Hüften.
    Yuka fühlte das tiefe Bedürfnis in sich aufsteigen, der Blondine eine rein zu schlagen, aber sie riss sich zusammen. Erst mal musste sie sich hier benehmen, sonst würde man sie gleich wieder rausschmeißen.
    „Okay, okay, ich halt ja schon die Klappe“, grummelte sie.
    „Gut. Ich rufe dich, wenn es Abendessen gibt.“ Und weg war Temari.
    Yuka betrat seufzend ihr Zimmer und ließ sich auf das „Bett“ fallen. Diese Welt hier war einfach nur seltsam. Warum konnte der Kazekage Gaara nicht leiden? Warum durfte sie nicht über den Sand sprechen?
    Yuka verbarg ihr Gesicht in den Händen und hätte am liebsten angefangen zu heulen. Sie würde ihre Familie nie wieder sehen, nie wieder zur Schule gehen, ihre Freundinnen nicht mehr sehen. Was würden ihre Eltern sich nur denken, wenn sie einfach so spurlos verschwunden war? Und Kim … sie würde sich ewig Vorwürfe machen, weil sie nicht bemerkt hatte, dass Yuka in einer Notlage gewesen war, als sie sich getroffen hatten!
    Yuka hielt die Luft an, um die Tränen zurück zu halten, zog die Beine an den Körper und stützte ihr Gesicht auf die die Knie. Es war einfach alles kaputt! Sie hatte ihr ganzes Leben verloren. Nun würde sie hier in dieser seltsamen Welt bleiben und ein Ninja werden. Und den einzigen Menschen, den sie kannte, durfte sie nicht sehen.
    Tieftraurig ließ Yuka sich auf die Decke fallen und war binnen Sekunden eingeschlafen.


    von meggy

  • So verging die Zeit. Yuka trainierte unter der Leitung des Kazekage – den sie immer noch nicht ausstehen konnte – Kampftechniken. Der Kazekage hatte ihr erklärt, dass er sie aufnehmen würde, wenn sie für ihn „arbeitete“, sprich auf Ninjamissionen zum Wohle des Dorfes gehen würde und dafür bereitete er sie mit dem Training vor. Er war ein echter Sklaventreiber, das Training bei ihm war hart und dauernd musste man sich Beleidigungen anhören, wenn man etwas nicht gut genug beherrschte. Aber Yuka strengte sich dennoch an und gab immer ihr Bestes. Während Temari, Kankuro und Gaara ständig auf Missionen unterwegs waren, musste sie zu Hause bleiben und trainieren, aber das Training zahlte sich aus. Sie lernte den Umgang mit Kunai und Shurikken, trainierte Schläge und Tritte und auch einige Jutsus. Auch Yukas Outfit veränderte sich, mittlerweile trug sie wegen der unerträglichen Hitze in Suna-Gakure knappe, dunkelblaue Hotpants (So was wie Shorts, nur noch kürzer) und ein eng anliegendes Top. Außen an ihrem Top hatte sie ein paar Taschen angebracht, in denen sie ihre Kunai und Shurikken mit sich herumtrug.
    Eines Tages befahl der Kazekage ihr schließlich, für ihn ein paar Sachen einkaufen zu gehen. Da Temari, Kankuro und Gaara gerade mal zu Hause und nicht auf einer Mission waren, ordnete er an, dass Gaara Yuka begleiten sollte, um ihr die Geschäfte zu zeigen. Weitaus lieber hätte er ihr Temari oder Kankuro zur Seite gestellt, aber beide waren unauffindbar, und so schickte der Kazekage zähneknirschend Gaara.
    Yuka freute sich irgendwie darüber, denn seit sie hier war – das war nun seit knapp einer Woche – hatte sie Gaara fast überhaupt nicht mehr gesehen. Der Kazekage hatte seine Drohung wahr gemacht, er hatte es durch die vielen Missionen geschickt verhindert, dass Gaara und Yuka sich sahen. Yuka hatte den Rotschopf mehr vermisst, als sie es sich eingestehen wollte.
    Gaara war von ihrem Wiedersehen allerdings weitaus weniger begeistert. Schon als die beiden das Haus verließen, war deutlich zu merken, wie wenig Gaara von diesem „Auftrag“ hier hielt.
    „Na, auf was für Missionen geht ihr denn so?“, fragte Yuka ihn neugierig, kaum dass sie das Haus verlassen hatten.
    „Geht dich nichts an“, kam es kalt zurück.
    °Was hat der denn schon wieder?°, fragte Yuka sich, °Hab ich ihm was getan, oder warum behandelt er mich so?!°
    „Ach, mein Training läuft super, danke der Nachfrage“, sagte sie mit unüberhörbarem Sarkasmus in der Stimme.
    Kein Kommentar von Gaara.
