Uchiha Rising - Der Weiße Fuchs

  • Dies ist eine Naruto-Fanfic über den Aufstieg der Uchiha in der Zeit des Rinnegan-Weisen als jener die Ninjutsu erfunden hat. Seht es einfach wie eine Art 'Prequel' in Bezug auf die bekannte Naruto-Geschichte ;) .


    Einleitung
    1. Von den Uchiha
    Wenn ich an mein Leben zurückdenke, dann sehe ich Leid, Wut, Wahnsinn, Verzweiflung, Gier, Missgunst – ach was rede ich, ich glaube, in meinem Leben jede Närrigkeit gesehen zu haben, welche die Menschlichkeit aufbringen kann. Das mir dies möglich war, mag wohl an dem Umstand liegen, dass ich ein Uchiha bin, ein Mitglied eines Clans, dessen Fähigkeiten vielleicht dazu fähig sind ein Paradies auf Erden zu schaffen, doch bisher ist mir keine Geschichte bekannt, in der die Fähigkeiten des Uchiha-Clans nicht stattdessen die Ursache von Tod und Verderben waren. Vielleicht sind wir verflucht, vielleicht sind wir es auch nur, weil wir glauben, dass wir verflucht sind – das wissen nur die Götter. Eines steht fest: Auch meine Lebensgeschichte ist keine, die friedlich, glücklich oder lehrreich erscheint. Sie ist nur eine weitere uchiha-typische Geschichte von Zerstörung, Qualen, Misstrauen und anderen Lastern, die allen Seelen innewohnen, aber scheinbar von den Uchiha angezogen werden wie Motten vom Licht.
    Doch bevor ich über mich selbst rede und die Geschehnisse, die mich letztendlich zu diesem leidvollen Zeitpunkt getrieben haben, wo ich im hohen Alter aufgrund meiner Blindheit einem Jüngling meine Lebensgeschichte diktieren muss, will ich über meinen Clan reden: den Uchiha.


    Die Mythen der Uchiha, anders als alle anderen mir bekannten Mythen dieser Welt, beginnen nicht mit der Entstehung der Welt, sondern mit einer Entscheidung. In jenem Mythos heißt es, dass die Uchiha, sich schämend für die Verbrechen gegen die Götter, die Welt und ihre Mitmenschen, entschlossen, sich zu spalten, ihrem Besitz, ihrem Reichtum und ihrer Macht zu entsagen und in alle Windesrichtungen sich zu verteilen, unfähig jemals wieder eine Stärke aufzubieten, welche die Götter, die Welt und deren Bewohner so bedrohen würde, wie sie es vor jener Zeit getan hatte. Unsere Legenden wirken ausweichend, ja beinahe verschleiernd, warum, wieso und wann diese Teilung stattfand. Es wirkt beinahe so als wollten die Uchihas von damals so schnell wie möglich vergessen, was geschehen war, als würden sie vor etwas fliehen; die Uchiha flohen jedenfalls mit jenem Verdrängen vor ihren Fehlern, flohen vor ihren Schandtaten, flohen vor ihrer Schuld und vor allem flohen sie vor ihrem Erbe: Dem Sharingan.
    Doch es gab eine Gemeinschaft von Priestern, die in jenen Tagen so erstarkte, wie die früheren Machthaber im Clan schwächer wurden: Sie nannten sich die Sifu und sie boten passend zu der Entscheidung der Teilung den Uchiha eine Alternative. Die Alternative war ein von den Sifu gepredigtes spirituelles Leben in ewiger Wanderschaft, Armut und einer kompletten Entsagung des Sharingan. Und so wurde aus dem dunklen Clan der Uchiha, welcher die Welt scheinbar an den Rand der Vernichtung getrieben hat, eine Bande von besitzlosen Vagabunden, die über die Lande zogen, einmal hier waren und dort, bettelten, manchmal raubten, manchmal handelten, aber niemals lange an einem Ort blieben, niemals versuchten Kontakte zu knüpfen, niemals versuchten eine andere Gesellschaft als ihre eigene zu suchen. Natürlich war klar, dass jene Karawanen wandernder, allesamt schwarzhaariger Uchiha, welche geheimnistuerisch und verschwiegen waren, nie gerne gesehen waren und wie so oft fand sich bald ein Aberglaube, welcher die Uchiha als Boten herannahendes Unglück ansah wie als würden jene Leute wissen, dass die Uchiha bereits eine ähnliche Sicht von sich selber hatten. Auch ich war nicht stolz ein Uchiha zu sein. Es war nicht gerade sehr aufbauend, wenn einem unentwegt als Kind eingepfercht wird, dass deine Ahnen große Bösewichte waren und das du dich selbst in irgendwelchen Märchen eher auf der Seite der Bösen finden würdest als auf jener der Guten, wenn du nicht dem Pfad der Sifu folgen würdest und selbst dann wärst du wahrscheinlich am Ende der Geschichte, wenn die Guten gewonnen hatten - tot.
    Während also der Glaube der Sifu uns ein strenges, wenn auch friedliches Leben lehrte, welchem ich eine schöne Kindheit zu verdanken habe, so kam diesem Glaube ein niederschmetternder Fatalismus mit, der uns Uchiha als Märtyrer eines Schicksals sah, welches uns verdammte, bevor wir überhaupt darüber nachdenken konnten, ob wir verdammt sein wollten oder nicht. Erlösung gab es nicht, ein friedliches Ende würde keine der unsrigen Seelen finden, so predigten unsere Sifu. Es gab sogar Uchiha, welche, um dieses angeblich unvermeidliche Schicksal zu vermeiden, sich schon in sehr jungen Jahren umbrachten. Und das Grausamste meiner Kindheit war (ich war gerade zwölf), als mir Sifu Izunami sagte, dass ich mich freuen sollte, wie mutig und einsichtig mein Spielkamerad Shinto (er war genauso alt wie ich) war, sich das Leben zu nehmen. Und wie er dabei lächelte, so glücklich…
    Vielleicht war dies schon ein Zeichen, dass der Pfad der Sifu längst nicht mehr das war, was er anfangs hätte sein sollen. Jedenfalls waren die Uchiha wahrlich ein Volk des Hasses geworden: Ihre Mitmenschen, die De-Uchiha, hassten sie, die Sifu hassten sie und sie selbst hassten sich auch. Wie konnte es für einen solchen Clan eine Zukunft geben?
    Aber zurück zu den Sifu: Sie waren Priester, doch auch Krieger in einem gewissen Sinne. Der Pfad der Sifu bestand nicht nur in dem Predigen jenes fatalistischen Glaubens, sondern auch in der Praxis einer mystischen Kunst, welche die Sifu Jutsu nannten, eine Kunst, die sonst nur bei den höheren Priestern in den verschiedenen Reichen der bekannten Welt zu finden war. Es war keinesfalls aber eine so einfache Waffe wie ein Schwert oder ein Bogen. Jene Jutsu des Sifu Pfads brauchten strikte Bedingungen, die erfüllt werden mussten, damit sie funktionierten. Z.B. konnte der Sifu Izunami alle Spuren seines Weges in einem Wald verschwinden lassen, sodass ihn nicht einmal der beste Kundschafter hätte finden können. Doch um dieses Wunder zu vollbringen musste er eine Woche zuvor barfuss laufen. Da Izunami natürlich nicht wusste, wann er jenes Jutsu brauchen würde, lief er praktisch immer barfuss und wir als Kinder machten uns immer einen Spaß, wenn wir ihn zu uns riefen, weil wir angeblich einen Rat bräuchten, aber eigentlich nur sehen wollten, wie er sich aufregen wollte (seine Wutanfälle waren so übertrieben selbstkritisch, das es schon lachhaft war) wenn er in die von uns gesammelten und verstreuten Stachelsiphionen (jene kleinen mit Dornen übersäte Nüsse) trat.
    Aber ich schweife ab. Eine disziplinierte, ritualisierte Praxis lag jenen Jutsus zugrunde, welche meist die Jutsus, gleich wie effektiv sie waren, nahezu unanwendbar machten, einfach weil man es nie schaffte alle Bedingungen zu erfüllen, die nötig waren. Aber dennoch war es immer ein Beweis für uns, dass es richtig war, den Sifu zu folgen, wenn mal wieder eines ihrer Jutsus ein Wunder vollbracht hatten, denn war es nicht ein Zeichen der Götter, dass sie solche Künste besaßen und wir nicht? Warum sich später meine Meinung darüber radikal ändern würde werde ich wohl später noch zur Genüge erklären können.
    Die Sifu selbst leiteten die einzelnen Uchihafamilien mit der unantastbaren Macht wie die der Feudalherren in den Städten und die Sifu sahen dies auch als ihr göttergegebenes Recht an immer die Uchiha zu führen. Und natürlich würde kein Uchiha aus schon erklärten Gründen daran zweifeln. Das auch dies sich ändern würde, war für mich in meiner Kindheit etwas, was ich nicht vorhersehen konnte, was wohl niemand vorhersehen konnte. Das Zeitalter der Sifu schien sich wohl bereits ihrem Ende zu nähern, als ich ein Kind war, wenn ich es aus heutiger Sicht betrachte.


    2. Vom Sharingan
    Aber erst sollte ich von dem wichtigsten Merkmal der Uchiha reden oder sollte ich sagen Bürde? Nach allem, was ich bereits meinen Schreiberling schreiben ließ, mag dies passender klingen und dies ist es wohl auch. Die Uchiha in meiner Kindheit fürchteten ihr Sharingan.
    Dies hatte mehrere Gründe: Einer war natürlich der Offensichtlichste: Die Erscheinung. Die Uchiha hatten noch nie ein gutes Verhältnis mit den De-Uchiha, eben weil die Uchiha als Unglücksboten galten, zudem galten sie als Räuber, nutzlose Bettler und arrogante streitsüchtige Zeitgenossen. Ein schlechter Ruf also, um es zusammenfassen. Natürlich wurde dieser nicht besser, wenn das Sharingan eines Uchihas sich zeigte und damit seine Augen rot wurden. Ich muss gestehen, der erste Uchiha bei dem ich als Kind das Sharingan erblicken durfte, wirkte mit seiner den Uchiha typischen kräftigen Statur eines Kriegers, seinen pechschwarzen Harren und seinem finsteren Gesicht schon einschüchternd genug (das klassische Bild der Uchiha, wenn man es so nennen mag). Und als dann die Pupillen seiner Augen rot wurden wirkte er beinahe wie die Inkarnation jener Dämonen aus irgendwelchen Legenden, wie ich sie mir im Geiste ausgemalt hatte. Es war also verständlich, dass der gesunde Menschenverstand es einem Uchiha bereits verbot sein Sharingan einem De-Uchiha zu zeigen aus Angst, dass der so schon schlechte Ruf nur noch schlechter werden würde. Ein weiterer Grund war natürlich der Glaube der Sifu, welcher das Sharingan als Zeichen jener dunklen unaussprechlichen Zeit vor der Teilung ansah und damit es als Zeichen des reinen Bösen ansah. Daher war es eine der höchsten Aufgaben im Sifu-Glauben die nötige Konzentration zu lernen sein Sharingan so oft es ging zu unterdrücken und die Sifu selbst führten oft mit dem Beispiel, dass bisher kein einziger Sifu jemals Anzeichen eines Sharingan gezeigt hätte und auch kann ich bestätigen das ich bis zum heutigen Tage tatsächlich nie einen Sifu mit dem Sharingan gesehen habe.
    Der dritte Grund lag auch beim Sifu-Glauben, aber wohl eher in dessen Praxis, denn das Sharingan, so sagte mir einst Sifu Izunami, war genauso ein Pfad wie es der Pfad der Sifu ist. Man konnte voranschreiten, man hatte auch Ideale, es gab auch Praktiken für diesen Pfad – aber nichts davon war so heilig und rein wie dessen Gegenstück, der Pfad der Sifu. Während der Pfad der Sifu durch Disziplin, Glaubensstärke und Ruhe beschritten wird, so sagte Izunami, so schreitet man auf dem Pfad des Sharingan fort, indem man den dunkelsten Teilen seiner Seele nachgibt – Lust, Wut, Wahnsinn, Verzweiflung, Gier, Missgunst: dies waren die Dinge, welche einen auf dem Pfad des Sharingan weiterbringen würden. Ein Meister des Sharingan war nichts weiter als ein solches dunkles Wesen, welches die große Teilung in unseren Legenden herbeigeführt hatte. Das Sharingan kann nur der Untergang der Welt sein, während der Pfad der Sifu versucht jene zu erhalten. Ich weiß heute nicht mehr, ob dies stimmt oder ob es eine weitere Lüge der Sifu gewesen war, aber ich lasse darüber wohl den Leser urteilen, sobald er die Geschichte meines Lebens kennt.

