Krankheit meets Probezeit

  • Hi Leute,


    ich muss mich mal kurz ein wenig auskotzen, wenn euch das nichts ausmacht.


    Seit einigen Monaten habe ich endlich, und nach langer Suche, einen vernünftigen Job gefunden. Die Bezahlung ist super, die Arbeit ist abwechslungsreich und anspruchsvoll, Urlaubstage gibt es mehr als ich eigentlich gebrauchen könnte und alles in allem ist das der zweite Job in meinem Leben (und ich hatte einige Jobs, befristete Verträge ftw), zu dem ich tatsächlich gerne ging.. und heute kollidiert der Job ganz fies mit einer meiner Vorerkrankungen.


    Wie ich anderswo im Forum schon beschrieb wurde bei mir vor zwei Jahren nämlich eine - wie sich später herausstellte - relativ harmlose Herzrythmusstörung festgestellt. Damals aber startete die Diagnose damit, dass man "versehentlich" ein Kammerflimmern bei mir auslöste und man mich über Monate hinweg zu einer Operation drängen wollte, um mir ein Gerät in den Brustkorb setzen zu lassen, was laut Vortests nicht korrekt funktionieren würde.. und was mir voraussichtlich regelmäßig grundlos Elektroschocks verpasst hätte. Das Ende vom Lied war, das mich meine Hausärztin damals mit PTSD krankschrieb, einfach weil die Ärzte mich so weit hatten das ich glaubte, das alles was meinen Herzschlag erhöhen würde mein potentielles Todesurteil sein dürfte. Später stellte sich das ganze aber als Fehldiagnose heraus, die Chance das mein Herz irgendeinen Murks treibt ist verschwindend gering.. es gibt lediglich ein paar Dinge auf die ich achten muss.


    Und das Problem ist, das eines dieser Dinge meine Körper-Kerntemperatur ist.. die darf nicht über 38° steigen, denn ansonsten steigt das Risiko, das mein Herz schlapp macht, enorm. Ich gehöre also praktisch zu den wenigen Männern, die bei der Männergrippe tatsächlich so tun dürfen als würden sie sterben, denn bei mir ist das Risiko tatsächlich da :D


    Dummerweise kollidiert genau diese Sache nun mit der kommenden Arbeitswoche. Heute müsste ich planmäßig auf Geschäftsreise gehen, bis einschließlich morgen. Danach die Woche leiden wir unter akkuter Überbelastung, ein Ausfall ließe unsere letzte Woche organisierten Einsatzpläne wie Kartenhäuser zusammenfallen und.. hier im Ort sind für die gesamte Woche hin Temperaturen zwischen 38° und 40° angesagt, während ich erfahrungsgemäß weiß, dass mein Büroraum für gewöhnlich ein paar Grad wärmer ist als die Außentemperatur (was mitunter wohl an dem riesigen Kopiergerät liegen dürfte, das bei mir steht. Das Papier kommt schon angebacken daraus wenn man etwas druckt, das sagt denke ich einiges über seine.. passiven Heiz-Skills aus..).


    Resultat ist nun, nach bald einem Jahr in dem ich mir keine Gedanken mehr um diese Herzgeschichte machte, das sich bei mir ein enormer Stress breitmacht. Nun ist natürlich einerseits die Sorge vor den Temperaturen da, denn die stellen für mich eine potentielle Gefahr dar.. darum stellte mir die Krankenkasse für daheim auch eine Klimaanlage. Die andere Sorge ist nun auch die Arbeit, denn egal wie ich es drehe und wende.. ein Ausfall in dieser Woche führt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit bestimmt zu einer Kündigung.. und dann ist da noch die heutige Dienstreise. Die Fahrt mit der Bahn macht mich nun auch wieder nervös, denn ich weiß erfahrungsgemäß wie sehr sich manche Bahnen während der Fahrt aufheizen können. Und so pathetisch wie das nun auch klingen mag: Die Bahnverbindung, die ich nehme, die hält nur alle paar Stunden mal. Der Gedanke, das ich vielleicht für Stunden in einem "Ofen" eingesperrt sein könnte, macht mich aktuell verrückt, und bei 35° wird so ein Zug schnell mal zum Heizofen.


