Sleeping Hero

  • Dies ist eine sehr ironische Interpretation des Comic-Helden-Genres, zu der ich durch die leidvolle Erfahrung, Kick-Ass gesehen zu haben, inspiriert wurde und die Idee hat dann in einem Gespräch eine feste Gestalt angenommen. Die Geschichte ist meta-fiktional, also stellt es durch diese eher ungewöhnliche Darstellungsweise einen gewissen Anspruch an den Leser.Aber ansonsten... viel Spaß beim Lesen :D .


    Sleeping Hero
    Es ist das Jahr 2037 A.D. Die Welt ist in einer Krise. Eine genetische Mutation bedroht die Menschheit, ihre Existenz ist gefährdet und es scheint als würde die Menschheit ihren endgültigen Untergang erfahren… Aber einer stellt sich dem Ende entgegen – Sleeping Hero.
    Ich verstehe schon, was jetzt los ist: Sleeping Hero? Huh, wer oder was soll das sein? Und was ist mit der deprimierenden Einleitung, die abrupt ohne Erklärung nun mit diesem sinnlosen Einschub des Erzählers unterbrochen wird? Aber es braucht einige Erklärungen, der Anfang ist nur dazu da, dass man überhaupt anfängt zu lesen, ich meine, wen interessiert es wirklich, welches Jahr es ist im Plot? Es ist nicht so als würde ich eine neue Sprache in den Plot einbauen und erwarten, dass die Leser diesen fanatisch studieren, um jenen im realen Leben zu benutzen.
    Also als erstes: Der genetische Defekt… ach nein, ich hatte es genetische Mutation genannt. Ich weiß, jeder erwartet, dass nun irgendwas mit Zombieseuche, nuklearer Krieg oder sowas kommt, zweiteres hat nicht einmal was mit Genetik zu tun, aber nein, es ist nicht so extrem. Wovon ich erzählen werde, ist das Problem einer Schlafkrankheit. Ja, im Jahre 2037 sieht die Menschheit sich einer großen Katastrophe gegenüber: 73% der Bevölkerung schlafwandeln. Nun, es mag auf Unverständnis stoßen, was schlecht daran ist außer, dass schlafende Leute durch die Gegend rennen und irgendwelchen Mist machen, das Problem war: Diese Leute waren halbwach an sich. Ich meine, da war z.B. dieser Automechaniker, der jede Nacht seinem selbstgebauten Auto einen schwarzen Lack verpasst hat, dann von seiner Frau am nächsten Morgen zu hören bekam, dass schwarz schrecklich aussah und deswegen musste er das Auto wieder rot spritzen. In der folgenden Nacht färbte er es wieder schwarz usw. So sah nun der Alltag aus, nicht nur, dass die Leute schlafwandelten, sondern wenn es etwas gab, das sie sehr beschäftigte, dann taten sie dies im Schlaf. Meistens nur problematisch, aber nicht wirklich gefährlich, so kamen aber dann doch manchmal Dinge zusammen, die nicht mehr problematisch, sondern – tödlich waren. Ja, ich rede von den Morden, die durch Schlafwandler verübt wurden, die Zahl jener Morde hat seit 2000 rapide zugenommen.
    Vielleicht scheint es an dieser Stelle schwer vorstellbar, aber was wäre, wenn man jede Nacht schlafwandeln würde und all das tun würde, was man sonst im wachen Zustand nie tun würde, was wäre, wenn man den gehassten Chef versucht umzubringen, die Häuser der Mobber in der Schule versuchen würde anzuzünden oder aus Geldnot eine Bank schlafend überfällt...? Die dunkelsten Ecken der menschlichen Seele an die Oberfläche gebracht im Schlaf, braucht es einen Helden, dessen eigenes Schlafwandeln nur ein Ziel hat: Die Rettung jener verirrten Seelen, sodass sie nicht in ihrem Schlaf etwas tun werden, was sie ewig bereuen werden. 'Sleeping Hero' - eine Geschichte über Menschen und den Kampf um deren Seelen... Dein Schlaf wird nie wieder derselbe sein.