    - Aus den Berichten von Uchiha Yasuki, geschrieben von Histuke Uji


    Prolog


    Die Nacht war kalt in Kuni und Angai stand frierend auf der Mauer der Stadt, eingehüllt in einen dunklen kratzigen Umhang, versuchend Wärme in seine Hände zu hauchen, die er aneinander rieb als würde er ein Feuer entfachen wollen. In seiner rechten Armbeuge lag ein Speer, dessen scharfe Spitze ihn um einige Zentimeter überragte. In den letzten Jahren war aber daraus mehr eine symbolische als eine praktische Waffe geworden. Ein Heishi schon seit mehreren Jahrzehnten waren nun die Zeiten des Friedens angebrochen nach scheinbar endlosen Jahren des Krieges. Vier Jahre Frieden für das Feuerkönigreich und Agnai hatte nun nicht mehr zu tun als die Mauer einer von den Göttern verlassenen Stadt im Norden zu bewachen. Er hatte sich seine ‚Friedenszeit‘ angenehmer vorgestellt.
    Kuni war eine friedliche Stadt am Nordrand des Feuerreiches unter der weisen Herrschaft des Feuerlords (zumindest sollte man das immer in der Öffentlichkeit sagen). Feuer war aber das, was Angai am meisten hier oben im Norden vermisste und nächtliche Wachen halfen diesem Problem nicht wirklich. Er schaute sehnsüchtig zur Spitze auf einem der vielen Wachtürme, die in einem regelmäßigen Abstand die massive Steinwand unterbrachen. Ein Feuer brannte auf der Plattform, ein Signal für Wanderer in der Nacht, die Zuflucht suchten. Aber was interessierten schon Angai die Wanderer, wenn er hier auf der Mauer von derselben Kälte angegriffen wurde, denen die Wanderer angeblich entfliehen wollen. In der Nacht wandern – welch ein Wahnsinn! Wahrscheinlich hatte da irgendeiner dieser Bürokraten wieder zu lange dem Opium gefrönt, um auf so eine idiotische Idee zu kommen.
    Er schaute seufzend auf seine Hände, die er nun schon gefühlte Stunden aneinander gerieben hatte, sie waren so kalt wie der Stein auf dem er stand. Was machte er hier? Einen Feind abwehren? Kriege gab es nicht. Reisende empfangen? Wie dumm der Gedanke mitten in der Nacht war, hatte er schon festgestellt, bevor er auf dieser Mauer gelandet war. Was machte er hier also? Seine Pflicht tun? Diese verdammte Pflicht würde ihn wahrscheinlich in einen Eisblock verwandeln, wenn er nicht bald in die Nähe eines Feuers kam. Wie hatte sein alter Großvater immer gesagt: Entweder du stirbst in Ehre oder lebst lange genug, um herauszufinden, dass du keinen Lebensunterhalt mit Ehre verdienen kannst. Agnai hätte ihm wahrscheinlich öfter zuhören sollen.
    Seinen Speer in die rechte Hand nehmend, ging er langsam den Mantel eng um sich geschlungen nach rechts. Er ging durch einen der Türme und noch ein paar hundert Schritt weiter bis er auf eine andere Wache stieß. Die Mauern waren dünn bemannt, schließlich waren es Friedenszeiten. „Hey…“, begann er als er bemerkte, dass er gar nicht wusste, wer heute außer ihm noch Dienst hatte, er hatte gehört, dass ein paar neue Heishi vom Land eingezogen worden waren, warum auch immer. Er sah einen finsteren Umriss einer Person über jemand stehen als er bis auf zwanzig Schritt an die nächste Wache getreten war. Kein Feuer natürlich in Sicht, um die Szene zu beleuchten und zu bestätigen, dass er nicht paranoid war, wenn er sich gerade seltsamerweise wie ein Welpe im Angesicht eines Wolfes fühlte. „Hey, du weißt nicht zufällig, wo das Feuer für die Nachtwachen heute auf der Mauer postiert ist…“ Weiter kam er nicht, denn während er an den Unbekannten herangetreten war, wurde langsam erkennbar, dass der Kerl keine Nachtwache war. Er hatte einen Mantel aus Seite, kein Heishi hatte einen Mantel aus Seide. Ein Samurai? Aber diese arroganten Wichtigtuer kamen nur auf die Mauer, wenn man ihnen vorher den Boden abgeleckt hatte auf dem sie gehen sollten. Und in dem Moment als er aufgehört hatte, zu reden, hatte er das Kunai in der Hand des Unbekannten gesehen, den glitzernden Schimmer von Blut auf der Klinge und den toten Heishi am Boden, zumindest hätte keine lebende Person es genießen können so intensiv auf den Mond am Himmel zu starren, während so ein kostbarer Seidemantel direkt neben einem war und dann war da ja noch die Sache mit dem Kunai.
    „Ähm…“, begann Agnai und erkannte, dass er noch nie mit einem Feind geredet hatte. In seinen Jahren als Soldat hatte er sie nur töten müssen und mit Leuten, die man töten wollte, hatte man nicht sehr viel Gesprächsstoff abzuarbeiten. Sollte er um Hilfe schreien wie ein kleines Mädchen? Er hätte es getan, wenn er nicht gewusst hätte, dass die nächste Wache so weit entfernt war, dass sie ihn nicht einmal hätte furzen hören können – und er furzte verdammt laut. Na gut, nur seine Frau behauptete, dass es laut wäre, aber sein Furz würde zumindest lauter sein als seine letzten Atemzüge nachdem seine Kehle von einem Kunai durchschnitten wurde.
    Der Fremde schien genauso überrascht wie Agnai und reagierte erst gar nicht, musterte ihn nur, aber als Agnai langsam zurückstolperte, steckte der Fremde sein Kunai weg und machte seltsame schnelle Bewegungen mit seinen Händen, dann holte er tief Luft, seine Wangen aufblasend und als er wieder ausblies kam eine riesige Feuerwolke Agnai entgegen, der geistesgegenwärtig nach hinten sprang und so knapp außer Reichweite des Flammenstoßes gelangte. Zumindest hatte er Feuer gefunden, aber das nächste Mal sollte er wohl hinzufügen, dass man ihn nicht so verdammt wörtlich nehmen sollte, wenn er nach Feuer fragt. Er stand schnell auf und rannte von dem Fremden weg. Was war das gewesen? Ein Jutsu? Er hatte die Dinger selten in Aktion gesehen und soweit er sich erinnerte, brauchte es ein wenig mehr als Finger-Yoga, um solche Art von Zauberei zu vollbringen. Schnaufend schaute er hinter sich. Niemand war zu sehen, keine Verfolger also. Gut. Seltsam, aber gut. Was wollte er als nächstes tun? Achja, Verstärkung holen.
    Er ging an einer der Leitern an der Innenseite der Mauer runter und hastete durch die nächtlichen Straßen, immer wieder hektisch und furchtvoll sich umschauend. Er kam zu einem kleinen Gebäude mit einer kleinen Mauer als Abgrenzung gegenüber den ärmeren Häusern in dessen Umgebung, man wollte schließlich nicht den Eindruck erwecken, dass Wachhäuser der Samurai Allgemeingut wären. Zwei Wachen standen müde und gelangweilt am Eingang. Agnai trat an sie keuchend und hustend heran, immer noch sich umschauend. „Wir wurden angegriffen.“, sagte er schwach, die beiden Wachen mit seinem Blick fixierend. Diese schauten ihn lachend an: „Eine bessere Ausrede ist dir wohl nicht eingefallen, Heishi-kun?“
    „Das ist keine Ausrede! Ich habe gerade einen meiner Freunde da oben sterben sehen!“, antwortete er wütend. Gut, vielleicht war der tote Heishi nicht sein Freund gewesen, überhaupt hatte Agnai noch nie viel etwas von toten Freunden gehalten, ein Toter konnte dir keinen Sake spendieren, es war also völlig egal was der Kerl vor seinem Tod für Agnai gewesen war, jetzt war er für was Agnai ihn erklärte gewesen zu sein. Und er hatte ihn eben gerade zu seinem Freund erklärt. Er würde sich wohl kaum beschweren in seinem derzeitigen Zustand.
    Die Wachen schauten sich zweifelnd an. „Hast du getrunken?“, sagte die andere Wache. Vielleicht hast du zu viel getrunken, mir nicht richtig zuhören zu können, dachte Agnai, aber sagte: „Lasst mich einfach rein oder wollt ihr dem Hauptmann erklären, dass ihr ihn nicht wegen des Angriffs gewarnt habt, weil der Bericht der Mauerwache nicht in euer Weltbild gepasst hat?“
    Sie wechselten wieder zweifelnde Blicke. Wahrscheinlich hätten sie ihn sofort hereingelassen, wenn er ihnen eine kleine „Spende“ für ihre Mühen gegeben hätte, aber welcher Heishi hatte schon Geld für einen Luxus wie Bestechung übrig?
    Eine der Wachen öffnete eine Hälfte des Tors am Eingang und Agnai stürmte hindurch zum Gebäude, dessen Tür hastig beiseite schiebend und mit Schuhen durch den Flur rennend in das Zimmer in dem Licht zu sehen war. Es war unhöflich, aber er würde sich über sein Verhalten später Gedanken machen. Die Stille hätte ihn aufmerksam machen müssen, dass etwas nicht stimmt, aber er war in Eile und schob die einzige Tür im Eingangsbereich hinter den Kerzen schienen einfach beiseite, sofort den Geruch von Blut bemerkend und danach die sechs blutigen Leichen vor sich sehend. Und sein Attentäter von der Mauer stand über ihnen, sein schöner seidener Mantel mit Blut getränkt an dessen unteren Ansätzen. Welcher Idiot nahm so einen guten Mantel mit auf einen so blutigen Job? Agnai und der Attentäter wechselten Blicke wie alte Bekannte, dann sah der Attentäter auf Agnais Speer, wofür jener ihm innerlich dankte, er hatte ganz vergessen, dass er die Waffe die ganze Zeit gehalten hatte, trotz das seine rechte Hand sich jetzt so steif anfühlte als wäre sie aus Stein gemeißelt wurden.
    „Sie starben für eine gute Sache, Heishi-san.“, sagte der Attentäter höflich und in einer so klaren Sprache, dass er ganz gut in die Gesellschaft der arroganten Samurai-Schnösel gepasst hätte, die nun statt Sake ihr eigenes Blut tranken auf dem Fußboden des Raumes. Agnai richtete die Spitze des Speers auf den Attentäter. Er würde ihnen gute Gesellschaft leisten.
    „Zuletzt also eine gute Tat vom arroganten Samurai-Pack.“, sagte Agnai abschätzig, der sich nur zu gut bewusst war, dass er sich nächtelang den Arsch auf der Mauer abgefroren hatte, während sich diese Samurai auf ihrem warmen Arsch sitzend, belustigt hatten mit Sake, „Ich würde Beifall klatschen, wenn meine Hände nicht anderweitig beschäftigt wären, Mörder-kun.“
    Die dunklen Augen unter der Kapuze des Attentäters musterten ihn gefährlich. Er hatte Leute für weniger umgebracht, dachte Agnai, Zeit seinem guten Beispiel zu folgen. Schreiend machte Agnai einen Ausfallschritt und stieß mit dem Speer zu, auf das Herz des Attentäters zielend. Agnai hatte seinen Teil an Schlachten gesehen, blutige, brutale, chaotische Gemetzel und ihm war nie klar, welche Seite gewonnen hatte bis er vor sich nichts mehr als ein Meer als Leichen erblicken hatte können und die Rücken des fliehenden Feindes. Ein Meer aus Leichen – und er hatte nie überblicken kann, wer welcher Seite angehört hatte. Im Tod waren alle gleich. Agnai hielt nicht viel von Gleichberechtigung durch den Tod, er wollte seinen Vorgesetzten möglichst ins Gesicht spucken, während er noch lebte – und damit davonkommen. Schließlich lebte man immer noch am besten, indem man nicht tot war.
    Als er den Speer nach vorne stieß, glaubte Agnai fast schon, der Kerl vor ihm wollte sich treffen lassen, aber im letzten Moment vollführte er eine elegante Drehung als wäre dies irgendein Tanzwettbewerb und wich dem Speer aus, danach sofort ihn angreifend. Fluchend riss Agnai den Speer zur Seite und der Attentäter machte einen Salto nach vorne, das Timing perfekt abstimmend, sodass der Speer nicht mehr als Luft berührte. Aber er hatte nicht damit gerechnet, dass Agnai den Speer loslassen würde und jener unkontrolliert in die Ecke des Raumes krachte, während Agnai mit seiner Schulter den Attentäter zu Boden stieß als jener wieder auf dem Boden aufkam. Der Attentäter fiel nach hinten durch den Stoß, aus der Balance gebracht durch den Sprung hatte er nicht viel Widerstand gegen den Schulterstoß entgegenzubringen. „Schluss mit den Kunststückchen.“, sagte Agnai schnaufend, aber während er das sagte, sah er wie der Attentäter wieder riskierte seine Finger zu brechen, um Feuer zu spucken. „Oh, scheiße.“ Agnai war zu nahe, um so wie das letzte Mal auszuweichen, also sprang er nach vorne, dabei ein Schwert der Samurai am Boden packend und stieß das Schwert in die Kehle des Attentäters. Er hörte einen Knall, der ihn an Feuerwerk erinnerte und das nächste, an was er sich erinnern konnte, war kaltes Wasser und der Geschmack von schlechter Sushi in seinem Mund. Als er versuchte zu atmen, war alles, was in seine Nase fuhr eiskaltes Wasser und er erkannte, dass er im Teich des Gartens der Samurai gelandet war. Er merkte auch wie seine Kraft schwand, er würde bewusstlos werden, wenn er nicht bald etwas tat. Angespornt durch die Aussicht auf Überleben, stieß er sich vom Grund ab und durchschlug die Wasseroberfläche, zuerst bemerkend, dass die Außentemperatur ein wenig kühler war als die des Wassers und das einer der Koi in seinem Mund zappelte, den er sofort angewidert ausspuckte. Nichts gegen rohen Fisch, aber er sollte schon tot sein.
    Er schwamm an den Rand des Teiches, dabei fluchend, warum jemand freiwillig so einen tiefen Teich in seinem Garten haben will, verdammtes Todesrisiko, dachte er. Zum Glück hatte ihm dieser Söldner des Wirbelwind-Clans das Schwimmen beigebracht. Dabei hatte er nur dieses Mädchen aus diesem einen Dorf beeindrucken wollen. Wie hieß das Dorf nochmal, fragte er sich. Ach, verdammt, er konnte sich nicht mal an das Gesicht des Mädchens erinnern, geschweige denn ihren Namen, sie war schön anzusehen, aber im Bett eine verdammte Enttäuschung gewesen, war eine verdammte Zeitverschwendung gewesen, sie beim Schwimmen zu verführen (wer weiß schon, was im Kopf dieses Mädchens vorgegangen war in der Nähe eines Armeelagers nackt zu baden). Naja, nicht eine komplette Zeitverschwendung wie sich herausgestellt hatte.
    Er stieg aus dem Wasser und bemerkte als erstes, dass sein ganzes Gesicht sich wie sein Gaumen anfühlte wenn er zu heißen Sake trank. Schade nur, dass es kein Sake gewesen war. Er ging zu der Leiche des Attentäters, dessen Kopf ein schwarzes Loch war. „Zumindest sehe ich besser aus als du.“, sagte Agnai abschätzig als er auf die Leiche spuckte – so viel Ehre musste sein. Agnai hörte in der Ferne die Alarmglocken, der Attentäter war scheinbar nicht der einzige gewesen, der über die Mauer gekommen war – und nicht jeder war so inkompetent wie sein Freund vor ihm gewesen.
    Von woher kamen diese Kerle, fragte sich Agnai, die Kleidung des Attentäters durchsuchend. Vor den Toren des Wachhauses hörte er Menschen schreien, rennen und so ziemlich alles machend, was man nicht im Notfall machen sollte. Die ganzen „Was man im Notfall nicht tun sollte“-Regeln waren noch immer die beste Vorhersage für die Aktionen der Massen. Würde jemand zu den hier stationierten Samurai rennen? Nein, natürlich nicht, am Ende müsste man noch Verantwortung übernehmen, irgendwas machen, nein, man würde nach Hause fliehen, die Türen verschließen und auf irgendeinen Gott warten, der vom Himmel herabsteigt und sie von ihren Problemen erlöst. Und man weiß ja wie oft das passiert, nicht dass es diese panischen Hühner und Hennen auf den Straßen interessierte.
    Ein paar Minuten Ruhe für den alten Agnai also, dachte er sich zufrieden als er endlich in einer der Mantelinnentaschen ein metallenes Abzeichen fand: Das Donnerreich. Der Weise und seine Mutanten-Brut also, dachte sich Agnai. Es stank nach Krieg und Agnai wusste, wo er zu finden sein würde, wenn das Donnerreich einen Krieg beginnen würde.
    Eine angenehme Note hatte die Sache: Zumindest würde er nicht mehr fürchten müssen, dass seine Eier auf der Mauer erfrieren würden. Es würde Feuer geben, verdammt viel Feuer. Das Feuerreich würde Krieg führen. Und auf einmal schienen erfrorene Eier doch nicht mehr so schlecht wie er zuerst gedacht hatte.