    Nun bin ich schon kurz davor eventuell zum Arzt zu marschieren und mich für die gesamte Woche, inklusive heute, krankschreiben zu lassen. Ich glaube nicht, das mein Arbeitsvertrag so eine Aktion überstehen würde (auch weil ich dummerweise genau vor dem Wochenende mal Zoff mit einer Kollegin hatte - super Timing!), aber ich habe aktuell Menschen hier die von mir abhängig sind.. und so lange das so ist tue ich mich schwer damit meine Lebenserwartung aktiv herunterzukurbeln.. :rolleyes:


    Das wurmt mich gerade extrem. Ich war fest der Überzeugung, dass ich diese Herz-Sorgen nun hinter mir gelassen hätte.. immerhin schaffte ich es von "ich gehe nicht mehr vor die Tür und mache mir täglich Sorgen darum" wieder an einen Punkt, an dem ich mir gar keine Gedanken machte, ich zurück ins Fitness-Studio fand usw. usf., und dann kommt mir sowas dämliches wie eine Wetterkarte dazwischen und wirft mich wieder zurück an den Ausgangspunkt. Fml X/


    So, das war es von mir. Aktuell tendiere ich nun tatsächlich dazu mich heute für die Dienstreise krankzumelden, was garantiert ganz ungut ankommt. Aktuell sammelten sich bei mir einfach so viele Stressfaktoren an, das ich das Gefühl habe mein altes PTSD (keine Ahnung ob ich es tatsächlich hatte, der Code auf meiner damaligen AU war halt nur der davon) von damals wiedererweckt zu haben. Zu ahnen, das mich das nun den Job kostet, verstärkt den ganzen Stress natürlich noch um ein vielfaches.


    Hat von euch vielleicht wer ein paar Tipps zur "Schadensbegrenzung", sobald ich mit der Cheffin darüber reden werde? Der Karren hier wird nämlich dem Anschein nach nicht nur im Graben landen.. der landet im Grand Canyon.. ?(

  • Ja das alles ist leider nicht so optimal für dich. Aber die Sorgen verstehe ich voll und ganz und auch so toll ein Job ist, würde ich auch mein leben nicht dafür so riskieren wollen.


    Das Beste ist wirklich immer in ruhe mal mit dem Chef zu reden und ihm alles zu erklären. Dann kommt es eigentlich nur noch auf die andere Person an wie die drauf ist denke ich. Ich hoffe echt für dich, dass du ein verständnisvollen Chef hast und das ihr zu einer Lösung kommt.

  • Das wäre jetzt auch mein erster Vorschlag gewesen.


    Rede in Ruhe mit deinem Chef über die ganze Angelegenheit und hoffentlich hat der dann Verständnis für deine Situation.


    Denn so schön und toll ein Job ist und so sehr wie man die Kollegen mag, das ist es wirklich nicht wert seine Gesundheit oder sein Leben aufs Spiel zu setzen.

    Diese Lektion habe ich selber auf die harte Tour lernen müssen.


    Und vielleicht kann man dann ja diesen super tollen kopierer aus deinem Büro schaffen und so wie du das auch privat gemacht hast, eine Klimaanlage für dein Büro über die Krankenkasse beantragen.


    Ich drücke dir auf jeden Fall ganz feste die Daumen, das dein Chef Verständnis für deine Situation zeigt.

  • Ja das alles ist leider nicht so optimal für dich. Aber die Sorgen verstehe ich voll und ganz und auch so toll ein Job ist, würde ich auch mein leben nicht dafür so riskieren wollen.

    Ja~.. das ist genau der Punkt. Gut, ich weiß jetzt nicht was für ein Risiko solche Temperaturen für mich genau bedeuten können, alles was man mir immer gab war die Aussage, dass höhere Körper-Kerntemperaturen mein Risiko "enorm" steigern. Mein Risiko, das etwas passiert, liegt pro Jahr bei 0,035%. Bedeutet "enorm" nun, das es plötzlich täglich auf 10% liegt? Oder bedeutet es, das es einen Tag lang vielleicht mal auf 0,002% liegt? Ich habe keine Ahnung, aber genau dadurch sehe ich halt eine potentielle Lebensgefahr in solchen Situationen.. und der möchte ich mich selbst für meinen Traumjob nicht aussetzen..


    Während ich den Absatz schrieb fiel mir übrigens auf, wie wunderbar die Götter in Weiß mal wieder mit mir kommuniziert haben. Die sollten ehrlich mal einen Kurs besuchen, in dem man ihnen beibringt ihren Patienten etwaige Risiken genauer zu vermitteln :doofy:

    Das Beste ist wirklich immer in ruhe mal mit dem Chef zu reden und ihm alles zu erklären. Dann kommt es eigentlich nur noch auf die andere Person an wie die drauf ist denke ich. Ich hoffe echt für dich, dass du ein verständnisvollen Chef hast und das ihr zu einer Lösung kommt.

