Warum man ein Single sein sollte – Haben wir nicht alle ein wenig Egoismus verdient?

Nahezu jeder kennt das Gefühl oder hat zumindest es schon hundertmal in irgendwelchen Filmen, Büchern oder Serien gesehen: Liebe. Nun hört man ja immer wie toll Liebe sein soll und jeder der verliebt ist, wird einem das auch bestätigen, ABER… seien wir ehrlich, sind diese Meinungen oft nicht – befangen? Kann ein Fisch davon reden wie toll es ist eine Katze zu sein? Natürlich nicht. Daher folgt im weiteren ein unbefangenes Essay zum Thema Liebe von Morgoth oder warum die Fische nie davon reden, wie es ist von der Katze gefressen zu werden… Das letzte hat nichts mit dem Blogeintrag zu tun, aber es musste mal gesagt werden (warum auch immer :rolleyes: ...).


Es war Sommer, die Sonne schien, die Natur erstrahlte im Grün, es wurde wärmer, wesentlich wärmer, die ersten Leute hofften schon das Wetter vom kompletten Jahr vorhersehen zu können mit vagen Bauernregeln, die Bauern selber hatten (wie immer) aber keine optimale Ernte trotz dieser vielen Bauernregeln und ein junger Mann, nennen wir ihn Ulf, hatte sich verliebt. Er war Gemüseverkäufer… und damit war schon seine komplette Person geschrieben, die dementsprechend „Gemüseverkäufer“-artig war und wenn niemand damit irgendetwas verbinden konnte, lag dies daran, dass jener noch nie über Gemüseverkäufer sehr tiefsinnig nachgedacht hatte (warum auch…). Nun traf Ulf diese junge Frau, einer Frau, die jünger als er war (irgendwie musste der Mann ja seine Dominanz bemerkbar machen, mehr Lebenserfahrung zu haben war ein Weg, dies zu tun), die hübsch war… und damit war schon ihre komplette Person beschrieben – zumindest für den Mann. Und da er sich einredete, dass es Liebe auf den ersten Blick war, machte er sich nicht wirklich Gedanken über die Person der Frau, da er dank der Liebe die eh toll fand. Es war an sich mit der Persönlichkeit der Frau für den Mann so eine Art „Giraffen“-Sache, also von „groß“ zu reden anstatt von „einem verdammt überlangen Hals“ – und ja, ich weiß, manche werden denken, wo ist da der Unterschied, da ja beides stimmt, aber natürlich liegt da ein subtiler Unterschied vor, der Eindruck, dass auch schlechte Dinge einen guten Nutzen haben können, anstatt zu denken, dass gute Dinge auch einen schlechten Nutzen haben können: das ist eben Liebe.
Nun trat Ulf in das soziale Umfeld von der Frau und sprach sie sofort an, d.h. er schickte ihr eine Einladung über Facebook als er sie dort gefunden hatte und schickte ihr eine PN. Sie chatteten im Weiteren über ICQ, MSN, E-Mail und andere Wege des Chats und wurden Freunde. Irgendwann begannen sie sich auch im realen Leben zu treffen und ihre Freundschaft wurde enger und enger, der Mann immer mit dem Ziel ihr irgendwann seine Liebe zu gestehen. Und am Ende des Sommers, vier Monate nach der Facebook-Einladung gestand er ihr seine Liebe – und wurde abgelehnt. Was Ulf nämlich nicht wusste, war, dass sie in einer Fernbeziehung mit einem Kanadier war, den sie über ihren World of Warcraft Account getroffen hatte, was unser Gemüseverkäufer nicht wissen konnte, da er nicht World of Warcraft spielte. Und so endete die Geschichte von Liebe…
Hat man sich nie gefragt, was an diesem Szenario falsch ist? Ich habe es mich zumindest und meine Antwort ist: Nichts, gar nichts ist daran falsch! Und warum? Nämlich weil Liebe eines der egoistischsten Dinge überhaupt ist!
Ich weiß, ich weiß, Liebe ist Mitfühlen, Verständnis, Hilfsbereitschaft, Sympathie – aber seien wir ehrlich: Hat der Geliebte darum gebeten?! Natürlich nicht, nichtsdestotrotz wird zwanghaft, starrsinnig und unnachgiebig dem Geliebten die Liebe aufgebürdet und der Egoismus kennt keine Grenzen, denn es wird auch noch von einem ernsthaft erwartet, dass man die Liebe ERWIDERT! Wenn DAS nicht egoistisch ist, was dann?!
Aber natürlich hat die Fraktion der „Liebenden“ ihre Beispiele parat, die sogenannten ‚gut funktionierenden Beziehungen‘, diese Paare, wo man sich gegenseitig liebt und es irgendwie geschafft hat, mit den Ticks des Partners zu leben im Gegensatz dafür, dass natürlich der andere auch mit den eigenen Ticks leben kann. Natürlich zeigt dies schon das wichtigste und widersinnigste Grundprinzip einer guten Liebesbeziehung: Wegsehen.
Wenn der Mann seine antike Matchboxsammlung immer mehr ausweitet, immer kostspieligere Stücke kauft und Platz und Geld bei den Käufen ignoriert wird… Wegsehen.
Wenn die Frau sich jedes Wochenende ihre Nägel in einem Nagelpflegestudio machen lässt und sich dann beschwert, dass sie keine Gartenarbeit machen kann… Wegsehen.
Wenn der Mann den kaputten Staubsauger in der Werkstatt ansehen muss (nicht ‚will‘, er ‚muss‘…), um zu sehen, was genau kaputt ist – aber der Staubsauger die Werkstatt scheinbar nie wieder verlässt, weil der Mann meint, dass er zu genervt nach der Arbeit ist dies zu machen… Wegsehen.
