[Kurzgeschichte] Ein kleines Stückchen Hoffnung

  • Ein kleines Stückchen Hoffnung


    Gedankenverloren lief ich durch die Stadt. Ich wusste nicht was mit mir los war, aber irgendwie riss es mich einfach nur nach draußen. Raus aus der stickigen Bude, die einem dem Kopf vernebelte, einem schwindlig machen ließ, einfach nur raus! Kaum war ich in der Natur empfand ich es schon ein wenig freier. In der kleinen Wohnung fühlte ich mich so gefangen, wie ein Vogel in einem Käfig. So eingesperrt, so verloren, so hilflos.


    Es umgab mich eine kühle, milde Luft und der Wind wehte, leise im Takt, mein langes schwarzes Haar schwungvoll nach hinten und das tat mir gut, sehr gut sogar. Um mich herum lag eine menschenleere Stille, niemand war auf den Straßen zu sehen, obwohl es doch gerade mal erst Nachmittag war. Das Wetter passte perfekt zu der Jahreszeit. Den Himmel bedeckten dicke, graue Wolken und es schien so als ob sich bald ein Unwetter aufbrauen würde. Es roch nämlich sehr nass, sehr nach Regen. Jeden Moment würde ein Regenfall auf mich eindreschen, dachte ich. Ich sah mich ein wenig mehr in meiner Umgebung um und bemerkte die kahlen, Bäume mit ihren prachtvollen, bunten Kronen. Einige hatten ihre Blätter schon verloren, wodurch sie mir noch nackter erschienen. Die bunten Blätter lagen überall verstreut auf dem Asphaltboden. Keine Putzhilfe hätte sich die Mühe gemacht, sie aus dem Weg zu fegen.
    Die Wohnblöcke waren grau, die Mauern waren grau, die Laternen waren grau, die Straßen waren grau, selbst der Himmel war, wie so oft, auch grau. Meine ganze Welt tauchte in ein Grau ein. Als hätte man sie in einen Eimer mit der Farbe Grau gebadet. Nicht nur die Natur war grau auch mein Alltag…Einzig die Blätter von den Bäumen hauchten meinem Leben ein wenig Farbe ein. Nach langer Wandertour durch die halbe Stadt, entschied ich mich ein wenig auf den Schaukeln, im Stadtpark, mir Ruhe zu gönnen. Komischerweise war er diesmal nicht überfüllt, so wie viele andere Male. Aber wer würde schon bei diesem Wetter Lust daran haben sich im Stadtpark zu vergnügen? Ich glaube keiner. Außer mir. Ich hatte auch keine besondere Lust zu schaukeln. Ich wollte mich einfach nur hinsetzen und meine Beine baumeln lassen. Das war aber auch dringend nötig, nach diesem anstrengenden Laufen.
    Ich fühlte mich ein wenig einsam. Aber in meinem Zuhause würde ich mich noch einsamer fühlen. Ich wollte nur alles vergessen. Ich wollte die Schule, in der ich so grottenschlecht war, vergessen. Ich wollte die Leute, meine angeblichen Freunde, die mich sowieso nur ausnutzten, vergessen. Ich wollte meinen großen Liebeskummer, den ich durch eine Abfuhr meines geliebten Schwarms bekam, vergessen. Ich wollte nicht mehr an mein Zuhause denken und die ständigen Streitereien meiner Eltern vergessen. Ich wollte meine inneren Konflikte mit mir selbst vergessen. Ich wollte einfach nur die ganze Welt vergessen! Nur deswegen bin ich hier her gekommen…an meinen Lieblingsplatz.
    Einen kleinen Moment hielt ich inne, schloss die Augen, war in einer anderen Welt. Mein innerliches Auge sah eine Landschaft, so bunt und hell, wie in meinen schönsten Träumen. Der Himmel war hellblau und die Sonne lachte mich an. Ich stellte mir vor ich wäre eine Musterschülerin, würde alle mit meinen Perfektionismus übertrumpfen. Ich wäre super beliebt, hätte jede Menge Freunde, aber wahre Freunde. Ich hätte einen wunderbaren Freund, der mich so liebt wie ich bin, mit dem ich glücklich sein könnte. Meine Eltern würden sich endlich mal vertragen und wir würden zu dritt etwas wieder unternehmen, was wir so lange nicht mehr taten. Ich wäre überglücklich, mit allem zufrieden, hätte absolut keine Probleme. Es wäre so schön. So perfekt. Aber dies blieb nur eine Vorstellung, ein Traum. Träume sind Träume, weil sie nie wahr werden. Aber sie existieren um den Menschen Hoffnung zu machen.




    Ich öffnete langsam meine Augen und blickte geradeaus zum Horizont und
    bemerkte ein kleines Stückchen blauer Himmel. Dieses kleine Stückchen blauer Himmel ist wie ein kleines Stückchen Hoffnung. Noch ist der Himmel mit dicken Wolken bedeckt, aber irgendwann wird er wieder so hellblau strahlen wie in meinem Traum. Mit diesem Gedanken, der mich hoffen ließ, kehrte ich dem Stadtpark und meinen geliebten Schaukeln den Rücken zu und machte mich auf dem Weg nach Hause…