Wie alles begann #1


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Wie alles begann

Unsere Geschichte beginnt, als ich noch ein zierliches und kleines Kind war. Ich war stolz darauf, dass mich meine Eltern schon alleine in den Kindergarten gehen ließen. Immerhin gaben sie mir damit das Gefühl, sie würden mir vertrauen und ich mochte dieses Gefühl. Dieses einzigartige Gefühl etwas Besonderes zu sein. Dabei war ich gar nichts Besonderes. Ich tat mich schwer etwas alleine zu schaffen und litt unter einer ziemlich starken Lernschwäche, die sich in den verschiedensten Bereichen immer und immer wieder bemerkbar machte. Ich versuchte diese Schwäche auszugleichen, indem ich an mir selbst arbeitete, doch ich war schon damals nie wirklich zufrieden. Ich liebte meine Eltern, dennoch hatte ich das Gefühl, es sei ihnen egal gewesen was ich tat. Sie sprachen kein Lob aus und versuchten auch nie mich aufzumuntern wenn es mir schlecht ging. Natürlich stimmten mich solche Situationen immer traurig, doch alleine war ich dennoch nicht. Ich hatte einen großen Bruder, der auf den Namen Kiovar hörte und scheinbar alles versuchte um es mir recht zu machen. Dabei war er gerade mal eineinhalb Jahre älter als ich. Er war schon viel reifer als ich und auch klüger. Er war bereits in der Schule und legte nur die besten Zeugnisse auf den Tisch. Ich liebte ihn, doch gleichzeitig schlich sich immer mehr das Gefühl der Eifersucht in meine Gedanken und ankerte sich fest. Bestimmt würde er mehr Lob für seine Ergebnisse bekommen, vielleicht war sogar dass der Grund, das mich Mama und Papa nicht so beachteten. Mit ihm verbrachten sie die Abende, während ich gezwungen wurde schlafen zu gehen. Ich habe es einfach nicht verstanden. Mein Bruder wusste es. Er wusste, dass ich eifersüchtig war,. Ich bemerkte es, da er mir immer mehr Aufmerksamkeit schenkte. Er half mir auf, sobald mir der Boden unter den Füßen weg glitt und ich drohte zu stürzen. Er führte mich auf den richtigen Weg, sprach mir Lob aus. Natürlich freute ich mich darüber, doch es war dennoch nicht das selbe, wie die Aufmerksamkeit der eigenen Eltern und so hasste und liebte ich ihn zugleich. DIe Zeit verging und endlich war auch mein großer Tag gekommen. Ich wurde in die endlich eingeschult und konnte zeigen was ich kann.


Endlich hatte ich einen Lehrstoff, dem ich nacheifern konnte, den ich auswendig lernen konnte, um das stolze Ergebnis meinen Eltern zu präsentieren. Leider bemerkte ich, dass sich auch hier meine Lernschwäche bemerkbar machte. Ich musste viel lernen. Auch schon in den untersten Klasse der Volksschule. Abhalten ließ ich mich davon jedoch nicht. Ich lernte fleißig und sehr viel. Beinahe meine ganze Freizeit opferte ich dem Lernen. Natürlich kam mein privates Leben dabei viel zu kurz Meine Mitschüler und Mitschülerinnen kapselten sich von mir ab und irgendwann war ich der Einzelgänger der Klasse. Niemand unterhielt sich mit mir. Es störte mich nicht. Immerhin lernte ich in den Pausen und ging nach der Schule sofort nach Hause um dort meine Hausaufgaben zu erledigen und anschließend wieder zu lernen. "Streber" schimpften sie mich. Doch welchen Grund gab ich ihnen dafür? Weil ich lernte um die guten Noten zu ergattern die ich brauchte um die Aufmerksamkeit meiner Eltern zu bekommen, die für andere vollkommen normal war? Schließlich fand ich mit damit ab. Eigentlich hatte ich nie versucht dagegen anzukämpfen. Nicht ein einziges Mal. Ich schwieg und fing irgendwann an, mich selbst als 'Streber' zu bezeichnen. Ich lernte gerne und hatte nach einiger Zeit auch nichts mehr gegen dieses Wort. Immerhin entsprach es der Wahrheit, auch wenn sie von den anderen Mitschülern immer sehr negativ ausgelegt wurde. Doch meine Mühen schienen sich bezahlt zu machen. Wir hatten den ersten großen Test hinter uns gebracht und ich hoffte, dass ich eine gute Note dafür bekommen würde, was dann auch der Fall war. Meine Arbeit war sogar die Beste der Klasse. Ich war stolz und grinste wie ein Breitmaulfrosch. Endlich konnte ich meinen Eltern ein Zeugnis vorlegen, das mich dann auch interessanter für sie machen würde. Das Prüfungsergebnis packte ich vorsichtig in meine Schultasche, die alt und verranzt war. Ungeduldig wartete ich, bis die letzte Klingel des Tages leutete und mich von der Schule endlich erlöste. Wie immer wartete ich eine Zeit lang, bis auch mein Bruder aus der Schule kam. Es war gemein von mir, doch ich freute mich darauf ihm mein Prüfungsergebnis unter die Nase zu halten. Ich freute mich darauf ihm zu zeigen, dass nicht nur er es schaffen würde, Mama und Papa zu beeindrucken. Kiovar kam schließlich aus der Schule und trat an mich heran und fragte mich, ob ich meine Prüfungsergebnisse bereits erhalten hätte. Wie immer war er überall von Klamotten umhüllt. Er trug sogar einen Schal, den er nicht einmal abnahm, wenn er in der Klasse saß. Ich hatte mich schon immer gefragt, was an ihm so besonders war. Doch wenn ich genauer darüber nachdachte hatte ich meinen Bruder noch nie mit kurzen Sachen gesehen. Er trug immer lange Shirts und lange Hosen. Doch die Frage ob ich meine Prüfungsergebnisse bereits erhalten hatte, riss mich aus meinen Gedanken. Natürlich nutzte ich diese Gelegenheit und grinste wieder breit. So Schnell ich konnte, kramte ich das Blatt Papier aus meiner Tasche und reichte es ihm. Vermutlich sah ich aus, wie ein Rotkelchen, dass seine rote Brust stolz zur Schau stellte, da es so stolz auf seine Leistung war. Mein Bruder lächelte mich freundlich an und wuschelte mir durch die Haare. Ich kniff die Augen zusammen und lächelte dabei. Ich war froh, dass er sich trotzdem für mich freuen konnte und mir wie immer lobend durch die Haare fuhr. Das machte er immer, wenn ich etwas gut gemacht hatte. "Ich werde das Mama und Papa zeigen und dann werden sie sehen, dass ich genau so gut bin und dann geben sie mir vielleicht die gleichen Rechte wie dir" erklärte ich und sah meinen Bruder dabei hoffnungsvoll an. Dieser verzog jedoch kurz die Miene. Kaum merklich und nur so kurz, dass ich es mit Leichtigkeit hätte übersehen können, bevor er mich wieder anlächelte. Ich sah ihn an und wurde aus irgendeinem Grund wütend. Gönnte er mir diesen Erfolg etwa nicht? Wollte er das es so blieb und als Einziger die Beachtung von Mama und Papa bekam? Ich schnaubte genervt und ließ meinen Bruder einfach stehen. Eigentlich gingen wir immer gemeinsam nach Hause. Er holte mich auch immer ab, wenn er die Möglichkeit gehabt hat. Ansonsten musste ich eben warten, was mich aber nicht weiter störte. Die Zeit nutzte ich um in meinen Büchern weiter zu lesen. Als ich schon ein paar Meter von ihm entfernt war rief er meinen Namen, doch ich war zu stur und zu eigensinnig deshalb zu stoppen. Er entschuldigte sich sogar, doch ich wollte nicht hören. Ich lief einfach immer weiter, bis ich zuhause ankam.