    Das ist denke ich auch der Kurs den ich einschlagen werde. Was das Verständnis betrifft, da brauche ich aber denke ich einiges von der Cheffin. Einerseits bekam ich jetzt schon mit, dass sie von sich aus Leute darauf ansprach, dass sie so blass seien, und dass sie die Leute dann von sich aus sofort nach Hause schickte.. aber andererseits ist mein Timing halt mehr als nur suboptimal.


    Zum Glück ist diese Sahara-Hitze aber nur für eine Woche bei uns. Eine Woche kann ich vielleicht noch in der Probezeit überbrückt bekommen, mit ganz viel Verständnis von ihr.. wären es mehrere Wochen, dann wäre es auf alle Fälle vorbei.


    Aber ich danke dir. Ich hoffe auch, dass das ganze noch ein Happy End nehmen wird. Der Kollege, mit dem ich auf Geschäftsreise gehe, dem textete ich gerade schon in WhatsApp was los ist und warum. Kontext ist wie ich finde immer wichtig, der schützt vor Vorverurteilungen. Bei uns meldet man sich per E-Mail krank, in meiner riss ich schon an das ich die Hintergründe gerne telefonisch oder unter vier Augen erläutern möchte. Wenn sie sich während meiner Ausfallzeit nicht bei mir meldet, gehe ich danach mal zu ihr.. es sei denn das Kündigungsschreiben ist schneller bei mir, als ich bei ihr :rolleyes:

    Und vielleicht kann man dann ja diesen super tollen kopierer aus deinem Büro schaffen und so wie du das auch privat gemacht hast, eine Klimaanlage für dein Büro über die Krankenkasse beantragen.

    Ich glaube der steht rein aus Platzgründen bei mir im Raum, aber vielleicht kann man ja zur Not auch einfach mich in ein anderes Büro umsiedeln.. im Idealfall in eines, das nicht von morgens bis Abends permanent von der Sonne bestrahlt wird. Aber ja, sollte mein Vertrag den Ausfall nun überstehen, dann versuche ich mal einen dieser Ansätze! Einfach nur damit das hier eben ein einmaliger Ausfall bleiben wird!

    Ich drücke dir auf jeden Fall ganz feste die Daumen, das dein Chef Verständnis für deine Situation zeigt.

    Ich danke dir :)

  • Einerseits bekam ich jetzt schon mit, dass sie von sich aus Leute darauf ansprach, dass sie so blass seien, und dass sie die Leute dann von sich aus sofort nach Hause schickte

    Das muss nichts schlimmes bedeuten. Wenn es bei uns in der Arbeit jemand nicht gut geht, schicken wir diese auch nach Hause. Sogar die Chefin schicken wir als angestellte nach Hause wen es ihr nicht gut geht. Es ist doch besser so, das sich dann die Leute, die Krank sind ausruhen können und schnell wieder da sind, als das der Chef sagt "Ist mir doch egal wie es dir geht du bleibst jetzt" weil das gibt es leider auch.


    Kontext ist wie ich finde immer wichtig, der schützt vor Vorverurteilungen

    Ja das stimmt. Vor allem bei sowas ist es wichtig mit offenen Karten zu spielen. Das habe ich bei mir in der Arbeit auch schnell eingetrichtert bekommen, dass wenn was ist, auch wenn es Private Gründe sind, ich immer alles sagen soll, damit die wissen was los ist, wenn es z.b. die Arbeit beeinträchtigt. Die haben dann auch gemeint, dass man so auch schauen kann, ob man was machen kann bzw. man da dann auch Rücksicht nehmen kann.

  • Touma ich kenne diese Situation zugut.


    Ich selbst leide seit mehr als 4 Jahren jetzt an einer Krankheit, die die Ärzte nicht finden können.

    Mein Herz fängt wie wild an zu schlagen oder hört ganz auf oder Rhythmusstörungen treten einfach ohne Grund ein.