    Yuka atmete hörbar aus und verdrehte genervt die Augen. Zum Glück kamen sie in diesem Moment am Lebensmittelladen an, sonst hätte Gaara sich wahrscheinlich mal wieder ein paar Beleidigungen von Yuka gefallen lassen müssen. So aber lebte Yuka ihre Wut an der Tür des Ladens aus, die sie so heftig aufriss, dass sie die Tür fast aus den Angeln gehoben hätte. Mit voller Wucht knallte die Tür gegen die nächste Wand und Yuka trat ein, neben ihr Gaara. Hinter dem Tresen stand ein nicht gerade großer Mann und als die beiden so einmarschierten, bekam sein Gesicht einen total panischen Ausdruck. Er riss die Augen auf und wich zurück, bis er an das Regal hinter sich anstieß. Irgendetwas schien den armen Mann ganz schön zu erschrecken, aber eigentlich war Yukas Auftritt ja gar nicht sooo brutal gewesen …
    „Ihnen auch einen schönen guten Tag!“, schnaubte Yuka sogar noch sarkastischer als vorhin bei Gaara und lief vor an den Tresen. „Wir brauchen ein Kilo Reis und …“ Da aber fiel ihr auf, dass der Mann überhaupt nicht zuhörte, voller Panik starrte er Gaara an.
    Yukas Genervtheit erreichte dadurch neue Höhen. „Hallo?!“ Heftig schlug sie mit der flachen Hand auf den Tresen. „Ist das Ihre Art von Service, oder was? Wir wollen was kaufen!“
    Der Mann zuckte zusammen, löste sich aber endlich von dem Regal und trat einen Minischritt auf Yuka zu.
    „Na also!“, rief Yuka, „Okay, wir brauchen erst mal ein Kilo Reis.“
    Dieser Mann schien wirklich an Verfolgungswahn oder etwas Ähnlichem zu leiden, denn er war total verkrampft, während er begann, Yukas Einkäufe zusammen zu suchen. Langsam beschlich Yuka wirklich das Gefühl, dass der Kerl ein paar ernste, psychische Probleme hatte, so panisch wie er sich benahm. Yuka war heilfroh, als sie endlich alles hatten, was sie brauchten, und den Laden verlassen konnten.
    „Mann, der Kerl hatte ja mal echt nicht mehr alle Tassen im Schrank!“, stöhnte sie, als sie den Laden verließ.
    Wie es nicht anders zu erwarten gewesen war, schwieg Gaara beharrlich.
    Yuka verdrehte die Augen und machte sich auf den Heimweg. Da es Nachmittag war, herrschte auf den Straßen reger Betrieb an allen möglichen Dorfbewohnern. Was Yuka aber ziemlich wunderte war, dass alle einen Bogen um sie machten. Sobald sie jemandem entgegenkamen, wechselten die Dorfbewohner auf die andere Straßenseite, oder verschwanden in einem Nebenweg.
    Nachdenklich bog Yuka in eine schmale Seitengasse ein und blieb dann stehen. „Gaara, sag mal, warum machen alle Leute so einen großen Bogen um mich? Seit ich hier bin, gab es noch keine Probleme mit den Leuten, aber heute haben sie irgendwie was gegen mich …“
    Mit ausdruckslosem Blick hielt nun auch Gaara an, sah sie aber nicht an, als er antwortete: „Das hat nichts mit dir zu tun. Sie verhalten sich so, weil ich bei dir bin.“
    Yuka kapierte gar nichts. „Hä? Wieso das denn?“
    Ruhig verschränkte Gaara die Arme vor der Brust und sah auf den Boden. „Ich hab’s dir doch schon erzählt, in mir wohnt ein Sanddämon. Die Leute sehen mich als Monster, deshalb meiden sie mich. Das war schon immer so, seit ich ein kleines Kind bin.“
    Yuka konnte nicht verhindern, dass sie ein bisschen zurückzuckte. Das hatte Gaara also damit gemeint, dass sich nie jemand um ihn gekümmert hatte. Und darum war er wohl auch so kalt, wie sie ihn kannte.
    „Aber du kannst doch nichts dafür!“, rief Yuka aus.
    „Das ist denen doch egal. Ich bin ein Monster. Egal, ob ich es sein wollte, oder nicht. So ist es nun mal, ich bin das Monster aus Suna-Gakure.“ Gaaras Stimme klang kalt und bitter, aber nicht die Spur Trauer war heraus zu hören. Er musste es schon so sehr gewöhnt sein, dass es ihn kalt ließ.