    Lasst mich erstmal eines klarstellen, ich bin nur der Erzähler, ich habe nicht diesen Mi… diese Geschichte geschrieben, ich fand sowieso, dass die Einleitung eh schon viel zu pathetisch war, hab deshalb meine eigenen Kommentare hinzugefügt, um es ein wenig aufzulockern, ich meine, wen interessiert eine weitere dieser typischen Comic-Helden-Stories? Und was sollte das überhaupt mit diesem Unsinn von Seelen am Ende? Aber die Aufhänger für diese Stories sind eh nie plausibel erklärbar. Z.B. dieser Kerl, der eines Tages von einer Spinne gebissen wird und ein paar Wochen später muss er dann plötzlich gegen verrückte Wissenschaftler mit Sci-Fi-Hightech kämpfen… Eine Spinne?! Seien wir ehrlich: Wer wurde je von einer Spinne gebissen? Nicht das es unmöglich ist, aber das passiert doch sicherlich nicht so selten, weil es so wenig Spinnen gibt, sondern weil die Spinnen keine Lust haben, jemanden zu beißen aus bloßer Langeweile. Das ist schließlich ein Verteidigungsmechanismus! Als würde eine winzige Spinne tatsächlich versuchen ohne Grund Menschen anzufallen und jene zu beißen. Aber Comic-Helden brauchen ja immer irgendeinen Aufhänger für ihre Stories, desto ungewöhnlicher, desto besser.
    Aber zurück zu Sleeping Hero: Es war eine Nacht nicht wie jede andere, denn passenderweise war Vollmond, die Sterne waren klar erkennbar, insofern man sich nicht in jener Großstadt befand, wo diese Geschichte stattfand, aber zumindest der Mond war klar zu sehen und es war eine warme Sommernacht und es waren die üblichen ruhigen Straßen einer Stadt, die fürchtete, nachts auf der Straße zu sein, denn wusste man als Firmenmanager, ob man einem frustrierten Angestellten nachts auf der Straße begegnen konnte, der schlafwandelte und deshalb versuchte einen zu töten? Nein, natürlich nicht und genau das war das Problem: Man hatte jahrelang sich im Leben keine Gedanken gemacht, wen man alles beleidigt haben könnte, bewusst oder unbewusst, direkt oder indirekt, während man gerade Pudding gegessen hat oder Kaffee getrunken hat usw., man hat jahrelang nicht auf die Menschen in seiner Umgebung geachtet… aber nun konnte jeder von ihnen ein potentieller Mörder sein, der im schlafwandelnden Zustand versuchen würde, irgendjemanden umzubringen, der Gedanke, dass man auf einer jener Listen von Leuten, die man nur im Schlaf töten würde, sein könnte, hielt die Leute in den meisten Fällen davon ab, nachts auf die Straßen zu gehen, außer natürlich man war einer jener Schlafwandler und da war auch schon wieder ein Problem (ich weiß, ein Haufen Probleme, aber das ist doch der Sinn der Story, ich meine, irgendwelche Probleme müssen ja da sein, um der Story einen Sinn zu geben): Es gab verdammt viele davon. Man hatte sich überlegt, dass jeder sich freiwillig an sein Bett festschnallen sollte, aber man stellte auch hier wieder ein Problem fest: Man kann sich nicht selbst am Bett festschnallen, ohne das man sich im schlafwandlerischen Zustand wieder davon befreien konnte. Die Wissenschaft arbeitete daran, dieses Problem zu lösen, aber sie hatten ja noch nicht einmal die Kernfusion möglich gemacht, wie sollten sie da etwas erfinden, dass es einem ermöglichte sich selbst an ein Bett festzuschnallen, ohne das man sich selbst davon wieder befreien konnte? Außerdem war da auch ein Problem, was man dann machen sollte, wenn Morgen war und man wieder aufwachte: Wie sollte man sich denn dann überhaupt befreien?
    So kam man also nicht weiter und nun ging es an die Polizei, die Schlafwandler aufzuhalten, zuerst gab es nur eine kleine Taskforce in den größten Städten, aber man stellte fest, dass man ihr Gehalt erhöhen müsste für eine Taskforce-Teilnahme, also hat man jene Taskforce aufgelöst und stattdessen es zur allgemeinen Aufgabe der Polizei gemacht, etwas wegen diesen Schlafwandlern zu tun. Natürlich wurde ihnen nicht gesagt, wie sie das machen sollten, nur das sie es machen sollten.
    Eine solche Polizeieinheit war auch in jener Nacht unterwegs, zwei Polizisten um genau zu sein, die in einem Streifenwagen nun am Straßenrand in einem der Außenbezirke jener Großstadt waren (Frag mich nicht, warum der Ort nie einen Namen bekommen hat, ich bin nur der Erzähler, nehmt einfach irgendwas wie Lotham City oder sowas in der Richtung, wenn die Sache unbedingt einen Namen braucht, aber ich habe ja eh nichts zu sagen in der Sache, also schreib dem Autoren eine E-Mail, nicht MIR, ok?). Es waren alte hohe Gebäudekomplexe, die so still, verlassen und ruinenhaft wirkten, dass der Wind zu hören war wie er heulend durch die Straßen zog und dabei den Müll, der gewissenlos während des Tages dort fallen gelassen worden war, durch die Straßen trieb.