    Ich war auch schon bei mehreren Kardiologen und mein Herz wurde immer für sehr Gesund empfunden. Dann wurde ich zum Neurologen geschickt, der schauen sollte, ob die Nerven vom Hirn zum Herzen ok sind. Auch dies war alles ok. Seit einem halben Jahr leide ich nun zusätzlich auch an Bluthochdruck. Dies kam auch einfach so, da ich normalerweise immer einen zu niedrigen hatte. Die Ärzte sind ratlos. Sie sehen zwar das etwas nicht stimmt durch das langzeit EKG doch können sie es nicht wirklich eingrenzen. Ich selbst finde es sehr schlimm, da die Symptome wie bei einem Herzinfarkt sind und mich erst einmal aus der Bahn wirft. Dies ist mir schon mal beim Autofahren passiert und 2 mal in der Firma. Mehrfach war schon der Notarzt da, doch so schnell wie es kommt verschwindet es auch wieder. Es ist einfach unerträglich. Mir geht es so ziemlich jeden Tag richtig dreckig und habe auch nun einen neuen Job mit Probezeit. Aktuell nehme ich mehrere Tabletten dafür, doch wirken diese nur bedingt.


    Was ich dir aber sagen kann ist folgendes. Auch wenn es einfacher klingt als getan. Rede mir deinem Chef darüber und gehe lieber zum Arzt, denn Arbeit findest du immer wieder, dein Leben hast du aber nur ein mal.

  • LightRO


    Ja, das kommt mir bekannt vor. Mein Blutdruck ist eigentlich auch relativ niedrig, aber manchmal schiesst er von jetzt auf gleich in die Höhe. Bei mir löst das für gewöhnlich dann auch gleich automatisch Stress aus, der übersäuert dann meinen Magen, und der strahlt mir dann Schmerzen und ein Druckgefühl in den gesamten Brustraum aus.. wobei ich dann zwar weiß, dass es vom Magen kommt, aber ich mir halt trotzdem immer Sorgen wegen des Herzens mache. Als die Sache noch frisch war brachte es mich zusätzlich auch mal zum Hyperventilieren, wodurch dann erst die Arme und später der gesamte Oberkörper taub wurden und es mir auch.. wirr.. ging.


    Also die Spirale in der du da steckst kenne ich denke ich auch.. selbst stecke ich ja auch in sowas. Persönlich habe ich auch immer dieses Grundgefühl, dass da eine Bombe in meinem Brustkorb steckt.. und das sobald etwas passiert die dazugehörige Lunte angezündet wurde :rolleyes: Schön ist anders!


    Na aber ich war heute beim Arzt, der schrieb mich sogar unaufgefordert für gleich die gesamte Woche krank. Der Chefin schrieb ich zwischenzeitlich auch eine Mail und teilte ihr zumindest schonmal die groben Eckpunkte des Problems mit. Sobald ich wieder da bin wollte sie dann mal mit mir sprechen. Ich sehe das aber auch so wie ihr alle hier, den Job zu riskieren ist im Zweifel halt klüger, als solche Geschichten zu unterschätzen. In meinem Fall darf ich übrigens gar keine Tabletten nehmen, bei mir heißt es tatsächlich nur, dass ich diverse "Risikofaktoren" meiden muss. Dazu gehören übrigens selbst Zahnärzte, weswegen ich die entweder nur ohne Betäubung an mir arbeiten lassen darf (letztes Jahr zog man mir einen Weisheitszahn, ohne), oder das ganze mit einem Kardiologen zusammen stattfindet.


    Das letzte Jahr, da belastete mich das noch extrem. Die letzten Monate eigentlich gar nicht mehr.. bis zum Wochenende eben, und da hat mich doch tatsächlich eine Zahl auf einer Wetterkarte "getriggert".. da sieht man mal dran wie verrückt mich meine Ärzte damals gemacht haben!


    Naja, aber nun heißt es krankschreibungsmäßig Augen zu und durch.. mal gucken was hierbei rum kommt. Dir wünsche ich aber hier auch alles Gute, was Job und Gesundheit betrifft. Angenehm ist es ja nicht, sowas zu haben.

  • Da hast du die richtige Entscheidung getroffen auf alle fälle. Ruhe dich gut aus, auch hier werden es diese Woche um die 38°C mal sehen wie ich es überstehe V_V Aber ja du hast recht, mir geht es ganz ähnlich nur dass ich dazu noch eine Art Muskelzuckung bekomme die sich anfühlt wie ein langsamer Pumpschlag von Hals in Richtung Bauch runter ganz eklig und komisch. Es tut auch nicht weh.