    Kapitel 01 – Yasuki


    „Ich mag das nicht.“, sagte Kakita finster, der aus dem Gebüsch auf die hohen Mauern von Kyuden blickte, die gefährlich hoch wirkten im Dunkel der Nacht.
    „Ich hab nie viel von deinem Geschmack gehalten, Kakita-san, aber dieses Mal muss ich dir Recht geben.“, sagte Tsuneyo, die Mauer musternd und dann auf das Seil mit dem Wurfhaken am Ende blickend, „Du glaubst, dass es funktionieren wird, Tsuko-san?“
    Tsukos raue Gesichtszüge erwiderten Tsuneyos ernsten fragenden Blick mit einem Lächeln: „Es wäre zumindest nicht verkehrt mit Beten anzufangen.“ Kakito murmelte wütend vor sich hin als er von Tsuko wieder zur Mauer blickte. Seine sonst so gelassenen Züge, immer danach suchend wie er sein Leben unterhaltsamer gestalten könnte, meist auf eine Art und Weise, die man ganz gut als ‚gemein‘ oder ‚schadenfreudig‘ umschreiben würde, waren nun zweifelnd und ängstlich. Kakita war ein Bastard der übelsten Sorte, aber Yasuki wusste, dass er tun würde, was von ihm verlangt würde. Dafür hatte er Tsuko mitgenommen, der einzige ihrer Uchiha-Gemeinschaft mit tatsächlicher Kampf-Erfahrung und er war derjenige, der die Todesurteile ausübte, falls Sifu Izunami jemals solche aussprechen sollte, was er bis jetzt natürlich nie getan hat. Aber die Chance war vorhanden und die Assoziation gab Tsuko, der so schon furchterregend genug aussah mit seinem Dreitagebart und der langen Narbe, die über seine linke Wange ging eine nahezu bedrohliche Aura. Tsuneyo, die ungewöhnlich braunen sanften Augen so ruhig wie immer, musterte Tsuko nur stumm. Er wusste, wenn er einen Witz hörte und er wusste, wann er einen guten Witz hörte. Dies war keiner.
    „Beruhigt euch.“, flüsterte Yasuki ruhig und zu Tsuko, „Und lass deine Witze. Sie sind schlecht.“
    Tsuko zuckte gleichgültig mit den Schultern und während er auf die Mauer zeigte, erklärte er gelassen: „Wir sollten uns aufteilen. Die Wachen sind spärlich verteilt auf der Mauer, aber wir wissen nicht, wo sie wann sind, also sollten wir unsere Chancen verbessern.“
    „Ich gehe mit Yasuki.“, erklärte Shizue, die neben Yasuki stand und unverhältnismäßig ruhig geblieben war, während sie sich der Stadt genähert hatten. Ihre Stimme zitterte ein wenig, furchtvoll und Yasuki verstand nicht wirklich, weshalb sie hier war. Die Uchiha-Gemeinschaft brauchte Vorräte, die ihnen die Stadt nicht freiwillig geben wollte, also würden sie sich jene einfach holen. Es war Tsuneyos Idee gewesen, also war klar, warum er hier war. Kakita war einfach so rebellisch wie immer und war zu sehr von der Idee von Diebstahl angetan, um sich die Chance entgehen zu lassen, es mit dem Einverständnis der Uchiha-Gemeinschaft zu tun. Und er, Yasuki, war als Vertreter des Sifus hier, der zu alt war, um solche Abenteuer zu übernehmen und Tsuko hatte er wegen Kakita dabei, weil er jenem nicht vertraute. Aber Shizue… Warum war sie hier? Die Frage beunruhigte Yasuki mehr als alles andere, besonders, da wenn er in ihre grünen Augen sah, nicht die Furcht sah, die er in ihrer Stimme hörte. Was hatte das zu bedeuten?
    „Gut, ich gehe mit Shizue-chan, Tsuko, du gehst mit Kakita-kun und Tsuneyo-kun.“, erklärte Yasuki ruhig. Kakita und Tsuneyo waren damit einverstanden, sie hatten nichts dagegen diese riskante Mission in Gegenwart eines Kriegers zu verbringen, aber Tsuko schaute nur stumm zwischen ihm und Shizue hin und her, nachdenklich, die Gefahren abschätzend, denn insgeheim hatte ihm Izunami-sama sicherlich befohlen, ihn zu beschützen. Er liebte es einfach, zu zeigen, dass immer noch er die Fäden in der Hand hielt und sie noch nicht seinem Nachfolger vererbt hatte. Er nickte aber nach einer Weile, sein Blick auf Shizue ruhend. Sie war also für Tsuko genauso ein Mysterium wie für ihn, wie beruhigend zu wissen.
    Die Aufteilung in zwei Gruppen war klar gewesen, da sie zwei Seile mit Wurfhaken hatten, die sie nutzen konnten, um an der Mauer hochzuklettern. Die zwei Gruppen trennten sich, Tsukos Gruppe ging nach rechts, während Yasuki und Shizue die Mauer vor sich betrachteten, versuchend abzuschätzen, ob Wachen in der Nähe waren, was in der Dunkelheit schwer alleine durch die Sicht zu bewerkstelligen war, weshalb es mehr ein angestrengtes Hören war als ein Ausschauhalten.
    Nach einer Weile nickte Shizue und Yasuki erwiderte die Geste, die beiden zur Mauer rennend. Währenddessen holte Yasuki mit dem Wurfhaken-Ende des Seils aus und warf es hoch auf die Mauer, es dann zurückziehend, sodass es genau am Rand der Mauer klemmte. Yasuki zog ein paar Mal, sicherstellend, dass das Seil halten würde und deutete Shizue hochzuklettern, die ihm zulächelnd das Seil packte und daran hochkletterte. Nach ein paar Sekunden war sie oben auf der Mauer und Yasuki folgte ihr still. Oben auf der Mauer angekommen, schaute sich Yasuki angestrengt um und horchte, ob eine Wache kommen würde. Nichts war zu sehen oder zu hören.
    „Wir sollten von der Mauer und herausfinden, wo genau wir in der Stadt sind.“, erklärte Yasuki leise. Izunami hatte allen fünfen im Groben die Karte der Stadt erklärt, die er besaß, sie hatten nur eine Karte und die hatte Izunami bei sich. Sie hatten sich die Karte einprägen müssen. Eine Komplikation, die schnell klargemacht hatte, dass die Idee hinter der Mission besser geklungen hatte als die Realität ihrer Ausführung.
    „Es ist eine schlechte Idee gewesen oder, Yasuki?“, sagte Shizue zweifelnd als sie wachsam an der Mauer entlanggingen nach einer Treppe oder Leiter suchend, die sie von der Mauer bringen würde.
    Yasuki zog eine Augenbraue hoch, nicht wirklich verstehend, was die Frage sollte. Natürlich war es eine dumme Idee gewesen, aber es war die einzige Idee gewesen!
    „Es ist die einzige Idee gewesen, Shizue.“, sagte er daher.
    „Sag, dass es eine schlechte Idee gewesen ist.“, sagte Shizue anklagend, seine Antwort nicht akzeptierend. Yasuki seufzte. Wie konnte sie nur solche Diskussionen an einem Ort wie diesen beginnen? „Gut, es ist eine schlechte Idee gewesen, zufrieden?“, sagte Yasuki tonlos. Shizue lächelte und wollte etwas sagen als rechts von ihnen mehrere überraschte Schreie zu hören waren. Tsuko! Verdammt, so viel zu dem Traum eines funktionierenden Plans. Yasuki wollte nach rechts den Weg zurück auf der Mauer rennen, um Tsuko und den anderen zu Hilfe eilen zu können als Shizue ihn am Arm packte zurückhielt. „Halt, Yasuki! Wir können ihn nicht helfen, wir müssen…“
    „Wir müssen gar nichts, Shizue.“, knurrte er. Als er einen Schritt machen wollte, hielt Shizue ihn zurück, mit flehender Stimme bittend: „Bitte, wir können ihn nicht helfen. Und Tsuko-san ist bei ihnen und…“
    „Nein!“ Er riss sich wütend von ihrer Hand los. Sollte er sie einfach aufgeben? Er sollte ihr Sifu irgendwann werden. Hieß das ein Sifu zu sein? Seine Mission vor dem Schicksal seiner Uchiha-Gemeinschaft zu stellen? Nein, das war es nicht, es würde immer einen Ausweg geben, es musste ihn geben. Sie hatten genug gelitten. Yasuki rannte der Mauer entlang, Shizue ignorierend, nach einer Weile bemerkte er, dass sie ihm folgte. Sie wirkte nicht zufrieden mit seiner Entscheidung, aber sie folgte ihm.
    Sie kamen langsam näher und es war bei einer der Treppen, wo Tsuko mit gezogenem Schwert vor fünf Wachsoldaten stand, einer mit einer Armbrust, die er auf Tsuko hielt, der Rest mit Speeren, die sie vor sich auf die kleine Gruppe von drei Uchiha hielten. Tsuneyo kniete neben Kakita, der scheinbar verletzt war. Yasuki blieb mehrere hundert Meter von der Konfrontation entfernt stehen im Schatten der Mauer.
    „Und was machen wir jetzt, o großer Retter?“, sagte Shizue sarkastisch.
    Yasuki griff in eine der Innentaschen seines Samues und holte die zwei Rauchbomben heraus, die ihm Izunami gegeben hatte. Eigentlich sollten sie für die Flucht dienen, wenn sie die Stadt wieder mit den gestohlenen Vorräten verlassen würden, aber das Überleben war wichtiger.
    „Du hilfst Tsuneyo beim Wegtragen von Kakita. Tsuko wird uns den Rücken freihalten, also schau nicht zurück!“, flüsterte Yasuki und wartete nicht auf ihr Einverständnis, sondern rannte zur Treppe, die Rauchbomben werfend, die mit einem lauten Knall zerplatzten und den Platz am Ende der Treppe schnell in einen dichten Nebel hüllten. Yasuki rannte zu Tsuko. „Wir verschwinden, Tsuko-san.“
    Tsuko nickte ihm zu und blickte zu Kakita, der mithilfe von Tsuneyo und Shizue weggetragen wurde. „Wohin, Yasuki-kun?“
    Gute Frage. „Irgendwohin, in eine der Lager, die hier sind.“ Oder sein sollten, soweit seine Erinnerung der Karte übereinstimmte mit dem, was er in dem kurzen Sprint zu dem Konflikt mitbekommen hatte. Tsuko rannte zu einem der Türen und trat sie ein, Yasuki wartete mit ihm am Eingang, während die anderen drei hineingingen in die Lagerhalle. Die Wachen riefen den Alarm aus und begannen die Suche. Verdammt, das wird ein übles Ende nehmen, wenn nicht bald ein Wunder geschehen würde.
    Tsuko schloss die schwere Holztür hinter ihnen und Yasuki ging zu Kakita, der schwer atmend am Boden lag, blass und schwitzend. Durch ein Fenster an der Decke war der Mond zu sehen, der die Halle in ein weißes Zwielicht tauchte. Seine Augen waren glasig und er schaute furchtvoll auf den Bolzen, der in seiner rechten Schulter steckte. Yasuki hatte genug der menschlichen Physiologie studiert, um behelfsmäßig etwas gegen die Wunde zu machen, aber er sollte schleunigst zu Izunami gebracht werden, dachte Yasuki bitter. „Kannst du was machen, Yasuki?“, fragte Shizue besorgt.
    „Der Bolzen muss raus.“, erklärte Yasuki und Tsuneyo nickte ernst, „Ich drücke und du ziehst, Tsuneyo-kun.“
    „W-Was passiert…?“, fragte Kakita panisch. Yasuki und Shizue tauschten Blicke. „Shh, es wird alles gut. Yasuki versorgt die Wunde, Kakita-kun.“, versuchte Shizue Kakita zu beruhigen. „Er braucht etwas zum Beißen, damit er sich nicht an der Zunge verschluckt.“, fügte Tsuko hinzu, der Shizue ein Stück Holz gab, dass jene dem nervösen und furchtvollen Kakita zwischen die Zähne presste. Yasuki sah zu Tsuneyo, der nickte. Er war bereit.
    Yasuki presste auf die Wunde und er merkte wie das warme Blut aus der Wunde stieg als Tsuneyo versuchte den Bolzen herauszuziehen. Kakita schrie vor Schmerzen und man hörte das Holze knacken als seine Zähne sich in das Holzstückchen in seinem Mund gruben.
    „Halt, halt, Stop!“, sagte Yasuki plötzlich und Tsuneyo ließ zitternd los von dem Bolzen. Er war mittlerweile genauso blass wie Kakita, der dabei war das Bewusstsein zu verlieren.
    „So kriegen wir den Pfeil nicht raus.“, erklärte Yasuki frustriert.
    „Was… nun, Yasuki-kun?“, fragte Tsuneyo nervös nach einer Weile.
    Yasuki wischte sich den Schweiß von der Stirn und schaute zu Tsuko, dessen ernster Blick verriet, dass er wusste, was jetzt kommen würde. „Wir müssen ihn durchstoßen und auf der anderen Seite wieder rausholen.“
    „Was?“, fragte Shizue ungläubig.
    „Der Pfeil muss raus! Und das ist der einzige Weg!“, erklärte Yasuki wütend.
    „Er hat Recht, aber er wird es wahrscheinlich nicht überleben.“, fügte Tsuko leise hinzu.
    „Gut, bist du bereit, Tsuneyo-kun?“, sagte Yasuki als er sich über Kakita beugte und seine Schulter hob, ein schmerzvolles Stöhnen von Kakita dabei beschwörend.
    „I-Ich…“, begann Tsuneyo furchtvoll als Tsuko sagte: „Ich mache es.“ Yasuki nickte Tsuko zu, der den Platz von Tsuneyo einnahm. „Auf Drei, Tsuko. Eins… Zwei… Drei!“ Yasuki stieß den Pfeil durch und Tsuko griff das andere Ende , dass am hinteren Ende der Schulter rauskam und zog in einer schnellen abrupten Bewegung den Pfeil durch. Yasuki zerriss den Sack mit dem er den Teil der Beute hätte tragen sollen und verband provisorisch die Wunde Kakitas. Jener war mittlerweile bewusstlos und sein flacher Atem war das letzte Anzeichen von Leben, das ihn vom Tod trennte. Er war vor dem Tod gerettet, vorerst.


