Ruse: Risiko für Fortgeschrittene

  • Das Echtzeit-Strategiespiel „Ruse“ setzt auf fiese Kriegsfinten und eine dichte Atmosphäre. Genügt das, um die Konkurrenz in die Flucht zu schlagen?


    Das Echtzeit-Strategie-Genre braucht dringend Innovationen! In den vergangenen Jahren lieferten Titel wie „Command & Conquer – Alarmstufe Rot 3“ zwar ordentlichen Spielspaß ab, allerdings mangelte es oft an Ideen, um das Genre voranzubringen. Da die Veröffentlichung von „Starcraft 2“ immer näher rückt (2010), versuchen viele Entwickler, sich noch schnell mit kreativen Einfällen von der Masse abzusetzen. Einer der ungewöhnlichsten Titel ist Ubisofts Militärstrategiespiel „Ruse“.




    Eine Frage der Perspektive

    „Ruse“ ist zeitlich im Zweiten Weltkrieg angesiedelt. Berlin- oder Frankreichszenarien stehen aber nicht an: Im Gegensatz zu den Konkurrenten steht bei „Ruse“ die Geschichte nicht im Vordergrund. Hier dreht sich alles um die Fähigkeiten der Generäle. „Ruse“ bedeutet nämlich so viel wie List oder Kniff. Damit sind in diesem Fall Kriegstaktiken gemeint, mit deren Hilfe die Oberbefehlshaber einander austricksen.


    Im Solomodus übernehmen Sie eine von sechs Kriegsparteien – darunter England, Deutschland, Russland, Frankreich. Im Mehrspielerbetrieb kämpfen acht Nationen um die Vorherrschaft. Der erste Blick auf „Ruse“ erweckt Erinnerungen an das Brettspiel „Risiko“. So befinden Sie sich nach dem Start in einem Bunker und blicken auf einen Tisch mit ausgebreiteter Karte. Auf der sind einige Häufchen Chips verteilt – sie stehen für Ihre eigenen Truppen, die Größe der Stapel gibt die Kampfstärke an.


    Der Clou: Sie haben die Möglichkeit, stufenlos in das Kampfgeschehen hineinzuzoomen. Schon verwandeln sich die Chips in Truppenverbände aus Panzern oder Soldaten. In der dichtesten Ansicht erinnert die Perspektive an Ubisofts „Endwar“. Eine Sprachsteuerung gibt es nicht, wohl aber die bekannten Gruppierungskurzbefehle. Ein Doppelklick auf eine Einheit wählt alle übrigen Truppen des gleichen Typs aus.

    Schere, Stein, Papier

    Ziel ist es, die gegnerischen Armeen auf der Karte zurückzudrängen. Dynamische Missionsziele wie die Einnahme bestimmter Sektoren oder die Eroberung von Gebäuden lockern den Spielablauf auf. Die Nachschubversorgung erfolgt über Fabriken. Von dort starten alsbald Lastwagen, die Geld in die Hauptbasis bringen. Die Warentransporte sind extrem störanfällig: Bereits ein auf der Straße stehender feindlicher Panzer genügt, um die Lieferung zu stoppen.


    Durch den Kampf um die Ressourcen entstehen immer wieder kleinere Scharmützel. Dabei fällt auf, dass die Entwickler die Einheiten stark nach dem „Schere, Stein, Papier“-Prinzip ausbalancieren. Ein schwerer Panzer etwa zerlegt kleinere Kettenfahrzeuge ohne größere Schwierigkeiten. Attackieren einige Soldaten ihn aber hinterrücks, hat er kaum eine Chance. Die Soldaten wiederum sollten sich vor Infanteristen mit Flammenwerfern in Acht nehmen. Wollen Sie sich gegen Ihre Widersacher behaupten, reicht pure Masse nicht aus – Sie müssen stets die Eigenschaften Ihrer eigenen Truppe im Auge behalten. Praktisch: Kleine Symbole über den Einheiten zeigen an, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sich Ihre Mannschaft durchsetzt.

    Tarnen und täuschen

    Im Mittelpunkt stehen die taktischen Varianten der Generäle. Die Strategiekniffe heißen im Spiel „Ruses“. Sie lassen sich abhängig von der Missionsart nur begrenzt einsetzen – schließlich wollen die Entwickler durch die Finten Spannung erzeugen. So sind die Funktionen zwar entscheidend, aber mit Bedacht einzusetzen. Das Arsenal an Tricks ist dabei reichhaltig. Mit der Funktion „Funkstille“ verdecken Sie einzelne Sektoren, um anschließend unbemerkt Einheiten über die Karte zu ziehen. Mit „Lockvogel“ platzieren Sie eine Pappbasis in der Landschaft oder bewegen einige Panzer-Attrappen über die Karte. Mit der „Dechiffrierung“ decken Sie die Bewegungen der gegnerischen Einheiten auf. In Kombination sind diese Funktionen ein geeignetes Mittel, um die feindlichen Linien zu durchbrechen und gekonnte Täuschungsmanöver zu starten. Man darf gespannt sein, wie der Solomodus auf die Tricks abgestimmt ist – schließlich muss die künstliche Intelligenz wirklichkeitsnah auf sämtliche Manöver reagieren, ohne übermächtig zu sein. Im Mehrspielerbetrieb dürften die „Ruses“ derweil für allerlei erheiternde Momente und gute Laune sorgen.


    quelle