    Schmidt, der grimmig wirkende Polizist, der am Steuer des Polizeiwagens saß, war ein Veteran unter den Polizisten, die sich mit Schlafwandlern beschäftigten, sein größter Fall war die Festnahme von Herbert, einem Profisportler, der durch die Stadt gesprintet war und wahllos in Wohnungen eingebrochen war, Chaos verbreitet hatte und dann einfach die Wohnung wieder verlassen hatte. Er wollte niemanden töten, das war auch nicht das Problem (und nein, Problem ist NICHT mein Lieblingswort, nicht vergessen, ich bin nur der Erzähler), das Problem waren die Opfer, die meist so genervt durch diese nächtlichen Überfälle waren, dass sie es dann waren, die wiederum versuchten Herbert umzubringen, was nach zwei Wochen in denen Schmidt Herbert nicht zu fassen bekam, 46 Personen nachts schlafwandeln ließ auf der Suche nach Herbert, um ihn zu töten. Es war ein Rennen gegen die Zeit – er oder sie, Herbert konnte sich an die verzweifelte Jagd erinnern, vor den mordlustigen Schlafwandlern Herbert zu finden. Letztendlich war er schneller gewesen und hatte dafür dann auch eine Ehrenmedaille bekommen, die ihm in einer zweiminütigen Ehrenzeremonie überreicht worden war.
    Schmidt hatte aber gerade ein anderes Problem: Er hatte einen neuen Partner, namens Jung. Ein Neuling, dachte Schmidt verbittert. Die Welt ist zu grausam für diese Jungen, sich schon mit den Abscheulichkeiten der Nacht zu beschäftigen, dachte Schmidt mit der hitzigen Inbrunst einer Mikrowelle auf Grill-Funktion geschaltet. Außerdem war sein Geheimnis gefährdet, sein Verbündeter, der, welcher eigentlich Herbert gefasst hatte: Sleeping Hero.
    Jung war interessiert, aber keinesfalls angetan von den abschätzigen Blicken seines erfahrenen Partners auf dieser Reise durch die Nacht. Jung war wie jeder andere Polizist durch die ganzen Krimi-Romane und Krimi-Serien dazu gekommen, sich vorzunehmen, Polizist zu werden, für Gerechtigkeit auf den nächtlichen Straßen zu sorgen. Ihm war klar gewesen, dass die Realität ein wenig anders aussehen würde und „Dies ist die Realität, Jung“ war für ihn ein Mantra gewesen, mit dem er sich trainieren wollte, nicht enttäuscht zu werden, wenn er genau dies feststellen würde. Er musste sich klarmachen, dass dies keine billige Story war oder irgendeine schäbige Serienverfilmung war, dies war die Realität und mit dieser Ernsthaftigkeit gewappnet, sah sich Jung nun seinem ersten Einsatz als nächtlicher Polizist gegenüber. Es ging natürlich um die Schlafwandler und er selbst war auch einer, aber man hatte natürlich seine Tricks, um etwas dagegen zu unternehmen, alle Türen verschließen, Stolperfallen im Flur installieren, den Griff der Haustür unter Strom setzen usw. Jung sah Schlafwandler als die Idioten, die sich nicht selbst helfen konnten. Was war deren Problem eigentlich? Eine verbrannte Hand war doch nur ein geringer Preis dafür, nicht draußen rumzurennen und zu versuchen, Leute umzubringen… Oder? Na gut, dafür war er ja nun mit diesem Schmidt hier, nicht wahr? Um Idioten daran zu hindern, idiotisch zu sein oder?
    „Jung…“, murmelte Schmidt verschwörerisch, während er langsam hinter dem Lenkrad versucht irgendwelche verrenkenden Bewegungen zu machen.
    „Es geht los…“, murmelte er weiter und nun sah Jung, dass Schmidt aus seiner Jackentasche eine Zigarette gefischt hatte, die er hektisch an die Lippen setzte, danach schnell in seine Jackentasche griff, ein Feuerzeug rausholte und die Zigarette anzündete.
