Morgoths Valentinsblog 2011 - Liebesratschläge

Valentinstag – wieder einmal. Natürlich werde ich auch dieses Jahr wieder meinen kleinen Beitrag leisten. Jeder ist in perfekter romantischer Stimmung, vielleicht dankt der eine oder andere den Erfindern dieses Tages. Nein, nicht Valentin, der Blumenindustrie! Valentin könnte ein römischer Tyrann sein bei dem Interesse, das er an seinem Tag erfährt, aber wen interessierts? Sein Name klingt toll und irgendwas wird er schon mit Liebe zu tun haben – sonst wäre es ja nicht der Valentinstag, so wie wir ihn kennen! Sieht man die Logik? Ich sehe sie auch nicht, aber Valentin ist sicherlich eine der tragischsten Figuren in der Geschichte der Menschheit: Man benennt einen Tag nach ihm – und niemand hat eine verdammte Ahnung, was er damit zu tun hat!


Von was will ich also reden? In wen ich verliebt bin? Wie toll ich Liebe finde? Nicht Morgoth. Morgoth ist einer dieser Leute, die ihren Valentinstag mit etwas verbringen, was mit Liebe recht wenig zu tun hat: Nachdenken.
Nur nebenbei gefragt: Regt das niemanden auf, wenn man zwei verliebte Personen sieht, die sich wie Idioten aufführen und irgendjemand etwas sagt wie: ‚Ist Liebe nicht schön?‘ Schlimm genug, dass die Verliebten noch nicht in der Realität angekommen sind, jetzt sind es die Nicht-Verliebten auch noch! Sollte nicht irgendwann der Moment kommen, wo man verliebte Personen in der Instanz des vernünftigen Nicht-Verliebten darauf hinweist, dass auch noch andere Lebewesen außer ihnen auf diesem Planeten existieren…? Man hat einfach nicht mehr die Zeit für sowas wie Liebe! An sich hatte man noch nie Zeit für Liebe gehabt, früher hat man sogar Liebe gleich als Faktor bei der Heirat ausgeschlossen, weil es einfach viel zu kompliziert und zeitaufwendig ist. Liebe ist verdammt kompliziert und deshalb sind Beziehungen in einer Zeit, wo es fast nur Liebes-Beziehungen gibt – verdammt kompliziert! Und das muss man Verliebten klar machen. Denn wie gesagt: Man denkt nicht sehr viel nach, wenn man verliebt ist. Deshalb muss man als Nicht-Verliebter das Denken für die Verliebten übernehmen. Und deshalb ist das Thema für den heutigen Valentins-Blog: Liebesratschläge.
Leute lieben es Ratschläge zu geben, besonders wenn sie rein gar nichts mit der Sache zu tun haben, bei der sie einen Ratschlag geben wollen. Also was sagen die Leute bei Liebe? Also grundsätzlich sind Ratschläge bei Liebe optimistisch, man wird niemanden finden, der einem sagt, dass Liebe Mist ist, sich nicht lohnt, enttäuschend ist, mehr Schaden als Nutzen bringen kann, die beste Zeit deines Lebens verschwendet, sich nicht auszahlt oder der Inhalt nicht das ist, was auf der Verpackung steht. Sowas sagt man einfach nicht.
Liebe endet immer in einer Beziehung. Sorry, Leute, aber es gibt keine Liebesratschläge für One-Night-Stands. Aber wahrscheinlich würde es die meisten Romantiker da draußen eh zu Tode schockieren, dass es eine Art von Liebe gibt, die nur eine Nacht andauert – und wir wollen hier nicht übers Ziel hinausschießen. Also: Immer eine Beziehung. Tatsächlich sind Liebesratschläge so gut wie immer Ratschläge wie man eine gute Beziehung am Laufen hält.
Erster ganz wichtiger Ratschlag für die Liebe bzw. eine lange Beziehung: Miteinander reden. Ich weiß nicht, welches Bild man heute von den Partnern in einer Beziehung hat, aber ist es wirklich ratsam sie als wortkarge Soziopathen anzusehen? Was dieser Ratschlag sagen soll, ist, dass der eine Partner dem anderen Partner klarmachen soll, wer er ist, wie es ihm geht, was er den ganzen Tag macht, im Grunde also soll der eine dem anderen erzählen, was der andere nicht wissen kann.
Von was sollte man denn sonst auch erzählen? Man kann schlecht von dem erzählen, was man nicht weiß und es lohnt sich kaum von etwas zu reden, wo der andere Partner anwesend gewesen war. Aber ich weiß schon, niemand will alles mit seinem Partner teilen, ich meine, wenn man alles erzählen würde, was man gedacht, gegessen, getan, geschrieben, gesagt, gesäubert, gewaschen, geflüstert, geschrien, gekennzeichnet, gefertigt hat – wo ist da noch Platz für die Antwort? Es ist nicht einfach, besonders, da wir interpretieren, genau, wir versuchen einander zu verstehen durch das Gesagte und da ist ein verdammt großes Problem. Es ist verdammt schwer eine andere Person zu verstehen, verflucht, manche haben schon ein Problem sich selbst zu verstehen, ich denke nur an die vielen Idioten Deutschland sucht den Superstar, die glauben, dass sie singen können, was soll da erst passieren, wenn man seine ‚Menschenkenntnisse‘ auf eine andere Person anwendet? Aber man versucht es UND man übertreibt es. Das Schlimmste an dem Ratschlag ‚Miteinander reden‘ ist, dass am Ende der Logik dieses Ratschlags steht, dass man sich gegenseitig verstehen soll. Das geht nicht! Es geht einfach nicht, wir können leider keine Gedanken lesen – also warum versucht man verdammt noch mal genau das zu tun?! Ich meine, das ist doch der Grund, warum es Paare gibt, die am liebsten eine Psychoanalyse voneinander erstellen würden, bloß um den anderen zu verstehen. An deren Stelle würde ich mir Gedanken machen, wenn der Mann ein Psychologieseminar besuchen muss, nur um herauszufinden, ob seine Frau keine Selbstmordgedanken hat, bloß weil die Mohnblume zufällig ihre Lieblingsblume ist. Man legt einfach ZU viel Wert auf Verstehen dieser Tage, Kommunikation ist der Austausch von Ideen, von Erlebtem, von Meinungen – und nicht der beste Weg eine Röntgenaufnahme vom Gehirn des Partners zu machen!
