Intel-Chip für interaktives TV

  • Fernsehen mit Atom-Kraft

    Schöne neue Fernsehwelt: Mit einem Hochleistungs-Chip will Intel TV-Geräte ins Internetzeitalter katapultieren, will HDTV, Online-Videos und 3-D-Spiele zu Standardfunktionen machen. Die Grundlage für die neue Technik bildet ein alter Bekannter aus dem Netbook-Ökosystem.



    Intel will ins Wohnzimmer - mit einem Mikrochip. Atom Processor CE4100 heißt der kleine TV-Spezialist und gibt mit seinem Namen seine Abstammung bekannt. Als Basis für den neuen Unterhaltungskünstler diente der Atom-Prozessor, der in fast allen Netbooks eingesetzt wird. In seiner Wohnzimmervariante ist der allerdings viel mehr als bloß eine CPU. Er ist ein sogenanntes System-on-a-Chip (SoC), quasi ein kompletter Computer im Mikroformat.


    Und der hat es in sich, wie Engadget feststellt und den Neuling als "eine Art Monster" bezeichnet. Der Grund für den Enthusiasmus: Der CE4100 kann viele Dinge, bei denen andere, größere, Prozessoren ziemlich ins Schwitzen kommen, ihren Dienst womöglich einstellen würden. Dazu gehört etwa, dass er gleichzeitig zwei hochauflösende TV-Signale in der Auflösung 1080p (1920 x 1080 Bildpunkte) mit 60 Bildern pro Sekunde verarbeiten kann. Allein diese Fähigkeit könnte ihn für potentielle 3D-Abspieler prädestinieren.


    Aber selbst damit ist Intels TV-Chip noch nicht ausgelastet, sondern dekodiert nebenbei noch die Audiosignale der beiden Videokanäle. Da er außerdem über Anschlussmöglichkeiten für zwei Smartcard-Reader verfügt, bietet es sich an, ihn mit zwei Empfangsteilen (Tunern) zu kombinieren. So könnte man gleichzeitig eine Sendung in HD sehen und eine zweite in HD aufzeichnen. Oder man entspannt sich bei einem 3-D-Spiel am Fernseher. Denn auch anspruchsvolle Spielegrafik soll der neue Chip lässig wuppen.


    Eine Spielkonsole im herkömmlichen Sinn werden Fernseher oder Set-Top-Boxen damit aber nicht. Spiele für den CE4100 sollten nach Intels Ansicht nicht lokal gespeichert werden, sondern via Internet gespielt werden. In den USA hat sich der Konzern dazu mit dem Online-Dienst Gametree.tv zusammengetan, der etwa ab der Jahresmitte 2010 Spiele auf Abruf anbieten will.


    Online-Spiele und TV-Helfer


    Etwa zu diesem Zeitpunkt dürfte, wenn alles gut geht, auch ein weiteres Projekt beendet sein, für das sich Intel mit dem Software-Hersteller Adobe verbandelt hat. Gemeinsam wollen die Unternehmen die Version 10 des Adobe Flash-Players an Intels Multimedia-Chip anpassen. Auf diese Weise sollen Online-Multimedia-Angebote per Fernseher abrufbar werden.


    Und auch das normale Fernsehen soll der Chip verbessern, indem er die Nutzung sogenannter Widgets, kleiner Online-Programme, auf dem TV-Bildschirm ermöglicht. Der TV-Sender CBS hat dafür bereits ein Progrämmchen entwickelt, mit dem man im Wust aktueller TV-Programme schneller zu jenen Inhalten finden soll, die für die eigenen Interessen wirklich interessant sind. Offenbar eine Art personalisierbarer elektronischer Programmführer. Angesichts amerikanischer TV-Zeitungen im Taschenbuchformat sicher keine schlechte Idee.


    Für derart mit Technik aufgebohrte TV-Geräte sieht Intel - natürlich - eine rosige Zukunft voraus. Der Technikchef des Unternehmens, Justin Rattner, erwartet, dass es bis 2015 weltweit 15 Milliarden irgendwie TV-fähige Endgeräte geben wird. Außerdem erwartet er, dass 3-D-TV schon recht bald seinen Weg in private Wohnzimmer finden wird. Muss er auch, denn 3-D-Filme würden zweifelsohne auch von Intels neuer Glasfasertechnik Light Peak profitieren, die gerade tags zuvor vorgestellt wurde.


    Ein sparsamer Unsichtbarer


    Aber Intels Manager gehören ohnehin zu den Berufsoptimisten. So frohlockte der Chef von Intels Digital Home Group, Eric Kim: "Die etablierten Fernsehsender verlagern sich rasant von einem linearen Modell auf ein internetoptimiertes Multistream-Modell, um ihren Kunden digitale Unterhaltung zu bieten, die ihr TV-Gerät beispielsweise um soziale Netzwerke, 3-D-Spiele und Streaming-Video ergänzt". Schöne Worte, die mit der deutschen Realität, in der sogar HDTV noch ein Testfall ist, allerdings nichts zu tun haben.


    Trotzdem dürfte es nicht lange dauern, bis Geräte auf den Markt kommen, in denen Intels Atom-Chip die multimediale Rechenarbeit übernimmt. Denn aus Herstellersicht hat der TV-Minicomputer einiges zu bieten. Er ist winzig klein, passt also auch in schlanke Geräte. Er ist multifunktional, kann also Aufgaben erledigen, für die man bisher mehrere Chips braucht, er ist mit einem Stromverbrauch von sieben bis neun Watt ausgesprochen sparsam.


    Viel bemerken wird man von all dem aber nicht. Anders als bei PC und Notebooks, ist es bei Fernsehern, Set-Top-Boxen und Blu-ray-Playern schließlich nicht üblich, irgendwo auf dem Gehäuse einen Aufkleber mit der Prozessorbezeichnung anzubringen - und das ist auch gut so.


    QUELLE