    Vier Stunden vorher…
    „…Und das ist der Grund, warum die Kekei Genkai darunter wir als Uchiha eine Plage für diese Welt sind.“ Sifu Izunamis Stimme war so trocken wie die Furchen des Alters in seinem Gesicht, die kleinen Augen verbissen auf seine Zuhörer gerichtet, ein Hauch von Vergangenheit und Schande in Blick und Stimme. Und Erscheinung, dachte Yasuki. Er saß neben ihm und schaute auf seine Hände, die glatte Haut einer jungen Person, aber er wusste, dass er bald Izunamis Platz einnehmen würde. Würde er irgendwann an derselben Stelle wie er sitzen und seinen Zuhörern von Verdammnis und nicht existierender Vergebung erzählen? An die dreißig Personen standen oder saßen um das große Lagerfeuer, alle in schlichte Samue gekleidet, so wollte es die Tradition, Yasuki hat nie verstanden, was der Sinn davon war, Leute während dieser Versammlungen stehen zu lassen. Manche Dinge schienen einfach nur zu sein, was Tradition anbelangte. Jeder der Zuhörer wusste, dass er Izunami folgen würde, er war der Lieblingsschüler von Izunami gewesen. Für sie war er schon praktisch der nächste Sifu, aber hatte er wirklich das Recht, diese Position zu übernehmen?
    Eifrig und konzentriert hatte er alles aufgesaugt, was ihm Izunami an Wissen bieten konnte. Während die anderen Kinder unter der dunklen Wolke des Sifu-Glaubens versuchten ihr Leben zu genießen, hatte er sich in Studien der Geschichte, Sprache und anderer Dinge vertieft. Izunami war stolz auf ihn, behandelte ihn beinahe wie einen Sohn, auch wenn nach den Regeln der Uchiha alle Erwachsenen einer Gemeinschaft als Erzieher der Kinder dienen sollten. Natürlich widmeten die meisten Erwachsenen ihren eigenen Kindern immer noch am meisten Beachtung trotz dieser Tradition der „Großen Gemeinschaft“, die beschreibt wie mehrere Uchiha eine große Familie unter Führung eines Sifus gründen und durch die Welt ziehen auf der Suche nach einer Vergebung, die es nie geben wird.
    „Nicht wahr, Yasuki?“, sagte Izunami plötzlich nach rechts blickend. Yasuki reagierte müde mit den Worten: „Natürlich, Sifu Izunami.“
    Er bemerkte die Blicke von Shizue rechts von sich, er schaute zu ihr, unterdrückend rot zu werden als sein Gefühl sich bestätigte, dass sie ihn musterte. Sie hatte sich verändert, er konnte sich noch an die Jahre erinnern als sie mit den anderen Jungen im Dreck gespielt hatte – zumindest hatte es so gewirkt als er über den Rand des Buches gesehen hatte, dass er gelesen hatte. Ihre runden Gesichtszüge wurden durch relativ große grasgrüne Augen betont in denen man sich leicht verlieren konnte wie er bemerkt hatte. Aber ihre Züge waren ernsthafter geworden, bedeutsamer oder vielleicht hatte er einfach nur noch nicht die richtigen Worte gefunden, um zu beschreiben, was aus ihr geworden war. Die langen schwarzen Haare, die sie immer gut gepflegt hielt (worüber sie sich bei ihm zwar ständig beschwerte, trotz das sie mit der Gewohnheit fortfuhr, verstehe einer diese Sache) taten ihr Übriges und die anderen Jungen in der Gemeinschaft buhlten um ihre Gunst wie hungrige Wölfe.
    Aber wenigstens war er nicht der einzige mit dieser Reaktion und er war glücklicherweise auch keiner derjenigen, welche wie Kakita manchmal mit offenem Mund stumm vor ihr standen, wenn sie jene mit ihrer Anwesenheit überraschte. Er wollte sicherlich nicht Geschichten hören wie er sich wie ein Idiot in seiner Jugend aufgeführt hatte. In letzter Zeit folgte sie ihm aber auf Schritt und Tritt, ihn oft in Gespräche verwickelnd, wenn er eigentlich besseres zu tun hatte und ihn unnötig lautstark verteidigte, wenn besagter Kakita z.B. seine Anfälle der Eifersucht versuchte an ihm auszulassen wegen ihrer Aufmerksamkeit. Sie brachte nur Probleme, dachte Yasuki bitter.
    „Was ist, Yasuki-kun?“, fragte sie sanft, Besorgnis in ihren Augen.
    „Nichts.“, antwortete er kopfschüttelnd und widmete sich wieder der Versammlung. Natürlich hatte er gelogen, etwas war los mit ihm, er wusste nur nicht was. Vielleicht sollte er mit Izunami bei Gelegenheit darüber reden. Er würde keinen Sifu machen, wenn er noch deprimierter gestimmt war als jene, welche seinen depressiven Botschaften zuhören würden. Schon seit Tagen fühlte er sich als sollte er etwas tun, aber er wusste nicht, was.
    „Wir brauchen neue Vorräte.“, sagte Akodo, der eben jene verwaltete. Er hatte ein grobes Gesicht und unscheinbare Augen, ängstlich, zögerlich und zweifelnd. Er kam nie weiter als die bloßen Fakten zu sagen. Er hat kein Selbstvertrauen, dachte Yasuki, jemand anderes sollte seinen Teil der Verantwortung übernehmen. Aber er war vor sechs Jahren gewählt wurden als Yasuki gerade erst zehn Jahre alt gewesen war und damit keine Stimme in der Gemeinschaft hatte und man wurde für solche Dinge wie das Amt der Sifu auf Lebenszeit gewählt. Nur die Götter selbst würden bestimmen können, wann Akodo von seiner Verantwortung erlöst werden würde. Überhaupt war es ihm ein Rätsel, warum gerade ihm die Position gegeben wurde.
    Die Männer und Frauen, die um das große Lagerfeuer in deren Mitte saßen, schauten sich besorgt um. Sie wussten, dass Akodo dies nicht nur zur Sprache gebracht hatte, weil sie neue Vorräte brauchten.
    „Das letzte Dorf hat uns für Spione des Donnerreichs gehalten. Wird das wieder passieren, Izunami-sama?“, fragte Tsuneyo, der in den hinteren Reihen der Versammlung stand, seine Stimme kräftig mit dem Unterton der Wut, nicht weit davon entfernt verzweifelt zu klingen. Er war zwei Jahre älter als Yasuki und lange Zeit hatte Yasuki ihn für den Nachfolger Izunamis gehalten, aber seltsamerweise wurde er nie erwähnt, wenn es um das Amt des Sifu ging.
    „Es ist wahrscheinlich.“, sagte Izunami traurig, „Der Angriff auf Kuni hat das Misstrauen gegenüber den Kekei Genkai wieder geweckt.“
    „Die Leute fürchten eine Invasion dieses Tyrannen.“, sagte Shizue, die neben ihm saß laut.
    „Was weißt du schon?! Du warst damals nicht dabei gewesen! Er behandelt die Kekei Genkai immer noch besser als es das Feuerreich tut!“, sagte Kida, direkt am Feuer stehend, wütend, Bestimmtheit in seiner rauen Stimme. ‚Damals‘ war ein Vorfall als bei der Machtergreifung des Weisen im Donnerreich das Misstrauen zu purer Xenophobie angestiegen war und tatsächlich Soldaten vom Feuerlord persönlich mit der Mission ausgeschickt wurden, Leute mit dem Kekei Genkai zu ‚reinigen‘ wie sie es nannten. Bei den Göttern zehn Jahre waren nur vergangen seit dieser Zeit und jetzt sollte das Ganze wieder passieren? Zustimmendes Gemurmel war zu hören als Kida sie an die Schrecken der Vergangenheit erinnerte und Kakita trat in die Mitte, seine schneidige Miene, die Yasuki öfter grinsen gesehen hatte als es für die düsteren Uchiha üblich war, nun verborgen im Spiel der Flammen, aber er konnte sich nicht des Gefühls erwehren, dass er ihn direkt anstarrte, herausfordernd und seine Stimme war auch ungewohnt ernst als er sagte: „Wir sollten nach Norden gehen, uns in die Obhut des Weisen übergeben. Keine Wanderungen, kein Betteln mehr, wir können wie normale Menschen leben!“
    Das Feuer knisterte und die Flammen tanzten aufgeregt. Kikita hatte ausgesprochen, was viele der Anwesenden nicht gewagt hatten zu sagen. Yasuki schaute zu Izunami und sah die Zweifel in seinem Gesicht. Zum Glück saß der Rest weit genug weg, um seine suchenden Augen nicht zu sehen. Er suchte nach einer Antwort, nach Hilfe, nach – Erlösung.
    „Viele denken dies, ich weiß.“, sagte da plötzlich Tsuko, der links neben Izunami saß, auch wenn er der eigentliche ‚Anführer‘ der Gemeinschaft sein sollte, so war es ihm nur in Notfällen gestattet tatsächliche Entscheidungen zu treffen. War dies ein Notfall? Yasuki schaute wieder zu Izunami, doch der nickte Tsuko nur zu, welcher aus dem Schneidersitz ruhig aufstand und seine kräftige Gestalt rief jedem ins Gewissen, was der ‚Anführer‘ einer Gemeinschaft eigentlich die meiste Zeit war – ein Krieger, ein Mörder. Und auch wenn er nur auf Geheiß des Sifus handeln konnte, so bedeutete seine Beteiligung selten, dass die Sache ohne Tote ausgehen würde. Furchtvolles Gemurmel folgte seinen einfachen Worten und Tsuko ließ sein Eingreifen wirken als wäre damit schon mehr als genug gesagt wurden. „Aber wir werden uns niemanden unterwerfen, wir sind Uchiha. Die restlichen Kekei Genkai mögen glauben, dass sie etwas besseres verdient haben, aber wir wissen es, wir wissen es besser!“ Bei diesen Worten schaute er sich in der Runde um, schamvolle Blicke, wütende Blicke, stummes Nicken, sein Blick blieb bei mir stehen, ich erwiderte seinen Blick und für einen Moment schien etwas wie Verwunderung über sein Gesicht zu huschen, aber sein Blick wanderte zu Izunami, der aufstand und etwas sagen wollte als Kakita sich vor Tsuko stellte, seine Gesichtszüge und für einen Moment hielt jeder in der Runde den Atem an, in der Furcht, dass Kakita Tsuko angreifen würde, aber sie starrten sich nur an.
    „Aber was tun wir, wenn uns die nächste Stadt auch abweist, Tsuko-san?“, fragte Tsuneyo vorsichtig. „Hast du einen Vorschlag zu machen, Tsuneyo-kun?“, fragte Izunami lächelnd. Tsuneyo trat nun auch in die Mitte, betont Abstand zu Kakita haltend.
    „Eine Gruppe von uns dringt nachts in Kyuden heimlich ein und stiehlt die nötigen Vorräte.“, erklärte Tsuneyo ruhig.
    Das Knistern des Feuers war zu hören, Stille senkte sich über die Sammlung, viele waren zu schockiert, um zu antworten, es war nicht nur unmoralisch zu stehlen und es war dazu auch noch sehr gefährlich.
    „Du musst gestehen, Tsuneyo-kun,“, sagte Izunami nach einer Weile, „dass niemand freiwillig dies ma…“
    „Ich werde gehen.“, sagte Yasuki laut, aufstehend. Die Versammelten musterten ihn entgeistert, nicht zuletzt Izunami, aber auch Shizue schien von der Idee nicht besonders angetan zu sein. Er würde wahrscheinlich wieder eine endlose Tirade von Beschwerden sich später anhören müssen. „Ich halte es für eine gute Idee.“, setzte Yasuki laut im Weiteren, „Wir werden weder aus Protest gegen das Misstrauen von Kyuden verhungern noch werden wir ins Donnerreich fliehen, weil wir sonst nichts tun können.“ Yasuki schaute sich in der Runde um und wartete bis die Worte klargeworden waren. „Wir sind Uchiha. Wir haben keine Feinde“, er schaute zu Kakita bei den nächsten Worten, „und wir haben keine Verbündete. Wir sind wer wir sind und Überleben ist immer noch unsere einzige Maxime!“
    Izunami musterte überrascht: „Ich dachte, ich wäre der Sifu hier?“ Ein paar in der Versammlung lachten und Izunami setzte fort: „Gut, dann ist es entschieden. Yasuki und Tsuneyo-kun werden…“
    „Ich gehe auch.“, sagte Kakita, kaum seine Wut versteckend, „Ich halte an meiner Überzeugung fest, aber wenn wir das machen wollen, dann will ich dabei helfen.“
    „Ich gehe auch.“, sagte Shizue knapp und Yasuki musterte sie nur verwundert.
    „Oh Gott, haben dieser Tage nur die Jüngsten unter uns genug Mumm für riskante Aktionen?“, sagte Tsuko aufstehend, „Gut, ich werde auch dabei sein, aufpassen, dass die Kinder nicht zu viele Dummheiten anstellen da draußen.“ Kakita spuckte abschätzig ins Feuer. Tsuneyo nahm es teilnahmslos hin wie auch Shizue. „Gut, das sollte reichen.“, erklärte Yasuki und schaute zu Izunami, der ihn ernst musterte: „Ihr müsst Erfolg haben, Yasuki, ihr müsst! Viel Glück und mögen die Götter mit euch sein.“
    Yasuki nickte, fürchtend, dass seine Stimme verraten könnte, für was eine schlechte Idee er die Unternehmung hielt.