"Mama? Papa? Ich habe die Bestnote geschrieben! Ich habe als Bester in meiner Klasse den Test beendet! Schaut doch mal!" rief ich schon fast voller Freude und legte ihnen den Zettel auf den Tisch, wo die beiden gerade saßen und etwas aßen. Mein Vater las jedoch einfach weiter Zeitung und meine Mutter schenkte mir nur ein kurzes und kaum merkbares Lächeln. Ich bin n´mir nicht einmal sicher, ob sie mich wirklich angelächelt hatte. Oder ob ich es mir eingebildet hatte, in der Hoffnung doch eine positive Reaktion erhalten zu haben. "Schaut doch mal" erwiderte ich meine Worte und schob den Zettel etwas weiter in die Mitte des Tisches. Gerade soweit, dass ich mit den Fingerspitzen noch an die Ecke der Papierseite kam. Doch diesmal schenkte mir keiner von beiden Beachtung. Sie schauten nicht einmal in meine Richtung! Tränen bildeten sich in meinen AUgen und ich rannte ins Zimmer und schlug die Tür zu. Es schien niemanden zu kümmern, denn nachkommen wollte mir scheinbar keiner. "Ich hasse dich Kiovar. Ich hasse dich!" entfuhr es mir, während ich mich langsam an der Türe hinuntergleiten ließ, bis ich schließlich am Boden saß. Meine Beine hatte ich angewinkelt und verschränkte meine Arme darauf. Meinen Kopf steckte ich zwischen meine Arme und fing schließlich an bitter zu weinen. "Wieso? Sag mir wieso? Ich habe mir solche Mühe gegeben. Wieso interessiert es keinen was ich mache?" schrie ich schon fast aus Wut und Trauer. Ich hämmerte mit meiner Hand auf den Boden und immer noch rannen die Tränen über mein schmales Gesicht. Ich konnte mich nicht beruhigen und ehrlich gesagt, wollte ch das in diesem Moment auch nicht. Ich hatte keine Freunde, diese hatte ich alle verloren, weil ich meine Familie beeindrucken wollte. Nicht nur meinen Bruder. Nein! Es ging mir um Papa und Mama! Doch sie beachtete mich nicht. Ich mied an diesem Tag alles was damit zu tun hatte mein Zimmer zu verlassen. Ich wollte niemanden sehen. Auch Kiovar wimmelte ich an der Türe ab, als er klopfte und sich noch einmal versuchte zu entschuldigen. Ich war zu trotzig und zu sehr in meiner Hysterie gefangen, als dass ich über meinen Schatten hätte springen können, um ihm zu verzeihen. Den ganzen Tag verbrachte ich in meinem Zimmer. Verließ es nur um das WC aufzusuchen oder um etwas zu trinken. Kiovar wollte mir etwas zu Essen bringen, doch das lehnte ich ab. Ich kann mich noch genau daran erinnere, wie er einige Zeit vor meiner Türe sitzen blieb und mit dem Essen davor wartete, bis er schließlich von Mama und Papa gerufen wurde. Das Essen ließ er mir jedoch vor der Türe stehen. Ich blieb noch einige Zeit in meinem Zimmer, bis ich schließlich einen Entschluss fasste. Ich würde heute nach draußen gehen und mich meinem Bruder einfach anschließen. Egal was Mama und Papa dazu zu sagen hatten. Ich erbrachte die gleichen guten Noten, wie er und ich war um nichts Schlechter als er, soviel stand fest.


Leise und darauf bedacht kein Geräusch zu erzeugen, öffnete ich die Tür. Es war ziemlich still im Gang und auch sonst drangen nirgendwo irgendwelche Laute durch, die darauf hindeuten könnten, dass noch jemand wach war. Dennoch ließ ich mich nicht davon beirren. Mit meinem Prüfungsergebnis in der Hand, schlich ich mich auf Zehenspitzen nach draußen und versuchte lautlos ins Wohnzimmer zu gelangen. Was ich jedoch dort feststellen musste.... Was die Aufmerksamkeit war um die ich so verzweifelt kämpfte... Mit einem Schlag wurde mir alles klar.... Diese Aufmerksamkeit, die meine Eltern meinem Bruder schenkten. .. Die wollte ich nicht haben.... Großer Bruder... Es tut mir Leid dachte ich mir noch, als ich die Bilder sah, die sich gerade direkt vor mir abspielten....

Kommentare 2

  • Dürfte ich erfahren woher der Name deines Bruders stammt ?

    • Um ganz ehrlich zu sein o.o Ich hab mir den Namen einfach aus Buchstaben zusammengeschustert xD Oder hatte ich damals nach seltenen Namen gesucht... Ich bin mir nicht mehr ganz sicher.

      Das erste Kapitel ist schon ne Zeit her xD


      Damit was du gepostet hast, hatte das definitiv nichts zu tun xD Aber gut zu wissen haha