Wegsehen… Darum geht es doch, das geht schon bei der Nudel im Gesicht des Gegenübers los und endet dann bei der Liebe.
Liebe ist egoistisch und die perfekte Ausdrucksform dafür, mit einer Person zu reden und gleichzeitig in Gedanken zu glauben, mit einer komplett anderen Person zu reden. Und nur in einem Rosamunde Pilcher Film stimmen Illusion und Realität überein (aber würde ein Rosamunde Pilcher tatsächlich einmal versuchen realistisch sein, würde daraus sowas wie „Matrix“ ohne Action werden, mit einer Großmutter, die zu Beginn den kompletten eh schon vorhersehbaren Plot enthüllt, Hauptcharaktern, die dann genau diesen Plot verfolgen (mit anfänglichen Zweifeln des Hauptcharakters, dass er „The One“ für die Hauptcharakterin wäre) und einem Abschlussatz von der Großmutter als Reaktion auf den Hauptcharakter: „You had to walk that path, only knowing about it doesn’t help. There’s a difference between knowing the path and walking it.“).
Und der einzige Grund, warum man mit der geliebten Person zusammenleben kann ist, dass jene Person einen genauso ignoriert wie sie selbst ignoriert wird. Eine gute Beziehung besteht auf dem unausgesprochenen Prinzip, Selbsttäuschung über die andere Person mit der Selbsttäuschung eben jener Person erwidert zu bekommen.
Dies geht schon beim ersten Date los, dieser ganze Scheinheiligkeits-Kram, den man parat haben ‚muss‘, um eines dieser „Dates“ zu überleben; akribisch sammelt man sich Reden, Floskeln zusammen, überprüft sein Erscheinungsbild und sorgt dafür, eine Person zu sein – die man nicht ist. Dieses „Sag dies und das…“ und „Du darfst dies und das nicht“ – schlicht und einfach: Verschwendung! Um was geht es bei solchen Dates? Den Oscar als bester Schauspieler zu gewinnen? Verdammt, man trifft sich, weil man ist wie man ist! Man muss nicht zu „Mr. & Mrs. Ideal“ mutieren, bloß damit man eine Person davon überzeugen kann, mit einem auszugehen. Aber macht das irgendjemand? Natürlich nicht, man redet von „Verbesserung“, von wegen „Verbesserung“… eine Mutation ist es. Ist das euch auch schon aufgefallen wie sich die meisten Leute durch eine Beziehung verändern – wozu? Hat sich irgendjemand vorher an ihnen gestört? Soll es heißen, dass man für eine Beziehung alle schlechten Angewohnheiten ablegen sollte – aber als Single ist es ok sie zu haben? Aber es gibt natürlich immer noch Scheidungen, weil irgendeiner in der Beziehung kein guter Schauspieler ist oder sich das Script nicht merken kann. Das zeigt doch nur, dass dieser ganze „Verbesserungs“-Kram und dieses ganze Gehabe mit „Was man dann und wann machen sollte, um in eine Beziehung zu kommen“ kompletter Mist ist, einerseits weil es eh niemand auf Dauer durchziehen kann und andererseits – warum auch?
Aber nun ist die zentrale Frage dieses Essays zu beantworten: Warum sollte man ein Single bleiben? Ganz einfach, weil es egoistisch ist. Was aber nun? Lieben ist egoistisch, Single sein ist egoistisch – wann sind wir denn eigentlich verdammt noch mal nicht egoistisch? Ich nehme mal an, die Antwort drängt sich einem auf wie der hartnäckige Geruch von gebratenem Fisch: Nie. Diese ganze Beziehungskiste ist immer Egoismus, egal ob man darüber redet, jemand anderen zu lieben, geliebt werden will oder davon redet, dass man Single verbleiben will.
Also warum lieber ein Single verbleiben? Drei Gründe:
1. Beziehungen sind dank der ganzen Furore, die man darum macht so verdammt komplex geworden, dass mittlerweile Leute Bücher darüber schreiben (liest die tatsächlich irgendjemand…?). Wenn du unbedingt Komplexität in deinem Leben brauchst, löse Sudokus, die sind gelöst – und bleiben gelöst. Beziehungen dagegen sind nur ein Problemherd, jeden Tag dich vor neue Probleme stellend.
2. Egoismus, besonders, wenn man mit einem anderen Egoisten auskommen muss. Liebe ist verdammt stressig, wenn es wirklich darauf ankommt mit den Massen an Egoismus umzugehen, die bei sowas im Spiel sind. Zwei Leute, die denken, dass sie alles besser als der andere wissen, was deren Bedürfnisse und Erwartungen an eine Beziehung angehen – in solchen verfluchten Situationen wünscht man sich, dass man mit einer Fernbedienung auch gelegentlich mal die Situation auf Pause, Replay und Forward stellen kann.
3. Zeit. VIEL Zeit. Man soll 24/7 mit einer anderen Person als man selbst zusammenleben. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies nicht die eigene Freizeit einschränkt ist nahezu null – und jeder der dir was anderes sagt ist ein Meister im Ignorieren.
Und schließen will ich mit den (mal wieder) passenden Worten Oscar Wildes (tu ich das nicht eh immer :whistling: …?): „To love oneself is the beginning of a life-long romance.“ (dt.: Sich selbst zu leben ist der Beginn einer lebenslangen Romanze)