    Auf einmal war an der Tür ein Rütteln zu hören. Jemand wollte herein.“Die Tür wird nicht lange halten.“, flüsterte Tsuko. Yasuki schaute wieder zur Tür und dann in die zwielichtige Halle. Es gab hinter ein paar Haufen Möglichkeiten sich zu verstecken, aber nicht für lang. Und sie würden nicht schnell genug sein mit Kakita als Bürde. Sollte er ihn zurücklassen? Yasuki schaute Kakita und dachte an all die Streiche und Beleidigungen aus der Kindheit zurück. Verdammt, was hatte das damit zu tun? Er würde bald Sifu sein! Was interessierten ihn schon ein paar Streiche aus der Kindheit, er musste gerecht und neutral bleiben als Sifu. Aber die Frage blieb, was sie jetzt tun sollten. Gerade als er dies dachte, brach eine der Wachen die Tür auf und stolperte in die Halle, sofort Tsuko sehend, der mit erhobenem Schwert bereit war, der Wache zu begegnen als hinter ihm fünf andere Wachen die Lagerhalle betraten und draußen jemand brüllte, dass sie die Uchiha-Gauner gefunden hatten.
    Yasuki schloss die Augen. War das etwas das Ende? Würde er hier sterben?


    Kapitel 02 – Remata


    Remata hatte gerade wie üblich auf dem Marktplatz der Stadt Heibeisu als Redner den Weisen und seine Erfolge gepriesen als ein Bote ihm eine Nachricht brachte – mitten in einer Rede. Aufdringlich wie er war, hatte er die Rede unterbrechen müssen. Aber er hatte es bereitwillig getan, es war kein sehr angenehmer Beruf, es war eine Mischung aus Schauspielerei und Dichten, musste er sich eingestehen und das Dekret des Weisen des Donnerreichs, dass auf jedem Marktplatz jeder größeren Stadt im Donnerreich jemand solche Reden zur Preisung seiner Erfolge hält, war eine Geste, die nicht nur auf dem Papier selbstverliebt und arrogant wirkte. Aber Remata wurde bezahlt, gut bezahlt und hatte damit seine Familie aus einem armen Stand zu einer recht wohlhabenden Familie führen hatte können. Sein Vater war es aber natürlich, der den ganzen Besitz verwaltete, den er finanziert hatte mit seinem Beruf. Er hatte kurze schwarze Haare und ein edel wirkendes Gesicht, dass viele als glaubwürdig und edelmütig bezeichneten, was so viel heißen sollte wie, dass er gut aussah. Und er hatte ein gewisses Talent mit Worten. Man sollte also denken, dass der Beruf wie für ihn gemacht war. Insgeheim jedoch sehnte er sich wirklich nach dem Tag, wo er aufhören könnte, seine Nächte mit dem Schreiben schmalziger Reden zu verbringen und den Tag mit dessem theatralischem Vortragen.
    Als nun die Nachricht ihm zugebracht wurde und der Bote dankbarerweise so direkt und unhöflich in der Präsentation gewesen war, dass er seine Rede hatte unterbrechen müssen, hatte er beim Lesen der Nachricht schnell den Grund für dieses Verhalten festgestellt. Der Weise höchstpersönlich wollte ihn sehen! Er musterte seine Kleidung staubig und an den Enden zerfranst. Sollte er sich so Dem Weisen präsentieren? Aber die Nachricht sagte sofort und…
    Der Bote musterte ihn. Remata hob verwundert eine Augenbraue als er den Blick bemerkte. Er hatte noch nie jemanden ihn so anstarren sehen. „Sie sollen sofort zu Ihm kommen.“, sagte der Bote nur. Sofort also, dachte Remata seufzend und deutete ihm an, dass er ihm folgen würde.


