Tägliches Verlangen (Schreibfeder 12)

  • Ich hatte ursprünglich gedacht bei der Schreibfeder mitzumachen und hab es dann doch nicht getan ^^
    Aber ich habe jetzt einfach mal eine Geschichte zu Bild 3 geschrieben. Allein schon weil Kuh-Chan : das wollt xD
    Also wer weiß vielleicht war es die richtige Entscheidung nicht mitzumachen, das könnt ihr mir ja dann sagen ;)


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    Hier ist auf jeden Fall erstmal die Geschichte:


    Tägliches Verlangen


    Der grüne Stift sollte es sein. Oder doch lieber der in der Farbe Lila? Ben konnte sich nicht entscheiden. Mal wieder. An jenem Tag schrieb er nicht wie üblich einen Brief, zwei lagen am Ende in dem großen gelben Briefumschlag, den er bei seinem Wocheneinkauf in der Stadt fand. Er entschied sich am Ende für den grünen Füllfederhalter. Mit dem konnte er einfach am hübschesten schreiben. Der Fluch, dass das männliche Geschlecht nicht die Gabe hat, saubere, schöne Buchstaben aufs Papier zu bringen, hat nämlich auch ihn belegt. Eigentlich war ihm das ja immer egal gewesen. Aber seit nun ungefähr 6 Jahren schrieb er diese Briefe mit vollster Mühe.


    Ben konnte sich an den beschneiten, kalten Tag noch genauso gut erinnern wie vor jenen Jahren.
    Damals war er noch mit Susi zusammen. Die beiden planten in eine großräumige, helle Wohnung am Stadtrand zu ziehen und eine Familie zu gründen. Das war Bens größter Wunsch gewesen.
    Er selbst hatte nicht viel Kontakt zu seiner Familie. Sein Vater verstarb schon in Bens Jugendjahren. Seine Mutter hatte daraufhin einen Kerl nach dem anderen. Nachdem er volljährig war zog er aus, zu Susi und ihren Eltern. Er konnte die ständigen Streitereien seines Bruders und seiner Mutter nicht mehr verkraften. Nach einigen Jahren verlor er dann völlig den Kontakt.


    Es war damals einige Tage vor Silvester gewesen. Ben und Susi lagen auf dem Sofa und schauten gemütlich Fernsehen. „Ich gehe mal kurz in die Küche.“ sagte sie, als sie sich eine Strähne aus dem Gesicht schob. Die Spätnachrichten hatten seit einigen Minuten begonnen und Ben war gespannt was sie diesmal zeigten. Ein Brand in einer Wohnung in Köln, wahrscheinlich Brandstiftung.
    Eine berühmte Sportlerin die nach einem Unfall gelähmt im Rollstuhl saß. Etwas politisches an das er sich heute nicht mehr erinnern konnte und ein Autounfall bei dem eine Person verstarb.


    Zu jenem Zeitpunkt waren die Nachrichten nichts weiter als einige traurige Geschehnisse, die in der Welt passierten. Ben zitterte. In seiner Wohnung war es kalt. Er stand auf und drehte die Heizung etwas höher. Dies machte er nur im äußersten Notfall, er musste sparen, hatte nicht viel Geld.
    Susi und Ben trennten sich weil er sich immer mehr zurückzog. Es war besser so gewesen, wusste Ben. Kurz darauf verlor er seinen Job. Nun arbeitete er als Verkäufer und verdiente dabei nicht viel.
    Für Briefmarken und Briefumschläge reichte das Geld aber immer.


    Angefangen hatte es damals mit einem Briefumschlag aus Frankreich. Er war auf seiner Studienfahrt dort gewesen und hatte sie sich als Erinnerungen mitgebracht. Ein komisches Souvenir, wie Susi fand. Aber ihn faszinierten sie. Eigentlich wollte er sie auch nie benutzen, aber damals hatte er nichts anderes finden können.


    Andere würden seine Angewohnheit als Krankheit bezeichnen. Auch Susi riet ihm einen Psychiater aufzusuchen, nachdem sie irgendwann verzweifelt ihre Sachen packte. Er hatte keine Zeit mehr für sie gehabt, schloss sich in seinem Arbeitszimmer ein, um die Briefe zu schreiben.
    Aber Ben war das egal gewesen. Er schrieb sich seinen Kummer von der Seele. Fühlte sich dadurch näher verbunden zu seiner Mutter.


    Ein Mann hatte damals den Unfall verursacht. Nein, es waren eigentlich die eisigen Straßen. Seine Mutter starb daraufhin im Krankenhaus. Er erfuhr rechtzeitig davon, besuchte sie und sah sie nach 7 Jahren wieder. Sie sagte nicht viel, nur dass sie immer an ihn gedacht habe.


    Er schrieb diese Briefe nun schon seit Jahren und würde auch nicht aufhören sie zu schreiben.
    Ob es ein Ausflug war oder etwas, was er ihm TV sah, alles schrieb er nieder und legte den Brief dann in eine Kiste, die an ihrem Grab stand.


    Es war sein tägliches Verlangen diese Briefe zu schreiben.