    °Sein ganzes Leben lang wurde er gehasst … und er konnte nie etwas dafür …°, dachte Yuka mitleidig und spürte, wie ihre Augen ein bisschen feucht wurden. °Wenn ich mir das so überlege, dann haben die Dorfbewohner eigentlich genau das aus ihm gemacht, was sie immer an ihm hassten … wenn sie sich um ihn gekümmert hätten, wäre er doch nie so geworden …°
    „Ach, Gaara“, murmelte Yuka so unglaublich sanft, wie sie sonst niemals sprechen würde. Und dann trat sie einen Schritt auf Gaara zu und umarmte ihn. Sie legte die Arme um Gaaras Hals und lehnte ihren Kopf an seine Schulter. „Es tut mir so Leid …“, flüsterte sie und spürte, dass sie nahe dran war, loszuheulen. Aber so weit wollte sie sich dann doch nicht demütigen, mit aller Kraft hielt sie die Tränen zurück.
    Gaara sah währenddessen ziemlich verwirrt aus. Schon wieder. Sie war ihm schon wieder so nahe. Nur, dass es das erste Mal mit Absicht war.
    „Was soll das?“, fragte er leise
    „Ich kann mir gut vorstellen, wie sehr dir das wehtun muss“, murmelte Yuka, „Das ist einfach nicht fair. Es tut mir so Leid, dass du diese ganze Scheiße durchmachen musst.“
    „Wieso tust du das? Ich dachte … ich dachte, du hasst mich …“
    „Warum sollte ich dich hassen?“, flüsterte Yuka leicht verwirrt.
    „Du hast mich angeschrieen … fast geschlagen … beschimpft …“
    Yukas Arme schlossen sich noch fester um Gaara. „Du kannst mich manchmal zwar echt zur Weißglut treiben, aber ich würde dich niemals hassen … Du bist zwar egoistisch und undankbar, aber so was hast du nicht verdient.“
    Gaaras Augen weiteten sich und er blieb ziemlich überrumpelt einfach so stehen. Er hätte schwören können, dass Yuka ihn verachtete. Und jetzt das. Aber es fühlte sich gut an. Es war das erste Mal, dass sich jemand um ihn kümmerte. Irgendwie ein schönes Gefühl. Sacht legte Gaara seinen Kopf auch ein bisschen an den von Yuka und schloss die Augen.
    Aber in diesem Moment erklang plötzlich ein leises Lachen hinter den beiden. „Ach, ist das niedlich! Die zwei Kleinkinder beim heimlichen Date!“
    Wie von der Tarantel gestochen fuhren Yuka und Gaara auseinander. Hinter ihnen stand niemand anders als Kankuro. Mit dem spöttischsten Grinsen, das man sich nur irgendwie vorstellen kann.
    „Hab ich euch etwa gestört? Ach, DAS tut mir aber Leid! Wo es doch gerade sooo romantisch war!“, spottete Kankuro und grinste Gaara an. „Mein kleiner Bruder ist ja der reinste Herzensbrecher!“
    „Halt die Fresse!“, keifte Yuka, deren Kopf knallrot war, aber nicht vor Wut, sondern weil ihr die ganze Situation unglaublich peinlich war. Warum zum Teufel hatte Kankuro das nur sehen müssen?! Wieso nur ausgerechnet DER?!
    Kankuro grinste sich einen ab. „Ich wusste ja gar nicht, dass man in eurem Alter schon so rangeht. Wenn ich etwas später gekommen wäre, wär’s wohl nicht mehr jugendfrei gewesen, was?“
    Yuka war kurz davor in die Luft zu gehen. „DICH würde ja bestimmt kein Mädchen wollen! Selbst in dieser komischen Welt hier haben die Mädels noch genug Geschmack, DICH nicht zu nehmen!“
    „Aber ein Monster als Freund ist okay?“, kam es herausfordernd zurück. Das war aber zu viel. Gaara fuhr mit blitzenden Augen zu Kankuro herum und sofort schoss sein Sand auf Kankuro zu und umschlang Kankuros Hals. Mit atemberaubender Geschwindigkeit zog der Sand Kankuro in die Höhe.
    „Sei still“, sagte Gaara finster. Es hörte sich mehr nach einem dunklen Grollen, als nach der Stimme eines menschlichen Jugendlichen an.
    Kankuro hing röchelnd in der Luft und griff an seinen Hals, um den der Sand sich wie eine Manschette gelegt hatte, wegzubekommen. Aber es gelang ihm nicht, sich zu befreien.
    Gaara fixierte ihn starr mit seinem Blick und er wollte gerade seine Hand schließen, als plötzlich ein Schrei erklang: „GAARA!“ Im nächsten Moment kam Temari, dicht gefolgt vom Kazekagen angerannt.
    „Gaara, verdammt! Lass ihn sofort runter!“, rief der Kazekage und rannte so schnell ihn seine Beine trugen mit Temari im Schlepptau zu Gaara und Yuka hin.
    Gaara warf seinem Vater einen finsteren Blick zu, bewegte sich aber nicht. Er machte keinerlei Anstalten, Kankuro runterzulassen.