    Remata folgte ihm zu der Palastanlage außerhalb von Heibeisu, die mittlerweile wie eine kleine Stadt in ihren Ausmaßen wirkte. Ein pompöser Palast aus Stein und Gold, genauso eine Festung wie eine Glorifizierung des Weisen. Arbeiter der Familie Syuujin mit dem Kekei Genkai der Steinformung halfen bei den Arbeiten, aber der Großteil waren normale Bürger, die hier arbeiteten, hunderte, wohl eher tausende als der Bote ihn durch das Eingangstor vorbei an finster dreinblickenden Wachen und den erwähnten scheinbar endlosen Anzahl von Arbeitern führte, die auf dem riesigen Platz Bäume pflanzten, Skulpturen hauten und aufbauten, die Mauer Stück für Stück erhöhten, die Dächer der Palasthallen verkleideten. Es würde ein atemberaubendes Kunstwerk werden, wenn es fertig war, dachte Remata und führte sie ins Innere des Gebäudes, der Fußboden aus schwarzem Marmor, Säulen, scheinbar aus purem Gold und auch der Rest war eine elegante Kombination aus dieser Mischung von schwarzem Marmor und Gold. Aber hier drin waren auch nur Arbeiter. „Ähm, wo genau ist zurzeit Der Weise?“, fragte Remata den Boten, welcher nur sagte: „Folgen sie mir einfach, Remata-san.“ Und Remata bemerkte, dass er nie nach dem Namen des Boten verlangt hatte. Aber das war auch nicht weiter wichtig, dachte er. Er würde ihn wahrscheinlich nie wieder sehen, nachdem er ihn zu Dem Weisen gebracht hatte.
    Sie betraten einen Innenhof, der von einem Garten dominiert wurde, kleine Inseln aus verschiedenen exotischen Blumen und einige kleine Teiche mit Fischen darin in einem Meer aus blendend weißen apfelgroßen Steinen, dazwischen waren zufällig geformte schwarzen Schieferplatten angelegt, die hintereinander angeordnet Pfade auf den weißen Steinen bildeten, von einer Garteninsel zur nächsten führend und manchmal nicht zur nächstliegenden Garteninsel, was das Ganze wie ein Labyrinth wirken ließ, solange man den schwarzen Steinen folgte. Ein junger Mann mit kurzen schwarzen Haaren stand an einem Teich, die Fische beobachtend. Er stand auf den weißen Steinen, die schwarzen Platten offensichtlich ignorierend wie an den Fußspuren in dem Meer aus weißen Steinen zu erkennen war. Der Bote führte ihn aber über die schwarzen Steinplatten zu der Person und seine Einschätzung der Anordnung als Labyrinth war korrekt gewesen als sie ganze drei Minuten gebrauch hatten, um zwanzig Meter Luftlinie zu überwinden.
    Der Bote blieb auf der letzten schwarzen Platte vor dem Teich stehen und verbeugte sich tief vor dem jungen Mann: „Hitsugi Remata.“
    War das etwa Der Weise? Remata musterte den jungen Mann vor sich, sanfte Gesichtszüge, so unschuldig wirkend, dass sie an ein Kind zu erinnern schienen. Dann waren die Legenden also wahr, dass er mit zwölf die Herrschaft angetreten hat?!
    „Gut gemacht, Botenjunge, du kannst dich entfernen.“, sagte Der Weise sanft. Remata schluckte. Wie sollte er sich verhalten? Was war der korrekte Titel für jemanden wie ihn? Er hatte den Donnerlord vor sechs Jahren entthront und ihn und alle seine Berater und Vertraute hinrichten lassen, sie als Lügner und Schwächlinge beschimpft und ein neues Zeitalter für die Kekei Genkai der Welt verkündet, sie stellten die Zukunft dar, hatte er gesagt. Nun lebten bestimmt an die 60 Prozent der Kekei Genkai dieser Welt im Donnerreich und Der Weise nutzte ihre einzigartigen Kräfte zu seinen Zwecken, der Welt zeigend, dass nicht alles, was fremd ist, gefürchtet werden muss, sondern genauso genutzt werden kann wie ein Pflug beim Ackerbau. Man musste nur wissen wie. Remata lächelte innerlich, selbst hier im Angesicht des Weisen dachte er über Rhetorik nach, seine Reden mit denen er alltäglich Den Weisen pries. Aber jetzt da er vor ihm stand, wirkten seine Reden übertrieben oder besser gesagt seine natürliche Skepsis wurde bestätigt.
    „Ihr habt mich gerufen, uh…“
    „Keine Titel, Remata-kun.“, sagte Der Weise sanft lächelnd, seinen Blick zu Remata wendend und ihm dabei den finalen Beweis bietend, dass er Der Weise war. Das Rinnegan. Seine Augen waren nicht so wie die normaler Personen, seine Pupille umgaben mehrere Iris-Ringe verschiedener Farben bis zum Rand der Augen, sodass kein Weiß in seinen Augen zu finden war. Es war ein beunruhigender Anblick.
    „Ich habe dich gerufen, um einen Auftrag für mich auszuführen.“
    Einen Auftrag? „Vergebt mir, wenn ich dies erwähne, aber ich bin einer der Redner in Euren Diensten, ich preise euch jeden Tag…“
    Der Weise lachte und es war ein heller unnatürlicher Klang in Rematas Ohren. „Stellst du meine Wahl in Zweifel Remata-kun?“, fragte er amüsiert.
    „Nein, nicht das ich…“
    „Dann halte dich nicht an Details wie deinem Beruf auf, du bist mehr als das, Remata-kun.“
    Es war seltsam von jemand so jungen so herabwürdigend behandelt zu werden, aber in den Augen lag mehr als nur die Seele eines normalen Achtzehnjährigen. Diese Person hatte mit Zwölf sich ein Reich erobert und an dessen Spitze gestellt. Und was meinte er damit, dass er mehr als das sei?
    „Folg mir.“, sagte Der Weise lächelnd und verließ den Garten, dabei wieder einfach auf den weißen Steinen tretend. Remata dachte, dass es unhöflich wirken würde, wenn er es ihm gleich tun würde und rannte Ihm deshalb hinterher auf den schwarzen Steinen, schnaufend dann hinter ihm zu einem Halt gekommen als jener sich umdrehte und den Garten traurig überblickte und seinen Blick schweifen ließ bis er auf Remata ruhte und wie als würde jemand erst mit der Morgendämmerung sich erinnern, dass es noch eine Sonne gab, so schien Der Weise im ersten Moment überrascht, ihn zu sehen, aber dann lächelte er wieder, über was wird wohl keiner in dieser Welt so genau wissen. „Dein Auftrag wird es sein, ins Wasserreich zu reisen.“, sagte er, auf einmal autoritärer klingend, während Remata ihm in die Palasthalle folgte, wo dutzende von Arbeiter ihren Aufgaben nachgingen.
    „Ins Wasserreich?“, fragte Remata verwirrt, aber schalt sich im nächsten Augenblick für diese Worte. „Habe ich mich so unklar ausgedrückt?“, fragte Der Weise plötzlich wütend, sich abrupt umdrehend und Remata strafend musternd. „Verzeihung, eure… Hoheit, aber ich verstehe nicht den Sinn einer Reise dorthin, wäre nicht eine Reise…“ Gute Idee, Gegenvorschläge machen. Verdammt, er sollte nicht so schnell reden und sich mehr Zeit nehmen seine Worte besser zu wählen.
    „Wo würdest du denn hinreisen wollen, Remata-kun?“, fragte Der Weise, plötzlich ruhig und interessiert auf eine Weise wie eine Mutter dem naiven Geplapper eines Kindes zuhören würde.
    „I-Ins Feuerreich.“, sagte Remata knapp und Der Weise fragte nur tonlos: „Warum?“
    „Mit dem Angriff auf Kuni, dachte ich, dass…“
    Der Weise lachte bei diesen Worten. „Kuni war der Anfang, mein Freund. Aber das Problem ist gelöst, keine Sorge. Ich habe schon einen anderen Boten geschickt, der ihnen erklärt, was wirklich geschehen ist: Eine Gruppe radikaler Häretiker, die mein Wort fehlinterpretiert haben, sind ungestüm in ihren Bestrebungen geworden.“
    „Und ist dies wirklich passiert?“, fragte Remata vorsichtig. Häretiker? Er hatte noch nie von Häretikern im neuen Donnerreich gehört.
    „Natürlich nicht!“, erwiderte Der Weise ungläubig, empört, dass die Frage überhaupt gestellt werden musste, „Diplomatie, Remata-kun, ist die Kunst des eleganten Lügens. Vergiss das nie.“
    „Also haben wir Kuni angegriffen?“
    „Und sind dabei gescheitert, ja. Aber wir mussten, du hast sicherlich noch nicht davon gehört, dass der Kage des Feuerreichs etwas ähnliches mit seinen Shinobi vorhatte. Ich bin ihm bloß zuvorgekommen, dasselbe bei einer unserer Städte auszuprobieren.“
    „Aber woher wusstet ihr dann, dass er…“
    „Vergisst eines nicht, Remata-kun und dies wird deine zweite Lektion für heute: Wissen ist eine Waffe und je nachdem, wer sie trägt und wie jener sie anwendet, kann diese Waffe alles tun, wozu die Hände fähig sind, die sie tragen. Wissen ist gefährlich, Remata-kun, glaube nicht, dass du dir mit deiner Neugier einen Gefallen tust.“
    „Aber was soll ich dann im Wasser-Reich?“, fragte Remata verwirrt.
    „Du wirst mein Botschafter sein und mit ihnen eine Allianz aushandeln für den kommenden Krieg mit dem Feuerreich.“
    „Ich soll ein… Botschafter sein?!“, fragte Remata empört, immer noch strauchelnd die Implikationen zu verstehen dessen, was Der Weise gerade gesagt hatte. Ein Krieg mit dem Feuerreich, aber hatten sie nicht vor sechs Jahren Frieden geschlossen? Und warum brauchte er eine Allianz mit dem Wasserreich? Der Grund, warum der Frieden zustande gekommen war, war doch der Fakt gewesen, dass das Donnerreich unter Dem Weisen mindestens genauso stark wie das Feuerreich war. Hatte sich die Balance geändert?
    „Mein Rinnegan lässt mich viel sehen, die Seelen, die vielen Reinkarnationen, die sie erlebt haben, all das sehe ich. Vor zweihundert Jahren warst du schon einmal ein Botschafter für einen Samurai gewesen.“ Der Blick der Rinnegan-Augen war beunruhigend als sie Remata musterten und scheinbar wörtlich bis zum tiefsten Grund seiner Seele blickten.
    „Dann hättet ihr mich scheinbar vor zweihundert Jahren fragen sollen.“, murmelte Remata und machte einen Schritt zurück, Abstand nehmend von den unnatürlichen Augen.
    „Bitte, Remata-kun.“, sagte der Weise sanft, ihm eine Hand hinhaltend als müsste er Remata aus einem Sturm ziehen. „Nein, ich kann das nicht! Es muss jemand besseren geben, der…“
    „Remata-kun!“, schrie Der Weise zornig, seine Geduld schien zu Ende zu sein. Und Remata war entsetzt als er merkte, dass er abwehrend die Hände erhoben hatte. Er hatte Angst, die Wut in der Stimme war so unnatürlich wie das Rinnegan gewesen und als er sich hilfesuchend zu den Arbeitern umblickte, wusste er, warum seine Stimme so unnatürlich geklungen hatte, die paar dutzend Arbeiter im Palastsaal starrten ihn alle mit derselben wütenden Mimik wie der Weise an, alle das Rinnegan in ihren Augen zeigend. Waren sie alle…? Jetzt wurde ihm klar wie der Weise alleine angeblich es mit einer Armee hatte aufnehmen konnte. Er war kein Mensch, nicht einmal Kekei Genkai war ein passender Begriff für das, was er mit dieser Geste enthüllt hatte.
    „In meiner Palaststadt sind gerade zweitausend Personen, Remata-kun, fünfhundert davon sind vom Syuujin-Clan, der Rest…“ Er ließ die Worte in der Luft hängen, aber Remata verstand ‚Der Rest bin ich‘. Wer war Der Weise? Hat es je den Jungen mit dem Rinnegan gegeben, der das Donnerreich erobert hatte oder war jener auch nur eine Marionette gewesen?
    „W-Wie ist das möglich?“, fragte Remata entgeistert. Der Weise seufzte nur und die Arbeiter im Raum wendeten sich wieder ihrer Arbeit zu, scherzten sogar miteinander wie als wären sie normale Personen bei der Arbeit. „Ich sehe den Anfang und das Ende, Remata-kun, ich sehe die Seelen, die aus dem Einen entstanden und am Ende wieder zu dem Einen werden. Alles war eins zu Beginn und wird wieder eins am Ende. Aber das Ende ist noch fern und der Anfang längst vergessen. Aber ich kenne die Wahrheit, ich sehe die Wahrheit – und ich war unzufrieden.“
    „Unzufrieden?“
    „Es war ein Zyklus, ein endloser sich immer wiederholender Zyklus, dutzende Welten waren vor uns erschienen und vergangen, wir sind nur eine von vielen Existenzen, aber dieses Mal würde es anders sein, dieses Mal“, Der Weise zeigte auf seine Augen, „dieses Mal ist das Rinnegan aufgetaucht, was nie zuvor aufgetaucht war. Ich sah die Welt und was ich als erstes sah, war nicht der endlose Zyklus aus Vergänglichkeit und Wiedergeburt, was ich sah, Remata-kun – war Potential! Ungenutzt brach liegend und auf sündhafte Weise ignoriert von den Kräften dieses Universums.“
    Potential? Glaubte er, in das Werk der Götter eingreifen zu können – oder hatte er dies bereits getan? Und wie auf Antwort dieser Frage sagte der Weise: „Mein erster Versuch waren die Jutsu, nutzlose Rituale, die nur von alten geheimnistuerischen Priestern angewendet wurden bisher. Ich habe sie – verbessert! Nun sind es nur ein paar Mudras, die es braucht, um Wunder zu vollbringen.“
    Er hat sie also nicht erfunden, er hat etwas erschaffen, was nicht hätte sein sollen. Welche Konsequenzen würde dies haben? Hatte er darüber nicht nachgedacht?
    „Und ich habe noch mehr vor, wesentlich mehr. Aber Leute wie der Kage des Feurreichs klammern sich an Traditionen als würden sie dadurch der Vergänglichkeit entgehen können, aber am Ende fördern sie sie nur damit, weil Vergänglichkeit Teil der Tradition ist. Die Welt wird sich verändern, Remata-kun und ich werde der Herr ihrer Veränderung sein!“
    Remata wusste nicht, was er sagen sollte. Was konnte er schon sagen? Vor ihm stand jemand, der scheinbar gott-ähnliche Fähigkeiten hatte, der nicht eine Person war, sondern eine ganze Legion an Personen darstellte und dann wiederum keine von ihnen zu sein schien, der Dinge in die Existenz wünschen konnte, die vorher nicht existiert haben, der in die Seelen von Menschen blicken konnte und mit einem bloßen Lidschlag deren dunkelste Tiefen erforschen konnte – wozu brauchte eine solche Person jemanden wie ihn?
    „Warum erzählt ihr mir das alles?“, flüsterte Remata.
    „Weil du verstehen musst, um was es hier geht, Remata-kun. Und dass du verstehst in welcher Position sich das Donnerreich in der Welt mit mir an dessen Spitze befindet.“
    „Aber das Wasserreich ist schwach! Ein zerrissener Staat mit einer Regierung, die nur im Namen über deren Reich herrscht!“
    „Willst du meinen Befehl wieder in Frage stellen, Remata-kun?“, fragte der Weise bedrohlich.
    „Nein, nein, aber warum, ich versteh den Sinn nicht!“
    Der Weise lächelte nur und sagte rätselhaft: „Du wirst jenen noch früh genug erkennen.“
    Und mit diesen Worten wurde er entlassen, Hitsugi Remata, nun Botschafter des Donnerreichs und Vertrauter des Weisen. Und was ihn am meisten beschäftigte war nicht seine Mission, sondern die Frage, ob Der Weise ein Fluch oder ein Segen für diese Welt war.