    Jung schaute wieder auf die Straße und sah, dass sie mittlerweile nicht mehr langsam weiterfuhren, sondern angehalten hatten und dann sah er ihn… den Schlafwandler. Er schlurfte auf dem Gehsteig von ihnen weg.
    „Ist er das?“, flüsterte Jung, während er hektisch schluckte, ihm fielen die vielen Legenden wieder ein, von Schlafwandlern, die übernatürliche Fähigkeiten durch jenen genetischen Defekt erworben hatten.
    „Ja.“, stimmte Schmidt ruhig zu, während er den Schlafwandler fixierte als würde er erwarten, jeden Moment einen Laserblick zu entwickeln und den Schlafwandler zu Fall zu bringen. Und als nun Jung und Schmidt den Schlafwandler beobachteten… ja, der Schlafwandler schlurfte die Straße entlang im Schneckentempo und Schmidt und Jung beobachteten ihn dabei.
    Jung räusperte lautstark und sagte: „Und was nun?“
    „Wir warten.“, erklärte Schmidt mit dem genervten Ton, das Offensichtliche erklären zu müssen.
    „A-aber er ist da, der Bad Sleeper ist vor unserer Nase!“, erklärte er energisch und gleichzeitig unsicher, ob er irgendetwas Essentielles nicht wusste.
    „Noch nie einen SC gehabt, nicht wahr, Junge?“, fragte Schmidt abschätzig, das SC englisch aussprechend und seinen Blick nie vom Schlafwandler abwendend dabei. Natürlich fragt man sich nun, was Bad Sleeper und SC bedeuten, ja, das ist eben der Slang des Settings für Schlafwandler, SC steht für ‚Sleeper Case‘. Nun wird man sich wohl auch fragen, warum eigentlich in Englisch? Ich habe keine Ahnung, ich bin schließlich nur der Erzähler… aber nehmt einfach an, dass diese Geschichte eine dieser Übersetzungen aus dem Englischen ist, wo der Übersetzer dachte, die Hälfte der Wörter im Englischen belassen zu müssen, nicht das es hier der Fall ist, aber es ist die Richtung in die es geht.
    „Was soll das denn heißen, Schmidt?“, erwiderte Jung erbost.
    „Wenn wir den Kerl jetzt festnehmen und warten bis er wieder aufgewacht ist und sich dann herausstellt, dass er niemanden umbringen wollte, was dann?“
    „Naja, er würde wieder freigelassen werden oder?“
    „Falsch, Jung! Er würde uns auf Schadensersatz verklagen!“, erklärte Schmidt mit dem Wissen, bereits diese Sache mehrmals durchgemacht zu haben.
    „Gut, also was machen wir?“
    „Wir warten bis er versucht jemanden umzubringen.“, erklärte Schmidt, woraufhin Jung und Schmidt den Schlafwandler, der nebenbei bemerkt einen braunen Seideschlafanzug trug, stumm beobachteten.
    Eine Minute verging…
    Zwei Minuten vergingen…
    Drei Minuten vergingen…
    Vier Minuten vergingen…
    Der Schlafwandler hatte zwei Meter in vier Minuten zurückgelegt und Jung seufzte laut und frustriert. „Wie lange sollen wir das jetzt machen, Schmidt?“, fragte er lakonisch.
    „So lange wie es nötig ist, Jung. Das ist unser Job.“
    „Tatsächlich.“, stellte Jung tonlos fest. Er war ein wenig verstört von dieser langweiligen Situation, die sehr wahrscheinlich zu keinem Ergebnis führen würde.
    „Wir könnten mit ihm reden, Schmidt, rausfinden, was der Kerl vorhat. Ich hab ja gehört, dass man im gewissen Sinne bei Bewusstsein ist, wenn man aufgrund jenes Defekts schlafwandelt.“, schlug Jung vor.
    „Nein, wenn wir mit ihm reden, kann man uns wieder verklagen.“, erwiderte Schmidt kopfschüttelnd und seufzend.
    „Aber…“, setzte Jung an als Schmidt ihn unterbrach: „Bad Sleeper können zwar reden im Schlaf und einigermaßen einer Konversation folgen, aber sie können weder lügen noch irgendetwas Privates verhüllen. Sie sind praktisch schutzlos gegenüber jeder Frage ausgeliefert. Deshalb hat ein Richter festgelegt, dass Bad Sleeper zu befragen einem Verhör mit Foltermethoden gleichkommt, weil man die Schwäche des Bad Sleepers ausnutzt und sich so an ihm vergreift.“
    „Aha, dann… können wir nur warten.“, stellte Jung niedergeschlagen fest. Verdammt, sein Mantra „Dies ist die Realität“ kam nicht mal annäherungsweise an die Langeweile dieser Situation im Gegensatz zu der Spannung der Krimiserien heran.