    Yuka sah hektisch von Gaara zum Kazekagen, dann zu Kankuro und dann wieder zu Gaara. Die Situation war ernst. Gaara musste aufhören! Sonst würde er Kankuro noch um die Ecke bringen!
    „Gaara, lass ihn runter!“, rief Yuka und stellte sich vor Gaara hin. „Das hat keinen Sinn, tu es nicht!“ Mit all ihrer Überzeugungskraft sah sie ihn an. Gaara erwiderte ihren Blick starr, als wolle er Yuka mit seinem bloßen Blick dazu bringen vor Angst weg zu rennen. Aber Yuka hielt seinem Blick stand und ein paar Sekunden lang starrten sie sich einfach nur so an. Dann aber ließ Gaara den Arm sinken, drehte sich um und lief davon. Hinter ihm knallte Kankuro alles andere als sanft auf den Boden.
    In diesem Moment kamen Temari und der Kazekage endlich bei ihnen an. „Kankuro!“, rief Temari und rannte sofort zu ihm hin.
    Der Kazekage und Yuka blieben stehen und dann fragte er mit schneidend scharfer Stimme: „Wie kam es dazu?“
    Yuka schluckte hart. Sollte sie DAS erzählen?!
    „Sag es! Und zwar die ganze Wahrheit - alles!“, forderte der Kazekage fast schon drohend.
    Mit einem ergebenen Seufzer ließ Yuka den Kopf hängen. „Naaa gut. Also … ich hab Gaara … na ja … umarmt. Und das hat Kankuro gesehen und ein paar blöde Bemerkungen losgelassen, da ist Gaara dann durchgedreht.“
    Sofort schoss ihr Kopf wieder in die Höhe und sie sah den Kazekagen eindringlich an. „Aber völlig zu Recht! Es war Kankuros Fehler!“
    Finster musterte der Kazekage sie. „Ich sagte, du sollst dich nicht mit Gaara abgeben. Ich wollte, dass ihr zusammen einkaufen geht, aber von Dingen wie diesen war keine Rede. Das verbiete ich dir.“
    „Das war ja auch keine Absicht!“, rief Yuka aus und spürte, wie sie wieder rot vor Verlegenheit wurde. „Ich hab ja auch gar nicht vor, so was zu wiederholen!“
    Der Kazekage warf ihr noch einen abschätzenden Blick zu und drehte sich dann mit einem „Gut“ um und lief davon, in die Richtung, in die Gaara verschwunden war.
    „Hey, aber Sie dürfen ihn deshalb nicht fertig machen! Es war Kankuros Schuld!“, rief Yuka ihm hinterher.
    Der Kazekage jedoch gab keine Antwort mehr und verschwand um die nächste Ecke. Yuka wollte ihm schon hinterher rennen, aber da rief Temari sie zu sich, damit sie ihr mit Kankuro, der mittlerweile bewusstlos war, helfen würde. Seufzend ging Yuka zu Temari. Gaara würde mit dem Kazekage schon fertig werden. Jetzt mussten sie erst mal dafür sorgen, dass Kankuro nicht doch noch abkratzte.
    Währenddessen hatte der Kazekage Gaara gefunden, der am Rand zur Wüste auf einem kleinen Felsen saß und Löcher in die Luft starrte. Ruhig stellte der Kazekage sich neben Gaara, sah ihn aber nicht mal an, als er sagte: „Ich weiß jetzt, was passiert ist.“
    Der Hauch eines Lächelns bildete sich auf Gaaras Gesicht. „Und jetzt? Willst du mich jetzt etwa umbringen? Du weißt, dass du das nicht kannst.“
    „Darum geht es mir im Moment nicht.“ Jetzt endlich wandte der Kazekage den Kopf zu Gaara und sah ihn eindringlich an. „Ich wollte dir nur sagen, dass du deine Finger von Yuka lassen sollst.“
    Gaara war kurz davor, von dem Felsen zu kippen. „Meine Finger … von Yuka?!“, wiederholte er und fiel wirklich aus allen Wolken.
    „Ich weiß, was zwischen euch war. Und eine Beziehung zwischen euch ist das Letzte, was ich gebrauchen kann. Ich habe Pläne mit ihr. Also wähle deinen Zeitpunkt, endlich mal Gefühle zu spüren, etwas passender aus.“
    Gaara musste sich ziemlich beherrschen, um kein Blutbad anzurichten. „Pah. Ich und Gefühle für Yuka. Ich weiß ja nicht, was sie erzählt hat, aber eins steht fest: Ich brauche niemanden. Weder Yuka, noch sonst irgendeine andere Person.“
    „Gut. Es gehört sich nicht für eine Killermaschine, Gefühle zu haben.“ Und mit diesen Worten war der Kazekage weg und hinterließ einen reichlich verwirrten Gaara.


    von meggy