    Es hatte sich herausgestellt, dass Botschafter des mächtigsten Reiches der Welt nichts damit zu tun hatte wie prunkvoll man als Botschafter in anderen Reihen einmarschierte. Alles was Remata für seine Mission bekommen hatte, war ein Pferd und einen angeblich kampferprobten Begleiterin, ebenfalls mit Pferd und genügend Proviant für die ersten Tage der Reise und andere nützliche Ausrüstung, deren Nützlichkeit Remata nicht bekannt gewesen war bis er gezwungen gewesen war, in der Wildnis zu übernachten. Seine Begleiterin war hilfreich gewesen, nicht aber ohne den einen oder anderen Kommentar über die Fragwürdigkeit seiner Kompetenz für diese Mission fallenzulassen. Seine Begleiterin war vom Hyuuga-Clan, einem der wenigen wohlhabenden Kekei-Genkai-Clans, welche die Machtergreifung des Weisen genutzt hatten, ihre Besitztümer vom Feuerreich ins Donnerreich zu verlegen. Das Kekei Genkai des Hyuuga-Clans zeigte sich genauso wie das Rinnegan in den Augen, die komplett weiß waren, aber trotzdem nicht den Träger erblinden ließen dadurch. Ihre Augen funktionierten einfach ‚anders‘, um es simpel zu halten und so wie seine Begleiterin darüber sprach wäre ihr sicherlich auch keine bessere Erklärung eingefallen.
    Ihr Name war Hyuuga Dejiko und sie hatte lange braune Haare, die sie zu einem Zopf zusammengebunden hatte während der Reise. Jegliche Schönheit, die man hätte in ihr sehen könnten wurde den starren fokussierten Blick ihrer Augen zerstört und dem steifen perfektionistischen Verhalten, dass sie an den Tag legte, wenn sie glaubte, dass es um eine Frage der Ehre ging. Sie verfolgte ihr Ideal der Ehre mit einer Hingabe, die schon fast an Fanatismus grenzte, aber Remata konnte sie nur dafür bewundern in einer Welt wie diesen so fest an ihren Idealen halten zu können. Seine waren vor langer Zeit auf dem Grund des Meeres gelandet und als vergessen abgestempelt wurden, nicht zuletzt durch die Erkenntnis, dass der große Erretter ihrer Zeit sich als größenwahnsinniges Monstrum entpuppt hatte.
    „Hast du über meinen Vorschlag nachgedacht, deinen Haaren ein wenig mehr Geltung zu verschaffen, Dejiko-chan?“, fragte Remata charmant lächelnd, während er neben Dejiko auf der Straße ritt, die zur Küste führen würde, wo sie dann die Hauptstadt des Wasserreichs Kuda Mura finden würden.
    „Es würde mich im Kampf behindern, Remata-san.“
    „Aber du kämpfst doch nicht 24 Stunden am Tag, irgendwann musst du auch Frau sein und ich finde, es ist eine Verschwendung einer solchen Schönheit, sich jeden Tag des Jahres derartigen Regeln zu unterwerfen.“
    „Ich bin zuerst eine Kriegerin und dann eine Frau.“, sagte Dejiko stolz mit einem Hauch Wut im Unterton. Innerlich musste Remata immer lachen, wenn diese steifen Antworten von ihr kamen. Sie lebte wirklich in ihrer ganz eigenen Welt.
    Auf einmal wurde Remata von etwas am Horizont abgelenkt. Auf ihrer Straße kam ihnen eine ganze Karawane verschiedenster Leute entgegen, alle recht missmutig wirkend als hätte sie jemand gezwungen ihr gesamtes Vermögen auf eine schlechte Mahjong-Hand zu setzen.
    Remarta ritt zu dem ersten an der Spitze der Kolonne, ein finster dreinblickender Heishi wie es schien, der Kleidung und dem Speer in seiner Hand nach zu urteilen.
    „Seid gegrüßt, Heishi-san!“, erklärte Remarta und sah am Rande seines Sichtfelds wie Dejiko neben ihm ihr Pferd platzierte, ihre linke Hand demonstrativ auf dem Katana, das in der Scheide an ihrem Gürtel hing. Der Heishi schaute finster zu Dejiko und dann wieder zu Remarta. „Woher seid ihr gekommen und wohin wollt ihr?“
    „Was geht euch das an?“, knurrte der Heishi verhalten, der zur Seite getreten war und den Rest der Kolonne vorbeiziehen ließ, keiner davon schien besonders glücklich oder amüsiert über die Reise zu sein. Er musterte die beiden abschätzig und Remarta konnte es ihm nicht verdenken, seine und Dejikos Kleidung waren einfach und nicht deren Stand entsprechend gehalten worden der Reise wegen. Niemand würde ahnen, welche wichtige Position sie innehatten und welch wichtige Mission sie verfolgten. Der Schutz der Anonymität war wichtiger als die Vorteile ihres Standes, in dem Punkt hatte Remarta Dejiko Recht geben müssen, welche erst die Sache erwähnt hatte. Aber Remarta nahm im Übrigen auch an, dass Dejiko eh nie anders gekleidet hatte als auf diese ‚bäuerliche‘ Art und Weise.
    Remarta lächelte verständnisvoll als er erwiderte: „Nun, so wie ihr ausseht seid ihr gerade einem schlimmen Sturm entflohen und ich würde ungern jenem entgegen reiten.“
    Der Heishi lachte finster und sagte: „Da habt ihr wohl Recht und wenn ihr nicht in diesen… ‚Sturm‘ reiten wollt, dann schließt euch lieber uns an. In Kuda Mura werdet ihr höchstens den Tod finden.“
    „Den Tod?“, fragte Remarta verwirrt und blickte dabei zu Dejiko, die genauso beunruhigt wie er war durch die Nachricht.
    „Die Bestie natürlich…“, begann der Heishi als er Remartas und Dejikos Reaktion sah, „Was? Ihr wisst nicht, was in Kuda Mura los ist? Sei zwei Monaten wütet die schlimmste Brut von Kreatur in der Stadt.“
    „Von was für einer Art von Kreatur reden wir denn, Heishi-san?“, fragte Remarta finster.
    „Erst wanderte das Vieh nur durch die Straßen wie ein Geist, dann tötete es den Botschafter vom Feuerreich, danach wahllos…“ Seine Stimme verlor sich kurz, scheinbar hatte die Kreatur jemanden, der ihm sehr nahe stand getötet. „… und es werden mit jeder Nacht mehr.“ Er schaute Remarta direkt an und sagte ernst: „Ihr solltet umkehren.“
    „Welche Art von Kreatur, Heishi-san?“, sagte Dejiko fordernd.
    „Ich habe noch nie zuvor eine solche Bestie gesehen.“, er schüttelte ungläubig seinen Kopf, „Ein Fuchs, es ist ein neunschwänziger Fuchs.“


    Kapitel 03 – Hisashi


    Hisashi saß gelangweilt an dem langen hölzernen Tisch an dessen Spitze auf einem goldenen Thron erhöht der Feuerlord saß, prachtvoll gekleidet und das längliche Gesicht neutral und würdevoll haltend als er den Meinungen seiner Berater lauschte. Hisashi war in seiner Funktion als Kage hier, als Spionagemeister, Anführer der Shinobi, er war zuständig für die Dinge von denen keiner was wissen wollte, die Gräueltaten im Schatten, die nötig waren, damit der Alltag seinen geregelten Gang gehen konnte. Aber der Vortrag von Senju Ijasu hatte nichts mit seiner Aufgabe zu tun, der Daimyo der mächtigsten Familie im Feuerreich berichtete von den wiederholten Übergriffen der Kekei Genkai im Land. Die restlichen drei Eunuchen, welche die persönlichen Berater des Feuerlords hörten mit Entsetzen den Berichten von Ijiasu zu. Verdammte Narren! Sie hatten keine Ahnung, was da draußen abging, sie wissen nicht, welche Folgen deren misstrauische Maßnahmen gegen Kekei Genkai hatte, für sie waren die Kekei Genkai nur weitere ignorante Spielfiguren, die aus irgendeinem ihnen unerfindlichen Grund nicht an deren Spiel teilnehmen wollten. Und Ijasu wollte natürlich den Kekei Genkai Zugeständnisse machen, besonders da sein Clan insgeheim begonnen hatte, Kekei Genkai in dessen Blutlinie aufzunehmen. Das Donnerreich hatte vor sechs Jahren gezeigt, dass man mit diesen Mutanten mehr machen konnte als sie zu fürchten. Und es hat das Feuerreich sechs weitere Jahre gebraucht, um dies auch zu erkennen und nun waren sie nur noch mehr geängstigt als ihnen klar wurde, dass die Kekei Genkai eine lauernde Gefahr waren. Die Sympathisanten für den Weisen wurden mit jeden Tag mehr unter ihnen.
    Ijasu, dessen Erscheinung wie zum Zwecke der Autorität geboren wurden war, endete seinen Bericht und schaute zu Hisashi, den alten Hisashi, der seine Tage als Shinobie längst hinter sich hatte und mit müden Augen frustriert die Ränkespiele der Politik beobachtete. „Irgendetwas, was sie noch hinzufügen können, Kage-sama?“ Er hasste Hisashi und er machte keinen Hehl daraus. „Wir stecken tief in der Scheiße, um den Bericht zusammenzufassen.“, antwortete Hisashi grinsend, genau wissend wie sehr Ijasu seinen vulgären Ausdruck hasste. Die Eunuchen und der Feuerlord rümpften die Nase bei der Bemerkung, aber Hisashi wusste, dass die wahre Macht in dieser Versammlung bei Ijasu lag und der Rest außer ihm nur die Rolle von braven Schoßhunden spielte.
    „Was sagen eure Shinobi, Kage-sama?“, sagte einer der Eunuchen, der in dem Versuch höflich und edel zu klingen, an die Stimme von jemand erinnerte, der seine Nase beim Reden zuhielt. Oder vielleicht waren es auch nur seine mangelnden Eier, die ihn so klingen ließen.
    „Ijasu hat Recht, die Kekei Genkai sind ein Pulverfass, auf dem wir zu allem Übel auch noch sitzen.“, sagte Hisashi ernst, „Wenn ihr mich fragt, sollten wir einfach denjenigen aufhalten, der die Lunte anzünden will.“
    Ijasu verdrehte die Augen und sagte enttäuscht: „Schon wieder diese Kriegs-Fantasien, Hisahi-san?“
    „Kuni war ein Angriff des Donnerreichs!“
    „Ein sehr schlecht geplanter Angriff wohlgemerkt. Das gibt uns die Aussicht auf einen erfolgreichen Krieg, nicht wahr?“, fügte Ijasu amüsiert hinzu. Einer der Eunuchen lachte schrill, aber stoppte als er Hisashis finsteren Blick sah: „Wir wissen nicht, warum sie es getan haben, Ijasu-san, aber sie haben es getan. Und ihre Absichten sind nicht friedlich, egal wie strategisch sinnvoll der Angriff war.“
    Ijasu hielt den Blick von Hisashi eine Weile als er nach einer Weile sagte: „Warum fragen wir sie nicht selbst?“
    „Wie bitte?“, fragte Hisashi verwundert.
    „Hat euch der Bote nicht davon unterrichtet, dass ein Botschafter des Donnerreichs heute eingetroffen ist?“, fragte der Feuerlord höflich. Hisashi schaute wütend zu Ijasu, der unschuldig seine Hände musterte. Verdammte Ratte.
    „Wir sollten ihn nicht länger warten lassen.“, erklärte der Feuerlord und wies die Wachen am Tor im Saal den Botschafter hereinzulassen. Eine schmächtig wirkender junger Mann trat vor die Versammlung und es überraschte Hisashi wie selbstbewusst und klar die Stimme des Botschafters war: „Ich bringe Grüße vom Weisen, dem Herren des Donnerreichs. Er ist erfreut immer noch eure Freundschaft und euer Wohlwollen genießen zu können und verbeugt sich vor eurer Weisheit nicht vorschnell gehandelt zu haben im Angesicht der tragischen Ereignisse.“ Der Botschafter verbeugte sich tief und Hisashi schnalzte abschätzig mit der Zunge. Dramatische Gesten würden keinen Unterschied machen.
    „Und? Wie erklärt er sich die tragischen Ereignisse von Kuni, der geehrte Weise?“, fragte Hiashi abwertend.
    Der Botschafter wandte seinen Blick zu Hisashi und antwortete ruhig: „Viel wurde von ihm gesehen und viel wird von ihm getan, aber viel sind auch jene, die nicht sehen, was er gesehen hat und tun, was er getan hat. Ein einzelner Mann kann seinen Verstand nur schwer zähmen, ein Herrscher aber kann sein Land nie zähmen, er kann es nur lenken. Doch wird es immer jene geben, die sich aufbäumen, wenn sie gelenkt werden, auch wenn dies eine unratsame Entscheidung wäre.“
    Ijasu schaute zu Hisahi, dessen herausfordernder Blick eindeutig ‚Hier hast du deine Erklärung‘ sagte. „Verräter? Er will uns glauben machen, dass es Verräter waren?“, fragte Hisashi empört.
    „Kage-sama, ihr vergesst euch!“, ermahnte der Feuerlord ihn.
    „Ich bitte um Vergebung, Feuerlord, aber warum sollte eine kleine Gruppe Verräter eine Stadt des Feuerreiches angreifen wollen?“
    „Um Missgunst zu sähen, wo Freundschaft herrschen sollte, um Leid zu bringen, wo Freude herrschen sollte, um Schlechtes zu tun, wo das Gute leiten sollte.“
    „Poetik wird dir nicht helfen, Botschafter!“
    „Kage-sama…“, warnte einer der Eunuchen und Ijasu musterte Hisahi nachdenklich.
    „Ich habe dieses Spiel satt! Worte, Worte und wieder Worte! Diese Lügen sind eine Beleidigung! Wo sind die Taten deines Herren, die euren Worten folgen?!“
    „Ich habe erklärt, dass…“
    „Wo?!“, schrie Hisashi den Botschafter an, dessen Maske zusammenbrach als er zurückschreckte von der Lautstärke von Hisashis Stimme.
    „I-Ich…“, Hisashis Augen verengten sich misstrauisch, „Ich weiß es nicht, Kage-sama.“ Die Schultern des Botschafters sackten nach unten als hätte er aufgegeben, aber Hisashi wusste, dass er keine Schuld hatte, er war ein wertloses Stück Dreck in diesem dreckigen Spiel namens Politik. Lügen. Das ist also die Botschaft, die der Weise ihnen sendet. Die Frage ist, was seine eigentliche Botschaft war. Provokation? Eine Drohung? Er versuchte sie hinzuhalten, aber für was?
    „Ihr könnt jetzt gehen, Botschafter.“, sagte der Feuerlord freundlich, während er einen strafenden Blick zu Hisashi warf. Ijasu stand abrupt auf als der Botschafter gegangen war und sagte: „Ich nehme an, das war alles für heute, wir haben sicherlich alle viel zu tun, im Lichte der neuen“, er schaute zu Hisahi, „Erkenntnisse.“ Hisashi stand geistesabwesend auf und verließ den Raum.
    Ein paar hundert Meter entfernt vom Thronraum, immer noch in Gedanken versunken, was das Ziel des Weisen sein könnte, rief Ijasu nach ihm. Überrascht drehte sich Hisashi um. War es endlich so weit, ihn heimlich umbringen zu lassen. Aber Ijasu trat an ihn ernst heran. Kein Meuchelmord also, dachte Hisashi und war sich dessen sicher, weil Ijasu sicherlich lächeln würde, wenn er versuchen würde, ihn umzubringen.
    „Hisashi-san, auf ein Wort.“, sage Ijasu ernst. Ah, die Ratte hat kalte Füße bekommen, dachte Hisashi.
    „Immer doch, Ijasu-kun. Ich gebe gerne Rat, wo Not am Mann ist.“, sagte Hisashi lächelnd, aber Ijasu knurrte nur verstimmt: „Lass die Späße, Hisahi-san, dies ist ernst.“
    „Mit dir ist es mir immer ernst, Ijasu.“
    „Was sind deine Gedanken zu den Worten des Botschafters?“
    „Oh, also willst du mich doch um Rat fra…“
    „Antworte einfach!“, fuhr ihm Ijasu ungehalten dazwischen.
    Hisashi musterte Ijasu ernst und schaute sich dann um. „Es ist niemand außer uns hier, Hisahi-san.“, merkte Ijasu an als er Hisashi prüfenden Blick bemerkt hatte, „Ich habe Wachen postieren lassen, die sicherstellen, dass wir ungestört bleiben.“
    Dann lass uns hoffen, dass keiner von ihnen ein Spion ist, dachte Hisashi, aber nickte bestätigend. „Es wird Krieg geben, ich weiß nur nicht wann und wie.“ Ijasus Miene verzog sich zu einer Grimasse, er hatte scheinbar mit einem weniger negativen Ergebnis gerechnet. „Was sagen deine Shinobi im Donnerreich?“, fragte er nach einer Weile.
    „Er hat in nahezu jedes Land Botschafter geschickt, die sicherlich alle eine Variation des Schauspiels“, Hisashi nickte in die Richtung des Thronraums, „von vorhin darstellen.“
    „Du sagtest ‚nahezu‘?“
    „Er hat keinen Botschafter ins Wasserreich geschickt, jedenfalls wissen meine Spione nicht, wer der Botschafter ist und sie kennen den Ort jedes professionellen Botschafters im Donnerreich.“
    „Es macht keinen Unterschied.“, winkte Ijasu ab.
    „Macht es das?“, fragte Hisashi skeptisch.
    „Dir ist es wahrscheinlich entgangen, weil du dich zu sehr auf das Donnerreich konzentriert hast, aber das Wasserreich ist führungslos.“
    „Was ist passiert?“, fragte Hisashi finster.
    „Eine Bestie tobt in deren Hauptstadt und dann kommt noch dazu, dass der Wasserlord noch nie viel Unterstützung von den Clans in seinem Reich erfahren hatte… Geschwächt und ohne Unterstützung ist er praktisch wertlos. Man kommt besser zu einem der Daimyo im Wasserreich zu gehen als zum Wasserlord.“
    „Was für eine Art von Bestie ist das, dass sie alleine eine große Stadt wie Kuda Mura zum Stillstand bringen kann?“
    „Eine Fuchs-Kreatur wie ich gehört habe, er hat zuerst unseren Botschafter getötet, warum auch immer und danach einfach wahllos Leute verschiedenen Standes, ein paar Botschafter der anderen Ländern sind mittlerweile auch dabei, womit auszuschließen ist, dass das Feuerreich das Ziel der Kreatur ist.“
    „Aber was ist dann das Ziel der Kreatur?“, warf Hisashi frustriert ein, ihm gefiel nicht mit welcher Leichtigkeit Ijasu die Existenz der Kreatur und deren Implikationen hinnahm.
    „Es ist eine Bestie, Hisashi-san, es tötet, es überlebt, es frisst, was verstehen wir schon davon?“
    Du hast also nicht die leiseste Ahnung, was die Kreatur will, übersetzte Hisashi die Worte von Ijasu in Gedanken.
    Hisashi verfolgte nachdenklich den Flug eines Falken am Himmel. Manche Priester behaupteten, dass sie die Zukunft daraus erkennen könnten. Er konnte es jedenfalls nicht. Er musste Ijasu Recht geben, es erschien nicht sinnvoll einen Botschafter zum Wasserlord zu schicken, aber… Hisashi hatte nicht alle Teile des Puzzles und er hatte keine Ahnung, wie das komplette Bild aussah, musste er sich eingestehen. ‚Aber‘: Das Wort hing in der Luft wie ein böses Omen und in der Beziehung lag Hisashi selten falsch.
    „Dann lass uns hoffen, dass seine Pläne nicht das Wasserreich involviert.“