    Auf einmal waren hinter ihnen Schritte zu hören, worauf Schmidt sofort hochfuhr und lächelnd in den Rückspiegel sah.
    „Na endlich.“, murmelte er und wandte sich an Jung, „Ich habe dir nicht alles gesagt, Jung. Es gibt einen Weg, diese Situation zu lösen, ohne die Anwälte zu bemühen, uns zu verklagen.“
    Er stieg aus dem Wagen aus und Jung tat es ihm gleich. Der Wagen stand unter einer Straßenlampe und in deren Schatten konnte man die Gestalt eines jungen Mannes sehen, der auf sie zukam.
    „Es wurde auch Zeit.“, rief Schmidt ihm entgegen, „Darf ich vorstellen: Dies ist Sleeping Hero.“
    Ein Junge im Alter von 17 Jahren trat in das Licht der Straßenlampe. Er trug einen hellblauen Baumwollschlafanzug mit Snoopymotiven hunderte Male wiederholt darauf. Er hatte kurze braune Haare, die aber durcheinander waren und eindeutig unter häufigem Herumwälzen im Bett gelitten hatten. Aber während Jung noch verarbeiten musste wie dieser jämmerlich wirkende Junge Sleeping Hero sein sollte, begann Schmidt schon heftig zu fluchen: „Verdammt, wie oft sage ich dir, dass du nicht in solch lächerlichen Sachen schlafen sollst, am besten schläfst du in normaler Kleidung und zieh dir Schuhe an, wenn du schlafengehst!“
    Jung sah auf die Füße des Sleeping Hero und tatsächlich waren jene barfuß. Auf einmal hob Sleeping Hero seine rechte Hand in einer müden langsamen Bewegung und zeigte auf die gestreifte Krawatte von Schmidt und sagte müde: „Habe ich dir schon gesagt, dass die hässlich ist?“
    „Was?! Gestern hast du mir noch selbst gesagt, dass sie mir steht! Warte, soll das heißen, dass du das die ganze Zeit insgeheim gedacht hast?! Und warum beginnst du die Konversation mit sowas?!“
    Jung kam nun zu ihnen und unterbrach Schmidt: „Viel wichtiger ist doch, dass er den Schlafwandler aufhält!“
    Jung deutete auf den Schlafwandler, der sich kaum bewegt hatte, während sie geredet hatten, was nicht heißen soll, dass er stehen geblieben war, sondern nur, dass er tatsächlich so langsam war. Sleeping Hero wendete seinen Kopf ebenso langsam von Schmidt auf den Schlafwandler.
    „Ich hol ihn mir.“, erklärte er in einem müden Ton, der für Jung eher das Gegenteil des Gesagten ausdrückte, wenn nicht der zu verfolgende Schlafwandler so langsam wäre, das er der lakonischen Erklärung tatsächlich gerecht wurde. Und als Sleeping Hero zur Verfolgung ansetzte, erkannte er die spezielle Gabe von Sleeping Hero: Er war schneller, wesentlich schneller – er hatte nun zumindest die Geschwindigkeit eines Rentners mit Gehhilfe.
    „Er ist schnell, nicht wahr?“, erklärte Schmidet mit einer Freude vergleichbar mit der Nachricht des Chefs, dass seine Überstunden zur Abwechslung auch mal bezahlt werden würden.
    Jung verfolgte die Szene wie Sleeping Hero innerhalb von fünf Minuten zum Schlafwandler aufschloss und nur noch zwei Meter entfernt war. Aber auf einmal wendete sich der Kopf von dem Schlafwandler ein wenig nach hinten und er sah Sleeping Hero.
    „Verflucht dieser…!“, fluchte Schmidt.
    „Er hat ihn bemerkt, Schmidt. Was passiert jetzt?“, fragte Jung unsicher, der wusste, dass jetzt gerade eigentlich ein Moment der Spannung einsetzen sollte, aber der Schlafwandler und Sleeping Hero bewegten sich so langsam, dass Jung immer das Gefühl hatte, sich Zeit lassen zu können bei seinen Entscheidungen, egal worum es gerade ging, die beiden betreffend.
