Studie: Filesharer geben mehr Geld für Musik aus

  • Britische Internetnutzer, die Filesharing-Dienste auch zum unrechtmäßigen Bezug urheberrechtlich geschützter Werke nutzen, geben nach eigenen Angaben mehr Geld für legale Musikangebote aus als Nicht-Filesharer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Marktforscher Ipsos Mori im Auftrag der britischen Denkfabrik Demos. Für die Studie hatten die Marktforscher im Oktober dieses Jahres insgesamt 1008 britische Internetnutzer von 16 bis 50 Jahren über ihren Musikkonsum befragt.


    Während rund ein Drittel der Befragten angab, "inoffizielle Quellen" wie P2P-Netze oder Filehoster zu nutzen, räumten nur 9 Prozent auch den illegalen Download von Musik ein. Der Studie zufolge kauften 8 von 10 Nutzern illegaler Musikquellen im vergangenen Jahr Musik auf CD, Vinyl oder als Download. Im Schnitt gaben sie 77 Pfund (85 Euro) pro Jahr für Musik aus, während Nutzer ausschließlich legaler Quellen im Schnitt 44 Pfund (48 Euro) investierten. Die Hälfte von ihnen nutzt illegale Quellen, weil sie da sind. 42 Prozent der illegalen Downloader gaben an, dass sie Musik vor der Kaufentscheidung anhören möchten und ein knappes Drittel nutzte die inoffiziellen Quellen, weil das gesuchte Material bei den legalen Anbieter nicht zu haben war.




    Die Untersuchung, die laut Demos vom britischen Zugangsanbieter Virgin Media "großzügig gefördert" wurde, bestätigt ähnliche Ergebnisse anderer Studien. Schon 2005 hatte eine Umfrage in Großbritannien ergeben, dass Tauschbörsenteilnehmer etwa vier Mal mehr Geld für legale Musik-Downloads ausgeben als andere Nutzer. Diese Zahlen sind Wasser auf die Mühlen der Netzbetreiber und anderer Kritiker, die von Politik und Industrie mehr Beweglichkeit bei der Anpassung an die digitale Realität erwarten.


    Allerdings bestätigt die neue Studie auch eine Annahme der Musikbranche: Immerhin 61 Prozent der Befragten, die illegale Dowloads eingeräumt hatten, würden sich durch die Androhung einer einmonatigen Internetsperre oder eines Bußgelds — wie in Frankreich geplant und gerade von der britischen Regierung für 2011 angekündigt — abschrecken lassen. Doch lohnt es sich für Branchenvertreter und Politiker, die Ergebnisse auch darüber hinaus zur Kenntnis zu nehmen. Denn ein etwas größerer Teil der illegalen Nutzer (64 Prozent) würde zu entsprechend attraktiven legalen Angeboten wechseln.


    Was dabei wichtig ist und welche Nutzungsmöglichkeiten vom Prinzip des "Fair Use" gedeckt sein sollten, darüber waren sich die Befragten insgesamt ziemlich einig: Musik ist zu teuer und DRM ist ein echter Hinderungsgrund. Der Studie zufolge liegt der optimale Preispunkt für Musikdownloads bei 45 Pence (0,50 Euro) pro Musikstück; bei Abo-Diensten liegt der bei monatlich 5 Pfund (5,50 Euro). Doch gibt es beim Abonnement wesentliche Einstiegshürden: Nahezu die Hälfte der Befragten befürchtet, den Dienst dann nicht ausreichen zu nutzen; über ein Drittel bevorzugt den Download.


    69 Prozent der Befragten ist zudem wichtig, dass gekaufte Musikdateien auf verschiedenen Geräten abgespielt werden können. Jeweils ein knappes Drittel will die Musik einfach mit Freunden und Familienmitgliedern tauschen oder für eigene Veröffentlichungen und Remixe nutzen können. Etwas kurios mag anmuten, dass immerhin jeder Fünfte den Wunsch angab, "alte" MP3-Dateien wieder verkaufen zu können. Dagegen halten nur 6 Prozent aller Befragten den Tausch über P2P-Netzwerke für "fair", selbst bei den Nutzern illegaler Musik waren es nur 28 Prozent.


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