    Hisashi ging mit einer Fackel in den Keller seiner Villa, sicherstellend, dass ihm niemand folgte. Als er im Kellergewölbe angekommen war rief er in die Dunkelheit: „Senke!“
    Nach einigen Sekunden schälte sich aus der Dunkelheit eine Figur so als würde sie aus jener Dunkelheit bestehen. Und bis zu einem gewissen Grad war dies wahr, denn Senkes Kekei Genkai hatten ihm mit gewissen besonderen Talenten, was Dunkelheit und Schatten anging, ausgestattet. Seine Art war selten, weil mit diesen Talenten ein gewisser Fluch einherging, der seine Gesichtszüge immer in Schatten hüllte, gleich wo er war, er könnte direkt im Sonnenlicht stehen und man würde nur in eine Maske der Dunkelheit blicken, wenn man in sein Gesicht sah. Aber Hisashi hat ihn vor der ‚Reinigung‘ gerettet, sofort sein Potential als Shinobi erkennend. Senke war kein angenehmer Zeitgenosse, so dunkel wie seine Talente war seine Arbeit – und sein Gemüt.
    „Lasst mich raten, das Donnerreich hat seinen Singvogel heute vorbeigeschickt?“, fragte Senke als er vor Hisashi trat. Er zeigte nicht viel Respekt seinem Oberhaupt gegenüber, aber Hisashi verlangte keinen, er sollte einfach seinen Zweck erfüllen, das war alles.
    „Und wie er gesungen hat, mir sind beinahe die Tränen gekommen!“, erklärte Hisashi abschätzig.
    „Ihr könnt Mitgefühl zeigen?“, fragte Senke überrascht.
    „In meinen kühnsten Träumen von Unschuld.“
    „Lange her seid ihr die hattet, nehme ich an.“, sagte Senke lachend.
    „Und es wird noch lange dauern bis ich sie wieder habe.“, Hisashi kam zum Hauptanlass des Gesprächs zurück, „Wie ist der Stand?“
    „Es gab fünf Gefechte mit den Shinobi des Donnerreichs heute. Wir haben vier davon verloren.“
    „Verdammt!“, fluchte Hisashi. Was er Ijasu nicht erzählt hatte und auch sonst niemand auße den Shinobi unter ihm wussten, war, dass der Krieg mit dem Donnerreich schon längst am Laufen war. Aber es war ein anderer Krieg, eine neue Form, ein geheimer Krieg. Im Schatten und im Zwielicht, dort wo niemand den Krieg erwarten würde. Es war ein Duell der Schläue und Hinterhältigkeit, aber es hatten sich gewisse ‚eiserne Regeln‘ in den letzten Jahren etabliert. Eine davon war, keine Nicht-Shinobi zu involvieren, eine andere zu niemanden außerhalb der Shinobi-Organisationen über den geheimen Krieg zu reden, aber der Weise hatte dieses Gesetz gebrochen und Hisashi wollte gar nicht darüber nachdenken, was es bedeutete, wenn er so offensichtlich die Regeln des Geheimen Krieges missachtete. Dazu kam noch, dass diese neuen Jutsus des Donnerreichs ihnen Probleme bereitete, direkte Konfrontationen zu überleben.
    „Aber es gibt auch eine gute Nachricht.“, erklärte Senke freudig. Er machte schnelle Bewegungen mit seinen Händen und spuckte dann zur Seite eine Flammenwolke aus.
    „Aber wie…?“, fragte Hisashi entgeistert. Dies war eines der neuen Jutsu des Donnerreichs, woher hat Senke…?
    „Es ist ganz einfach. Solange man die richtigen Fingerzeichen macht, könnte sogar ein Kind diese Jutsus benutzen.“
    „Soweit kommt es noch, dass wir Kindern beibringen wie sie ihre Eltern in Brathähnchen verwandeln können, wenn jene ihnen auf die Nerven gehen.“, merkte Hisashi abfällig an, „Aber es ist ein Fortschritt.“
    Senke nickte begeistert. „Wir haben schon damit begonnen, den anderen Shinobi diese neuen Jutsus beizubringen. Wir sollten bald fähig sein, etwas diesen Jutsus entgegenzusetzen.“
    Hisashi wäre ebenso erfreut gewesen wie Senke von dieser Entwicklung, aber etwas anderes beschäftigte ihn.
    „Was ist unsere Situation im Wasserreich, Senke-kun?“, fragte Hisashi und meinte damit die Berichte der Spione, die das Feuerreich in jedem etwas größeren Land hatten.
    „Wir mussten sie abziehen.“, erklärte Senke.
    „Bitte was?!“, antwortete Hisashi empört.
    „Wir haben natürlich ein paar Spione bei einigen der mächtigeren Daimyos, aber insgesamt…“
    „… sind wir verdammt blinde Maulwürfe und haben keine Ahnung, was dort abgeht, nicht wahr?“
    „Wie gesagt, wir mussten sie abziehen, diese Bestie in Kuda Mura hat zuerst den Botschafter des Feuerreichs und danach dutzende verschiedene Leute getötet, darunter ein Großteil unserer Spione. Den Rest habe ich aus Sicherheitsgründen abgezogen.“
    Hisashi überlegte. „Aber er sagte wahllos.“, merkte er nachdenklich an, womit er Ijasu’s Einschätzung der Kreatur meinte. Senke zuckte nur gleichgültig mit den Schultern: „Für jemand, der sich nicht mit der Unterwelt von Kuda Mura auskennt, wird es wahrscheinlich so aussehen.“
    „Was soll das heißen?“, fragte Hisashi ungehalten, Senke dafür insgeheim verfluchend, dass er ihm immer die Details einzeln aus der Nase ziehen musste.
    „Die Opfer, mittlerweile an die zweihundert, kann man in drei Kategorien ordnen: Erstens, Spione fremder Länder…“
    „Es waren nicht nur unsere Spione?!“, unterbrach Hisashi ihn hektisch.
    Senke seufzte: „Lassen sie mich erstmal ausreden.“, Hisashi fluchte leise, aber ließ Senke weiterreden, „Das war die erste Kategorie, die zweite sind Beamte, darunter auch eben der Botschafter des Feuerreichs und die dritte Kategorie sind Verbrecher oder solche von denen man jene erwarten würde, Piraten, Opiumhändler, freie Verbrecher, die ihre Strafe abgesessen haben, nicht das es davon recht viele gibt, aber die sind mit auf der Liste der Toten usw.“
    „Also wirkt es nur auf den ersten Blick wahllos?“
    „Vielleicht, aber ich habe wirklich keine Ahnung, warum man die Opfer so klar in diese drei Kategorien einordnen kann.“
    Das klang beunruhigend, musste sich Hisashi eingestehen, er hatte wirklich sich zu sehr auf das Donnerreich in den letzten Monaten konzentriert. Diese Bestie, wenn es überhaupt eine war, schien ein Ziel zu haben und es war genauso wenig klar wie das des Weisen.
    „Ich will, dass du nach Kuda Mura reist und die Situation persönlich überwachst.“, befahl Hisashi.
    „Was?!“, fragte Senke überrascht.
    „Ich habe Grund zur Annahme, dass der Weise irgendwas mit dem Wasserreich vorhat.“
    „ ‚Irgendwas‘.“, zitierte Senke ihn tonlos, „Stimmt, das macht die Sache schon wesentlich einfacher.“
    „Immer noch besser als gar nicht zu wissen, was er dort macht.“, knurrte Hisashi. Senke sagte nichts, er wusste, wenn Hisashi keine Widerrede duldete. „Wie sie befehlen, Kage-sama.“, antwortete Senke und verbeugte sich tief vor Hisashi, während er wieder in die Dunkelheit trat, Hisashi alleine lassend. Seufzend drehte er sich um und ging die Stufen wieder hinauf. Es gab viel zu tun. Kriege hatten wenig mit Teetrinken und geduldigem Warten zu tun.


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