Und während man darüber nachdenkt, wie viel von diesem Essay Mist und Wahrheit ist, kann man "Ulfs Song" lauschen passend zu der Story von Ulf, die ich oben geschrieben habe (Der Song heißt "Bewitched", gespielt von Luna bei einem Livekonzert in Barcelona):
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Kommentare 11

  • *runterscroll und nur einen Teil gelesen hab* Ich würd eh kein Wort verstehen. XD
    Bin aber teilweise auch der Meinung. Bis auf die Zweisamkeit, die man ab und zu braucht, ist Single sein besser. Mir gings/gehts meist so: Genau wenn ich alleine sein will, ist/war er da. Hab kein Wochenende mehr, an dem ich alleine bin. Nur letztes Wochenende einen Tag und ich muss sagen: Hab mich schon lang nicht mehr so wohl gefühlt. XD
    Liebe? Was ist das bitte? Für mich eh nur ein Instinkt, der zeigt, wir sind doch nur Tiere und verhalten uns meist in Beziehungen auch so. XD

  • *räusper* Naja, solange niemand solche Art von Wörtern im Englischunterricht oder Alltag verwendet, ich meine, es wird eh schon einen Studierten brauchen und jemanden aus Australien, damit man weiß, was die Wörter bedeuten :whistling: ...
    @ Keiko: Oh, ein wahrlich vortreffliches Beispiel, Keiko 8o ! Genau sowas meine ich :whistling: ...