Ein zweiter Ratschlag, der mich wirklich nicht nur in Sachen Liebe auf die Palme bringt: ‚Lösungen finden anstatt Probleme‘. Was will dieser Ratschlag sagen: Ein Paar, dass nur noch dabei ist, Probleme zu diskutieren ist auf dem besten Wege sich zu trennen, weswegen man nur konstruktive und nicht anstrengende Gespräche (nicht Diskussionen) führen sollte. Meine Meinung dazu: Es ist kompletter Mist. Was soll dieses Höflichkeits-Argument? Eine Beziehung, die es nicht schafft, Probleme zu diskutieren, ist keine Beziehung mehr. Ich meine, was hilft diese Scheinheiligkeit schon? Glaubt tatsächlich irgendjemand, dass er Aristoteles‘ Rhetorik lesen wird, nur um seinen Partner zu fragen, was aus den fünfhundert Euro in dem Briefumschlag auf dem Küchentisch geworden ist? Einfach verdammter Mist!
Und noch was, was mich immer mit diesem Höflichkeits-Kram aufregt: Beschönigen. Man diskutiert keine Probleme, man bespricht Lösungen, man fordert nicht, man bittet, man nörgelt nicht, man bietet eine Veränderung an – und egal wie man es formuliert, es ist immer noch ein verdammtes Problem! Ich weiß nicht, woher der Glaube kommt, dass bloß weil man nicht von Problemen redet – keine Probleme existieren würden! Und es hilft einem auch nicht wirklich die Probleme zu lösen oder? Kann sich jemand vorstellen wie an einen Sonntag die Ehefrau zu ihrem Mann geht und sagt: „Schatz, ich würde gerne eine Lösung zu deinen irregulären Zusammenkünften mit unserer Nachbarin besprechen wollen.“
Man sollte es einfach vergessen, eine nette Wortwahl lässt keine unschönen Wahrheiten verschwinden.
Nun zum dritten Ratschlag, den man gerne gibt: Man soll die Bedürfnisse des Anderen achten. Was man damit eigentlich sagen will, ist: Wie verhindere ich, ein egoistisches Arschloch zu sein? Das größte Problem an diesem Ratschlag ist, dass natürlich niemand durch eine Beziehung ein Egoist wird, man war schon zuvor ein verdammter Egoist. Was soll man da machen? Meine Idee wäre ja, überhaupt erst gar nicht eine Beziehung mit einem egoistischen Arschloch zu beginnen! Aber nein, wie gesagt, Nachdenken ist nicht die Stärke von Verliebten und deswegen gibt es Ratschläge wie man in einer Beziehung mit dem ganzen Mist an Lastern, Problemen, unsinnigen Hobbies, schlechten Gewohnheiten und unvernünftigen Prinzipien umgehen sollte. Auch hier glaubt man, dass beide Partner anfangen einen philosophischen Dialog zu führen und exotisch-klingende Dinge wie einen ‚Kompromiss‘ finden sollen. Gehen wir doch mal eine von diesen typischen Ich-Habe-Recht-Situationen an:
Peter soll seine Cousine Hannelore vom Bahnhof um 11.30 Uhr abholen. Seine Freundin Lisa sagt 10.49 Uhr. Wer hat Recht? Ich weiß, klingt wirklich wie der Stoff aus einer Law & Order-Episode. Was macht Peter? Er sagt Lisa, dass sie falsch liegt. Lisa sagt Peter, dass er falsch liegt und fügt hinzu, dass er nicht stur sein soll. Peter meint, dass Lisa nicht mit seiner Cousine geredet hat, also gar nicht gehört hat, wann sie kommt. Lisa antwortet, dass er ihr selber gesagt hat, dass sie 10.49 Uhr. Peter kann sich nicht erinnern, ihr jemals die Uhrzeit gesagt zu haben.
Natürlich könnten sie einfach jene Cousine über das Handy anrufen, aber dann wiederum würde es das Problem nicht geben, wenn sich jeder in einer Beziehung vernünftig verhalten würde. Der Ratschlag ist also komplett sinnlos. Ich meine, entweder man ist ein egoistisches Arschloch oder nicht, man wird sicherlich nicht über die Bedürfnisse des Partners nachdenken, wenn man es ist und wenn man es nicht ist, dann braucht man den Ratschlag eigentlich gar nicht. Damit werden die Leute, die den Ratschlag brauchen, ihn ignorieren und die, welchen ihn nicht brauchen, beleidigt sein, weil man ihnen unterstellt ein egoistisches Arschloch zu sein. Wenn man eines daraus lernen sollte, dann, dass Ratschläge für Idioten auch nur an Idioten gehen sollten, aber man sollte nicht denken, dass jeder Single da draußen ein verfluchter Egoist ist.
Und zum Schluss vielleicht noch ein paar allgemeine Beschreibungen zu einer Beziehung: Eine Beziehung muss gepflegt und gehegt werden wie eine Pflanze, eine Beziehung ist ein Wasserstrom, immer in Bewegung, man darf nicht stehenbleiben, man muss mitgehen, sich entwickeln, eine Beziehung ist eine Flamme der Liebe, die man am Brennen halten muss. Ich kann noch dutzende von Metaphern für eine Beziehung nennen, aber was diese Leute euch eigentlich sagen wollen, ist: Eine Beziehung ist eine verdammt anstrengende Angelegenheit. Also erwartet keinen Streichelzoo, wenn ihr euch dieser Herausforderung stellt!

Kommentare 5

  • In vielerlei Hinsicht, leider... Und das Schlimmste ist, das sie uns Glauben machen möchte Hollywood wäre real, dabei ist der Inhalt deines Blogs realer :rolleyes:
    Nur wie viele Enttäuschungen es nach sich zieht, wenn so ein Bild der Liebe aufgestellt wird, erkennt keiner & hinterher wundert man sich, warum mehr und mehr Menschen Beziehungsunfähig sein. Ein schönes Wort im Übrigen, nicht fähig für eine Beziehung, was soll das nun wieder heissen, das sind wir doch alle, aber auf der anderen Seite wiederum nicht, da wir es immer wieder versuchen und es scheinbar doch hin & wieder klappt...
    Ach, all die gebrochenen Chibi Herzen da draussen & das alles nur wegen Hollywood & Valentinstag :rolleyes:

  • Und ich glaube das ist auch der Grund, warum Hollywood-Filme fast immer "cheesy Romance" enthalten ^^ ... "Love sells" ist da wohl das Stichwort, was wir hier suchen ;) . Was die Industrie angeht, ist Liebe kein Bestandteil der sonnigen Seite des Lebens, sondern - eine Verkaufsstrategie :D !

  • Oh... Bring mich nicht auf Ideen! Man bekommt mehr Geld durch Verliebte, sehr schön!!! ^^
    Aber, warte, das ist doch schon so, oder warum hat die Industrie sonst den Valentinstag ins Leben gerufen???

  • Warte, wir reden hier von menschlichen Reaktionen oder? Wo kommt da 'Welpenschutz' ins Spiel? Oder ist das neuer Öko-Aktivisten-Slang für 'Man bekommt mehr Spenden durch Welpen' :huh: ?

  • Mmmmh, dein Vergleich von der Wirkung von zwei Verliebten auf ihre Umwelt lässt sich im Übrigen auch auf Babys & kleine Tiere anwenden, wobei zweites eher nachzuvollziehen ist: Welpenschutz ...:rolleyes:!