    „Bleib stehen.“, sagte Sleeping Hero in einem wenig überzeugenden müden Ton zu dem Schlafwandler, der müde erwiderte: „Nie und nimmer…“
    „Warte, ich werde dich in deinen wohlverdienten Schlaf schicken, du…“, erklärte Sleeping Hero in einer so langsamen Sprechgeschwindigkeit, dass der unvollendete Satz nicht einmal unvollendet wirkte.
    „Ich schlafe bereits, du Idiot.“, erwiderte der Schlafwandler müde.
    „Ah, stimmt.“, bemerkte Sleeping Hero lakonisch mit einem Desinteresse vergleichbar mit einer Kuh, der man einen Vortrag über Quantenmechanik halten würde.
    „Du wirst mich nicht kriegen, Sleeping Hero.“, sagte der Schlafwandler und wurde schneller.
    „Verdammt.“, sagte Sleeping Hero in einem Ton, der wohl auch für das Bestellen eines Brathähnchens in einem schlechten Restaurant gut funktionieren würde.
    Jung hatte nun schon bereits jedes Gefühl an Spannung verloren und beobachtete gelangweilt wie die zwei im Spaziergangtempo nun liefen und liefen und liefen…
    Eine Gruppe von Jugendlichen kam aus einer nahen Disco und lief an den beiden vorbei. Einer der Jungs sagte: „Was machen die denn da? Drehen die einen Zombie-Film?“
    Ein Mädchen meinte: „Dummkopf, das sind Schlafwandler, aber warum verfolgt der eine den anderen?“
    Ein anderes Mädchen: „Ah, das ist Sleeping Hero! Den habe ich bei Youtube gesehen!“
    Wieder das erste Mädchen: „Ja, jetzt wo du es sagst, ja, das ist er… Aber irgendwie war das bei Youtube cooler.“
    Ein anderer Junge aus der Gruppe: „Das liegt daran, weil man die Abspielgeschwindigkeit erhöht hat…“
    Und so zogen die Jugendlichen an den beiden vorbei und als beide auf die Jugendlichen reagierten waren jene schon längst hinter der nächsten Hausecke verschwunden. Und diese Jugendlichen hatten auch eigentlich Recht! Was ist los mit diesem schrecklichen Setting? So wird diese Story nie eine Film-Adaption bekommen… aber dann wiederum galt Herr der Ringe auch als unfilmbar. Aber was will man als Erzähler auch machen? Vielleicht wird die Story auch irgendwann realistischer umgesetzt sowas wie Sleeping Hero Begins und Sleeping Hero: Dark Night würde doch ganz gut klingen für die Strory, dann hätte es sich wenigstens gelohnt diese Story zu erzählen.
    Aber zurück zum Geschehen: Jung saß mittlerweile wieder im Auto und las ein Buch. Schmidt saß auf der Motorhaube seines Autos, rauchte eine Zigarette und schaute der Verfolgungsjagd von Sleeping Hero zu, der langsam den Bad Sleeper einholte.
    Plötzlich kam ein älterer Mann und der Schlafwandler, als er ihn sah, hielt auf ihn zu mit ausgestreckten Armen und sagte mit einem gewissermaßen energischen Ton wie wenn man in der Wohnung säubern muss, in dem Wissen, dass die kommende Verwandtschaft diesen Zustand wieder ändern wird: „Vater, ich töte dich.“
    Der angesprochene ältere Mann fiel auf seine Knie und fing an laut zu weinen und sagte: „Oh, Sohn, vergib mir, ich weiß, dass ich ungerecht war…“ usw. Ich weiß, viele werden nun sich fragen warum denn plötzlich der Vater von dem Bad Sleeper auftaucht, dann auch noch derjenige ist, den der Bad Sleeper töten will und der Vater nun in einer dramatischen Szene vor dem Bad Sleeper, der auf ihn zuwankt, um ihn zu töten, auf die die Knie fällt und pathetische Monologe hält, die an sich den ganzen Plot hinter dem Vater und dessen Sohn enthüllen? Aber wen interessiert das schon, ehrlich gesagt? Die Story heißt Sleeping Hero schließlich… überhaupt ist der Vater eh nur ein drittklassiger Charakter, also kein Grund einen Aufriss wegen dessen pathetischen Monolog zu machen oder irgendeinen überlangen Flashback einzubauen. Ach und zu dem Punkt, warum der Vater genau zu jenem Zeitpunkt kommt: Was habt ihr erwartet? Dies ist eine Kurzgeschichte! Als könnte man dutzende von Seiten darauf verwenden dieses Finale vorzubereiten, aber irgendwie muss man das Ding ja durchziehen, daran führt kein Weg vorbei. Der Vater ist nun da, der Bad Sleeper versucht ihn zu töten, Sleeping Hero versucht ihn aufzuhalten und die Polizisten…
    „Verdammt, der Bad Sleeper hat sein Ziel.“, erklärte Schmidt laut, der von der Motorhaube runterkam und die Zigarette auf den Boden warf und zerdrückte.
    „Jung?“, fragte Schmidt und wendete sich zu Jung, der im Auto saß, und ein Buch las, während er gerade eine Seite ruhig umblätterte.
    „Wie weit ist der Bad Sleeper von dem Opfer entfernt?“, fragte Jung ruhig.
    Schmidt schaut zu der dramatischen Szene, wo der Bad Sleeper auf den Vater zuschlurfte, der gerade bei der Stelle war, wo er Gott verfluchte für das schreckliche Leben, dass er ihm gegeben hat usw., während Sleeping Hero versuchte schneller zu schlurfen als der Bad Sleeper, der einen kurzen Sprint beim Anblick des Vaters hingelegt hatte.
    „Zehn Meter würde ich sagen.“, sagte Schmidt.
    „Warte, ich lese nur noch dieses Kapitel zu Ende, sind nur noch dreißig Seiten.“
    Schmidt lächelte nur und dachte stolz: „Das ist die richtige Einstellung, Junge. Du hast viel gelernt in den letzten Stunden.“
    Auf einmal war ein heranrasendes Auto zu hören, dann das Quietschen von Reifen, der dumpfe Aufprall als der Vater und der Bad Sleeper angefahren worden.
    „Oh.“, entfuhr es Schmidt überrascht.
    Jung sah von seinem Buch nicht auf und sagte gelangweilt: „Was ist denn passiert?“
    „Sie wurden umgefahren.“, stellte Schmidt lakonisch fest.
    Jung fuhr überrascht hoch von seinem Buch und hörte wie der Fahrer des Autos, dass so scharf gebremst hatte, laut schrie: „Verdammte Schlafwandler! Verschwindet von der Straße!“
    Jung hob den Kopf und sah nur noch wie das Auto an ihnen vorbei raste. Schmidt stieg ins Auto und wies ihn an, das Auto zu verlassen, was jener überrascht tat.
    „Was ist los, Schmidt?“
    „Kümmer du dich um den Bad Sleeper und seinen Vater, ich hol den Fahrflüchtigen ein.“, sagte Schmidt und fuhr davon. Jung sah zu den angefahrenen Bad Sleeper und dessen Vater. Scheinbar war der Bad Sleeper aufgewacht durch den Aufprall und der Vater hatte eine Kopfverletzung. Der Bad Sleeper kroch auf seinen Vater zu, stemmte sich mit seinen Händen in eine sitzende Position und legte den blutenden Kopf seines Vaters in seine linke Armbeuge, dabei heftig schluchzend.
    „Was habe ich getan, Vater?“, schrie er laut mit der theatralischen Verzweiflung, die irgendwie viel zu übertrieben wirkte, dadurch, dass er dazwischen immer in den Himmel starrte und anfing zu schreien, was einfach nur nervig war und im Übrigen es dem Vater unmöglich machte die Aufmerksamkeit seines Sohnes zu erhaschen und ihm zu antworten. Jung wollte zu ihnen gehen, aber da fiel ihm Sleeping Hero ein, der an der Seite einfach nur regungslos dastand. Aber erstmal der Krankenwagen… Verdammt, dachte Jung, sein Handy war im Wagen. Er ging zu Sleeping Hero. Vielleicht wohnte er in der Nähe, dachte Jung hoffnungsvoll. Aber als er bei ihm war, lief jener langsam an ihm vorbei und sagte lakonisch: „Er ist aufgewacht, Mission erfüllt. Das wars heute für mich. Man sieht sich.“
    „A-aber er ist verletzt, du…“
    „Hey, ich bin Sleeping Hero, d.h. ich bin für Bad Sleeper zuständig, für sowas“, sagte er müde, während er auf den schreienden Sohn und den sich bei Bewusstsein haltenden Vater in seinen Armen wies, „bin ich nicht zuständig. Überhaupt nervt mich sein Geschrei, also bin ich weg.“
    Jung sah dem langsamen Abgang des Sleeping Hero hinterher. War das überhaupt ein Held, aber das Problem war sicherlich sein Zustand des Schlafwandelns, dachte Jung, denn in jenem Zustand sagte man, was man wirklich dachte, was für einen tugendhaften Helden nicht wirklich ideal war. Als Jung nun überlegte, wie er nun einen Krankenwagen holen sollte, kam jener auch schon plötzlich und hielt bei dem Sohn und seinem Vater. Nach einer Weile Schreien und theatralischen verzweifelten Monologen, hatte der Vater seinen Sohn aufmerksam gemacht, dass er
    1. nicht tot war.
    2. ihn nicht auf seinem Testament stehen hat.
    3. jetzt gerne im Krankenwagen mitfahren würde, weil er…
    4. gerne 2. ändern wöllte, bevor 1. eintritt.
    Auf diese Weise hatten sich Vater und Sohn wieder versöhnt und fuhren im Krankenwagen davon, die Notärzte hatten Jung dabei ignoriert, völlig damit beschäftigt die Augen zu verdrehen bei dem Anblick der pathetischen Versöhnung von Vater und Sohn. Im Übrigen wurden sie nicht dafür bezahlt sich mit Jung zu unterhalten. Jung stand nun alleine auf der Straße und hatte keine Ahnung, was er nun eigentlich tun sollte. Er setzte sich seufzend an den Straßenrand als ihm auffiel, dass es seltsam war, dass der Krankenwagen gekommen war. Hatte einer der Anwohner ihn gerufen? Er musterte die Häuser, die mehr an leerstehende verfallene Ruinen erinnerten und schlug sich den Gedanken aus dem Kopf. Aber wer…?! In jenem Moment sah Jung im Schatten mehrere hundert Meter von ihm entfernt einen Mann mit einem Handy wegrennen. War er es gewesen, dachte Jung und wunderte sich im selben Moment, welchen Grund er hatte, hier zu sein und zu tun, was er getan hatte.
    Jung seufzte und sagte niedergeschlagen: „Verdammt, bedeutet das etwa, dass es eine Fortsetzung geben wird?“


    Vielen Dank, dass sie als Leser die Geschichte gel… Ach, zur Hölle mit dieser förmlichen Danksagung, reden wir lieber mal über den Sinn dieser Story. Ich meine, jede Story hat irgendeinen Sinn… oder?! Also ich als Erzähler sollte vielleicht vorher sogar noch etwas anmerken, der letzte Satz von Jung… er hat dies natürlich nicht wirklich gesagt, war zu erwarten, vermute ich, aber ich dachte, dass ich eine wenig aktivere Rolle in die Handlung einbringen sollte und einen meiner Gedanken von einem der Charaktere ausdrücken lassen sollte. Ich meine, was ist los mit diesem seltsamen Ende? Einen mysteriösen Bösewicht am Ende wegrennen lassen? Am besten gleich darauf hinweisen, dass man keine Lust hatte, einen in sich geschlossenen Plot zu entwickeln und lieber eine banale Endlos-Doku-Soap daraus machen will. Was sollte das?! War es ihm so wichtig Guy Ritchie nachzuahmen? Und nein, dies ist KEIN gutes Ende…
    Aber na gut der Sinn, wenigstens der Rest sollte einen Sinn haben…
    Es ging um Freundschaft oder? Ich meine, es geht doch irgendwie immer um Freundschaft oder? Oder war es Gerechtigkeit? Nein, warte, stimmt eigentlich, sollte es nicht um Sleeping Hero gehen? Was hat denn der Kerl gemacht? Wie soll der ein Held sein, wenn er nichts Heldenhaftes macht, geschweige denn irgendetwas macht? Und was war eigentlich mit der Jahreszahl zu Beginn? 2037? Ist das nicht Sci-Fi bereits? Aber wo sind dann die Sci-Fi-Elemente geblieben, verdammt noch mal? Was hat der Autor sich nur gedacht? Ich kann es schon sehen, wie der Autor wie ein Snob den Kritikern sowas wie „Ihr habt doch keine Ahnung, das war nur die Exposition.“ sagt… Von wegen ‚Exposition‘… Ausbeutung! Das ist es doch! Ich meine, offene Enden in einem angeblich abgeschlossenen Werk einzubauen, die nur danach schreien, dass es eine Fortsetzung geben wird. Was wollen die nach einem Jahr sagen? Tatsächlich, dass es eine „spontane, überraschende“ Entscheidung gewesen wäre? Wer soll diesen Mist denn glauben? Aber mich soll es nicht stören, ich bin der Erzähler, ich mach meinen Job, Punkt. Also bewertet die Story positiv, nicht zum Wohle der Geschichte, sondern zum Wohle meines Jobs.