  • ...und wieder eine unschuldige Seele zerstört...;)
    Morgoth , du meinst diese Sorte, die auch das Reden für einen übernehmen wollen?:rolleyes:

  • Jetzt hast du mich neugierig gemacht und ich hab's gegoogelt.

  • @ Kei: Deswegen sagte Keiko, dass die Argumentation zu negativ ist, denn alles was ich ja gemacht habe - und dies absichtlich - ist Nachteile aufgezählt, in dem Essay ist kein einziger guter Grund, warum man irgendwas machen sollte, Single sein ist nach dem Essay einfach nur das kleinere von zwei Übeln :D .
    @ Keiko: *shrug* Nach meiner Erfahrung haben einfach zu viele Leute das Talent sich in die falsche Sorte von Person zu verlieben, deshalb "Bewitched" von Luna ;) .
    Und zu Ulf...
    Ulf bedeutet: Unreliable Lackadaisical Figjam - und ich hoffe, dass keiner hier weiß, was das zweite und dritte Wort bedeuten :whistling: ...
    Natürlich ist Ulf so eine Sache... es gibt nicht DEN Ulf, jeder erfindet sich seinen Ulf selber :D .

  • verdammt nochmal, Ulf wird ja langsam ein Insider bzw. nette Kürzung ähnlich wie dau, yosh usw.. Respekt.


    aber mal wieder herrlich deine Erläuterung , und ich gebe zu ich bin und war schon immer gerne single evtl liegt es auch daran das es bisher noch keine richtige Ulf'fine gefunden habe

  • Ich seh immer noch nicht ein warum Single sein jetzt besser ist als eine Beziehung. Dann ist Liebe eben egoistisch, komplex und mehr Schein als Sein...aber verdammt nochmal nichts geht über einen warmen Körper nach dem Aufwachen neben sich ^^

  • U_L_F:
    Underestimated, lovely Friend? ^^

  • Loriot,ich wusste das mir das Szenario bekannt vorkam.Aber wenn der werte Herr Ulf ,trotz der Tatsache dass sie sich so nahe stehen ,nicht weiß ,dass seine Angebetete bereits eine Fernbeziehung hat ,wäre das doch sowieso nichts geworden.
    By the way warum eigentlich immer Ulf ?

  • Ganz ehrlich, du hast recht, auch wenn ein wenig negativ beleuchtet wird ;), so steckt "leider" ein wahrer Kern dahinter. Aber am Ende des Tages sind wir alle Egoisten auf einem Weg einen Zustand zu erreichen, von dem wir der Meinung sind er würde uns glücklich machen... Und ja, das ist egoistisch, ich denke wer das verleugnet belügt sich nur selbst.
    Loriot? ...und das Nudel-Date? Sehr hübsch!^^
    Aber, mein Lieber, es ist wieder typisch für dich ein Lied heraus zu suchen, was auf denn ersten Anschein harmlos wirkt wenn man den Text nicht kenn! :rolleyes:
    Diese masochistischen Züge kommen mir zu minderst bekannt vor & sollten auch vielen Anderen bekannt vorkommen...

  • All of a sudden, the girl of my dreams
    She never asks, she always screams
    Do you see her face, in a puddle at my feet?
    As I bend down to kiss the street
    Her sleep is troubled, her face will twitch
    She wakes up angry and I'm bewitched
    Her smile is forced, she's always late
    But she's not sorry and I capitulate
    And I'll come runnin' to her
    And I'll come runnin' to her
    ...es scheint als wäre Liebe ein Sado/Maso Spiel :rolleyes: